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Berlin, 24. November 2022 – Seegras als umweltfreundlicher Dämmstoff, eine Software zur Optimierung des Stromverbrauchs, ein Online-Kataster für Baumaterialien sowie faire Schokoladenherstellung genau dort, wo der Kakao wächst – das sind die Gewinner*innen in der Kategorie „Zukunft – Transformation" des diesjährigen Wettbewerbs "Projekt Nachhaltigkeit". Auf den "RENN.tagen Berlin 2022" werden die Auszeichnungen am heutigen Donnerstag durch Werner Schnappauf, Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE), übergeben. Der mit jeweils 10.000 Euro dotierte Preis geht an Projekte, die die Transformation auf herausragende Weise vorantreiben. In den beiden weiteren Kategorien des Projekts Nachhaltigkeit, "N – Jetzt und vor Ort" und "Foto – Zukunft im Bild", wurden die 21 Preisträger*innen bereits im Vorfeld auf regionalen Veranstaltungen ausgezeichnet. Insgesamt haben 331 Initiativen und Projekte an dem Wettbewerb teilgenommen, davon 151 in der Kategorie "Zukunft – Transformation".

Werner Schnappauf: "Klimawandel, Artensterben, Krieg, Energiekrise – angesichts multipler globaler Krisen müssen wir alle endlich ins Handeln kommen, auf politischer Ebene genauso wie vor Ort. Mit dem Wettbewerb 'Projekt Nachhaltigkeit' zeigen wir, wie die Transformation bereits erfolgreich umgesetzt wird, in der Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und in den Kommunen – und, dass wir alle etwas tun können. Den Preisträger*innen in der Kategorie "Zukunft – Transformation" kommt hier besondere Bedeutung zu. Die Kategorie ist gleichzeitig eine Art Ideenwettbewerb, denn es wird nicht nur bestehendes Engagement ausgezeichnet. Die Projekte müssen auch zeigen, wie der Preis sie bei zukünftigem Engagement unterstützen kann. Ihnen kommt hier eine Vorbildrolle für den gesellschaftlichen Wandel zu, die wir unterstützen und fördern wollen."

Der Wettbewerb "Projekt Nachhaltigkeit" zeichnet jedes Jahr Initiativen und Projekte aus, die sich für eine nachhaltige Entwicklung im Sinne der Agenda 2030 und der globalen Nachhaltigkeitsziele einsetzen. Der seit fünf Jahren etablierte Nachhaltigkeitspreis wird von den vier Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) in Kooperation mit dem RNE unter dem Dach der neuen Vernetzungsplattform Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit verliehen.

Preisträger*innen der "Kategorie Zukunft - Transformation" 2022

Energy Demand Management Software (Endeema), Frankfurt am Main

"Wenn die Zulieferer sparen, kann die Ersparnis auch bei Konzernen ankommen"
Endeema ist eine B2B-Software, die die günstigere Versorgung mit erneuerbaren Energien im Strommix des Stromnetzes vorhersagt und Empfehlungen und Automatisierung bereitstellt, um den Produktions- und Lastplan von Unternehmen zu ändern. Dies führt zur Senkung von Stromkosten und Treibhausgasemissionen und unterstützt die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

Interview mit Joel Christoph, Mitgründer und Geschäftsführer von Endeema
www.endeema.com

fairafric, München

"Wir möchten den Menschen vermitteln, dass ihr Geldbeutel ein Wahlschein ist und sie mit ihrer Kaufentscheidung Wandel mitbeeinflussen können"
Warum nicht da Schokolade herstellen, wo der Kakao wächst? fairafric produziert in einer solarbetriebenen Fabrik, direkt neben den Kakaoplantagen, faire Bio-Schokolade in Ghana. Mit der Produktion vor Ort fördert fairafric den Aufbau lokaler wirtschaftlicher Strukturen und schafft Jobs in der Weiterverarbeitung und Zulieferindustrie.

Interview mit Miranda Brehm, PR-Managerin von fairafric
www.fairafric.com

Madaster, Berlin

"Mit einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft im Baubereich könnten bis zu 60 Prozent der CO2-Emissionen gesenkt werden"
Die Online-Plattform Madaster erleichtert den zirkulären Einsatz von Produkten und Materialien in der Bauwirtschaft. Durch die Registrierung und Archivierung von Materialien in Gebäuden wird die Wiederverwendung von Materialien leichter, intelligentes Design wird gefördert, Abfälle vermieden.

