Klimaschutz und Dekarbonisierung

Mit dem Übereinkommen von Paris haben sich bisher 191 Vertragsparteien zum Ziel gesetzt, die globale Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad, möglichst 1,5 Grad, zu begrenzen, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern. Dies erfordert global schnellstmöglich Klimaneutralität und eine Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung. Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden, die gesamte EU strebt Klimaneutralität bis 2050 an.

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Den Klimawandel durch eine gesellschaftliche Transformation begrenzen

Herausforderung Klimawandel

Es ist die derzeit größte Herausforderung der Weltgemeinschaft, die globale Erwärmung zu begrenzen und die gefährlichsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern. Die Begrenzung der Erwärmung auf deutlich unter 2°C, möglichst 1,5 °C, wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart, ist auf diesem Weg ein bahnbrechender, multilateraler Konsens. Oberhalb dieser Temperaturschwelle gilt das Risiko als zu hoch, dass sich die Klimaerwärmung unkontrollierbar verstärkt und irreversible Schäden anrichtet, weil unter anderem Permafrostböden auftauen. 50 bis 700 Millionen Menschen könnten laut Weltbiodiversitätsrat durch einen ungebremsten Klimawandel ihre Lebensgrundlage verlieren. Vertreibung, kriegerische Konflikte und Flucht wären die Folgen. Tier- und Pflanzenarten droht – mehr noch als heute – das Aussterben.

Maßnahmen für den Klimaschutz

International

191 von 197 Vertragsparteien haben das Übereinkommen von Paris ratifiziert (Stand Mai 2021). Das Abkommen sieht vor, dass jeder Staat erklärt, was er für den Klimaschutz tun will. Diese sogenannten national festgelegten Beiträge (oft wird die englische Abkürzung NDC verwendet) beinhalten sehr spezifische und unterschiedliche Maßnahmen. Nepal etwa will gegen Entwaldung vorgehen. Chile verspricht, Solar- und Windenergie auszubauen. Alle fünf Jahre müssen die Vertragsparteien des Paris-Abkommens neue, ambitioniertere Ziele an die Vereinten Nationen übermitteln. Das ist auch nötig, denn die NDCs verfehlen bisher die 2-Grad-Zielstellung selbst dann deutlich, wenn sie vollumfassend umgesetzt werden.

Das Paris-Abkommen sieht außerdem vor, Entwicklungsländern bei der Bekämpfung des Klimawandels und Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Die Industriestaaten haben sich verpflichtet, dafür ab 2020 jährlich aus öffentlichen und privaten Mitteln mindestens 100 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen. Außerdem sollen die Finanzmärkte so umgestaltet werden, dass sie der Einhaltung der Klimaziele dienen. Dazu hat der deutsche Sustainable Finance Beirat die zentralen Impulse für die neue Strategie der Bundesregierung geleistet. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung stieß die Debatte 2017 bis 2019 mit dem Hub for Sustainable Finance an.

Europa

Mit dem European Green Deal (EGD) wurden erste Impulse gesetzt. Im Kern zielt er darauf ab, eine klimaneutrale, ressourceneffiziente und wettbewerbsfähige Wirtschaft in Europa zu ermöglichen und ist damit zugleich Wachstumsstrategie und Schutz vor der existenziellen Bedrohung des Klimawandels. Dabei zielt er nicht nur auf Emissionsminderung in allen relevanten Bereichen der Wirtschaft ab, sondern verbindet dies mit Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität, guter Beschäftigung, sozialem Ausgleich und der nachhaltigen Ausrichtung der Finanzmärkte. Im Rahmen der Einigung auf ein europäisches Klimagesetz, haben die EU-Mitgliedsstaaten beschlossen, Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen und das Klimaziel für 2030 auf mindestens 55% zu erhöhen.

Deutschland

Das neue EU-weite Emissionsreduktionsziel erfordert eine umfassende Anpassung der deutschen Klimaschutzgesetzgebung. Als Reaktion auf diese neue Zielsetzung und das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von April 2021, wonach das deutsche Klimaschutzgesetz von 2019 in Teilen verfassungswidrig ist, wurde dieses bereits angepasst. Dementsprechend wurde das deutsche Emissionsreduktionsziel für 2030 auf 65 % erhöht und das Minderungsziel für das Jahr 2040 auf 88 % gesetzlich festgelegt. Auch will Deutschland bereits bis 2045 klimaneutral sein. Die CO2-Emissionsmengen für einzelne Sektoren wie Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr und Gebäude sollen sukzessive und deutlich abgesenkt werden. Zudem sollen Wälder und Moore, sogenannte natürliche Senken, gestärkt werden. In den kommenden Jahren werden auf nationaler und europäischer Ebene, zum Beispiel durch eine Reform des EU-Emissionshandelssystems, vielfältige Maßnahmen zur Umsetzung der Klimaneutralität in allen Sektoren zur Debatte stehen.

Der Beitrag des Nachhaltigkeitsrates

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung unterstützt die Bundesregierung in ihrer Ambition die Klimaschutzvorgaben zu verschärfen und die gesamte Wirtschaft zu dekarbonisieren. 2020 hat der RNE konkrete Empfehlungen für eine nachhaltige Dekarbonisierung durch Wasserstoff vorgelegt. Hierin fordert er insbesondere, Wasserstoff konsequenter, schneller und internationaler als bisher zu fördern und etablieren.

Zusammen mit der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat der Nachhaltigkeitsrat zudem Handlungsoptionen zum Erreichen von Klimaneutralität erarbeitet. Neben einer Transformation des Energiesystems empfehlen die Autorinnen und Autoren des Papiers u. a. einen sektorenübergreifenden und ambitionierten CO2-Preis, vorausschauende Investitionen in den Bereichen Industrie, Mobilität, Gebäude und Landnutzung sowie eine verstärkte internationale Zusammenarbeit durch strategisch-thematische Klimaallianzen. Auch sollten das Engagement der Bürgerinnen und Bürgern für Klimaneutralität gefördert und für die mit dem Transformationsprozess verbundenen Veränderungen Akzeptanz geschaffen werden. Auch muss im Sinne der Generationengerechtigkeit ein erheblicher Teil der von der Bundesregierung gesetzten Klimaschutzziele bereits in diesem Jahrzehnt geleistet werden, um der heutigen Jugend und nachfolgenden Generationen keine übermäßigen Minderungslasten zu hinterlassen.

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