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"Eine Welt im Gleichgewicht ist seit 1972 für den Club of Rome eine Notwendigkeit – für unsere Arbeit im Nachhaltigkeitsrat die Herausforderung."

Max Schön, Mitglied des Rates

27.08.2009

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Umweltschützer: Nachhaltigkeitsverordnung für Biomasse greift zu kurz

Palmöl gilt als besonders geeigneter Rohstoff für eine nachhaltige Energieversorgung. Doch in den größten Produzentenländern Indonesien und Malaysia fallen dem Anbau der Energiepflanze riesige Regenwaldflächen zum Opfer. Dem entgegenwirken soll die am 24. August in Kraft getretene deutsche Nachhaltigkeitsverordnung, die Mindeststandards für die Palmöl-Produktion vorschreibt. Umweltschützern geht die Verordnung jedoch nicht weit genug. Palmöl, so ihre Kritik, werde nur zu geringen Teilen als Energieträger genutzt. Viel größere Mengen verarbeite die Industrie zu Schokoriegeln, Margarine und Kosmetika. Deren Anbau spielt in der Verordnung keine Rolle. 

Die neue Nachhaltigkeitsverordnung regelt die energetische Nutzung von Palmöl. Sie berücksichtigt laut Bundesumweltministerium auch weitere nachwachsende Rohstoffe wie Raps oder Soja und sieht vor, dass zur Stromerzeugung genutzte Öle aus diesen Pflanzen ab dem Jahr 2010 in Deutschland nur noch dann nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet werden, wenn sie nicht auf Regenwald- oder Moorflächen angebaut worden sind. Außerdem müssen die Energiepflanzen beim Einsatz zur Stromerzeugung mindestens 35 Prozent weniger Treibhausgase als fossile Energieträger wie Gas und Öl freisetzen.

Nach Ansicht von Umweltexperten kann die neue Nachhaltigkeitsverordnung durch ihre Beschränkung auf die energetische Nutzung von Palmöl auf den meisten Anbauflächen keine nachhaltigen Anbaubedingungen gewährleisten. „Die Verordnung springt zu kurz“, sagt Martin Hofstetter, Agrarexperte der Umweltschutzorganisation Greenpeace Deutschland in Hamburg. „Palmöl wird heute nicht in erster Linie als Energieträger genutzt“, so der Agraringenieur, „sondern vor allem als Rohstoff in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie“. Auch Robert Krups, Bioenergie-Experte bei der Umweltstiftung WWF, äußert Kritik: Nachhaltigkeitsstandards, die sich auf den Energiesektor beschränkten, seien keine Lösung für das Palmöl-Problem.

Laut Hofstetter müssen Palmölproduzenten, die das Öl für die Energieproduktion nach Deutschland verkaufen wollen, künftig zwar den Anforderungen der Nachhaltigkeitsverordnung genügen – das sei durchaus ein Fortschritt. Palmöl für die Kosmetik- und Lebensmittelindustrie jedoch könnten sie weiterhin auf schützenswerten Regenwald- oder Moorflächen produzieren. „Was wir brauchen“, sagt Hofstetter, „ist eine Nachhaltigkeitsverordnung, die für alle Agrarmärkte gilt“.

Der WWF setzt auf ein eigenes Zertifizierungssystem für Palmöl, das er im Jahr 2002 mit Vertretern der internationalen Palmölindustrie am sogenannten Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) entwickelt hat. Da RSPO sich nicht auf die energetische Verwendung der Pflanzen beschränke, sondern ganze Plantagen nach Nachhaltigkeitskriterien zertifiziere, sei es „einerlei, ob das dort produzierte Öl zu Margarine, Lippenstiften oder Energie verarbeitet wird“, sagt Krups.

Die weltweite Palmölproduktion hat in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt. Nach Angaben des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums erreichte sie in den Jahren 2008 und 2009 mit 42,8 Millionen Tonnen eine neue Rekordmarke. Gegenüber dem Zeitraum 2005/’06 ist das eine Steigerung um rund sieben Millionen Tonnen. Rund ein Zehntel der Produktion wurde zuletzt in die Europäische Union eingeführt. Laut einer Marktanalyse (Oktober 2008) des Hamburger Agrar-Handelsunternehmens Toepfer International, werden rund 80 Prozent aller pflanzlichen Öle zur Nahrungsmittelherstellung verwendet. Palmöl macht demnach mit rund 32 Prozent den Löwenanteil an der weltweiten Produktion der wichtigsten Pflanzenöle aus.

Weiterführende Informationen

Strom aus Biomasse muss nachhaltig erzeugt sein. Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums, 29.07.2009.

Meilenstein für eine nachhaltige Bioenergienutzung. Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums, 0.06.2009.

Nachhaltigkeitsverordnung im Überblick. Hintergrundinformationen des Bundesumweltministeriums. Stand: Juli 2009.

Verordnung über Anforderungen an eine nachhaltige Herstellung von flüssiger Biomasse zur Stromerzeugung (Biomassestrom- Nachhaltigkeitsverordnung – BioSt-NachV) vom 23. Juli 2009. Bundesgesetzblatt, Jahrgang 2009, Teil I, Nr. 46. [PDF, 1,2 MB]

Verordnung über Anforderungen an eine nachhaltige Herstellung von flüssiger Biomasse zur Stromerzeugung (Biomassestrom- Nachhaltigkeitsverordnung – BioSt-NachV). Konsolidierte Fassung der Begründung. [PDF, 312 KB]

Palm Oil: World Supply and Distribution. Informationen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums, 21.08.209.

Website Greenpeace Deutschland.

Palmöl – Chance mit Risiko. Hintergrundinformationen des WWF Deutschland.

Website Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO).

Website Toepfer International.

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