25.09.2009
Gesucht: Nachhaltigkeitsmodelle für Ministerien und Ämter
Die öffentliche Hand in Deutschland vergibt jährlich Aufträge im Wert von rund 360 Milliarden Euro. Doch nicht einmal bei einem Drittel ihrer Ausschreibungen spielen Nachhaltigkeitsaspekte eine Rolle. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Steuerzahler und Umwelt kommt dieser Mangel teuer zu stehen. Anlass für den Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE), Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung auf seiner Jahreskonferenz am 23. November in Berlin zum Thema zu machen.
In einem von sieben Themenforen der Konferenz werden ausgewiesene Fachleute darüber beraten, wie sich Modelle für eine ökologische und sozialverträgliche Beschaffung oder für den nachhaltigen Betrieb öffentlicher Liegenschaften entwickeln und in die Praxis bringen lassen und welchen Nutzen Erfahrungen aus der Wirtschaft dabei stiften können. Für das Podium konnte der Rat Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft gewinnen, darunter den Nachhaltigkeits- und Klimaschutzbeauftragten der Deutschen Telekom, Ignacio Campino, Susanne Lottermoser, Ministerialdirigentin im Bundesumweltministerium, die Umwelt- und Gesundheitsdezernentin der Stadt Frankfurt, Manuela Rottmann, und Stefan Schaltegger, der an der Leuphana Universität Lüneburg zu erfolgreichen Modellen unternehmerischen Nachhaltigkeitsmanagements forscht.
Die Suche nach Antworten ist schwierig, wie aktuelle Erfahrungen in Großbritannien belegen: Die unabhängige Nachhaltigkeitskommission des Landes hat jüngst untersucht, wie weit die Aufsichtsbehörden öffentlicher Stellen Nachhaltigkeitsziele und -vorgaben der Regierung bereits in die eigene Arbeit integrieren und umsetzen. Obwohl das Vereinigte Königreich zu den europäischen Nachhaltigkeitsvorreitern zählt, fällt die Anfang September vorgelegte Bilanz der Kommission mäßig aus: Einige britische Behörden wie die Schulaufsicht preschen vor und haben eigene Stellen für Nachhaltigkeitsbeauftragte geschaffen. Andere Behörden bestreiten dagegen, dass Nachhaltigkeit überhaupt in ihren Zuständigkeitsbereich fällt.
Auch in deutschen Amtsstuben sind weder ein nachhaltiges Management öffentlicher Gebäude noch die soziale und ökologische Kriterien bei der öffentlichen Beschaffung Standard. Während laut PwC beispielsweise die CO2-Emissionen in den Jahren 2006 und 2007 durch nachhaltigkeitsorientierte Beschaffung der öffentlichen Hand europaweit um durchschnittlich 25 Prozent gesunken sind, schafften deutsche Behörden nur magere neun Prozent.
Der Nachhaltigkeitsrat fordert seit Langem, dass die öffentliche Hand Vorreiter bei der Umsetzung des Leitbilds der nachhaltigen Entwicklung sein muss. Er hat der Bundesregierung eine nachweisbare Ausrichtung der öffentlichen Beschaffung an Nachhaltigkeitskriterien empfohlen. Bleibe diese aus, müsse der Steuerzahler weiterhin doppelt zahlen, schreibt der RNE in einer dem Bundeskabinett im August 2008 vorgelegten Empfehlung zur öffentlichen Beschaffung. „Zum einen zahlt er, wenn Einsparmöglichkeiten und Effizienz nicht beachtet werden, zum anderen, wenn die ökologische und soziale Zeche zu zahlen ist, die aus Fehlentscheidungen folgt“, heißt es in der Empfehlung.
Weiterführende Informationen
Public sector regulation 'Vital to building a sustainable future' - SDC. Pressemitteilung der britischen Nachhaltigkeitskommission, 02.09.2009.
Review of public service regulators. Untersuchung der britischen Nachhaltigkeitskommission, September 2009. [PDF, 1,5 MB]
Collection of statistical information on Green Public Procurement in the EU. Ergebnisse der Studie von PricewaterhouseCoopers, Stand: Januar 2009. [PDF, 1,7 MB]
Glaubwürdig – wirtschaftlich – zukunftsfähig: Eine moderne Beschaffungspolitik muss nachhaltig sein. Empfehlungen des Rates für Nachhaltige Entwicklung an die Bundesregierung, 11.08.2008. [PDF, 437 KB]
Nachhaltigkeit in einer sich ändernden Welt – Weichenstellung für Deutschland. 9. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung am 23. November 2009, Programm und Anmeldung.
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