RNE-Stellungnahme zum entschlossenen Umbau des Energiesystems – Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit stärken

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung empfiehlt ein sektorübergreifendes Elektrifizierungsziel und einen zügigen Ausbau der Energieinfrastruktur.

Sonnenuntergang hinter der Silhouette von vielen Strommasten

© magnific.com/evening_tao

Berlin, 15. September 2026Ein modernes Energiesystem ist eine zentrale Grundlage für industrielle Wertschöpfung, gesellschaftliche Stabilität und die Handlungsfähigkeit Deutschlands. In seiner Stellungnahme unterstreicht der RNE, dass bei der bereits anlaufenden Modernisierung Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz zusammen gedacht werden müssen.

Im Zentrum der Modernisierung steht für den RNE: Wo immer möglich, soll die Energieversorgung elektrifiziert werden. Wo das nicht möglich ist, sollen klimaschonende Energieträger wie Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe und Biogas zum Einsatz kommen. Der Rat empfiehlt deshalb ein sektorübergreifendes Elektrifizierungsziel. Es soll eine klare Orientierung für den Umbau des Energiesystems geben und Investitionen in die notwendige Infrastruktur erleichtern.

Netze und erneuerbare Energien schneller ausbauen

Wind- und Solarenergie sollen die schnell skalierbare und kosteneffiziente Grundlage des künftigen Stromsystems bilden. Wo es technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, sollte Energie direkt als Strom genutzt werden – etwa für Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge oder industrielle Prozesswärme. Zum Ausgleich von Schwankungen sind mittlerweile marktreife Speicherlösungen intelligent in die Netze zu integrieren.

„Entscheidend ist der zeitlich und räumlich koordinierte Ausbau der Infrastruktur“, sagt der RNE-Vorsitzende Gerald H. Haug, „Stromnetze, die Erzeugung erneuerbarer Energien, das Wasserstoffkernnetz und eine CO2-Infrastruktur müssen zusammen geplant werden. Dazu braucht es schnellere Genehmigungsverfahren, eine sichere Finanzierung und Investitionsanreize. Wichtig sind zudem eine frühzeitige Beteiligung vor Ort, naturverträgliche Trassenführungen und eine faire Verteilung der Lasten.“

Auch beim Wasserstoff sieht der RNE dringenden Handlungsbedarf

Das geplante Wasserstoffkernnetz mit mehr als 9.000 Kilometern ist ein zentraler Baustein des Energiesystems der Zukunft. Industrie und Energiewirtschaft sollten frühzeitig auf Wasserstoff vorbereitet sein. Das schafft Planungssicherheit und verhindert, dass heute getätigte Investitionen schon bald wieder angepasst werden müssen.

Eine Mehrheit der RNE-Mitglieder hält zudem den Auf- bzw. Ausbau einer CO2-Infrastruktur für nachweislich unvermeidbare industrielle Emissionen für erforderlich. Dabei muss die Vermeidung und Reduktion von Emissionen weiter Vorrang haben. Um zu klären, wie mit den verbleibenden CO2-Emissionen umgegangen werden soll, braucht es mehr Forschung und eine sachliche Debatte auf Grundlage belastbarer Daten.

Investitionen in die Energieinfrastruktur absichern

Für die Modernisierung der Energieinfrastruktur werden bis 2030 mehr als 400 Milliarden Euro an Investitionen erwartet. Der RNE hält diese Investitionen für notwendig und richtig: Sie schaffen die Grundlage für ein leistungsfähiges und krisenfestes Energiesystem und helfen, Deutschland unabhängiger von künftig teuren Importen fossiler Energieträger zu machen.

Damit diese Investitionen tatsächlich mobilisiert werden, braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen, stabile Regeln und passende Anreize. Nur so können insbesondere private und institutionelle Anleger die nötige Sicherheit für langfristige Investitionen gewinnen.

Gleichzeitig müssen die strukturell hohen Energiepreise in Deutschland sinken. Der RNE spricht sich deshalb für eine Reform der Netzentgelte, gezielte Entlastungen für Haushalte und wettbewerbsfähige Strompreise für die Industrie aus.

Energiewende als gemeinsame Aufgabe

Der Umbau des Energiesystems muss gesellschaftlich breit getragen werden. Daher darf er nicht als unfaire Zumutung, sondern muss als Projekt wirtschaftlicher Erneuerung und strategischer Freiheit verstanden werden. Dazu gehört auch, die Kosten des Wandels fair zu verteilen: Beschäftigte, besonders betroffene Branchen und einkommensschwache Haushalte sowie Regionen im Strukturwandel sollten bei der Transformation unterstützt werden.

Eine resiliente, umweltverträgliche und bezahlbare Energieversorgung aus zunehmend heimischen und verlässlichen Quellen stärkt die wirtschaftliche und politische Handlungsfähigkeit Deutschlands. Klimaneutralität ist deshalb nicht nur ein ökologisches Ziel, sondern auch ein Beitrag zu Frieden, Souveränität, Stabilität und langfristigem Wohlstand.

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