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"Die Messung von Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor, um das Thema in Unternehmen und auf Kapitalmärkten zu etablieren."

Prof. Dr. Alexander Bassen, Mitglied des Rates

Nachhaltige Unternehmensführung:
Kosten kennen - Nutzen erschließen

Ideenwettbewerb des Rates für Nachhaltige Entwicklung

Linksklick: Teaser-Film zum Präsentationsworkshop am 26.04.2012 im Player auf einer Unterseite starten (Länge: 2:34)

Die Reduktion externer Kosten ist Eckpfeiler nachhaltigen Wirtschaftens. Nachhaltige Geschäftsmodelle setzen die möglichst umfassende Kenntnis der externen sozialen und umweltrelevanten Kosten voraus, die bei Herstellung und Vertrieb, Nutzung und Entsorgung anfallen. Wie kann dies sichergestellt werden?

Um diese Fragen ging es bei dem Ideenwettbewerb „Nachhaltige Unternehmensführung: Kosten kennen – Nutzen erschließen“, den der Rat für Nachhaltige Entwicklung zusammen mit Jochen Zeitz ausgerufen hat. Zeitz, Chief Sustainability Officer von PPR und Verwaltungsratsvorsitzender bei PUMA SE, ist kooptiertes Mitglied des Nachhaltigkeitsrates.

Nach einer Vorauswahl standen am 26. April 2012 acht Beiträge im Wettbewerb um die Auszeichnung zur besten Idee im Rahmen des RNE-Ideenwettbewerbs (Teaser-Film). Die Präsentationen sollten sich an das in den USA bekannte Format der TED-Konferenz anlehnen. Die Vortragszeit wurde auf maximal 9 Minuten begrenzt und musste streng eingehalten werden. Am Ende eines spannenden Präsentationstages (PDF, 53 KB) hat die Steuerungsgruppe zwei Gewinnerideen gekürt und zur Diskussion auf die Jahreskonferenz eingeladen:

Linksklick: Film im Player auf einer Unterseite starten

Sustainable Value, präsentiert von Prof. Dr. Frank Figge: Der Ansatz basiert auf dem Opportunitätskostenansatz und zielt auf eine Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitsperformance von Unternehmen ab. Er macht sich damit die Logik des Kapitalmarktes zu Eigen. Ein Unternehmen, das pro emittierte Tonne CO2 mehr Rendite erwirtschaftet als ein anderes, schneidet nach dieser Methode vergleichsweise besser ab. Die Berechnung des Sustainable Value ist für mehrere hundert Unternehmen erprobt und validiert worden. Film im Player starten (Länge: 9:52)

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AgBalanceTM der BASF Crop Protection, präsentiert von Dr. Dirk Voeste: Die Methode ist für den Sektor Landwirtschaft entwickelt worden und soll die unternehmerischen Entscheidungen z.B. zur Intensität der Mechanisierung, zum Einsatz von Düngemitteln oder zur Fruchtfolge verbessern. Dazu stellt sie Nachhaltigkeitskriterien bereit. AgBalance hat 69 Nachhaltigkeitsindikatoren erhoben und praktisch erprobt, so dass sich ein aggregierter Index ergibt. Er lässt sich zurückverfolgen bis hin zu den Einzelwerten. Das soll eine differenzierte und nach Regionen spezifische Ableitung von Maßnahmen ermöglichen und stellt dennoch den unternehmerisch nötigen Grad an Vergleichbarkeit sicher. Film im Player starten (Länge: 8:19)

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Ideenwettbewerbs Nachhaltige Unternehmensführung am 26. April 2012 in Potsdam - Foto: Svea Pietschmann, © Rat für Nachhaltige Entwicklung

Daneben gab es weitere spannende Vorträge, die sie hier im Video-Stream ansehen können.

Der RNE stellt das Projekt in den Rahmen des Wissenschaftsjahres 2012 „Zukunftsprojekt Erde“. In diesem Zusammenhang haben die beiden Gewinner des Ideenwettbewerbs auf der 12. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung mit Jochen Zeitz und Thomas Rachel, dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, über die Ideen, den Status Quo nachhaltiger Unternehmensführung sowie die nötigen nächsten Schritte von Wirtschaft, Forschung und Politik diskutiert.

