Klimawandel und Energiewende

Das Klimaschutzabkommen von Paris nimmt sich vor, die globale Erderwärmung auf „deutlich unter zwei Grad“ zu begrenzen. Zudem sollen Anstrengungen unternommen werden, 1,5 Grad zu schaffen, um die negativen Folgen des Klimawandels einzuschränken. Das setzt eine Reduktion von Treibhausgasemissionen voraus, die alles Bisherige in den Schatten stellt. Deutschland will deshalb bis 2050 klimaneutral werden, die EU strebt das ebenfalls an.

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Die globale Erwärmung durch eine gesellschaftliche Transformation begrenzen

Herausforderung Klimawandel

Die gefährlichen Auswirkungen des Klimawandels können die Weltgemeinschaft stärker prägen als alles andere. Das sogenannte 1,5- bzw. 2-Grad-Ziel ist ein wichtiger Konsens. Über dieser Schwelle gilt die Wahrscheinlichkeit als zu hoch, dass sich die Klimaerwärmung selbst und irreversibel verstärkt, weil unter anderem Permafrostböden auftauen oder der Salzgehalt der Ozeane sinkt. 50 bis 700 Millionen Menschen könnten laut des Weltbiodiversitätsrates durch einen ungebremsten Klimawandel ihre Lebensgrundlage verlieren. Vertreibung, kriegerische Konflikte und Flucht wären die Folgen. Tier- und Pflanzenarten droht – mehr noch als heute – das Aussterben.

Maßnahmen für den Klimaschutz

189 von 197 Vertragsparteien (196 Staaten und die EU) haben das Abkommen von Paris ratifiziert (Stand Juni 2020). Die USA haben ihren Ausstieg beschlossen, am 4. November 2020 verlässt der nach China zweitgrößte CO2-Emittent der Welt offiziell das Paris-Abkommen.

Das sieht vor, dass jeder Staat erklärt, was er für den Klimaschutz tun will. Diese sogenannten national festgelegten Beiträge (oft wird die englische Abkürzung NDC verwendet) beinhalten sehr spezifische und unterschiedliche Maßnahmen. Nepal etwa will gegen Entwaldung vorgehen. Chile verspricht, Solar- und Windenergie auszubauen. Ob der freiwillige Ansatz des Paris-Abkommens wirklich greift und wirksam ist, muss sich erst noch zeigen.

Mit dem European Green Deal wurden erste Impulse gesetzt. Insbesondere im Energie-, Mobilitäts- und Gebäudebereich bedarf es aber weiterer systematischer Veränderungen und Anreize, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Die EU strebt gemeinschaftlich minus 40 Prozent Treibhausgase bis 2030 im Vergleich zu 1990 an, die Kommission und viele Staaten wollen die Ziele auf 50 bis 55 Prozent erhöhen. Deutschland wollte die 40 Prozent schon 2020 erreichen, 2019 waren es 35 Prozent. Alle fünf Jahre müssen die Vertragsparteien des Paris-Abkommens neue, ambitioniertere Ziele an die Vereinten Nationen übermitteln, also bis Ende 2020 das erste Mal. Das ist auch nötig, denn die NDCs verfehlen bisher die 2-Grad-Zielstellung selbst dann, wenn sie – was fraglich ist – eingehalten werden. Das Paris-Abkommen sieht außerdem vor, Entwicklungsländern bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Die Industriestaaten haben sich verpflichtet, dafür ab 2020 jährlich aus öffentlichen und privaten Mitteln 100 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen. Außerdem sollen die Finanzmärkte so umgestaltet werden, dass sie der Einhaltung der Klimaziele dienen. Wie, daran arbeitet der Sustainable Finance Beirat der Bundesregierung. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung stieß die Debatte 2017 bis 2019 mit dem Hub for Sustainable Finance an.

Klimaziele in Deutschland

Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssen nicht nur die Energiewirtschaft, sondern auch die Landwirtschaft, die Industrie, der Verkehr und der Gebäudesektor ihre Emissionen deutlich senken. Wie sehr, das regelt Deutschland mit dem Klimaschutzgesetz von Dezember 2019. Es sieht vor, die CO2-Emissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent zu senken, das Ziel ist in einzelne Sektoren unterteilt. Im Verkehrsbereich etwa sollen die Emissionen von 150 auf 95 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent im Jahr sinken. 2050 will Deutschland klimaneutral sein.

Herausforderungen

Zu den großen Herausforderungen gehören eine suffiziente Nutzung von Strom, der Netzausbau, die Speicherung von Strom, der Vollzug des Kohleausstiegs, die Mobilitäts- und Agrarwende sowie der Umbau der Industrieproduktion und die Kopplung der Sektoren Wärme, Mobilität und Stromversorgung. Die Bundesregierung will dazu Wasserstoff als Energieträger etablieren. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) fordert, dies konsequenter, schneller und internationaler als bisher umzusetzen. Für den RNE sind bei der Transformation auch soziale Aspekte und Verteilungsgerechtigkeit wichtig. Kerngedanke der Ratsarbeit ist, Nachhaltigkeit in einem größeren Kontext zu sehen – die Energiewende ist ein Aspekt einer generellen Transformation. Vor diesem Hintergrund verbindet der RNE auch mit der deutschen EU-Ratspräsidentschaft große Erwartungen und fordert, dass alle europäischen Mitgliedsstaaten den Weg aus der Krise am Leitprinzip der Nachhaltigkeit ausrichten sollten.

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