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So begann auch der zweite Sustainable Finance Gipfel Deutschland in Frankfurt mit einer kritischen Analyse von Joachim Faber, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Börse. „Wir reden nach wie vor enorm viel, aber es kommt einfach wenig dabei raus. Es wird wenig wirkungsorientiert diskutiert“, sagte Faber und kritisierte sowohl die Politik als auch die eigene Branche, die sich kaum bewege. Viele Papiere zum Thema, auch aus Wirtschaftskreisen, seien als Fensterrede geplant und nicht mit wirklichen Zielen hinterlegt, wie man zu mehr Nachhaltigkeit komme. Doch allmählich scheint sich der Wind zu drehen. Zum zweiten Mal veranstaltete der von der Deutschen Börse und dem Rat für Nachhaltige Entwicklung gegründete Hub for Sustainable Finance den Sustainable Finance Gipfel Deutschland – mit doppelt so viel Teilnehmenden aus Politik, Finanzwirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft wie im vergangenen Jahr. Das große Interesse scheint einen Grund zu haben: Alexander Bassen, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung, sprach vom „Damoklesschwert der Regulierung“.

EU-Aktionsplan sorgt für Action

Bassen sprach vom Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums der EU-Kommission vom März 2018. Der soll dafür sorgen, dass die EU das Pariser Klimaschutzkommen und die Agenda 2030 der Vereinten Nationen umsetzt. Bereits im Mai folgte ein Maßnahmenpaket, um den Aktionsplan umzusetzen. Zwei Punkte aus den Brüsseler Entwürfen wurden auf der Tagung in Frankfurt intensiv diskutiert: Taxonomie: Der eine sieht vor, dass sich alle EU-Staaten auf eine einheitliche Definition dessen einigen, was eine im Sinne der Umwelt nachhaltige ökonomische Aktivität ist – im Fachjargon nennt sich diese Definition Taxonomie. Sie kann später als Grundlage für ein EU-weit einheitliches Label für nachhaltige Geldanlagen fungieren, möglicherweise ähnlich dem Biosiegel für Nahrungsmittel. Dieses Klassifizierungssystem soll laut des gegenwärtigen Entwurfs der Kommission für alle Finanzmarktakteure gelten, die grüne, nachhaltige, ökologische oder ähnlich bezeichnete Finanzprodukte anbieten wollen. Seit Juni arbeitet eine Expertengruppe daran. Im ersten Schritt enthält die Taxonomie nur Umweltkriterien, jedoch noch keine sozialen und Governance-Kriterien im Sinne der Nachhaltigkeit. Am 18. Oktober findet dazu eine Expertenanhörung in Brüssel statt. Ziel der Kommission ist es, eine Fragmentierung des EU-Marktes bei grünen, ökologischen oder nachhaltigen Finanzprodukten zu verhindern, erklärte Martin Koch, Policy Officer in der DG FISMA der EU-Kommission, auf der Tagung. Es brauche einen klaren Rahmen, gerade auch für grenzüberschreitende Investitionen. Die Teilnehmenden des Sustainable Finance Gipfels diskutierten die geplante Taxonomie intensiv. Kritik gab es, weil sie nur für explizit grüne Finanzprodukte gelten soll. Das heißt, wer einen Fonds, eine Versicherung oder sonst ein Finanzprodukt nicht als nachhaltig, grün, öko oder ähnlich etikettieren will, für den ändert die Klassifizierung nichts. Sie gilt auch nur für Finanzprodukte, nicht für Firmen – so könnte also ein Konzern in Kohle investieren und dennoch ein als grün gelabeltes Finanzprodukt zur Finanzierung von Windparks auf den Markt werfen. Molly Scott Cato, die für die Green Party of England and Wales im EU-Parlament sitzt, nannte die Taxonomie zwar einen Durchbruch, den es zu feiern gelte. „Es gibt aber keine schwarze Liste, was definitiv nicht grün ist. Ohne das ist die Taxonomie nicht besonders nützlich“, kritisierte sie. Koch verteidigte die Taxonomie, sie habe sechs klare ökologische Grundprinzipien. Grüne Investitionen müssen demnach mindestens einem davon nutzen, etwa dem Schutz des Klimas, und dürfen keinem der sechs schaden, etwa dem Schutz der Meere. Levin Holle, Leiter der Finanzmarktabteilung im Bundesfinanzministerium, nannte die Taxonomie “sehr wichtig“, warnte aber vor zu viel Eile: „Wenn wir die Taxonomie einmal fehljustiert haben sollten, dann laufen wir in ein großes Risiko, vieles in die falsche Richtung zu lenken“, sagte er. Offenlegungsvorschriften: Laut Holle sind für das Bundesfinanzministerium mit Hinblick auf die knappe Zeit bis zu den EU-Wahlen in sechs Monaten zwei andere Teile der EU-Reformen dringlicher, die sogenannten low-carbon benchmarks und die Offenlegungsvorschriften zu Nachhaltigkeitsaspekten. Bei Ersteren handelt es sich um EU-weit einheitliche Maßstäbe dafür, wie klimaschädlich wirtschaftliche Aktivitäten sind, in die Investoren finanzieren – damit könnten diese ihr Geld ökologischer anlegen. Dazu kommen ebenso einheitliche Maßstäbe dafür, wie man die positive Wirkung von Investitionen in Klimaschutz misst – hier spricht man von positive carbon. Die Offenlegungsvorschriften, auf Englisch disclosures, wurden kontrovers auf der Tagung diskutiert. Sie sollen im Gegensatz zur Taxonomie nicht nur für grüne Finanzprodukte, sondern für den gesamten Finanzmarkt gelten. Dazu hat die EU-Kommission im Mai einen Entwurf vorgelegt. Die Regulierung lege die Grundlage dafür, dass Aspekte der Ökologie, des Sozialen und der Governance, kurz ESG-Kriterien, im Herz des Finanzsystems verankern werden. Sie solle zudem dabei helfen, die Wirtschaft Europas grüner und widerstandsfähiger zu machen und eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren, schreibt die EU-Kommission in dem Entwurf. Geplant ist, mehrere bestehende Richtlinien und Verordnungen zu ändern. Alle Finanzmarktakteure, die Geld für ihre Kunden verwalten – vom Risikokapitalfonds bis zur Rentenversicherung – sollen künftig verpflichtet sein, ESG-Kriterien bei allen Investitionsentscheidungen mit zu bedenken. Wie sie dies tun, darüber müssen sie ihre Kunden aufklären und regelmäßig berichten. Zudem sollen sie verpflichtet werden, Kunden stets auch darüber zu beraten, wie sich Nachhaltigkeitsaspekte auf den Wert einer Investition auswirken. „Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien gehört bei der Analyse von Chancen und Risiken von Finanzunternehmungen dazu“, sagte BMF-Vertreter Holle. Dahinter steckt die mittlerweile gesicherte Erkenntnis, dass Unternehmen oder Portfolios, die auf ESG-Kriterien achten, bei gleicher Rendite weniger Risiken aufweisen. „Was ich sehr vermisse ist, dass man diese Geschäftschance innerhalb der Finanzwirtschaft stärker sieht“, sagte Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Faber. Dieser sogenannte risk adjusted return von nachhaltigen Geldanlagen ist neben Klimaschutz und Agenda 2030 der UN der zweite Grund, warum die EU-Kommission das Thema forciert: Sie glaubt, dass ein Finanzsystem, das auf ESG-Kriterien achtet, stabiler, weil risikoärmer ist. Einer der Kritikpunkte bei den Offenlegungsvorschriften war auf der Tagung, dass eine Finanzaktivität nicht automatisch dadurch nachhaltiger wird, dass sie ESG-Kriterien in ihr Risikomanagement aufnehmen muss. Auch war vielen Zuhörenden noch völlig unklar, wie die neuen Vorgaben am Ende praktisch im Alltag etwa eines Portfoliomanagers umgesetzt werden sollen.

Kompetenzen, Primat der Politik und Bildung

Die EU-Reformen waren nicht das einzige Thema des Gipfels. Zu den Kernbotschaften der Vortragenden und Diskutanten gehörten unter anderem die folgenden: Eine Dokumentation mit den Ergebnissen des Gipfels wird in den nächsten Wochen auf der Webseite des Hub for Sustainable Finance veröffentlicht. Michael Schmidt, Leiter Asset Servicing & Alternative Investments bei Deka Investment, fasste die wohl wichtigste Erkenntnis des Gipfels am Ende so zusammen: „Der Kreis ist weiter geworden. Der Stein, der durch die EU ins Wasser geworfen wurde, zieht seine Kreise. Er geht mittlerweile weit über die von Nachhaltigkeit Beseelten hinaus“, sagte er." ["post_title"]=> string(74) "Brüssel bringt bei nachhaltiger Finanzwirtschaft Schwung nach Deutschland" ["post_excerpt"]=> string(216) "Auf dem zweiten Sustainable Finance Gipfel Deutschland zeigte sich: Nachhaltige Finanzwirtschaft hat ihr Nischendasein verlassen und ist mittlerweile Thema hierzulande. Wichtigster Treiber sind Reformen auf EU-Ebene." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(74) "bruessel-bringt-bei-nachhaltiger-finanzwirtschaft-schwung-nach-deutschland" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2018-10-16 13:33:35" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2018-10-16 11:33:35" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(42) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=11185" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [1]=> object(WP_Post)#12109 (24) { ["ID"]=> int(10603) ["post_author"]=> string(1) "5" ["post_date"]=> string(19) "2018-09-06 09:34:32" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2018-09-06 07:34:32" ["post_content"]=> string(12921) "

Frage: Im vergangenen Jahr hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) zusammen mit der Deutschen Börse den Hub for Sustainable Finance ins Leben gerufen. Akteure aus den verschiedensten Handlungsfeldern und mit unterschiedlichen Interessenlagen sitzen an einem Tisch, um ein nachhaltiges Finanzsystem umzusetzen. Wie gelingt es, sich auf gemeinsame Ziele zu verständigen?