Interview mit Dr. Patrick Bergmann, Geschäftsführer von Madaster Deutschland
www.madaster.de

Seegrashandel, Westerau

"Seegras hat gute Dämm- und Schallschutzwerte, verrottet nicht, ist schimmel- sowie ungezieferresistent, und es brennt nicht"
Seegras ist kein Müll, sondern ein wertvoller Rohstoff. Der „Seegrashandel“ begreift dieses Material als Ressource und nutzt es nicht nur für die Dämmung von Häusern, sondern auch als Füllmaterial für Matratzen oder Kissen.

Interview mit den Unternehmer*innen Swantje Streich und Jörn Hartje
www.seegrashandel.de

Die RENN.tage Berlin 2022

Die RENN.tage sind das wichtigste jährliche Treffen des RENN-Netzwerks. Sie finden in diesem Jahr am 24. und 25. November im Tagungswerk Berlin statt. Auf dem Treffen geht es um die Umsetzung der Transformationsbereiche der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie auf unterschiedlichen Ebenen sowie um erreichte und anstehende Meilensteine des RENN-Netzwerks. Wie stärken wir den sozialen Zusammenhalt und fördern die Lust auf Demokratie? Wie kann konstruktiv mit Interessensunterschieden umgegangen werden? Wie überdenken wir weltweit vorherrschende Systeme und überwinden diese, beispielsweise lineare Wirtschaftskonzepte? Und insbesondere: Wie erreichen wir gemeinsam die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030? Diese und weitere Fragen werden auf dem Podium und in Themenforen diskutiert, die Ergebnisse werden im Nachgang auf https://www.renn-netzwerk.de dokumentiert.

Das RENN-Netzwerk

Die Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) sind ein Netzwerk des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und unterstützen Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Kommunen, Wirtschaft, Politik und Verwaltung, die zu einer nachhaltigen Entwicklung in Deutschland beitragen wollen. Dafür stärken und vernetzen sie deren Initiativen und Kompetenzen lokal, in den Ländern und in der jeweiligen RENN-Region. Das Netzwerk deckt durch die vier regionalen Netzstellen, RENN.nord, RENN.mitte, RENN.süd und RENN.west, das gesamte Bundesgebiet ab. Weitere Informationen unter: www.renn-netzwerk.de.

Das Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit

Das Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit ist eine offene Plattform zur Förderung von Nachhaltigkeitsengagement in Deutschland. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) baut es auf Initiative von Bund und Ländern auf. Die Webplattform soll Organisationen und ihren Aktivitäten Sichtbarkeit und einen Ort zum Vernetzen bieten. Perspektivisch wird es weitere Möglichkeiten zum Mitmachen geben. Weitere Informationen unter: https://gemeinschaftswerk-nachhaltigkeit.de/

Medienkontakt:

Laura Schoen
Medienreferentin
Rat für Nachhaltige Entwicklung
Geschäftsstelle c/o GIZ GmbH
Potsdamer Platz 10
D-10785 Berlin
Telefon: +49 (0)30 / 338424-529
E-Mail: laura.schoen@nachhaltigkeitsrat.de    

 

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Unser Newsletter informiert Sie zu Themen und Projekten des Rates und zur Nachhaltigkeitspolitik.

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) berät die Bundesregierung zur Nachhaltigkeitspolitik. Er ist in seiner Tätigkeit unabhängig und wird seit 2001 alle drei Jahre von der Bundesregierung berufen. Ihm gehören 15 Personen des öffentlichen Lebens aus der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Politik an. Den Vorsitz führt seit 2020 Dr. Werner Schnappauf, stellvertretende Vorsitzende ist Prof. Dr. Imme Scholz. Der Rat führt auch eigene Projekte durch, mit denen die Nachhaltigkeit praktisch vorangebracht wird. Zudem setzt er Impulse für den politischen und gesellschaftlichen Dialog. Der Rat wird von einer Geschäftsstelle mit Sitz in Berlin unterstützt.

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Herr Christoph, Endeema ist eine Energiemanagementsoftware für Unternehmen - wie funktioniert sie?