Hintergrund

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung schreitet voran. Damit Maßnahmen hin zu einer besseren Nachhaltigkeitsperformance auch umgesetzt werden können, bedarf es einer Bewertung der erhobenen Indikatoren. Rohstoffe werden knapper, der Bezug von Rohstoffen aus Krisenregionen ist mit Risiken behaftet und soziale Mindeststandards steigern die Unternehmensperformance. „Nachhaltigkeit“ wird Kernbestandteil der Unternehmensstrategie. Um wirksam werden zu können ist das in Wert setzen aller Kosten und Nutzen entlang der gesamten Produktionskette ein wichtiger Schritt.

Bisher ist diese Frage vornehmlich als volkswirtschaftliche Herausforderung und unter wissenschaftlichen Vorzeichen bearbeitet worden. Jetzt eröffnet die Praxis der nachhaltigen Unternehmensführung weitergehende, innovative Ansätze. Das RNE – Projekt will sie nutzbar machen und zugleich Impulse für die Verbreitung der Idee geben.

Da es bislang für die betriebliche, monetäre Bewertung externer Effekte weder allgemein anerkannte Methoden, noch gar Verfahren und Standards gibt, können die ersten Ansätze aus der Praxis ein guter Startpunkt sein. Sie zeigen auf, welche methodischen Herausforderungen bestehen und woran mit neuen Ideen gearbeitet werden muss, um zu nachhaltigen Lösungen zu kommen.

Das Unternehmen PUMA SE hat unter der Leitung von CEO Jochen Zeitz die Rolle eines Vorreiters eingenommen. 2011 wurde eine umfassende Berechnung der bei der Produktion anfallenden umweltseitigen Kosten und Nutzen (die so genannte Environmental Profit and Loss Berechnung, oder kurz EP&L) zunächst für die Bereiche CO2-Emissionen und Wasserverbrauch erstellt und schrittweise um weitere Aspekte wie Fläche, Schwefeldioxid und Abfall erweitert und schließlich als Gesamtrechnung für das Vorjahr öffentlich präsentiert. Analog arbeitet PUMA SE auch an der SP&L, in der soziale Kostenfaktoren in Form einer Gewinn- und Verlustrechnung dargestellt werden.

Die Herausforderung

  1. Welche Ideen und Ansätze gibt es, Umwelt- und Sozialfaktoren als externe Effekte in die Betriebsbilanz einzuführen?
     
  2. Welche Praxisbeispiele und aktuellen Ergebnisse aus der betriebswirtschaftlichen Forschung zur nachhaltigen Unternehmensführung gibt es?
     
  3. Welche Methoden können angewendet werden, welche sind zu entwickeln? Lässt sich methodische Vielfalt der externen Effekte, die sich aus den Stoffströmen selbst, den unterschiedlichen Geschäftsfeldern und Produktionsmustern, unterschiedlichen lokalen Bedingungen und der Unternehmenskultur ergeben, eine gewisse Standardisierung erreichen, die dem einzelnen Unternehmen die Bewertung seiner Effekte erleichtert? Welche Kosten sind für eine Tonne CO2, einen Kubikmeter Wasser, einen Hektar Boden etc. einzustellen? Sind diese Monetarisierungen regional zu differenzieren oder global (entlang der Lieferkette) gleich?
     
  4. Wo liegen die Grenzen unternehmerischer Verantwortung und wer bestimmt sie? Welche Qualitätsanforderungen braucht eine vergleichbare Vollkostenrechnung? Welche Anreize für die Weiterentwicklung unternehmerischer Geschäftsmodelle sind durch Vereinfachung (default values, Standards) zu erreichen?
     

→ Der Ideenwettbewerb hat Ansätze gesucht, die sich diesen Fragen widmen und ihre Ideen in der Praxis überprüfen.
 

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