Günther Bachmann: Es gibt keine Garantie, dass so etwas klappt. Allerdings klappt es garantiert auf keinen Fall, wenn jeder weiter alleine vor sich hinarbeitet. Mit der Deutschen Börse haben wir einen ersten Versuch unternommen, ein Gespräch zur Zukunft des Finanzsektors und der Nachhaltigkeit zu führen. Wir haben mit einem Thesenpapier begonnen, mit zehn kurzen Thesen, die beide Seiten der Medaille betreffen, Politik wie Finanzwirtschaft. Auf beiden Seiten wollen wir Routinen verändern. Damit stehen wir ganz am Anfang eines Prozesses.

Herr von Flotow, was halten Sie von dem Prozess, der da angestoßen wurde?

Paschen von Flotow: Ich und viele andere sind dankbar für die Initiative des RNE, einen solchen Multi-Stakeholder-Prozess anzustoßen. Aber ich würde bezweifeln, ob es dabei, wie Sie in Ihrer Frage formuliert haben, am Ende um einen “Tisch” geht, an dem alle sitzen. Derzeit ist das ein “Hub" von einigen Akteuren des Finanzsektors und des RNE, und die Frage, welche weiteren Akteure an den Tisch gehören, ist offen: wie die Zivilgesellschaft, vertreten durch NGOs, die Realwirtschaft, Arbeitnehmer, Wissenschaften, und last but not least, Betroffene aus Schwellen- und Entwicklungsländern in den Prozess mit eingebunden werden. Für mich ist der Hub for Sustainable Finance ein wunderbarer Start, ein Anstoß, ein offener Prozess – bei dem eben noch einige Fragen offen sind. Günther Bachmann: Da haben Sie Recht, einen so großen Tisch, um alle ranzukriegen, die mitreden müssen, gibt es gar nicht. Wir haben uns lange überlegt, wie wir die Initiative nennen wollen. Der Begriff des Hubs unterstellt, dass man von außen andocken kann. Wir wollen eben gerade kein Netzwerk sein, das nur nach innen Strukturen und Strahlkraft entwickelt. Paschen von Flotow: Wenn also ein Hub bewusst kein großer Tisch für viele Stakeholder ist, dann ist es wichtig, diese Andockstellen sichtbar zu machen. Sonst läuft der Hub Gefahr, ein selbstreferentieller Kreis zu werden, der keine Außenspiegelung erfährt und deswegen vielleicht die erforderliche Dynamik vermissen lässt.

Welche Sollbruchstellen in der Kommunikation können einen solchen Prozess gefährden?

Paschen von Flotow: Ich halte es für wichtig, den Begriff des “nachhaltigen Finanzsystems” zu klären. Viele verstehen darunter, gerade nach der Finanzkrise, Stabilität und die Vermeidung von Risiken, die sich inhärent aus dem Finanzsektor ergeben. Aber bei “Sustainable Finance” geht es zum Beispiel um die Frage, wie der Kapitalmarkt die Folgen von Klimawandel und Menschenrechtsverletzungen berücksichtigt, ganz unabhängig davon, ob diese Folgen den Finanzsektor selbst destabilisieren. Die Kosten des Klimawandels sind ja aus der Perspektive des einzelnen Investors weitgehend externalisiert; die Kosten tragen die betroffenen Menschen, auch die Versicherungswirtschaft trägt ja nur einen geringen Teil dieser Kosten beziehungsweise Risiken. Die Internalisierung dieser Risiken und Kosten erfordert politische Rahmenbedingungen auf der Ebene der Realwirtschaft. Das muss man ansprechen, sonst sehe ich das Risiko, dass der Finanzsektor den Begriff so definiert, dass er ein in sich geschlossenes System bildet – und viele Diskrepanzen, die sich aus einem Außenblick ergeben, blieben außen vor.

Wie weit ist Deutschland in Sachen Nachhaltigkeit im Finanzsektor im Vergleich mit anderen europäischen Staaten?

Paschen von Flotow: In Deutschland haben wir kaum kapitalgedeckte Pensionsfonds, Altersvorsorge läuft bei uns anders als im angelsächsischen System und in einigen weiteren Ländern. Das ist einer der wichtigsten Gründe dafür, warum die Sustainable Finance-Agenda von anderen dominiert wird: weil sie mit den großen Pensionsfonds ganz andere Player auf dem Markt haben. Betrachtet man allerdings die Realwirtschaft, dann erkennt man, dass Deutschland einen ganz erheblichen Beitrag zum Wandel und seiner Finanzierung – zum Beispiel zur Entwicklung des Marktes für erneuerbare Energien - geleistet hat. Und daran hat sich der Finanzsektor in Deutschland beteiligt. Aber einen echten Mangel sehe ich, wenn es darum geht, die früheren Phase von Innovationen zu finanzieren, etwa durch Venture Capital und Private Equity für – zum Beispiel – CleanTech. Der Fokus auf die Finanzierung von innovativen Technologien gehört meines Erachtens in die Sustainable-Finance-Agenda hinein. Günther Bachmann: Der Blick auf Start-ups und CleanTech ist mir noch zu eng. Es geht doch um den deutschen Industriestandort insgesamt. Wir haben hier Industriebereiche, die eine ganz komplexe Wertschöpfungskette haben – Wertschöpfungskette trifft es nicht, das sind ganze Wertschöpfungsuniversen. Und diese hohe Komplexität finde ich in den Ansätzen der EU nicht wieder. Was die derzeit machen, ist Klimafinanzierung und ein bisschen Recycling. Aber was wir am Industriestandort Deutschland machen, sind hochkomplexe, servicegebundene Anlagen zu nachhaltiger Produktion, die sich diesem einfachen Kettengedanken entziehen. Deshalb ist es auch eine Gestaltungsaufgabe, auf die wir hinweisen müssen, dass die deutsche Wirtschaft komplexer ist und an diesen Prozessen zur Finanzierung beteiligt werden muss. Ich sehe auch Ihren Punkt, Herr von Flotow, was CleanTech angeht – ich sage aber, die Dynamik des Green Techs kommt aus der großen Industrie. Diese Dynamik und die Nachhaltigkeit insgesamt erfordern von der Finanzindustrie ziemlich grundlegend neue Überlegungen und Lösungsansätze.

Wie könnte das konkret aussehen?

Günther Bachmann: Die Kommission ruft derzeit Experten zusammen, die die so genannte Taxonomie klären müssen, also was nachhaltiges Investment ist und was nicht. Die Kriterien, die die Kommission dabei vorgegeben hat, sind Klimaschutz, erneuerbare Energien, ein bisschen Recycling, und ansonsten die Vermeidung von Umweltverschmutzung. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Klimafinanzierungs-Agenda. Dagegen habe ich auch nichts, das ist wichtig. Aber: Wenn man sich die Textilbranche anschaut, wenn man nach Afrika schaut, oder wenn man über Plastik nachdenkt, dann sehe ich ganz viele Aufgaben, die von diesem Ansatz nicht betroffen sind. Deswegen sage ich: Da fehlt der Europäischen Union eine Klassifikation, die praktikabel und wirtschaftsnah genug ist, um die großen Transformationen dieser Welt auch wirklich in den Finanzierungsrahmen reinzubekommen. Wenn man nur Klimafinanzierung macht, macht man sich einen schmalen Fuß.

Immer wieder wird die Rolle des Verbrauchers als wichtige Einflussgröße betont, um den Markt zu verändern. Wird dessen Macht nicht überbewertet, müssen die wahren Veränderungen nicht von den institutionellen Akteuren ausgehen?

Paschen von Flotow: Der Begriff des „Verbrauchers“ ist ja ein schrecklicher Begriff. Wir benutzen ihn alle, aber er entwürdigt den, um den es geht. Es geht hier um den Bürger in seinen verschiedenen Rollen. Im Moment ist die Diskussion um Sustainable Finance eine Black Box für den Bürger, es ist ein Expertengespräch auf einer hochabstrakten Ebene. Das transparent zu machen, ist eine wichtige Aufgabe, die auf der Agenda steht. Günther Bachmann: Es stört mich, dass der Verbraucher immer entweder als Letztentscheider hochgejubelt oder als armes Häschen in die Grube versenkt wird. Ethik im Sinne von nachhaltigem Konsumieren und Produzieren ist nicht teilbar. Es gibt Fragen, die kann der Verbraucher gar nicht entscheiden, sagen wir, zur Produktion von Batteriezellen. Das muss eine Elitenentscheidung bleiben, eine politische, eine wirtschaftliche. Aber nachhaltige Geldanlage etwa gehört zu Dingen, bei denen direkt am Markt Transparenz für den Verbraucher hergestellt wird. Man muss immer genau abwägen: den Verbraucher nicht entlasten, aber ihm auch nicht zu viel zumuten.

Sehen Sie Veränderung im Verbraucherverhalten?

Günther Bachmann: Doch, es bewegt sich in den vergangenen Jahren auf Nachhaltigkeit zu. Klar, es könnte mehr sein, aber wir sehen Bewegung. Dazu gehört aber auch, dass der Staat sich seiner Aufgabe stellt: Er darf sich nicht zurückziehen und bei Verbraucherfragen nicht eingreifen. Ich bin im Gegenteil der Meinung, da muss von staatlicher Seite eingegriffen werden, da kann gestaltet werden, durch Transparenz, Offenheit und Ermutigung von anderen Verbrauchsmustern bis hin zur Sharing Economy. Aber auf politischer Seite müssen noch viele Lerneffekte erzielt werden, bis man zu einer nachhaltigen Verbraucherpolitik kommt.

Immer wieder wird gesagt, dass es auch wirtschaftlich gesehen auf lange Sicht Sinn ergibt, nachhaltig anzulegen – dass langfristigen Erfolg nur derjenige haben kann, der nachhaltig wirtschaftet. Ist diese Logik für Finanzmarktakteure überhaupt nachvollziehbar, über das Lippenbekenntnis hinaus?

