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Wir müssen bereit sein, uns selbst zu überraschen“, sagte RNE-Generalsekretär Günther Bachmann, bevor er den pen SDGclub.Berlin vergangenen Montag in Berlin eröffnete. Cletus Springer von der Organization of American States nahm ihn und die 84 Teilnehmenden am letzten Tag beim Wort und stimmte Louis Armstrongs What a wonderful World an.

Es war einer der emotionalen Höhepunkte der internationalen Konferenz, die der RNE erstmalig veranstaltete und dafür die Gäste aus 32 Ländern zu einem intensiven Austausch über die bisherigen Erfahrungen mit der Agenda 2030 nach Berlin eingeladen hatte. Wo steht die Nachhaltigkeitspolitik weltweit, wie lässt sich die eigene Wirkungskraft vergrößern? Das waren die zentralen Fragen, denen sich die Teilnehmenden stellten.

Chemische Reaktion zwischen den Gästen

Für Cletus Springer sei es ein „Abenteuer“ gewesen, das zu einer chemischen Reaktion zwischen den Teilnehmenden geführt habe, auch wenn am Ende bei seinem Song nicht alle textsicher gewesen seien. Alle, die beim OpenSGDclub.Berlin dabei waren, eint eines: Sie engagieren sich in ihren Heimatländern für mehr Nachhaltigkeit und machen das zu einem gesellschaftlichen Anliegen, mit dem Ziel, möglichst viele Menschen zu erreichen und möglichst viele teilhaben zu lassen.

„Die Bürgerinnen und Bürger haben eigene Narrative zu den globalen Nachhaltigkeitszielen. Sie spüren die Auswirkungen in ihrem eigenen Leben. Sie müssen nicht motiviert werden, um sich dafür einzusetzen. Wir müssen auf diese Menschen zugehen”, sagte Namhla Mniki-Mangaliso vom African Monitor in Südafrika. Vom Open SDGclub.Berlin versprach sie sich unter anderem “echte, praktische Lösungen, durch die ganz normale, arme Bürgerinnen und Bürger von den SDGs profitieren”. Ihr sei es wichtig, dass es nicht nur darum geht, “Systeme zu schaffen und mit Regierungen zu reden, sondern um echten Wandel auf lokaler Ebene”.

Der erste Open SDGclub.Berlin sollte daher vor allem, „Vertrauen herstellen, den Austausch und den Dialog weltweit anstoßen und über die Welt verbreiten“, sagte Jan-Gustav Strandenaes vom Stakeholder Forum and Pure Consultancy in Norwegen bei der Vorstellung einer während des OpenSDGclub.Berlin erarbeiteten Roadmap einen Zehn-Punkte-Plan ausgearbeitet hat. „Wir müssen aus einem Baum einen Wald werden lassen“, sagte John Patrick Ngoyi von der Justice, Development and Peace Commission (JDPC), Ijebu-Ode aus Nigeria.

Oder wie es Philippe Jahshan von Conseil économique, social et environnemental aus Frankreich ausdrückte: „Wir haben alle keine Patentrezepte, wir alle betreten Neuland und sind deshalb gezwungen, voneinander zu lernen.” Dabei sei es am wichtigsten, all die Ideen und Initiativen, die schon das Licht der Welt erblickt hätten, miteinander zu verbinden, sagte Philipp Schönrock von Cepei in Kolumbien. Er selbst werde mit gutem Beispiel vorangehen und hat mit Stephen Chacha von der Africa Philanthropic Foundation aus Tansania vereinbart, in einen kontinuierlichen Austausch zu treten.

Das sei eines der wichtigsten Ziele des OpenSDGclub.Berlin gewesen, sagte auch Allesandra Nilo von der brasilianischen NGO Gestos: „Er hat uns Menschen aus ganz verschiedenen Teilen der Welt zusammengebracht, und wir haben gemeinsam überlegt, was wir besser machen können, wie wir Innovationen schaffen und wie wir Dinge anders angehen können.” Hanna Hansson von Concord Sweden erläuterte, warum der Austausch und die Inspiration so wichtig sind: “Manchmal fährt man sich ein bisschen fest, wenn man immer nur in seinem eigenen nationalen Kontext arbeitet."

Und so entstanden in diesen drei Tagen unzählige Ideen und bilaterale Vorhaben. Unter anderem diskutierten die Teilnehmenden, ob sie sich für einen gleichzeitig stattfindenden Tag der Parlamentsdebatten rund um das Thema Nachhaltigkeit einsetzen sollen. Es ging um Nachhaltigkeitsbildung an den Schulen oder darum, eine gemeinsame Kommunikationsstrategie für die globalen Nachhaltigkeitsziele zu erarbeiten. Auffällig war das Interesse am Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) des RNE, der die Transformation in eine nachhaltige Wirtschaft fördern soll – für Bachmann eine Art “Open Source”-Code, der andere Länder inspirieren kann.

„Wir haben in diesen drei Tagen die Saat gelegt, und nun hoffen wir, dass sie weltweit Wurzeln schlägt“, sagte Bachmann. Das sei genau das, was eine solche Konferenz leisten könne.

Der Zeitpunkt für den Open SDGclub.Berlin war gut gewählt: Viele Teilnehmende sagten, dass sie internationale Vernetzung für dringend geboten hielten – gerade in politisch instabilen Zeiten, in denen Klimaschutz in Frage gestellt werde und in denen die Staaten ihren Pflichten bei der Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele nur zögernd nachkämen.

