26.08.2009
China setzt an zu grüner Technologierevolution
In China zeichnet sich nach Einschätzung der internationalen Klimaschutzorganisation The Climate Group eine „grüne Revolution“ ab. Einer neuen Studie der in London residierenden Non-Profit-Organisation zufolge befahren mittlerweile mehr als 50 Millionen elektrisch betriebene Motor- und Fahrräder chinesische Straßen, nirgendwo auf der Welt wurden zuletzt mehr Windräder in Betrieb genommen als in China, sogar ganze „Öko-Städte“ entstehen. Empfehlungen einer von der Regierung eingesetzten Klima-Expertengruppe, vermeldet von der unter staatlicher Aufsicht stehenden Tageszeitung „China Daily“, wecken zudem erstmals Hoffnung auf einen sinkenden CO2-Ausstoß im Reich der Mitte.
In ihrer Online-Ausgabe berichtete die Zeitung Mitte August, der Anstieg des chinesischen CO2-Ausstoßes könnte ab dem Jahr 2020 gebremst werden. Ab 2030 sei dann ein Sinken der Emissionen möglich. Allerdings unter der Voraussetzung, dass die Regierung ihren Bemühungen um eine „grüne“ Wirtschaftspolitik verstärke. China Daily beruft sich auf das Empfehlungspapier einer Expertengruppe, das von der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission Chinas in Auftrag gegeben wurde.
Die Klima- und Energieexperten empfehlen der Regierung „signifikante Investitionen“ in Höhe von 146 Milliarden US-Dollar jährlich für die Entwicklung und Erforschung CO2-armer Technologien und die Steigerung der Energieeffizienz. Zum Vergleich: Laut Weltbank lag das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2008 bei rund 3,8 Billionen US-Dollar, die nach Einschätzung der Regierungsexperten erforderlichen „grünen“ Investitionen liegen somit bei rund 3,8 Prozent des BIP. Diese jährlichen Milliardeninvestitionen müssten bis 2050 aufrecht erhalten und unter anderem zum Ausbau der Atom-, Wind- und Wasserkraft eingesetzt werden. Unter diesen Voraussetzungen könne der chinesische CO2-Ausstoß dann zur Mitte des Jahrhunderts auf das Niveau des Jahres „2005 oder darunter“ fallen, heißt es weiter. Gleichzeitig lasse sich so das hohe Wirtschaftswachstum aufrechterhalten und die globale Spitzenposition auf Märkten für Klimaschutztechnologien erobern.
Nach Ansicht der Autoren einer aktuellen Climate-Group-Studie hat das Reich der Mitte diese Führungsrolle bei etlichen „grünen“ Technologien schon erreicht. Ein knappes Drittel der weltweit nachgefragten Fotovoltaikanlagen stammt demzufolge aus chinesischen Unternehmen, bei solar betriebenen Warmwasserboilern liegt der globale Marktanteil laut Studie bei 50 Prozent. Auch bei besonders effizienten PKW strebe China die globale Führungsrolle an. Weltmarktführer sei das Land bereits bei neuartigen Batterien für den Einsatz in Elektroautos, heißt es in der Studie der vom ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair mitgegründeten Organisation.
Changhua Wu, Direktor der „Climate Group“ in China, spricht von einer „70-30-Situation“. China verfüge heute über 70 Prozent der nötigen Technologien zum Schutz des Klimas, wenngleich nicht alle geprüft seien und keine im notwendigen Maßstab bereitstände. 30 Prozent müssten noch entwickelt werden. Deswegen benötige China, so Wu, weiterhin ausländische Investitionen, um den „grünen“ Umbau seiner Wirtschaft „in Schwung zu halten“.
China hat die USA im vergangenen Jahr als weltgrößter Emittent von Treibhausgasen überholt. Dennoch beharrt die chinesische Führung darauf, dass die Industriestaaten einen größeren Beitrag zum globalen Klimaschutz leisten müssen als China, da die reichen Länder Hauptverursacher der Erderwärmung seien und der Pro-Kopf-Ausstoß von Klimagasen bei ihnen deutlich höher sei. Nach dem Willen Pekings sollen die Industriestaaten insbesondere den Zugang Chinas zu ausgereiften Klimaschutztechnologien erleichtern. Entsprechende Vereinbarungen werden seitens der chinesischen Regierung als Voraussetzung für das Gelingen der internationalen Klimaverhandlungen Ende des Jahres im dänischen Kopenhagen betrachtet.
Weiterführende Informationen
China maintains momentum in its clean revolution. Pressemitteilung „The Climate Group“, 20.08.2009. [PDF, 85 KB]
China’s Clean Revolution II : Opportunities for a low carbon future. Studie „The Climate Group“, August 2009. [PDF, 3,1 MB]
China’s Clean Revolution II : Opportunities for a low carbon future. Zusammenfassung der Studie, August 2009. [PDF, 526 KB]
Emissions to peak at 2030: report. Meldung China Daily, 18.08.2009.
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