Günther Bachmann: Ich werde niemanden auf der Welt mit einem reinen Profitversprechen von nachhaltiger Entwicklung überzeugen. Das ist ein normatives, ein ethisches Konzept, und wenn man damit auch Geld verdienen kann: wunderbar. Aber das darf nicht das ausschließliche oder entscheidende Kriterium sein. Unser Leitmotiv kann doch nicht sein, dass man sich ein paar Zahlen zur finanziellen Performance zurecht rechnet. Die Frage lautet vielmehr: Wie können wir diesen Planeten mit neun Milliarden Menschen lebensfähig halten? Paschen von Flotow: Sie haben am Anfang unseres Gesprächs gesagt, es gehe darum, neue Routinen zu entwickeln. Dafür braucht es Diskussionsraum und auch Investoren. Am Anfang ist so etwas immer schwierig. Aber wenn der Hub dieses Ziel im Auge behält, dann ist viel gewonnen. Es geht eben gerade nicht darum, nur einen neuen Standard zu entwickeln, der dann unverändert für die Zukunft gilt, sondern es geht darum, immer wieder Dynamik entstehen zu lassen, den Prozess am Laufen zu halten und neue Kompetenzen zu entwickeln. Wir dürfen trotz allem nicht vergessen: Der Innovationsprozess der letzten zwanzig Jahre zeigt, dass die Integration von ökologischen, ethischen und sozialen Kriterien (ESG-Kriterien) in die Investitionsentscheidungen etwas auslöst, zumindest ein Nachdenken in den Unternehmen und innerhalb des Finanzsektors. Es ist wichtig, das weiter voranzutreiben. Und dazu ist eine starke zivilgesellschaftliche Beteiligung erforderlich. Das Gespräch moderierte Carolyn Braun.   [breaking-news title=] Günther Bachmann Günther Bachmann ist Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und koordiniert dessen Arbeit. Der promovierte Landschaftsplaner hat zuvor das Fachgebiet Bodenschutz im Umweltbundesamt geleitet. Er ist Vorsitzender der Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises sowie des Next Economy Awards. Seine Honorarprofessur hat ihm die Leuphana Universität Lüneburg verliehen. In wissenschaftlichen Beiräten, Stiftungen und in internationalen Netzwerken sowie als in seiner Funktion als RNE-Generalsekretär treibt er mit Impulsen und Initiativen das Nachhaltigkeitsdenken in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft voran. Paschen von Flotow Paschen von Flotow ist Geschäftsführender Vorsitzender des Sustainable Business Institute (SBI). Er hat in Freiburg, Köln und St. Gallen Volkswirtschaftslehre und Philosophie studiert und an der Hochschule St. Gallen über Geld- und Wachstumstheorie (Georg Simmels „Philosophie des Geldes“, Suhrkamp 1995) promoviert. Seit 1987 setzt er sich für nachhaltiges Wirtschaften ein und forscht und berät dabei unter anderem zu Themen des nachhaltigen Wirtschaftens im Finanzsektor. Er hat eine Reihe von Nicht-Regierungsorganisationen im Bereich des nachhaltigen Wirtschaftens initiiert und unterstützt und ist Herausgeber der Plattform www.nachhaltiges-investment.org. Von 2015 bis 2018 war Paschen von Flotow Mitglied des Vorstands des Deutschen Netzwerks für Wirtschaftsethik (DNWE). [/breaking-news]" ["post_title"]=> string(36) "„Wir wollen Routinen verändern”" ["post_excerpt"]=> string(334) "Ist der Finanzmarkt bereit und in der Lage, auch ethische, ökologische und soziale Kriterien in seine Entscheidungsprozesse einzubeziehen? Ein Gespräch über einen nachhaltigen Wandel zwischen Paschen von Flotow, Geschäftsführender Vorsitzender des Sustainable Business Institute (SBI), und RNE-Generalsekretär Günther Bachmann." 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Klimaschutz und Nachhaltigkeit stärker in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) zu verankern: Das hatte die Tagung zum Ziel, zu der der RNE zusammen mit der Verbraucherzentrale Bremen und dem WWF am 29. Mai nach Berlin eingeladen hatte. Bei der bAV handelt es sich keineswegs um eine Nische an den Kapitalmärkten, das machte Heribert Karch, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba) und Metallrente-Geschäftsführer, in seiner Keynote klar: Immerhin 575 Milliarden Euro verwalteten die Anbieter im Jahr 2015 in Deutschland. Und so hatten sich rund 60 Interessierte trotz sommerlicher Hitze in der Berliner Stadtmission zusammengefunden, um den Keynotes, Vorträgen und Panel-Diskussionen von Interessenvertretern aus Politik, von Verbänden und NGOs zuzuhören. 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Betriebliche Altersversorgung: Hoher Aufklärungsbedarf

Auf die Begrüßung durch Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, folgte aba-Vorstandvorsitzender Heribert Karch, der zu dem Schluss kam: „Die bAV kann kein Trendsetter sein, aber sie kann Trends aufnehmen.” RNE-Mitglied Alexander Bassen verwies in seiner Einführung auf das Potenzial des Hub for Sustainable Finance, die Initiative des RNE und der Deutschen Börse AG, die seit Sommer 2017 gemeinsam daran arbeiten, ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten im Finanzsektor zu koordinieren und weiter voranzutreiben: „Der Hub bietet eine Plattform für weitere Akteure und Initiativen, die zu einem nachhaltigen Finanzsystem in Deutschland beitragen wollen”, erläuterte er. Für Mitorganisatorin Ulrike Brendel, Leiterin des Projekts „Gut fürs Geld, gut fürs Klima" bei der Verbraucherzentrale Bremen, besteht bei dem Thema weiterhin erheblicher Aufklärungsbedarf. Viele Menschen hätten zwar schon einmal von einem ethisch-ökologischen Investmentfonds oder einer Nachhaltigkeitsbank gehört. Weniger bekannt hingegen sei, dass „auch bei der Anlage der bAV-Beiträge ethische, soziale oder ökologische Kriterien eine Rolle spielen können”. Positiv bewertet sie, dass die Anbieter schon seit über 15 Jahren dazu verpflichtet seien, im Rahmen des Versicherungsaufsichtsgesetzes Angaben darüber zu machen, ob und wie sie ethische, soziale und ökologische Belange berücksichtigen. Auf der bAV-Tagung hatten eine Reihe von Praxisbeispielen den aktuellen Stand dieser Berichtspflicht und deren Beitrag zu mehr Transparenz illustriert.

Auswirkungen der EbAV-II unklar

Intensiv diskutierten die Teilnehmenden auch über eine europäische Richtlinie zu den Tätigkeiten und der Beaufsichtigung von Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung, die EbAV II, die bis zum Januar 2019 in deutsches Recht gegossen werden muss. Mittlerweile liegt der Referentenentwurf für die nationale Umsetzung der Richtlinie vor. Im Rahmen eines öffentlichen Konsultationsprozesses wurde er den Verbänden und weiteren Stakeholdern mit der Aufforderung zur Kommentierung zugeschickt. Der RNE bittet in seiner Stellungnahme in dem Gesetzentwurf unter anderem vorzusehen, dass Versicherungsunternehmen über ein Nachhaltigkeitsmanagement im Sinne des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) sowie insbesondere ein wirksames internes Kontrollsystem verfügen müssen. Außerdem weist er darauf hin, dass sich neue Risiken, etwa im Kontext des Klimawandels, vor allem aus nicht nachhaltiger Entwicklung von Naturgütern, Sachwerten und Sozialkapital ergeben. Einblicke in die Logik der Richtlinie bot der Vortrag der Hamburger Rechtsanwältin Heidi Pätzold von der Hamburger Kanzlei r.hs, in dem sie auf eine Reihe von Fallstricken in der europäischen Richtlinie hinwies. Trotz aller Widersprüche kommt jedoch auch Pätzold zu dem Schluss, dass der Prozess, Nachhaltigkeit im Finanzwesen zu verankern, gerade massiv Fahrt aufnehme. [links] [link to="https://www.nachhaltigkeitsrat.de/aktuelles/pensionskassen-tun-gut-daran-ihre-anlagepolitik-nachhaltig-auszurichten/"]„Pensionskassen tun gut daran, ihre Anlagepolitik nachhaltig auszurichten” - Interview mit Rechtsanwältin Heidi Pätzold von der Hamburger Kanzlei r.hs [/link] [/links] „Die Veranstaltung hat gezeigt, dass einige Anbieter beim Thema nachhaltige Kapitalanlagen sehr engagiert sind und entsprechende Anlagekriterien berücksichtigen”, sagt Verbraucherschützerin Brendel. Sie seien Best Practice-Beispiele, die zeigten, was möglich, aber weiterhin die Ausnahme sei. Zwar setze sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass ESG-Faktoren bei der Risikoanalyse berücksichtigt werden müssten – allerdings noch nicht flächendeckend: „Umso gespannter schauen alle Akteure auf die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen zur Sustainable Finance.” Brendel zielt damit auf die ersten Gesetzgebungsvorschläge zum Thema ab, die im Mai auf den Weg gebracht wurden, beruhend auf dem nachhaltigen Aktionsplan der EU-Kommission aus dem März dieses Jahres." ["post_title"]=> string(52) "Betriebsrenten und Nachhaltigkeit: Kein Nischenthema" ["post_excerpt"]=> string(248) "Kann ein Umdenken bei der betrieblichen Altersvorsorge dazu beitragen, ESG-Kriterien an den Kapitalmärkten zu verankern? Und wie wahrscheinlich ist ein solches Umdenken? Eine Tagung von WWF, Verbraucherzentrale Bremen und RNE fand erste Antworten." 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ISS-oekom gibt Unternehmen bessere Noten