Joel Christoph: Wir analysieren mit Endeema die öffentlichen Energienachfragedaten und den Energieverbrauch unserer Kunden. So können wir den Verbrauch zeitlich besser an die Preise anpassen. Und weil die Preise niedriger sind zu Zeiten, in denen mehr Solar- und Windenergie im Stromnetz ist, heißt das auch, dass die Emissionen niedriger sind.

Was sind das für Unternehmen, die Endeema nutzen?

Vor allem energieintensive Produktionsunternehmen: Stahl, Aluminium, Papier und Zellstoff. Wir haben aber auch mit kleineren Firmen und Konzernen aus der Autoindustrie gearbeitet, vor allem während der Produktentwicklung.

Was haben Sie in dieser Phase der Produktentwicklung gelernt?

Wir hatten wöchentlich Gespräche mit Unternehmen, um besser zu verstehen, was ihre Energieprobleme sind. Uns wurde schnell klar, dass es einen relativ hohen Energieverbrauch benötigt, höher als etwa bei Haushalten, damit durch “Load Shifting” – so nennt man die zeitliche Verschiebung des Energievolumens – die Kosten verringert werden können. Unsere Zielgruppe sind also Unternehmen, die relativ viel Energie verbrauchen, aber gleichzeitig 15 bis 30 Prozent ihrer Energienachfrage verschieben können.

Produktionszeiten zu verschieben, klingt nicht nach einer Kleinigkeit.

Ja, das ist nicht so einfach und jedes Unternehmen braucht unsere individuelle Betrachtung. Wir haben in der Regel zwei Aufgaben: Erstens müssen wir identifizieren, welche Prozesse an welchem Ort, wie viele Stunden verschoben werden können. Kann etwas, das um neun Uhr stattfindet, auch um zehn Uhr stattfinden? Oder nachts, oder gar am Wochenende? Große Verschiebungen sind in der Regel nicht möglich. Aber es gibt Prozesse, bei denen eine Verschiebung genug Kosten reduziert, dass es Sinn ergibt, Personal zu anderen Zeiten einzusetzen.

Zweitens passen wir das Modell, das ich entwickelt habe, an die Gegebenheiten vor Ort an. Es werden verschiedene Variablen integriert, etwa die Energielast der Maschinen. Die Variablen müssen angepasst werden, wenn sich etwas vor Ort ändert, etwa durch neue Maschinen. Nur dann können wir die Energienutzung optimieren und Kosten reduzieren. Unser Grundsatz ist, dass unser Produkt nichts kostet, wenn das Unternehmen keine Kostenersparnisse generiert.

Das klingt nach viel Detailarbeit, wie groß ist die Ersparnis im Durchschnitt?

Im Durchschnitt sind es zwei bis vier Prozent des jährlichen Energieverbrauchs. Das hängt davon ab, wie viel Spielraum wir haben. Es kommt auf die Maschinen, die Prozesse, aber auch auf die Firmenkultur an. Das klingt jetzt alles sehr kompliziert, aber zweimal im Jahr verschieben wir alle die Zeit und somit die Produktion um eine Stunde, wir kennen das. Die Frage ist eher, für wen das technisch und ökonomisch Sinn ergibt. Das versuchen wir als Startup festzustellen - in Deutschland und bald auch in anderen Ländern.

Andere Länder und auch größere Unternehmen?

Viele große Konzerne haben bereits Abteilungen im Haus, die sich um das Energiemanagement kümmern. Aber als Klein- oder Mittelstandsunternehmen kann man dafür oft keine Leute abstellen. Darauf sind wir spezialisiert.

Wie kam es zu der Idee für Endeema?

Im Jahr 2019 habe ich in London für eine Energieberatungsfirma gearbeitet. Es gab einen Wettbewerb zu der Frage, wie man den Energieverbrauch für Haushalte optimieren kann. Meine Idee war, eine SMS zu schicken, wenn es zum Beispiel günstiger ist, die Spülmaschine später einzuschalten. Solche Konzepte gibt es schon und sie funktionieren, etwa in Bogotá, in Tokyo, in Kalifornien. In Europa aber nicht so, was mich erstaunt hat, weil die Elektrizitätskosten hier relativ hoch sind, vor allem durch die Steuern. Doch meine Idee wurde nicht angenommen. Das Feedback war, dass keiner die Spülmaschine eine Stunde später starten würde, um dreißig Cent oder einen Euro zu sparen. So blieb das liegen, bis ich 2021 die Idee hatte, mit Unternehmen zu arbeiten. Im Frühjahr 2021 habe ich mich mit Endeema für das Programm “Futury” in Frankfurt am Main beworben und habe dort ein vierköpfiges Team gegründet. Wir haben angefangen, unser Produkt zu entwickeln und Gespräche mit Konzernen geführt.

