Direkt zum Inhalt springen

"Die Städte werden in Zukunft noch stärker Zentren technologischer und gesellschaftlicher Innovationen sein. Umso wichtiger sind die Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung unserer Städte."

Prof. Dr. Wolfgang Schuster, Mitglied des Rates

Nachhaltigkeit - Der nächste Schritt. 10 Jahre nach Rio, 100 Tage vor Johannesburg

2. Jahreskonferenz des Rates

2. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung

13. Mai 2002
Ehem. Staatsratsgebäude
Schlossplatz, Berlin-Mitte

Nachhaltigkeitsrat zieht Bilanz vor Johannesburg

100 Tage vor dem Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg hat der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung kritisch Bilanz gezogen. "Der Gipfel von Rio 1992 hat mehr versprochen als in den letzten zehn Jahren gehalten wurde", resümierte der Vorsitzende des Rates, Volker Hauff, am 13. Mai auf dem deutschen Nachhaltigkeitskongress in Berlin. Es sei bisher nicht gelungen, den Megatrend Globalisierung mit dem politischen Gestaltungsansatz der Nachhaltigkeit zu verbinden. Eine Nachhaltigkeitspolitik sei bisher über erste Ansätze nicht hinausgekommen, so Volker Hauff. Er hoffe, dass der Weltgipfel vor allem die Grundlagen dafür schaffen werde, die Weltwirtschaft nachhaltig zu gestalten. Von der Bundesregierung wünschte sich Hauff, sie solle das Motto des Kongresses "Der nächste Schritt" aufgreifen. Nach der Verabschiedung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie solle nun ein Regierungsprogramm zur Umsetzung und politischen Ausgestaltung erarbeitet werden.

Nachhaltige Entwicklung zur Friedenssicherung

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, wies auf die gewachsene Verantwortung der Wirtschaft für eine nachhaltige Entwicklung hin. Sie sei die Grundlage des langfristigen wirtschaftlichen Erfolges, insbesondere für international operierende Unternehmen.

Klaus Töpfer, Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und Mitglied des Nachhaltigkeitsrates, unterstrich die Bedeutung einer nachhaltigen Entwicklung für die internationalen Beziehungen. Nachhaltigkeit sei das Fundament einer vorsorgenden Friedenspolitik, so Klaus Töpfer.

Bundeskanzler Gerhard Schröder bedankte sich in seiner Ansprache vor den 600 Kongressteilnehmern beim Nachhaltigkeitsrat für die konstruktive Zusammenarbeit. Er griff den Vorschlag des Rates zur Bildung einer Weltkommission "Nachhaltigkeit und Globalisierung" auf und sagte die Unterstützung der Bundesregierung für diese Initiative auf UN-Ebene zu. Als wichtige Leitlinien der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie bezeichnete er die Generationengerechtigkeit, eine gute Lebensqualität, den Zusammenhalt in der Gesellschaft und die internationale Verantwortung. Er bekräftigte das Ziel der Bundesregierung, die Energieeffizienz in Deutschland bis zum Jahr 2020 im Vergleich zu 1990 zu verdoppeln.

Kein reines Expertenthema

2. Jahreskonferenz des Rates

In neun Foren diskutierten die Teilnehmer des Kongresses mögliche nächste Schritte in verschiedenen Politikbereichen wie Bildung, Kunst und Kultur, Arbeit und Ernährung. Damit unterstrich der Rat seine breite Herangehensweise an das Thema Nachhaltigkeit. Die nachhaltige Entwicklung dürfe nicht als ausschließliches Expertenthema verstanden werden. Vielmehr sei die Verknüpfung zur Globalisierung, zur Bildungs-, Arbeitsmarkt-, Kultur- und Wirtschaftspolitik wichtig, so Hauff. Ebenso könne man in diesem Zusammenhang nicht nur von der kommenden Generation reden. "Wir müssen junge Menschen als Experten für die Zukunft sehen und ansprechen", betonte Hauff. Er stellte auf dem Kongress junge Autorinnen und Autoren des Rats-Projektes "Jugend schreibt Zukunft" vor. In Schreibwerkstätten haben die Jugendlichen ihre Wünsche, Ängste und Vorstellungen für die Zukunft auf das Papier gebracht. Mit ihren Texten vermittelten sie den anwesenden Ministern, Jürgen Trittin und Heidemarie Wieczorek-Zeul einen lebendigen Einblick in ihre Sicht der Dinge. Der Nachhaltigkeitsrat wird ausgewählte Beiträge des Projektes in einem Buch zusammenfassen. Es soll deutsche Politiker auf ihrem Weg nach Johannesburg begleiten. Volker Hauff und Klaus Töpfer hatten bereits darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, dass beim Weltgipfel in Johannesburg nicht nur Staaten, sondern auch die Zivilgesellschaft handle. Bisher fehlten aus Deutschland konkrete Projekte und Partnerschaften zur nachhaltigen Entwicklung. "Der nächste Schritt" bedeute auch, dass jetzt Unternehmen, Kommunen, Länder und Bund, aber auch Verbände und Initiativen am Zug seien.

Suchen