ISS-oekom wiederum stellt fest, dass Unternehmen in Industrieländern im fünften Jahr in Folge nachhaltiger wirtschaften. Sie schneiden immer besser ab, betrachtet man ihre Leistungen im Umweltbereich, bei Sozialstandards und in der verantwortungsvollen Unternehmensführung, kurz CSR vom englischen Corporate Social Responsibility. Von 3.800 von ISS-oekom untersuchten Unternehmen erzielen 43,6 Prozent moderate CSR-Ratings, das sind erstmals mehr als die Unternehmen, die schlecht abschneiden. Alles erfreulich, aber auch hier sei der Wandel zu langsam: „Wenn es in dem Tempo weitergeht, dann sind wir in 100 Jahren durch“, sagt Pex. Hinzu kommt eine dritte positive Entwicklung: Mittlerweile veröffentlichen deutschlandweit 360 Unternehmen Berichte nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex, rund ein Drittel kam erst seit Anfang des Jahres hinzu. Das Wachstum hängt mit politischer Regulierung zusammen: Seit dem Geschäftsjahr 2017 gibt es eine EU-weite CSR-Berichtspflicht für Unternehmen ab einer bestimmten Größe. Trotz allem scheint eine Grundsatzfrage noch lange nicht beantwortet, die Alexander Bassen stellte, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung: „Wie gestalte ich einen Kapitalmarkt, der nachhaltig ist? Geht das überhaupt?“, fragt er. Das Thema Sustainable Finance habe sich vor allem auf europäischer Ebene dynamisch entwickelt. Erst im März hat die EU-Kommission ihren Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen vorgelegt und am 24. Mai erste Schritte zur Umsetzung präsentiert – etwa einen Vorschlag, wie künftig der CO2-Fußabdruck von Unternehmen einheitlich gemessen werden kann. In Deutschland versucht der im vergangenen Jahr von der Deutschen Börse und dem Rat für Nachhaltige Entwicklung gegründete Hub for Sustainable Finance (H4SF), die verschiedenen Initiativen und Akteure zu vernetzen.

Grünes im Immobiliensektor

Wie wichtig solche politischen Vorgaben wie die der EU sind, zeigt Thies Grothe, der als Abteilungsleiter Grundsatzfragen der Immobilienpolitik beim ZIA, dem Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, auch für Nachhaltigkeit zuständig ist. Beim ZIA schaue man genau auf die Reformen aus Brüssel. Die hätten massiven Einfluss auf die Bewertung und Finanzkraft von Immobilien. Noch allerdings gebe es beim Verband keine Zahlen, wie die Mitglieder mit Nachhaltigkeit umgehen. „Aber wir hören immer häufiger, dass Investoren nach grünen Bausteinen im Rahmen eines Investments nachfragen – und etwa wissen wollen, welche Rohstoffe in einer Immobilie verbaut werden.“ Woran es insgesamt fehlt, um die Wirtschaft und Finanzmärkte schnell genug auf einen nachhaltigen Pfad zu bringen, dazu gab es verschiedene Ansichten. Neben der immer wieder geäußerten Kritik, in Deutschland nehme die Politik das Thema Sustainable Finance nicht wichtig genug, gab es aus dem Publikum auch neue Ideen. So regte eine Zuschauerin an, die Akteure im H4SF sollten sich mit Graswurzelbewegungen wie Fossil Free und anderen Kampagnen vernetzen, die Druck machen, dass öffentliche Gelder nicht mehr in fossile Energien investiert werden. Ein anderer zeigte sich überrascht, dass der Fokus der Arbeit immer noch auf der traditionellen Finanzwirtschaft liege. „Wer weiß, ob die Deutsche Bank in fünf Jahren noch existiert“, so das Statement. Er verwies auf Alternativen wie Crowdfunding, das Revival der Genossenschaften und Startups im Finanzsektor, die mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz die Branche umkrempeln könnten. Eine andere Zuhörerin verwies auf die über 1.000 Bürgerenergiegenossenschaften in Deutschland und die globale Gemeinwohlökonomie als potentielle Verbündete. Ein anderer Zuhörer monierte, das Thema Sustainable Finance würde in der Zivilgesellschaft auf fast kein Interesse stoßen – was auch fehlenden politischen Reformwillen in Deutschland mit erkläre. Pex hatte dazu auch Zahlen: 91 Prozent des Volumens nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland sind öffentliche Gelder, nur neun Prozent privat. „Nachhaltiges Investieren ist weiterhin kaum im Privatgeschäft angekommen – leider“, sagte Pex. Das Thema Sustinable Finance geht also alle an, nicht nur Wirtschaft und Politik." ["post_title"]=> string(58) "Was der nachhaltigen Finanzwirtschaft in Deutschland fehlt" ["post_excerpt"]=> string(330) "Die Nachhaltige Finanzwirtschaft in Deutschland wächst immer schneller und dennoch zu langsam, berichteten Expertinnen und Experten auf der Jahreskonferenz des RNE. Schneller könnte es gehen, wenn nicht nur Politik und Wirtschaft aktiver werden – sondern die vielen Akteure aus der Zivilgesellschaft besser eingebunden werden." 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Mai 2018 – Die Deutsche Börse AG und der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) lancieren mit www.h4sf.de gemeinsam eine neue Plattform für den Hub for Sustainable Finance in Deutschland (H4SF). Die neue Webseite sammelt Beiträge und Standpunkte von Marktakteuren, Experten und Kritikern zu einer nachhaltigen Entwicklung des Finanzsystems. Sie bietet eine Plattform für konstruktive Beiträge und Veranstaltungen rund um Sustainable Finance. Zur Mitwirkung eingeladen sind Die Form, in der an Beiträgen gearbeitet wird, ist frei wählbar, sollten jedoch bisherige Aktivitäten erweitern. Denkbar sind Initiativen, die Wissen im eigenen Haus, im Verband, in der Branche, in der Region vertiefen oder verbreitern, neues Bewusstsein schaffen oder neues Wissen generieren, das die Argumentationsgrundlage für Nachhaltigkeit im Kapitalmarkt verbessert. „Wir laden Mitstreiter aus allen Bereichen dazu ein, Fakten für Sustainable Finance zu schaffen. 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Weitere Informationen zum Nachhaltigkeitsengagement der Gruppe Deutsche Börse finden Sie unter: http://deutsche-boerse.com/dbg-de/nachhaltigkeit. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung ist ein Beratungsgremium der Bundesregierung und macht u.a. Vorschläge für die Umsetzung und Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Seine Aufgabe ist es, konkrete Handlungsfelder zu benennen und die öffentliche Diskussion über Nachhaltigkeit zu fördern. Nachhaltige Finanzwirtschaft stellt im aktuellen Arbeitsprogramm des RNE einen Schwerpunkt dar. Weitere Informationen zum Rat für Nachhaltige Entwicklung unter www.nachhaltigkeitsrat.de.

Ansprechpartner für die Medien:

Deutsche Börse AG Leticia Adam leticia.adam@deutsche-boerse.com Telefon: +49 69 2 11 1 2766 Rat für Nachhaltige Entwicklung Katja Tamchina katja.tamchina@nachhaltigkeitsrat.de Telefon: 030/338424-233" ["post_title"]=> string(128) "Transformation der Finanzwirtschaft: Deutsche Börse AG und Rat für Nachhaltige Entwicklung gründen zentrale Internetplattform" ["post_excerpt"]=> string(0) "" ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(127) "transformation-der-finanzwirtschaft-deutsche-boerse-ag-und-rat-fuer-nachhaltige-entwicklung-gruenden-zentrale-internetplattform" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2018-05-28 15:12:32" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2018-05-28 13:12:32" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(41) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=9228" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [5]=> object(WP_Post)#12226 (24) { ["ID"]=> int(8881) ["post_author"]=> string(1) "5" ["post_date"]=> string(19) "2018-05-07 14:10:13" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2018-05-07 12:10:13" ["post_content"]=> string(9429) "Deutschland muss in Sachen nachhaltige Finanzwirtschaft mehr tun und sichtbarer werden, so das Fazit vieler Rednerinnen und Redner während eines parlamentarischen Abends in Berlin. Organisiert vom Hub for Sustainable Finance (H4SF), initiiert von der Deutschen Börse und dem Rat für Nachhaltige Entwicklung trafen Finanzexperten, NGOs und Politiker zusammen, um das Thema auf der Agenda im politischen Berlin zu platzieren. Hintergrund ist, dass die EU-Kommission im März eine Strategie für ein nachhaltiges Finanzsystem in Europa vorgelegt hat. „Das derzeitige Investitionsniveau reicht nicht aus, um ein ökologisch und sozial nachhaltiges Wirtschaftssystem zu unterstützen“, schreibt die Kommission darin. Jährlich fehlten 180 bis 270 Milliarden Euro an Investitionen. Dem Aktionsplan vorangegangen war ein Bericht einer hochrangigen Expertengruppe für ein nachhaltiges Finanzsystem. Die Initiative fußt auf dem Weltklimavertrag von Paris, der in Artikel 2 unter anderem vorsieht, dass „die Finanzmittelflüsse in Einklang gebracht werden mit einem Weg hin zu einer hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarmen und gegenüber Klimaänderungen widerstandsfähigen Entwicklung“. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) begrüßt in einer Stellungnahme die Initiative. „Die EU-Kommission skizziert in ihrem Aktionsplan einen Weg in den Kern des Kapitalmarktes, in den Kern unternehmerischer Prozesse und der Geschäftspraxis von Finanzmarktakteuren“, schreibt der RNE, vermisst aber gleichzeitig wichtige Elemente. Unter anderem müssten die Instrumente so gestaltet werden, dass sie auch für kleine und mittlere Unternehmen anwendbar seien. Das Politikfeld Sustainable Finance sollte darüber hinaus auch mit der neuen Berichtspflicht betrachtet werden, die seit Anfang des Jahres zu deutlich mehr Berichterstattung hinsichtlich der Integration von Nachhaltigkeit bei Finanzmarktakteuren beiträgt. Wie steht Deutschland in Sachen Sustainable Finance da? Karsten Löffler vom Sustainable Finance Cluster Frankfurt drückte es in Berlin so aus: „Wir sind nicht diejenigen, die ganz vorn sind. 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Neuneyer ist Mitautor einer Roadmap für Deutschland von PRI, die Vorschläge macht, wie in der gesamten Investitionskette – von der Investitionsanalyse bis zum Unternehmen, in das investiert wird – langfristige Werttreiber wie Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environmental, Social und Governance Aspekte, ESG) einfließen können. Laut Neuneyer ist es nach geltendem Recht nicht nur möglich, sondern sogar geboten, ESG-Kriterien zu berücksichtigen. „Dennoch stehen wir vor dem Problem, dass ESG-Kriterien nicht systematisch berücksichtigt werden, sondern geradezu systematisch nicht berücksichtigt werden“, kritisiert er. Er schlägt vor, dass deshalb das Versicherungsaufsichtsgesetz und das Kapitalanlagegesetzbuch im Hinblick auf eine systematische Prüfung von Nachhaltigkeitsaspekten konkretisiert werden müssten. Michael Schmidt hat als Mitglied der Geschäftsführung Deka Investment in der EU-Expertengruppe für nachhaltige Finanzwirtschaft mitgearbeitet. Für ihn kommt der Finanzindustrie eine Schlüsselrolle hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu, doch das allein reiche nicht: Ein koordinierter Politikansatz sei nötig, damit konsistente Anreiz- und Preissignale an alle Wirtschaftsakteure gesendet werden. Denn: Realwirtschaft, Politik und Finanzsektor müssten bei der Transformation ineinandergreifen. „Nachhaltigkeit und nachhaltige Finanzwirtschaft sind dabei ein Standortfaktor und ein Wettbewerbsfaktor, nicht nur für den Finanzplatz Deutschland, sondern für den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland“, sagte er. Sabine Pex, Vorstand des Forums für Nachhaltige Geldanlagen (FNG), sieht bei nachhaltigen Geldanlagen derzeit echte Fortschritte. „Lange Zeit war das Thema eine Nische“, sagte sie. Es habe eine begrenzte Anzahl an Produkten und Investoren gegeben, kaum Standardisierung und Akteure, die aus einer Werteorientierung heraus gehandelt haben. „Das ändert sich gerade. 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Die neue Bundesregierung habe jetzt ein Zeitfenster, in dem es zu handeln gelte. Als Beispiel nannte er das geplante EU-weite Klassifikationssystem zur Definition nachhaltiger Geldanlagen. „Das ist sehr technisch, aber wenn es keinen klaren Rahmencharakter bekommt, sondern einfache Positivliste wird, wird man nicht glücklich werden“, sagte er. Ralf Frank, Geschäftsführer und Generalsekretär des Berufsverbandes der Investment Professionals in Deutschland, ging auf die Rolle der Digitalisierung ein und darauf, dass Nachhaltigkeit auch eine Frage der Motivation der Anlagemanager sei. „Eine Zinkmine in Afrika gibt einen Green Bond aus, um Umweltschäden zu beheben: Ist das Nachhaltigkeit oder nicht? Ich würde sagen, das liegt in der Motivation des Anlegers“, sagte er. Frank glaubt, dass es bereits heute genug Daten gibt, damit Anlagemanager entscheiden können, was eine nachhaltige Anlage ist. 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Gastgeberin Kristina Jeromin, Head of Group Sustainability bei der Deutschen Börse, drückte es so aus: „Den Dialog zu Sustainable Finance zwischen Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, der Zivilgesellschaft und der Finanzindustrie zielführend voranzutreiben, ist eine der Prioritäten des Hub for Sustainable Finance.“ Diesen Dialog auf einer Plattform sichtbar zu machen, dazu laden RNE und Deutsche Börse auf der neuen Projektwebsite ein. Dort können interessierte Akteure aus dem Finanzmarkt, Wissenschaft und Zivilgesellschaft ihre Beiträge zu den zehn Thesen für eine nachhaltige Finanzwirtschaft einreichen. Die Website soll durch die Beiträge der Akteure zur zentralen Seite für Sustainable Finance in Deutschland werden, die Diskussion und das Wissen über unterschiedliche Ansätze und Herangehensweisen im Themenfeld fördert und verbreitet." 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Wie kommt das? Michael Schmidt: Dafür gibt es drei Erklärungen: Die erste ist die Wertpapierkultur, die bei den deutschen Anlegern generell noch nicht weit entwickelt ist. Sie wissen wenig über die Zusammenhänge von Finanzsystem und Gesamtwirtschaft und damit auch über Nachhaltigkeit in diesem Bereich. Man kauft hierzulande zwar Bio, ist von der Energiewende überzeugt, achtet auf die Herkunft von Produkten und setzt sich Solaranlagen aufs Dach. Aber das Interesse dafür, wie Finanzentscheidungen wirken, ist gering. Liegt es also an der Nachfrage der Kunden? Nein, nicht nur. Der zweite Punkt sind institutionelle Anleger, also etwa Stiftungen, Pensionskassen, Versicherungen und Anlagemanager. Zu viele sehen nach wie vor einen Konflikt zwischen dem magischen Dreieck von Rendite, Sicherheit und Liquidität – und dem Aspekt Nachhaltigkeit, der diese Ziele vermeintlich gefährdet. Da gibt es teilweise Berührungsängste, Wissenslücken und einen Mangel an Bewusstsein. Also sollte aus dem magischen Dreieck ein Viereck werden? Nachhaltigkeitsaspekte sollten integraler Bestandteil von Rendite, Sicherheit und Liquidität sein. Man könnte aber auch ein magisches Viereck definieren. Da kann es dann durchaus Zielkonflikte geben, etwa zwischen Nachhaltigkeit und Liquidität. Wenn man beispielsweise in langfristige, nachhaltige Projekte investiert, dann kann man diese nicht einfach am nächsten Tag wieder verkaufen, sie sind also nicht liquide. Schließt man zu viele Investitionen aus, kann es auch zu einem Zielkonflikt zwischen Nachhaltigkeit und Rendite kommen. Deshalb sollte Nachhaltigkeit bei vielen institutionellen Anlegern aber nicht von vorn herein ausgeschlossen werden. Denn gleichzeitig zeigen viele Studien, dass sich die risikojustierte Rendite oft sogar verbessert, wenn man Nachhaltigkeitsaspekte mit einbezieht. Und der dritte Punkt? Die Vorbildfunktion des Staates bei der Anlage öffentlicher Gelder fehlt in Deutschland komplett. Da sind etwa Norwegen oder Frankreich viel weiter. Viele der Debatten haben sich in der Vergangenheit wiederholt. Was wird nun anders beim ersten Sustainable Finance Gipfel am 23. Oktober? Das beantwortet sich schon am Titel: „Sustainable Finance Gipfel Deutschland“. Erstmals reden wir über alle Themen der Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft. Nicht über einzelne Produkte, die neben der Finanzwirtschaft existieren, sondern um Grundsätzliches im System. Wir haben konkrete Empfehlungspapiere – den Zwischenbericht der High Level Expert Group on Sustainable Finance der EU-Kommission, die PRI Roadmap für Deutschland, das living document Sustainable Finance des Rates für Nachhaltige Entwicklung und die Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures des Finanzstabilitätsrates der G20-Staaten. Aber es gibt doch Vorbehalte in der Branche? Es gibt Berührungsängste, vor allem zwischen der Zivilgesellschaft und der Finanzindustrie sowie der Politik und der Finanzindustrie. Diese wollen wir abbauen. Vorschläge des Rates für Nachhaltige Entwicklung sind in der Finanzindustrie bisher mit Vorsicht betrachtet worden. Entscheidend ist, dass wir ein gemeinsames Thema haben. Vieles, was es an Vorschlägen zur nachhaltigen Finanzwirtschaft gibt, kommt von internationalen Organisationen. Da konnte man in Deutschland bisher bequem sagen: Na, warten wir mal ab. Jetzt wollen wir zeigen, wie relevant das Thema für Deutschland ist. Was muss denn die nächste Bundesregierung leisten? Nicht von ungefähr haben wir den Gipfel jetzt angesetzt. Wir haben zehn Thesen, viele davon richten sich klar an die Bundesregierung. Eine etwa lautet, dass wir Anreize auf der realwirtschaftlichen Seite brauchen. Die Finanzindustrie kann allokieren und verstärken, aber letztlich werden die Ziele zum Klimawandel oder zur Agenda 2030 nur in Produktionsprozessen, Produktentwicklungen und Infrastrukturprojekten konkret. Dafür muss die Politik den Rahmen setzen. Stichwort Regierungsbildung: Wenn die Partei der Ökologie mit der Partei der Wirtschaft in einer Koalition sind – wäre das im Sinne der Nachhaltigkeit? Absolut. Eine Jamaika-Koalition könnte Wirtschaft und Ökologie versöhnen. Das ist eine Riesenchance für die nachhaltige Finanzwirtschaft. Der Steuerungskreis des Hub empfiehlt die Aufnahme der nachhaltigen Finanzwirtschaft in die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie. Welche Wirkung versprechen Sie sich davon? Mehr Verbindlichkeit und konkrete Ansätze. Deutschland hat sich der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und den Klimazielen von Paris verpflichtet. Doch die Finanzierungslücke, um die Ziele zu erreichen, ist groß, wir brauchen deshalb alle Akteure – Politik, Realwirtschaft und Finanzwirtschaft –, um sie zu schließen. Deutschland erreicht nicht einmal die Klimaziele 2020, deshalb muss nachhaltige Finanzwirtschaft ein klarer Fokus werden. Kooperiert der Hub denn mit ähnlichen Initiativen? Erst kürzlich haben beispielsweise zehn internationale Finanzzentren ein Programm für eine nachhaltige Finanzwirtschaft gestartet. Wir sind aufgeschlossen, was das angeht und mit verschiedenen Initiativen im Gespräch. Von außen hat man oft den Eindruck, nachhaltige Finanzwirtschaft ist angedockt, aber nicht im Kern der Märkte angekommen. Wie sieht denn Ihre Erfahrung aus der Praxis aus? Ihre Beobachtung ist sicherlich richtig. Aber das gilt für Nachhaltigkeit und Wirtschaft generell. Noch haben wir eine getrennte Nachhaltigkeits- und Finanzberichterstattung. Zudem existieren in der Finanzwirtschaft nachhaltige und normale Produkte nebeneinander. Diese Stränge müssen verbunden werden. Nachhaltigkeit muss im Kern des Finanzsystems ankommen. Gibt es Widerstände in der Finanzbranche? Auf emotionaler oder gar persönlicher Ebene gibt es keinen Widerstand. Klar