Wenn die Konzerne bereits ein internes Energiemanagement haben, wieso waren diese Gespräche für sie von Interesse?

Da ging es vor allem um kleinere Zulieferer von Maschinen- oder Automobilteilen. Wenn die Zulieferer Kosten sparen, kann die Ersparnis auch bei den Konzernen ankommen.

Sie haben in vielen Ländern gelebt, sprechen viele Sprachen, wieso sitzt Endeema in Deutschland?

Deutschland ist ideal, weil es drei Dinge hat. Erstens: relativ hohe Elektrizitätskosten für Firmen. Zweitens: einen großen Produktionssektor. Und drittens: mindestens zwanzig Prozent Elektrizität aus Solar- und Windenergie, die ist wetter- und somit zeitabhängig.

Was müsste passieren, damit Unternehmen mit Endeema noch mehr Energie einsparen können?

Sobald es mehr Elektrizität aus Solar- und Windkraft gibt – auf dem Weg ist die Bundesregierung bereits – gibt es auch mehr Variabilität im Energieangebot.

Gab es bei der Gründung von Endeema Stolpersteine?

Ja, es war nicht so einfach, alle Unternehmensarten zu verstehen. Wieso man in der Praxis mit einer GbR anfängt und dann eine UG wird und dann eine GmbH. Wir mussten uns außerdem als Team erst organisieren und herausfinden, wie wir dezentral arbeiten können. Ich hatte auch Zweifel, ob ich meine Zeit richtig investiere in die einzelnen Teile des Projekts, oder ob wir mehr Hilfe brauchen. Doch das Geld war knapp, das fehlt oft schon für Anwälte und Steuerberater. Wir hatten Glück, dass wir das von “Futury” kostenlos bekommen haben.

Ist die Nachfrage nun so, wie Sie sich das anfangs vorgestellt haben?

Kommt darauf an. Es sind auch Firmen auf uns zugekommen, mit denen wir nicht gerechnet haben. Etwa Elektroautohersteller. Deren Kunden könnten mit Endeema per App oder SMS benachrichtigt werden, wann es am günstigsten ist, ihr Auto aufzuladen. Doch momentan haben wir nicht genug Personal, um das Modell auf andere Industriezweige anzupassen.

Was möchten Sie mit Endeema im kommenden Jahr erreichen?

Ich glaube, dass unsere Herausforderungen innerhalb des Teams liegen, wir müssen wachsen. Außerdem müssen wir das Produkt im Backend entwickeln, aber auch das User-Interface, also das Frontend anpassen. Strategisch müssen wir unser Netzwerk zu Leuten mit sowohl Startup-Erfahrung als auch Industrieerfahrung ausbauen.

Wenn Sie einem nachhaltigen Software-Startup in Deutschland einen Rat geben müssten, was wäre das?

Das ist schwierig, wenn es nur einer sein soll. Aber man kann nicht oft genug sagen: Man darf nicht aufgeben. Es gibt so viele Probleme, die ein Startup lösen muss. Aber die Lösung ist oft schlicht ein Perspektivwechsel, eine Umschichtung im Team oder Hilfe von außen. Die meisten Startups scheitern nicht an der Konkurrenz, sondern weil sie zu früh aufgeben.

Projekt Nachhaltigkeit zeichnet das Software-Startup Endeema aus

Seit fünf Jahren zeichnet Projekt Nachhaltigkeit herausragende Initiativen und Projekte des Wandels in Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Kommunen aus, die sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen. Vergeben wird der Nachhaltigkeitspreis von den vier RENN (Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien) in Kooperation mit Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) unter dem Dach des Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit.

