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"Nachhaltigkeit und Schöpfungsverantwortung sind für mich die tragfähigsten Säulen, auf denen sich eine zukunftsnahe Gesellschaft begründen ließe."

Hubert Weinzierl, Mitglied des Rates

28.01.2010

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Pionierstädte machen mit Klimaschutz Wirtschaftspolitik

Das norddeutsche Bremerhaven soll nach dem Willen lokaler Politiker, Unternehmer und Wissenschaftler weltweit als „Klimastadt“ bekannt werden. Wie das – unter anderem mit Hilfe von Windenergie – gelingen kann, hat das ortsansässige Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) jetzt in einer Konzeptstudie ausgelotet. Darin bescheinigt das renommierte deutsche Klimaforschungsinstitut der einstigen Werften- und Fischereistadt gute Aussichten auf neue Arbeitsplätze durch mehr Klimaschutz. Dass diese Rechnung aufgehen kann, zeigen Erfahrungen in vielen deutschen Städten.

Im Kern, heißt es seitens der hierbei schon erfolgreichen Kommunen, sei kommunale Klimaschutzpolitik nichts anderes als Wirtschaftspolitik. „Klimaschutz ist ein Jobmotor“, sagt Dr. Gerhard Urbainczyk vom Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt München. Der Umweltwissenschaftler leitet das Projekt München für Klimaschutz und sagt, dass die bayerische Landeshauptstadt in den vergangenen Jahren von ihrem ehrgeizigen Klimaschutzkurs „auch wirtschaftlich profitiert“ habe. Ein Beispiel dafür sei die Förderung der energetischen Sanierung von Altbauten. „Jeder Euro, den wir dafür ausgeben, zieht rund zehn Euro an privaten Investitionen nach sich“, so Urbainczyk. München sichere oder schaffe so jährlich rund 300 Arbeitsplätze in Stadt und Region. Das helfe, Sozialleistungen zu vermeiden. „Zusätzlich kommt der Stadt die zurückfließende Gewerbesteuer zugute“, so der Fachmann.

Mit der Förderung von Klima-Sanierungen hat eine ganze Reihe von Kommunen, darunter die Stadt Münster, gute Erfahrungen gesammelt. Rund 5,5 Millionen Euro ließ sich die Westfalenmetropole die energetische Altbausanierung seit 1997 kosten. „Denen stehen 52 Millionen Euro Investitionen gegenüber, die Privatleute im Zuge der Förderung in besser gedämmte Wohnungen angelegt haben“, sagt Birgit Wildt, Leiterin der kommunalen Koordinierungsstelle für Klima und Energie. „Dieses Geld“, sagt sie, „bleibt in der Region“. Die Stadt versuche, lokale Firmen für den Klimaschutz und die darin liegenden Geschäfts-Chancen zu gewinnen. „Örtlichen Handwerkern bieten wir seit fünf Jahren Kooperationen mit Fortbildungen, gemeinsamen Veranstaltungen oder Beratungen, etwa zur Fotovoltaik, an“, so Wildt. Das dadurch gewachsene Know-how werde inzwischen stärker nachgefragt, die in Münster installierte Leistung von Sonnenkraftwerken habe sich seitdem vervierfacht.

„Gerade Investitionen in die Wärmedämmung rechnen sich für Bauherren und das lokale Handwerk“, bestätigt Benjamin Gugel vom Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU). Kommunen unterstützten dies mit eigenen Förderprogrammen und Beratungsangeboten. „Für die Sanierung von eigenen kommunalen Gebäuden sind die Mittel meist knapp“, weiß der studierte Umweltmanager. Kommunen rät er zu Instrumenten wie dem sogenannten Contracting. Private Unternehmen rüsten dabei zum Beispiel ein öffentliches Gebäude mit einer effizienteren Heizung aus und teilen sich die gesparten Energiekosten mit der Stadt. „Dafür muss kein Kämmerer Geld ausgeben“, sagt Gugel. Die Wirtschaft vor Ort könne dennoch von neuen Aufträgen profitieren.

Kommunen in strukturschwachen Regionen empfiehlt der IFEU-Experte das Bilden von „Clustern“, Allianzen aus Wirtschaft und Forschung. Diesen Weg will man in Bremerhaven beschreiten. Der Pressesprecher der Stadt, Wilfried Moritz, glaubt, dass die Stadt dafür die richtigen Voraussetzungen mitbringt: „Das Alfred-Wegner-Institut ist hier angesiedelt, außerdem große Firmen, die an der Offshore-Windenergie forschen.“ Einen „innovationsbasierten Strukturwandel“, wie ihn das Konzeptpapier des AWI bewirbt, hält Moritz daher für machbar. „Durch Windenergie-Unternehmen sind hier alleine in den vergangenen fünf Jahren 1.000 Arbeitsplätze entstanden“, sagt er. 700 weitere kämen voraussichtlich in den nächsten zwei Jahren dazu. „Die Bremerhavener“, so Moritz, „konnten schon erleben, dass sich Klimaschutz auszahlt.

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