gibt es den einen oder anderen, der das Thema belächelt. Oft gibt es noch ein falsches Verständnis zur eigenen Rolle, Verpflichtungen und Zielen. Generell ist die Finanzwirtschaft auf genau messbare Größen angewiesen und da gibt es noch systemische Probleme. Außerdem sind durch die Finanzmarktregulierung der vergangenen Jahre Widersprüchlichkeiten zwischen Regulierung und Nachhaltigkeitszielen gefördert worden. Zum Beispiel? Nehmen wir Liquidität. Die Regulierung legt großen Wert auf kurzfristige Realisierung von Vermögensgegenständen. Das führt zu kurzfristigen Anlagen mit geringem Risiko. Nachhaltige Investments brauchen aber oft langfristige, illiquide Anlagen mit einer erhöhten Risikoübernahme, wenn es etwa um Innovationen geht. Oder nehmen Sie Aktien: Sie sind ein sehr teures Anlagegut für Versicherer, weil sie mit besonders viel Eigenkapital unterlegt werden müssen. Das ist Unsinn. Aktien sind für längerfristige Investitionen die beste Wahl. Das wird aber nicht verstanden. Aber eine Lockerung der Finanzmarktregulierung würde doch nicht sicherstellen, dass Investoren auch in nachhaltige Unternehmen investieren. Es geht um Folgendes: Aktionäre haben ein Eigentumsrecht und damit die Pflicht, sich auch bei Themen der Nachhaltigkeit in einem Unternehmen einzumischen. Institutionelle Anleger können ganz gezielt über die Vorstände und Aufsichtsräte auf einen Wandel in Unternehmen drängen, etwa um Klimaziele zu erreichen. Wir bei Deka Investment verfolgen diesen Ansatz und engagieren uns aktiv als Anwalt der Anleger. Aber um Einfluss nehmen zu können, muss ich als Aktionär das Unternehmen auch langfristig begleiten. Wie wichtig sind denn "stranded assets", um den Rest der Branche zu überzeugen? Also die Idee, dass Anlagen in CO2-intensive Firmen schnell an Wert verlieren werden? Es ist ein wichtiges Argument. In der Tat besteht die Gefahr, dass die Bewertung fossiler Rohstoffreserven und Produktionsmittel in den Bilanzen nicht mehr korrekt sind. 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Es kann sonst der Effekt eintreten, dass sich alle von bestimmten Unternehmen komplett verabschieden und damit soziale Probleme entstehen, wenn Arbeitsplätze betroffen sind. Man kann nicht das eine Nachhaltigkeitsziel einem anderen gegenüber bevorzugen. Aber natürlich drängt die Zeit. Wir fordern von jedem Unternehmen eine klare Klimastrategie. Gibt es bereits einen Risikoaufschlag, also höhere Zinsen, wenn ein Unternehmen bei Nachhaltigkeitsthemen schwach ist? Sind die Modelle schon da? Da muss noch Arbeit geleistet werden. Studien legen nahe, dass Nachhaltigkeit in der Risikoprämie integriert sein muss. Aber wir können das noch nicht genau quantifizieren. Die Datenverfügbarkeit und die Wissenschaft entwickeln sich jedoch rasant weiter. Wo stehen wir in dem Prozess hin zu einer nachhaltigen Finanzwirtschaft? Es sieht aus, als ob wir noch ganz am Anfang sind. Das würde ich so nicht sehen. Aber ja, wir brauchen einen langen Atem, denn wir haben hier eine weitere Evolutionsstufe vor uns. Natürlich drängt die Zeit wegen der Brisanz des Klimawandels. Aber die zehn Thesen des Hub-Steuerungskreises sind nicht einfach nette Visionen. Sie sind konkret und können jederzeit umgesetzt werden. Finanzmärkte brauchen ewiges Wachstum, eine nachhaltige Wirtschaft weiß um die Grenzen des Wachstums. Ist dieser fundamentale Widerspruch überhaupt jemals aufzulösen? Ich glaube, der Mensch ist als neugieriges Wesen auf Wachstum ausgelegt. Deshalb widerspreche ich der These. Dass es Grenzen bei einigen Formen des Wachstums gibt, das würde ich unterschreiben. Wir werden beispielsweise nicht mehr über fossile, rohstoffbasierte Produktionsmethoden und Produkte wachsen, sondern durch intellektuelles Kapital und moderne Technologien." 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Für ihn haben vor allem die Akteure dieser Märkte einen wichtigen Hebel in der Hand. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Steuerungskreises des Hub for Sustainable Finance (H4SF) hat Bassen nun zehn Thesen für eine nachhaltige Finanzwirtschaft erarbeitet, die der Steuerungskreis am 27. September in Berlin vorstellte. Grundlage für das Papier sind der Interimsbericht der High Level Expert Group on Sustainable Finance der EU-Kommission, die PRI Roadmap für Deutschland, das living document Sustainable Finance des Rates für Nachhaltige Entwicklung, welches der Rat seit März fortschreibt, die Zielsetzung der Accelerating Sustainable Finance Initiative der Deutschen Börse und die Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures des Finanzstabilitätsrates. Bundesregierung soll nachhaltige Investments fördern und fordern Vor allem die Politik sehen die Experten in der Pflicht. Ihr komme eine impulssetzende Rolle als Gestalterin zu, die sie bislang noch nicht ausreichend wahrnehme, heißt es gleich zu Beginn des Thesenpapiers. Der Finanzsektor und die ihm zukommende Verantwortung seien im Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie unterrepräsentiert. Vice versa fehle auf Seiten der Finanzmarktakteure eine branchenspezifische Erörterung ihrer Beiträge, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Bassen fordert die künftige Bundesregierung auf, das Thema in der Nachhaltigkeitsstrategie zu verankern. Damit könne die Interaktion zwischen Kapitalmarkt und Politik gestärkt werden, so das RNE-Ratsmitglied. Der politische Rahmen für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft spielt eine zentrale Rolle. Dies betont auch Kristina Jeromin, Head of Group Sustainability bei der Deutschen Börse. „Nachhaltiges Finanzieren rückt zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Aber wenn wir uns die Realität anschauen, dann sind solche Investitionen leider noch nicht an der Tagesordnung“, sagt Jeromin. Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen seien zwar wertvoll und gut. „Aber der Markt muss sie auch nutzen.“ Im Hub for Sustainable Finance sollen konkrete Instrumente entwickelt, aber auch Aspekte der Regulierung sowie die Verzahnung von Politik und Wirtschaft beleuchtet und vorangetrieben werden. „Das grundsätzliche Verständnis über Nachhaltigkeitsaspekte als wichtige Indikatoren für Risiken, aber auch als mögliche Chancen für Geschäftsmodelle muss sich ändern“, sagt Jeromin. „Diese sind keine Zugangssperre zum Markt, sondern sollten selbstverständlicher Teil von Unternehmertum und Investitionsstrategien werden.“ Nachhaltigkeitskriterien kein Hemmnis für Investitionen Den Vorstoß und die Handlungsempfehlungen hält auch Steuerungskreismitglied Michael Schmidt für notwendig. Der Finanzexperte ist Geschäftsführer der Deka Investment und Mitglied der High-Level Expert Group on Sustainable Finance der EU-Kommission. Vor allem im EU-Vergleich hinke Deutschland beim Thema nachhaltige Finanzwirtschaft hinterher, sagt Schmidt. Während Staaten wie Großbritannien oder Frankreich sich mit zahlreichen Entsandten an der Expertengruppe der EU-Kommission beteiligten, ist Schmidt der einzige Vertreter aus Deutschland. „Zu viele Akteure in den Finanzmärkten sehen Nachhaltigkeitskriterien immer noch als Einschränkung ihrer Zielsetzungen – vollkommen zu Unrecht“, sagt Schmidt. Vielmehr sei es lohnend und gehöre zur treuhänderischen Verantwortung, Nachhaltigkeit im sogenannten magischen Dreieck von Rendite, Risiko und Liquidität explizit und systematisch zu berücksichtigen. Mit den Sustainable Development Goals (SDGs) hat sich die Weltgemeinschaft dazu verpflichtet, Armut zu bekämpfen, die Umwelt zu schützen und Nachhaltigkeitsaspekte in allen Lebensbereichen und Entscheidungen in den Fokus zu rücken. Für Dustin Neuneyer, Head of Continental Europe von PRI Principles for Responsible Investment, geht es vor allem um die Frage, wie der Finanzsektor die UN-Nachhaltigkeitsziele umsetzen kann – auch in Deutschland. In den vergangenen elf Jahren haben mehr als 1.800 Unterstützer die PRI-Initiative unterzeichnet, ein ursprünglich von den Vereinten Nationen initiiertes Projekt. Damit ist rund die Hälfte der weltweit verfügbaren Gelder abgedeckt. Dies bedeutet aber nicht zugleich, dass die Hälfte aller Investitionen nach Nachhaltigkeitskriterien erfolgt. Auch Neuneyer bestätigt, Deutschland sei bei der nachhaltigen Finanzwirtschaft noch „unterentwickelt“. Das liege auch an der deutschen Gründlichkeit. „Man will 100prozentige Lösungen“, sagt Neuneyer. „Doch die Dinge sind komplex und sie erfordern den Mut, anzufangen und Teillösungen zu akzeptieren.“ Debatte über Agenda für nachhaltige Finanzwirtschaft vorantreiben An Beispielen, die zeigen, wie dringend der Einsatz von Kapitalgebern und Unternehmen gefordert ist, um nachhaltiges Wirtschaften voranzutreiben, mangelt es nicht. Der Diesel-Skandal um gefälschte Abgaswerte zählt dazu oder der Brand auf der Bohrplattform Deep Water Horizon 2010. Die dadurch ausgelöste Ölpest hatte verheerende Folgen für das Ökosystem des Meeres. Wie geht es weiter mit den zehn Thesen für eine nachhaltige Finanzwirtschaft? Welche Weichen müssen gestellt werden? Am 23. Oktober wollen die Mitglieder des Hub for Sustainable Finance ihre Ideen weiter diskutieren. Bei dem „Sustainable Finance Gipfel Deutschland“ in Frankfurt kommen Politikvertreter/-innen, Wirtschafts- und Finanzexpert/-innen, Investor/-innen und Wissenschaftler/-innen zusammen. Das Bundesfinanzministerium hat die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir kommt, um ein Grußwort zu halten. Ziel der Veranstaltung ist es, die wichtigsten Aspekte für eine Agenda nachhaltiger Finanzwirtschaft in Deutschland aufzustellen und die Politik darauf aufmerksam zu machen. Aufgrund des großen Interesses ist die Veranstaltung bereits ausgebucht. Für alle Interessierten steht am 23.10.17 für die gesamte Dauer der Veranstaltung von 9 bis 18 Uhr ein Livestream auf www.h4sf.de zur Verfügung." ["post_title"]=> string(74) "Wie man eine nachhaltige Finanzwirtschaft in Deutschland vorantreiben kann" ["post_excerpt"]=> string(316) "Nachhaltigkeitskriterien finden bei Investoren, Unternehmen oder Kapitalgebern noch zu wenig Beachtung. 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Oktober in Frankfurt Frankfurt / Berlin, 06.09.2017 – Die Deutsche Börse AG und der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) haben am Mittwoch eine strategische Zusammenarbeit im Bereich nachhaltiger Finanzwirtschaft bekannt gegeben. Die Partner werden darin ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten im Finanzsektor koordinieren und weiter vorantreiben. Dabei werden sie sich mit Aspekten der Regulierung, marktgerechten Instrumenten und Kriterien auseinandersetzen, die eine nachhaltige Entwicklung des Finanzsystems fördern. Die gemeinsamen Aktivitäten der Deutschen Börse und des Rates für Nachhaltige Entwicklung werden in einem Steuerungskreis für einen so genannten Hub for Sustainable Finance (H4SF) koordiniert und weiterentwickelt. 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Oktober in Frankfurt ein „Sustainable Finance Gipfel Deutschland“ des Hub for Sustainable Finance im Hause der DVFA, Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management, statt. Hier sollen die wesentlichen Aspekte des Interimsberichts der High-Level Expert Group on Sustainable Finance der EU vom Juli diskutiert werden, der ebenso wie ein Diskussionspapier des RNE zur nachhaltigen Finanzwirtschaft noch bis Mitte September kommentiert werden kann. Das Expertengremium der EU gibt in seinem Zwischenbericht die wesentlichen Eckpfeiler zur Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien für die Mitgliedsstaaten vor. Dazu zählen Aspekte wie Systemstabilität der Finanzmärkte im Hinblick auf Umweltrisiken, die Finanzierung von nachhaltigem Wachstum und die Umsetzung in finanzpolitische Rahmenbedingungen. Zielsetzung der Veranstaltung ist, zentrale Thesen für eine Agenda nachhaltiger Finanzwirtschaft in Deutschland zu diskutieren. 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Ziel ist es, mit vereinter Expertise nachhaltige Lösungen und neue Strukturen für den Kapitalmarkt zu entwickeln. Mit der „Frankfurter Erklärung“, der mittlerweile 44 Unterzeichner angehören, bezeugen die Akteure ihre Absicht, Rahmenbedingungen einer nachhaltigen Finanzwirtschaft zu definieren und verschiedene Initiativen und Projekte anzustoßen. Diese werden aktuell in Projektgruppen ausgearbeitet. Eine Folgekonferenz ist für Anfang 2018 vorgesehen. Weitere Informationen zum Nachhaltigkeitsengagement der Gruppe Deutsche Börse finden Sie unter: http://deutsche-boerse.com/dbg-de/nachhaltigkeit Der Rat für Nachhaltige Entwicklung ist ein Beratungsgremium der Bundesregierung und macht u.a. Vorschläge für die Umsetzung und Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Seine Aufgabe ist es, konkrete Handlungsfelder zu benennen und die öffentliche Diskussion über Nachhaltigkeit zu fördern. 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Ansprechpartner für die Medien