OpenSDGclub 2018 wieder in Berlin

Immer wieder kamen verschiedene Teilnehmende des OpenSDGclub.Berlin auf ihre Hoffnung zurück, es werde sich dabei nicht nur um eine einmalige Veranstaltung handeln; sie wollen den Austausch, den sie in Berlin begonnen haben, weiterführen und ausbauen. Häufig wurde angeregt, ähnliche OpenSDGclubs in anderen Ländern durchzuführen.

Und so hatte Günther Bachmann am Ende auch noch eine Überraschung parat, als er verkündete, dass es 2018 in Berlin auf jeden Fall eine Fortsetzung geben werde: „Die Umsetzung der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele gelingt nun mal nicht als Projekt verschworener Eliten, sondern nur, wenn wir die Nachhaltigkeitsdebatte bei den Menschen erden, neue Allianzen schmieden, das Denken und Handeln zwischen den ‘Silos’ von Staat, Wirtschaft und kritischer Öffentlichkeit kreativ besetzen.“

„Wir müssen diese Dynamik beibehalten“, forderte auch Jan-Gustav Strandenaes. Dabei sollten vor allem die jungen Menschen nicht vergessen werden, denn viele hätten gerade jetzt Angst vor der Zukunft. Eine Idee der diesjährigen Veranstaltung liege ihm deshalb ganz besonders am Herzen. „Ich fände es schön, wenn jeder von uns in zwei Jahren einen jungen Menschen mitbrächte.“

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Herr Professor Bachmann, der Name „Open SDGclub.Berlin“ klingt verheißungsvoll – wer trifft sich dort?

Unsere Gäste aus 32 Ländern haben eines gemeinsam: Sie engagieren sich für mehr Nachhaltigkeit. Sie machen das zu einem gesellschaftlichen Anliegen, das möglichst viele Menschen erreicht und möglichst viele teilhaben lässt. Hauptsächlich vertreten sie zivilgesellschaftliche Einrichtungen.

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung lädt rund 80 Teilnehmende drei Tage lang zu Plenarsitzungen und Workshops ein – was passiert in diesen drei Tagen genau?

Wir überprüfen, wo die Nachhaltigkeitspolitik weltweit steht, und wir wollen unsere eigene Wirkungskraft vergrößern. Das ist nötiger denn je. Weil der Klimaschutz in Frage gestellt wird, weil die Staaten ihren Pflichten bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele nur langsam und zögernd nachkommen.

Worauf oder auf wen sind Sie besonders gespannt?

Auf alle, und auf das, was uns gemeinsam einfällt. Es ist doch spannend, so viele Menschen zusammenzubringen, die sich eben nicht permanent in den Konferenzen dieser Welt sehen. Hier entsteht etwas Neues, auf das alle Teilnehmenden gespannt sind. Wir müssen bereit sein, uns selbst zu überraschen.

Welche Ergebnisse erhoffen Sie sich?

Ich rechne ganz sicher mit einem intensiven Austausch untereinander. Welche gute Idee und welchen Ansatz, von dem ich höre, kann ich mit nach Hause nehmen. Der gegenseitige Austausch ist wichtig. Er erzeugt für jeden Einzelnen neue Ideen und Innovationen. Ich bin auch offen für gemeinsame Projekte. Ideen dazu zeichnen sich ab, und deshalb haben wir Laboratorien vorgesehen. Sie sollen wie kleine Ideen-Gewächshäuser wirken.

Welche Idee oder Absicht steht hinter dem Open SDGclub.Berlin?

Der Nachhaltigkeitsrat hat zunächst einen nationalen Auftrag, aber mit der Globalisierung und nun auch mit den Sustainable Development Goals müssen wir nationale Beschränkungen überwinden. Nachhaltigkeit ist ein universelles Gebot. Wir fordern eine neue Politik jenseits des „business-as-usual“, aber wir fühlen uns auch selbst in der Pflicht, mehr als das Übliche zu tun. „Walk your Talk“ gilt nicht nur für unser Catering und die Veranstaltungstechnik, sondern auch für unser politisches Denken und Handeln. Wir wissen, dass die Umsetzung der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele nicht als Projekt verschworener Eliten gelingt. Quasi in einem 18. SDG muss es gelingen, die Nachhaltigkeitsdebatte bei den Menschen zu erden, neue Allianzen zu entwickeln, das Denken und Handeln zwischen den „Silos“ von Staat, Wirtschaft und kritischer Öffentlichkeit kreativ zu besetzen.

„Club“ klingt erst einmal nach „Closed Shop“, dieser Club trägt aber den Beinamen „Open“, also offen – wie können sich Interessierte jetzt oder künftig einbringen?

Exklusive Clubs von hochrangigen Persönlichkeiten haben historische Verdienste, man denke nur an den Club of Rome. Heute brauchen wir aber andere Organisationsformen. Nicht die internationale Prominenz steht im Vordergrund, sondern die praktische Kompetenz der Akteure vor Ort. Das signalisieren wir mit „open“. Der Open SDGclub ist ein Konzept der „sharing society“. Sein Konzept ist „share ware“. Das heißt, er ist darauf angelegt, woanders wiederholt zu werden.

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