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"Um ein neues Geschäftsmodell zu etablieren, das im Einklang mit der Natur arbeitet und wirtschaftliche Nachhaltigkeit letztlich möglich macht, brauchen wir die Unterstützung aller gesellschaftlichen Akteure."

Jochen Zeitz, kooptiertes Mitglied des Rates

Nachhaltige Unternehmensführung:
Kosten kennen - Nutzen erschließen

Ideenwettbewerb des Rates für Nachhaltige Entwicklung

Photo collage: Young woman and young man collecting ideas on a pin board / pin board with notes - © The German Council for Sustainable Development (RNE)

Die Reduktion externer Kosten ist Eckpfeiler nachhaltigen Wirtschaftens. Nachhaltige Geschäftsmodelle setzen die möglichst umfassende Kenntnis der externen sozialen und umweltrelevanten Kosten voraus, die bei Herstellung und Vertrieb, Nutzung und Entsorgung anfallen. Wie kann dies sichergestellt werden?

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung ruft zu einem Ideenwettbewerb auf. Jochen Zeitz, Chief Sustainability Officer von PPR und Verwaltungsratsvorsitzender bei PUMA SE, ist kooptiertes Mitglied des Nachhaltigkeitsrates. Er hat das Projekt angeregt und begleitet es. Seine führenden Mitarbeiter sind Mitglieder der Steuerungsgruppe.

Gefragt sind Ideen und Innovationen aus Unternehmen und Wissenschaft. Der Aufruf richtet sich an Mitarbeiter von Unternehmen und gesellschaftlichen Institutionen sowie an Forschende an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, insbesondere aus Forschungsprogrammen zur Nachhaltigkeit (FONA) sowie aus Exzellenzprogrammen.

Hintergrund

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung schreitet voran. Damit Maßnahmen hin zu einer besseren Nachhaltigkeitsperformance auch umgesetzt werden können, bedarf es einer Bewertung der erhobenen Indikatoren. Rohstoffe werden knapper, der Bezug von Rohstoffen aus Krisenregionen ist mit Risiken behaftet und soziale Mindeststandards steigern die Unternehmensperformance. „Nachhaltigkeit“ wird Kernbestandteil der Unternehmensstrategie. Um wirksam werden zu können ist das in Wert setzen aller Kosten und Nutzen entlang der gesamten Produktionskette ein wichtiger Schritt.

Bisher ist diese Frage vornehmlich als volkswirtschaftliche Herausforderung und unter wissenschaftlichen Vorzeichen bearbeitet worden. Jetzt eröffnet die Praxis der nachhaltigen Unternehmensführung weitergehende, innovative Ansätze. Das RNE – Projekt will sie nutzbar machen und zugleich Impulse für die Verbreitung der Idee geben.

Da es bislang für die betriebliche, monetäre Bewertung externer Effekte weder allgemein anerkannte Methoden, noch gar Verfahren und Standards gibt, können die ersten Ansätze aus der Praxis ein guter Startpunkt sein. Sie zeigen auf, welche methodischen Herausforderungen bestehen und woran mit neuen Ideen gearbeitet werden muss, um zu nachhaltigen Lösungen zu kommen.

Das Unternehmen PUMA SE hat unter der Leitung von CEO Jochen Zeitz die Rolle eines Vorreiters eingenommen. 2011 wurde eine umfassende Berechnung der bei der Produktion anfallenden umweltseitigen Kosten und Nutzen (die so genannte Environmental Profit and Loss Berechnung, oder kurz EP&L) zunächst für die Bereiche CO2-Emissionen und Wasserverbrauch erstellt und schrittweise um weitere Aspekte wie Fläche, Schwefeldioxid und Abfall erweitert und schließlich als Gesamtrechnung für das Vorjahr öffentlich präsentiert. Analog arbeitet PUMA SE auch an der SP&L, in der soziale Kostenfaktoren in Form einer Gewinn- und Verlustrechnung dargestellt werden.

Die Herausforderung

  1. Welche Ideen und Ansätze gibt es, Umwelt- und Sozialfaktoren als externe Effekte in die Betriebsbilanz einzuführen?
     
  2. Welche Praxisbeispiele und aktuellen Ergebnisse aus der betriebswirtschaftlichen Forschung zur nachhaltigen Unternehmensführung gibt es?
     
  3. Welche Methoden können angewendet werden, welche sind zu entwickeln? Lässt sich methodische Vielfalt der externen Effekte, die sich aus den Stoffströmen selbst, den unterschiedlichen Geschäftsfeldern und Produktionsmustern, unterschiedlichen lokalen Bedingungen und der Unternehmenskultur ergeben, eine gewisse Standardisierung erreichen, die dem einzelnen Unternehmen die Bewertung seiner Effekte erleichtert? Welche Kosten sind für eine Tonne CO2, einen Kubikmeter Wasser, einen Hektar Boden etc. einzustellen? Sind diese Monetarisierungen regional zu differenzieren oder global (entlang der Lieferkette) gleich?
     
  4. Wo liegen die Grenzen unternehmerischer Verantwortung und wer bestimmt sie? Welche Qualitätsanforderungen braucht eine vergleichbare Vollkostenrechnung? Welche Anreize für die Weiterentwicklung unternehmerischer Geschäftsmodelle sind durch Vereinfachung (default values, Standards) zu erreichen?
     

→ Der Ideenwettbewerb sucht Ansätze, die sich diesen Fragen widmen und Ihre Ideenskizzen zur Überprüfung in der Praxis.

Der Aufruf (PDF, 68 KB, English version) zielt auf eine Vielzahl von Ideen und Ansätzen ab. Er will diese öffentlich wirksam präsentieren und in die weiteren Überlegungen des Nachhaltigkeitsrates einbeziehen. Aus den eingereichten Beiträgen werden die besten zum Vortrag ausgewählt.

Ideen können Beiträge zur Methodenweiterentwicklung, Methodenverbreitung, Verbesserung des Datenmanagements z.B. als Skizze eines Forschungsprojektes, Weiterentwicklung von Vollkostenrechnungen dargestellt in Form neuer Geschäftsmodelle, Praxisberichte, empirische Studien, oder Konzeptstudien sein.

Auch auf Basis der Erkenntnisse im Rahmen des Ideenwettbewerbs wird der Rat für Nachhaltige Entwicklung im Anschluss an die Jahreskonferenz eine Empfehlung zu nachhaltiger Unternehmensführung der Zukunft verfassen.

Der RNE stellt das Projekt in den Rahmen des Wissenschaftsjahres 2012 „Zukunftsprojekt Erde“. Enge Absprachen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung sind erfolgt. Das Bundeskanzleramt und die zuständigen Bundesressorts werden über den Projektverlauf durch den RNE fortlaufend informiert.
 

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