Deutsche Börse AG Leticia Adam Leticia.adam@deutsche-boerse.com +49 69 2 11 1 2766 Rat für Nachhaltige Entwicklung Katja Tamchina katja.tamchina@nachhaltigkeitsrat.de Telefon: 030/338424-233" ["post_title"]=> string(111) "Deutsche Börse und Rat für Nachhaltige Entwicklung beschließen Kooperation für nachhaltige Finanzwirtschaft" ["post_excerpt"]=> string(0) "" ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(4) "open" ["ping_status"]=> string(4) "open" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(111) "deutsche-boerse-und-rat-fuer-nachhaltige-entwicklung-beschliessen-kooperation-fuer-nachhaltige-finanzwirtschaft" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2018-01-04 12:08:29" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2018-01-04 11:08:29" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(40) "http://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=3887" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [9]=> object(WP_Post)#12440 (24) { ["ID"]=> int(2356) ["post_author"]=> string(1) "5" ["post_date"]=> string(19) "2017-06-23 08:08:58" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2017-06-23 06:08:58" ["post_content"]=> string(5423) "

Mit einem Fachgespräch hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) die Diskussion um die Entwicklung einer nachhaltigen Finanzwirtschaft in Deutschland weiter angeschoben. Am 12. Juni hatte der Rat Expertinnen und Experten eingeladen, um einen offenen Austausch über die Ideen und Thesen eines im März publizierten “living documents” zum Thema zu ermöglichen.

Die Perspektive der Auftaktveranstaltung war dem Thema entsprechend breit angelegt. Die Anwesenden kamen aus Politik, Finanzindustrie und Zivilgesellschaft: Vertreterinnen und Vertreter des Bundesumwelt- und des Bundesfinanzministeriums sowie des Landes Nordrhein-Westfalen, aus Banken und anderen Finanzinstitutionen, den Bereichen Verbraucherschutz, Impact Investing und verschiedener finanzmarktnaher Non-Profit-Organisationen trafen in Berlin zusammen. Unter anderem nahm mit Michael Schmidt, Geschäftsführer der Deka Investment GmbH, ein Mitglied der „High-Level Expert Group on Sustainable Finance“ der EU teil. Er berichtete vom Diskussionsstand auf europäischer Ebene. Eine seiner Erkenntnisse: Andere Länder seien deutlich aktiver, wenn es darum gehe, die EU-Regulierung einer nachhaltigen Finanzwirtschaft mitzugestalten.

Kristina Jeromin von der Deutschen Börse informierte über den Stand der “Accelerating Sustainable Finance Initiative”, die die Deutsche Börse Ende Mai gemeinsam mit wichtigen Akteuren des Finanzplatzes Frankfurt gestartet hat. Die Initiative hat zum Ziel, den Finanzmarkt nachhaltiger zu gestalten. Mit der „Frankfurter Erklärung“ bezeugen die Unterzeichner ihre Absicht, Rahmenbedingungen einer nachhaltigen Finanzwirtschaft zu definieren und verschiedene Initiativen am Finanzplatz Frankfurt anzustoßen. Der Nachhaltigkeitsrat gehört zu den Unterzeichnern.

Wer übernimmt die Initiative?

Erste Anstöße, neuen Schwung in die Debatte über Co-Regulierungsprozesse für nachhaltige Finanzwirtschaft in Deutschland zu bringen, hatte der RNE bereits vor einigen Monaten gegeben – zunächst noch unter dem Schlagwort “Green Finance”. Im aktuellen Arbeitsprogramm des Rates liegt auf dem Thema ein Schwerpunkt. Das ehemalige Ratsmitglied Achim Steiner, seit dem 19. Juni Leiter des UN-Entwicklungsprogrammes (UNDP), und Ratsmitglied Alexander Bassen, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg, hatten dazu gemeinsam mit RNE-Generalsekretär Bachmann ein als “living document” angelegtes Diskussionspapier erstellt, das auch die Grundlage für das aktuelle Fachgespräch bot.

Das Papier war seit März 2017 bereits unter anderem auf der PAGE-Konferenz, im Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung und auf der RNE-Jahreskonferenz präsentiert worden. Ein zentraler Gedanke darin: in Deutschland einen “Hub for Sustainable Finance” zu gründen, über den die vielen Akteure zusammenarbeiten können. “Ein wichtiger Schritt auf dem Weg dahin war das Expertengespräch ”, sagte Alexander Bassen , als er die zentralen Ergebnisse der Veranstaltung zusammenfasste.

Im ersten Schritt ging es darum, eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu schaffen: Die Ergebnisse der Runde dienen dazu, das “living document" zu konkretisieren, zu verbessern und zu ergänzen, einige Probleme klarer zu definieren und mögliche Hebel zu prüfen, um das Thema weiter vorantreiben zu können. Die Frage, wer in den kommenden Monaten am besten die Initiative ergreifen sollte, wurde diskutiert und wird Gegenstand weiterer Gespräche mit verschiedenen Akteuren in den nächsten Wochen sein.