Joel Christoph ist Mitgründer und Geschäftsführer von Endeema. Foto: Endeema

Joel Christoph ist Mitgründer und Geschäftsführer von Endeema. Foto: Endeema

Endeema ist eine Energiemanagementsoftware, die die Kapazität von erneuerbaren Energien im Stromnetz berechnet. Nach diesen Berechnungen planen die Kunden ihre Produktionszeiten und ihren Energieeinkauf. Das Software Startup wurde im Mai 2021 in Frankfurt am Main gegründet, das Team besteht aus vier Personen. Joel Christoph ist Mitgründer und Geschäftsführer von Endeema.

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Fairafric ist der Eigenbeschreibung nach „das einzige europäische Unternehmen, das die Wertschöpfung von Bio-Schokolade, von der Bohne bis zur fertig verpackten Tafel, ins Ursprungsland Ghana verlagert" hat. Was ist der Unterschied zwischen Ihrem Social Business und anderen Firmen, die faire Schokolade anbieten?

Miranda Brehm: Genau der. Wir gehen über das Prinzip des „fairen Handels“ hinaus: Wir kaufen den ghanaischen Kakaobauern nicht nur die Bohnen zu einem fairen Preis ab, sondern wir produzieren die Bio-Schokolade bis zum fertigen Produkt vor Ort in Ghana. Uns geht es darum, die Wertschöpfung zurück ins Ursprungsland des Kakaos zu bringen. Denn das Geld wird nicht dort verdient, wo der Rohstoff herkommt, sondern dort, wo er weiterverarbeitet wird. Die Zahlen zeigen das ganz deutlich: Insgesamt 70 Prozent des weltweiten Kakaos stammen aus Afrika, doch nur fünf Prozent der 100 Milliarden Euro, die jährlich mit Schokolade umgesetzt werden, landen dort. 69 Prozent der Bäuerinnen und Bauern in Westafrika leben unter der Armutsgrenze. Und der Weltmarktpreis sinkt.

Fairafric-Gründer Hendrik Reimers hat 2016 seinen Job in der Software-Branche gekündigt und das Social Business gegründet. Was hat ihn dazu gebracht?

Dass die Verhältnisse sich nur ändern werden, wenn man auch die Produktion lokal und fair gestaltet, verstand er schon 2012, als er mit dem Rucksack durch Afrika gereist ist. Da hat er sich zum ersten Mal die Frage gestellt, warum da so viel Kakao angebaut wird, die Weiterverarbeitung aber ganz woanders stattfindet. Die Idee hat ihn danach nicht mehr losgelassen und er hat begonnen, Kontakte zu den Kakaofarmen und Geschäftspartnerschaften vor Ort aufzubauen.

Wie sieht der Weg aus, den Sie als Unternehmen gehen?

Durch unser Konzept, den Rohstoff auch direkt vor Ort weiterzuverarbeiten, schaffen wir Arbeitsplätze auch außerhalb der Landwirtschaft. Die neuen Arbeitsplätze und hohen Prämien für die Kakaobäuerinnen und -bauern – wir zahlen die höchsten Prämien in Westafrika – sorgen für höheres Einkommen für die Menschen vor Ort. Daraus folgt ein besserer Zugang zu Bildung und Gesundheitsvorsorge und die Vermeidung von Kinderarbeit.

Wie weit sind Sie auf diesem Weg?

2020 hat fairafric in Amanase, etwa 50 Kilometer nördlich von Accra, eine eigene Fabrik gebaut. Der größte Teil des dafür benötigten Geldes kam via Crowdfunding zusammen. Inzwischen sind wir der größte Arbeitgeber im Bezirk und die größte Schokoladenfabrik im Land. Rund 40.000 Tafeln Schokolade laufen dort jeden Tag vom Band, produziert von 85 Mitarbeitenden. Außerdem bilden wir gerade den ersten Jahrgang von fünf Chocolatiers und Chocolatières aus. Und: Die Fabrik ist noch längst nicht voll ausgelastet.

Welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesetzt?

