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"Nachhaltigkeit heißt vor allem, über die momentane Nützlichkeit hinaus langfristig zu denken und entsprechend Zukunftsverantwortung zu übernehmen."

Alois Glück, Mitglied des Rates

03.11.2011

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Interaktiv: Nachhaltigkeit, Jugendliche und Schule

Mit zukundo.de ist Ende Oktober ein neues Internetportal angetreten, Kinder und Jugendliche für Nachhaltigkeit zu gewinnen. Erdacht und entwickelt wurde die Website vom Münchener Verein Creating Sustainability, einem Zusammenschluss von Studierenden, Doktoranden und Berufsanfängern, um jungen Menschen das Leitbild Nachhaltigkeit näher zu bringen. Zukundo, ein Kunstwort aus „Zukunft“ und „do“, also Handeln, lässt Kinder und Jugendliche selbst zu Wort kommen und begleitet den Online-Dialog mit Schulaktionen. „Wir wollen Nachhaltigkeit erlebbar machen“, sagt Stefanie Rall, die Geschäftsführerin von Creating Sustainability. Das ist ehrgeizig. Aber auch machbar? Können Webangebote Kinder und Jugendliche für Nachhaltigkeit interessieren, vielleicht sogar begeistern und Änderungen in deren Leben anstoßen? Ein Blick auf andere Online-Projekte zeigt, dass das geht – und der Weg über die Schule Erfolg verspricht.

Beschritten wird dieser Weg zum Beispiel von Martin Aufmuth, einem Realschullehrer im bayerischen Erlangen. Er hat die Website CO2maus.de programmiert. Kinder und Jugendliche können sich auf der Seite gemeinsam mit ihren Eltern einem CO2-Check unterziehen, anschließend eine virtuelle Maus füttern, indem sie Energie und dadurch CO2 sparen. Aufmuth hat die Website als Schulprojekt konzipiert und ruft Schulklassen in einem Online-Wettbewerb zum Füttern ihrer Mäuse auf. Das Thema Klimaschutz, sagt er, habe er schon vor dem Start seiner Website im Unterricht behandelt. „Klimafreundlicher verhalten hat sich deswegen kein Schüler.“ Mit der CO2-Maus habe sich das geändert. „Die Schüler sehen nun ihren Anteil am Klimawandel und dass sie den durch eigenes Handeln beeinflussen können.“ Laut Aufmuth wurden mit dem Wettbewerb bisher etwa 100.000 Menschen erreicht. Sie hätten rund 30.000 Tonnen Klimagase eingespart.

Stefan Rostock, Teamleiter Bildung für nachhaltige Entwicklung bei der Bonner Nord-Süd-Organisation Germanwatch, sagt, das Internet biete zwar viele, auch gute Informationen zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Für Änderungen im eigenen Verhalten seien die aber kein Garant. Germanwatch tourt seit 2004 mit der Klimaexpedition durch Schulen, macht mit Live-Satellitenbildern und archivierten Aufnahmen die Folgen des Klimawandels und den Anteil der Einzelnen sichtbar, begleitet das mit Online-Materialien. „Unsere Expedition“, sagt Rostock, „lebt vom Austausch der Schüler untereinander“. Neue Medien könnten dies unterstützen. Wichtiger sei jedoch die Glaubwürdigkeit der Vortragenden bei der Wissensvermittlung und das gemeinsame Lernen: „Soziales und politisches Engagement, Mut zu Veränderungen entsteht bei jungen Menschen meist in Gruppen“. Laut Rostock hat die Klimaexpedition bisher rund 120.000 Schüler erreicht.

Den von Rostock benannten Gruppeneffekt will auch zukundo.de nutzen. Die Plattform wird von jungen Nutzern mit Inhalten bestückt, unter anderem über einen „Pfad der Nachhaltigkeit“, auf dem sie ihr Verständnis des Leitbilds skizzieren und sich darüber mit anderen austauschen können. „Wir wollen sie zum Nachdenken und Diskutieren über Nachhaltigkeit anregen“, sagt Stefanie Rall. Das sei Voraussetzung für Änderungen im eigenen Leben. Das Internet eigne sich dafür sehr gut, da die meisten Jugendlichen es intensiv nutzten. Daneben sollen Chats mit Promis und Wettbewerbe sie auf die Seite locken. „Nur online“, so die Politikwissenschaftlerin, „springt zu kurz“. zukundo.de spricht Schüler deswegen zusätzlich mit Kurzaktionen in Unterrichtspausen an, geht in Lehrerausbildungsseminare und -kollegien, stellt dort Möglichkeiten vor, Inhalte der Seite in den Unterricht einzubinden. Nachhaltigkeit, sagt Rall, finde sich in den Lehrplänen zwar meist nur am Rande. Das Interesse am Thema aber sei groß: „Größtenteils laufen wir mit der Verbindung von Nachhaltigkeit und Web 2.0 offene Türen ein.“

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