Wie Sie sich am öffentlichen Dialog beteiligen können

Im Nachgang an das Fachgespräch wurde das Diskussionspapiers weiterentwickelt. Die neue Fassung vom 22.06.2017 ist auf der Webseite des RNE veröffentlicht, Interessierte sind herzlich eingeladen, diese in einer Konsultationsphase bis zum 15. September zu kommentieren und aus ihrer jeweiligen Perspektive konstruktiv weiterzuentwickeln. Stellungnahmen können bis zum Ablauf der Frist mit dem Betreff „living document Sustainable Finance“ an Yvonne Zwick (yvonne.zwick@nachhaltigkeitsrat.de) gesandt werden.

Gleichzeitig wird der RNE das Gespräch mit Vertretern der Deutschen Börse suchen, um die parallel laufenden Initiativen der beiden Organisationen zusammenzubringen. Wie Alexander Bassen in seinem Fazit am Ende des Tages sagte: „Wir haben uns im 'living document' ehrgeizige Ziele gesetzt. Wenn es uns gelingt, einen Hub auf den Weg zu bringen, der die verschiedenen Kompetenzen und Interessen bündelt, wird er die Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit der Kapitalmärkte langfristig begleiten und vorantreiben."

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EU-Aktionsplan sorgt für Action

Bassen sprach vom Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums der EU-Kommission vom März 2018. Der soll dafür sorgen, dass die EU das Pariser Klimaschutzkommen und die Agenda 2030 der Vereinten Nationen umsetzt. Bereits im Mai folgte ein Maßnahmenpaket, um den Aktionsplan umzusetzen. Zwei Punkte aus den Brüsseler Entwürfen wurden auf der Tagung in Frankfurt intensiv diskutiert: Taxonomie: Der eine sieht vor, dass sich alle EU-Staaten auf eine einheitliche Definition dessen einigen, was eine im Sinne der Umwelt nachhaltige ökonomische Aktivität ist – im Fachjargon nennt sich diese Definition Taxonomie. Sie kann später als Grundlage für ein EU-weit einheitliches Label für nachhaltige Geldanlagen fungieren, möglicherweise ähnlich dem Biosiegel für Nahrungsmittel. Dieses Klassifizierungssystem soll laut des gegenwärtigen Entwurfs der Kommission für alle Finanzmarktakteure gelten, die grüne, nachhaltige, ökologische oder ähnlich bezeichnete Finanzprodukte anbieten wollen. Seit Juni arbeitet eine Expertengruppe daran. Im ersten Schritt enthält die Taxonomie nur Umweltkriterien, jedoch noch keine sozialen und Governance-Kriterien im Sinne der Nachhaltigkeit. Am 18. Oktober findet dazu eine Expertenanhörung in Brüssel statt. Ziel der Kommission ist es, eine Fragmentierung des EU-Marktes bei grünen, ökologischen oder nachhaltigen Finanzprodukten zu verhindern, erklärte Martin Koch, Policy Officer in der DG FISMA der EU-Kommission, auf der Tagung. Es brauche einen klaren Rahmen, gerade auch für grenzüberschreitende Investitionen. Die Teilnehmenden des Sustainable Finance Gipfels diskutierten die geplante Taxonomie intensiv. Kritik gab es, weil sie nur für explizit grüne Finanzprodukte gelten soll. Das heißt, wer einen Fonds, eine Versicherung oder sonst ein Finanzprodukt nicht als nachhaltig, grün, öko oder ähnlich etikettieren will, für den ändert die Klassifizierung nichts. Sie gilt auch nur für Finanzprodukte, nicht für Firmen – so könnte also ein Konzern in Kohle investieren und dennoch ein als grün gelabeltes Finanzprodukt zur Finanzierung von Windparks auf den Markt werfen. Molly Scott Cato, die für die Green Party of England and Wales im EU-Parlament sitzt, nannte die Taxonomie zwar einen Durchbruch, den es zu feiern gelte. „Es gibt aber keine schwarze Liste, was definitiv nicht grün ist. Ohne das ist die Taxonomie nicht besonders nützlich“, kritisierte sie. Koch verteidigte die Taxonomie, sie habe sechs klare ökologische Grundprinzipien. Grüne Investitionen müssen demnach mindestens einem davon nutzen, etwa dem Schutz des Klimas, und dürfen keinem der sechs schaden, etwa dem Schutz der Meere. Levin Holle, Leiter der Finanzmarktabteilung im Bundesfinanzministerium, nannte die Taxonomie “sehr wichtig“, warnte aber vor zu viel Eile: „Wenn wir die Taxonomie einmal fehljustiert haben sollten, dann laufen wir in ein großes Risiko, vieles in die falsche Richtung zu lenken“, sagte er. Offenlegungsvorschriften: Laut Holle sind für das Bundesfinanzministerium mit Hinblick auf die knappe Zeit bis zu den EU-Wahlen in sechs Monaten zwei andere Teile der EU-Reformen dringlicher, die sogenannten low-carbon benchmarks und die Offenlegungsvorschriften zu Nachhaltigkeitsaspekten. Bei Ersteren handelt es sich um EU-weit einheitliche Maßstäbe dafür, wie klimaschädlich wirtschaftliche Aktivitäten sind, in die Investoren finanzieren – damit könnten diese ihr Geld ökologischer anlegen. Dazu kommen ebenso einheitliche Maßstäbe dafür, wie man die positive Wirkung von Investitionen in Klimaschutz misst – hier spricht man von positive carbon. Die Offenlegungsvorschriften, auf Englisch disclosures, wurden kontrovers auf der Tagung diskutiert. Sie sollen im Gegensatz zur Taxonomie nicht nur für grüne Finanzprodukte, sondern für den gesamten Finanzmarkt gelten. Dazu hat die EU-Kommission im Mai einen Entwurf vorgelegt. Die Regulierung lege die Grundlage dafür, dass Aspekte der Ökologie, des Sozialen und der Governance, kurz ESG-Kriterien, im Herz des Finanzsystems verankern werden. Sie solle zudem dabei helfen, die Wirtschaft Europas grüner und widerstandsfähiger zu machen und eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren, schreibt die EU-Kommission in dem Entwurf. Geplant ist, mehrere bestehende Richtlinien und Verordnungen zu ändern. Alle Finanzmarktakteure, die Geld für ihre Kunden verwalten – vom Risikokapitalfonds bis zur Rentenversicherung – sollen künftig verpflichtet sein, ESG-Kriterien bei allen Investitionsentscheidungen mit zu bedenken. Wie sie dies tun, darüber müssen sie ihre Kunden aufklären und regelmäßig berichten. 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Einer der Kritikpunkte bei den Offenlegungsvorschriften war auf der Tagung, dass eine Finanzaktivität nicht automatisch dadurch nachhaltiger wird, dass sie ESG-Kriterien in ihr Risikomanagement aufnehmen muss. Auch war vielen Zuhörenden noch völlig unklar, wie die neuen Vorgaben am Ende praktisch im Alltag etwa eines Portfoliomanagers umgesetzt werden sollen.

Kompetenzen, Primat der Politik und Bildung

Die EU-Reformen waren nicht das einzige Thema des Gipfels. Zu den Kernbotschaften der Vortragenden und Diskutanten gehörten unter anderem die folgenden: Eine Dokumentation mit den Ergebnissen des Gipfels wird in den nächsten Wochen auf der Webseite des Hub for Sustainable Finance veröffentlicht. Michael Schmidt, Leiter Asset Servicing & Alternative Investments bei Deka Investment, fasste die wohl wichtigste Erkenntnis des Gipfels am Ende so zusammen: „Der Kreis ist weiter geworden. Der Stein, der durch die EU ins Wasser geworfen wurde, zieht seine Kreise. Er geht mittlerweile weit über die von Nachhaltigkeit Beseelten hinaus“, sagte er." ["post_title"]=> string(74) "Brüssel bringt bei nachhaltiger Finanzwirtschaft Schwung nach Deutschland" ["post_excerpt"]=> string(216) "Auf dem zweiten Sustainable Finance Gipfel Deutschland zeigte sich: Nachhaltige Finanzwirtschaft hat ihr Nischendasein verlassen und ist mittlerweile Thema hierzulande. Wichtigster Treiber sind Reformen auf EU-Ebene." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(74) "bruessel-bringt-bei-nachhaltiger-finanzwirtschaft-schwung-nach-deutschland" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2018-10-16 13:33:35" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2018-10-16 11:33:35" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(42) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=11185" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } ["comment_count"]=> int(0) ["current_comment"]=> int(-1) ["found_posts"]=> string(2) "10" ["max_num_pages"]=> float(1) ["max_num_comment_pages"]=> int(0) ["is_single"]=> bool(false) ["is_preview"]=> bool(false) ["is_page"]=> bool(false) ["is_archive"]=> bool(true) ["is_date"]=> bool(false) ["is_year"]=> bool(false) ["is_month"]=> bool(false) ["is_day"]=> bool(false) ["is_time"]=> bool(false) ["is_author"]=> bool(false) ["is_category"]=> bool(false) ["is_tag"]=> bool(true) ["is_tax"]=> bool(false) ["is_search"]=> bool(false) ["is_feed"]=> bool(false) ["is_comment_feed"]=> bool(false) ["is_trackback"]=> bool(false) ["is_home"]=> bool(false) ["is_404"]=> bool(false) ["is_embed"]=> bool(false) ["is_paged"]=> bool(false) ["is_admin"]=> bool(false) ["is_attachment"]=> bool(false) ["is_singular"]=> bool(false) ["is_robots"]=> bool(false) ["is_posts_page"]=> bool(false) ["is_post_type_archive"]=> bool(false) ["query_vars_hash":"WP_Query":private]=> string(32) "e782cbc8ab3b709f09ccb650350462b2" ["query_vars_changed":"WP_Query":private]=> bool(false) ["thumbnails_cached"]=> bool(false) ["stopwords":"WP_Query":private]=> NULL ["compat_fields":"WP_Query":private]=> array(2) { [0]=> string(15) "query_vars_hash" [1]=> string(18) "query_vars_changed" } ["compat_methods":"WP_Query":private]=> array(2) { [0]=> string(16) "init_query_flags" [1]=> string(15) "parse_tax_query" } }