Gerade ist es nicht leicht, weil angesichts der vielen Krisen sowohl die Crowdfunding-Unterstützung als auch die Umsätze in den Bioläden zurückgehen, aber wir bleiben dran. Unsere Vision ist es, bis 2030 10.000 Arbeitsplätze bei Lieferanten und Fabriken zu schaffen. In Zukunft wollen wir auch die Kakaoverarbeitung selbst übernehmen. Bisher kaufen wir die vorbehandelten Bohnen ein. Außerdem können wir uns vorstellen, dass Kakao nur der erste Schritt ist und später andere Produkte wie Kaffee oder Tee hinzukommen. Vor allem aber wollen wir andere Unternehmen dazu inspirieren, auch diesen Schritt zu gehen. Wir haben jetzt gezeigt, dass das zu schaffen ist, also können andere das auch machen. Und: Wir möchten den Menschen vermitteln, dass ihr Geldbeutel ein Wahlschein ist und sie mit ihrer Kaufentscheidung Wandel beeinflussen können. Immerhin konsumiert jeder und jede Deutsche im Schnitt rund elf Kilogramm Schokolade pro Jahr.

Projekt Nachhaltigkeit zeichnet das Social Business fairafric aus

Seit fünf Jahren zeichnet Projekt Nachhaltigkeit herausragende Initiativen und Projekte des Wandels in Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Kommunen aus, die sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen. Vergeben wird der Nachhaltigkeitspreis von den vier RENN (Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien) in Kooperation mit Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) unter dem Dach des Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit. Die Preisträgerinnen in der Kategorie N – Jetzt und vor Ort und in der Kategorie Foto wurden bereits im September verkündet.

Die fairafric AG hat nun einen von vier Preisen in der Kategorie Z – Transformation gewonnen, die am 24. November bekannt gegeben wurden. Damit werden Initiativen und Ideen ausgezeichnet, denen die Jury ganz besonders großes Transformationspotential zutraut.

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Frau Streich, Herr Hartje, Anfang November musste Ihre Webseite einen kleinen Ansturm von Besucher*innen verkraften. Was war da los?

Swantje Streich: Eine Folge der ZDF-Serie SOKO Wismar spielte in einer Seegrasmanufaktur. Wir verraten nicht, wer der Täter ist, obwohl wir das sogar vor der Ausstrahlung wussten – wir haben die Produktion nämlich beliefert. Wir freuen uns natürlich über die Neugierde des TV-Publikums. Schließlich arbeiten wir daran, dass der traditionelle Dämmstoff Seegras wieder bekannt wird.

Wie Ihr Firmenname schon sagt: Sie betreiben keine Seegrasmanufaktur, sondern einen Seegrashandel. Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen?

Jörn Hartje: 2004 haben wir das Dach unseres 100 Jahre alten Hauses dämmen wollen und sind dabei auf den traditionellen Dämmstoff Seegras gestoßen. Wir wussten damals sehr wenig darüber und haben uns erst selber schlau machen müssen. Am Ende waren wir begeistert: Seegras hat gute Dämm- und Schallschutzwerte, verrottet nicht, ist schimmel- sowie ungezieferresistent, und es brennt nicht. Wir haben damals die Restbestände eines Seegrasprojekts im Klützer Winkel gekauft, danach ging die Firma Konkurs, und wir haben noch einiges selber gesammelt. Da es sonst keinen Anbieter mehr gab und Bekannte von uns dringend Seegras kaufen wollten, kamen wir auf die Idee, den Seegrashandel zu gründen. Dies geschah 2012, seit 2020 ist es eine GmbH. In den ersten zähen Jahren bestand die Hauptaufgabe darin, Seegras als Dämmstoff bekannt zu machen. Inzwischen haben wir über 350 Baustellen damit beliefert.

Seegras wurde früher sehr viel genutzt…

Hartje: Es hat sich über Jahrhunderte bewährt, nicht nur zum Dämmen, auch zum Polstern. In Deutschland sind noch bis vor gut 60 Jahren Seegrasmatratzen produziert worden, bevor der Natur- durch Kunststoff verdrängt wurde. Allein in Dänemark erreichte die Seegrasproduktion zu ihrem Höhepunkt im Jahr 1913 eine Jahresproduktion von acht Millionen Tonnen – trockenem – Seegras. Das war dreimal so viel wie die gesamte Heuernte desselben Jahres. Aber heute ist es total in Vergessenheit geraten.

