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"Die Städte werden in Zukunft noch stärker Zentren technologischer und gesellschaftlicher Innovationen sein. Umso wichtiger sind die Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung unserer Städte."

Prof. Dr. Wolfgang Schuster, Mitglied des Rates

11.05.2012

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„Forum Nachhaltiger Kakao“ will Schokolade nachhaltiger machen

Schokolade zählt in Deutschland zu den beliebtesten Süßigkeiten. Als Abnehmer von mehr als zehn Prozent der Weltkakaoernte hat Deutschland auch erheblichen Einfluss auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der mehr als fünf Millionen Kleinbauern, die die Kakaobohnen in Afrika, Südostasien oder Süd- und Mittelamerika anbauen. Deren Einnahmen aus dem Anbau von Kakao sind indes häufig so gering, dass sie kaum über die Runden kommen. Kinderarbeit ist weit verbreitet. Die Bundesregierung will das jetzt zusammen mit Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen ändern.

Aus diesem Grund haben das Bundeslandwirtschafts- und das Bundesentwicklungsministerium Ende März die Gründung des „Forums Nachhaltiger Kakao“ angekündigt. Das Forum soll die Kakaobauern in den Anbauländern beim Ausbau einer nachhaltigen Kakaoproduktion unterstützen. Dirk Niebel, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, sagte, das sei ein „entscheidender Hebel zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen“. Die Verbreitung nachhaltiger Anbaumethoden helfe den Bauern ein angemessenes Einkommen zu erzielen, das sie in die Schulbildung ihrer Kinder oder die medizinische Versorgung investieren könnten.

Die Gründungsveranstaltung des Forums Nachhaltiger Kakao ist für den Juni geplant. Im Anschluss will das Forum ein gemeinsames Nachhaltigkeitsverständnis erarbeiten und bestehende Aktivitäten im Kakaosektor koordinieren. Außerdem will es gute Beispiele verbreiten. Interesse an einer Mitgliedschaft signalisiert haben laut Bundeslandwirtschaftsministerium unter anderem Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels, Kakaohändler und -verarbeiter, Erzeugerorganisationen und -länder. Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) und der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL) unterstützen das Forum und finanzieren es zusammen mit der Bundesregierung.

Die deutsche Süßwarenindustrie möchte damit nach eigenen Angaben „ein deutliches Zeichen setzen und den Weg hin zu einer nachhaltigen Kakaoproduktion aktiv mit gestalten“, so der BDSI-Vorsitzende Dietmar Kendziur. Der Verband hat seinen Mitgliedern jüngst empfohlen, den Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos an den in Deutschland verkauften Süßwaren zu erhöhen: Bis 2020 soll er auf 50 Prozent steigen, bis 2025 auf 70 Prozent. Zu schaffen ist das laut Kendziur allerdings nur, wenn die Regierungen in Deutschland und den Anbauländern, der Kakaohandel, Verbraucher und Nichtregierungsorganisationen an einem Strang ziehen.

Laut BDSI wird Kakao in der Regel von Kleinbauern neben anderen Nutzpflanzen angebaut, ist aber häufig Haupteinnahmequelle. Die Mitarbeit von Kindern sei in vielen Ländern üblich und gesellschaftlich akzeptiert, da diese zum Lebensunterhalt der Familien beitragen. Es komme aber auch zu missbräuchlichen Formen der Kinderarbeit. Den Kleinbauern fehlten oft die erforderlichen Kenntnisse über die effiziente Nutzung ihrer Ressourcen oder den Umgang mit Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, so der BDSI.

Die eigentliche Ursache für Kinderarbeit und die schlechten Lebensverhältnisse der Kakaobauern liegt nach Einschätzung des Siegburger Südwind-Instituts indes im niedrigen Verkaufspreis von Kakao. „Der inflationsbereinigte Preis für Kakao ist über viele Jahre gesunken“, sagt Südwind-Experte Friedel Hütz-Adams. „Schokolade war nie billiger als heute.“ Das von Kirchen, Gewerkschaften und Unternehmen getragene Institut begrüßt die Gründung des Kakao-Forums, bedauert jedoch, dass der BDSI bereits zu Beginn des Prozesses das Ziel ausgerufen hat, bis zum Jahr 2020 lediglich 50 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Kakaos aus nachhaltigen Quellen decken zu wollen.

„In den Niederlanden sollen es bis zum Jahr 2020 bereits 80 Prozent sein“, sagt Hütz-Adams. Und da mehrere große Schokoladenhersteller und Einzelhandelsketten bereits angekündigt hätten, in den kommenden acht Jahren komplett auf Kakao aus nachhaltigem Anbau umstellen zu wollen, drohe sogar Stillstand: Würden alle Ankündigungen umgesetzt, müssten die Unternehmen, die sich noch nicht auf eine Umstellung verpflichtet haben, nichts mehr tun, um die 50-Prozent-Quote zu erfüllen.

Weiterführende Informationen

Minister Niebel und Aigner unterstützen nachhaltigen Kakaoanbau. Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, 29.03.2012.

Forum nachhaltiger Kakao. Hintergrundinformationen des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, ohne Datum.

Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Süßwarenindustrie zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Anbauländern: mit vereinten Kräften den nachhaltigen Kakaoanbau fördern. Pressemitteilung des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie, 29.03.2012.

Erklärung des BDSI zur Nachhaltigkeit im Kakaosektor, 29.03.2012.

Südwind begrüßt Gründung des Kakao-Forums und fordert mehr Engagement der Industrie. Pressemitteilung des Südwind-Instituts für Ökonomie und Ökumene, 29.03.2012.

Meldung zum Thema

Studie: Schoko-Industrie noch weit von Nachhaltigkeit entfernt. News Nachhaltigkeit, 15.04.2011.

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