Manche denken bei Seegras wahrscheinlich an das Gras, das auf den Dünen wächst…

Hartje: Das ist was ganz anderes. Seegras wächst auf dem Meeresgrund, auf großen Wiesen in Tiefen von bis zu zehn Metern. Im Herbst reißt das Wasser einen Teil der abgestorbenen Blätter ab und treibt sie ans Ufer. Ich kann mich daran erinnern, dass in meiner Jugend die Strände voll damit waren. Heute wird das Seegras oft entfernt und entsorgt, vor allem, weil mit Algen vermischtes Seegras nach einiger Zeit einen starken Geruch verströmt. Nur ein Beispiel: Allein die Gemeinde Scharbeutz beseitigt jedes Jahr 8.000 Tonnen Seegras – um mal deutlich zu machen, von welchen Mengen wir da sprechen.

Wie genau kommen Sie denn an das Seegras heran?

Streich: Derzeit kaufen wir es bei dänischen Bauern ein. Deren Grundstücke grenzen an die Ostsee. Dort wird regelmäßig über 90 Prozent reines, grünes Seegras angeschwemmt. Die Landwirte fahren mit ihren Traktoren an den Ufersaum und nehmen mit einem Greifer das nasse Seegras auf. Dann lassen sie aus den Haufen erst mal das meiste Meerwasser heraussickern. Später verteilen sie es auf den Wiesen und wenden es in der Folgezeit immer wieder, denn es dauert je nach Jahreszeit wenige Tage bis etliche Wochen, bis es getrocknet ist. Außerdem wird es in dieser Zeit vom Regen gewaschen, der spült Meersalz und Plankton ab. So zieht der Dämmstoff später keine Feuchtigkeit aus der Luft und stinkt nicht. Schlussendlich wird das Seegras zu Ballen gepresst.

Sie arbeiten bisher nur mit dänischen Partnern zusammen – woran liegt das?

Hartje: Leider konnten wir in Deutschland bisher weder Kommunen noch Landwirt*innen überzeugen, in die Seegrasnutzung einzusteigen. Daher wollen wir jetzt selber ein Modellprojekt zu Seegrasaufbereitung aufbauen, bei der das Seegras gewaschen und in einer Solar-Trockenhalle getrocknet werden soll.

Was sind Ihre besten Argumente, um Zweifler*innen zu überzeugen?

Streich: Der Beitrag, den der Einsatz von Seegras für den Umwelt- und Klimaschutz leisten kann: Um konventionelle Dämmstoffe herzustellen, braucht es viel Energie. Werden sie dann irgendwann entsorgt, dann oft als Sondermüll. Seegras hingegen hat eine sehr gute Ökobilanz: Es wird an die Ufer gespült, braucht nicht extra angebaut zu werden, es wird von Regenwasser gewaschen und von Sonnenenergie getrocknet. Es speichert CO2 in der Dämmschicht. Wenn eines Tages Umbau- oder Abrissmaßnahmen anstehen, kann es nochmal verwendet oder im Garten verstreut werden. Seegras braucht für die Schimmel- und Feuerresistenz keinen Zusatz von Borsalz wie viele andere (Natur-)Dämmstoffe. Bedenken Sie: Mittlerweile stecken bei Neubauten zwei Drittel der aufgewendeten Energie in den Baustoffen und nur noch ein Drittel in der Heizenergie während der Nutzungsphase. Da kaum noch stärker gedämmt werden kann, gilt es jetzt, bei der Herstellung der Materialien Energie einzusparen. So wird aus einem vermeintlichen Umweltproblem ein wertvoller Rohstoff!

Projekt Nachhaltigkeit zeichnet die Seegrashandel GmbH aus

Swantje Streich und Jörn Hartje, Foto: Seegrashandel GmbH

Der Wettbewerb „Projekt Nachhaltigkeit“ zeichnet jedes Jahr Initiativen und Projekte aus, die sich für eine nachhaltige Entwicklung im Sinne der Agenda 2030 und der globalen Nachhaltigkeitsziele einsetzen. Der seit fünf Jahren etablierte Nachhaltigkeitspreis wird

von den vier Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) in Kooperation mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) unter dem Dach des Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit verliehen. Die Preisträger*innen der beiden Kategorien „N – Jetzt und vor Ort“ und „Foto – Zukunft im Bild“ wurden bereits im September verkündet.

Die Seegrashandel GmbH aus Westerau in Schleswig-Holstein, geführt vom Ehepaar Jörn Hartje und Swantje Streich, wurde nun mit einem von vier Preisen in der Kategorie Zukunft – Transformation ausgezeichnet. Mit diesem 10.000 Euro dotierten Preis in der Kategorie Zukunft werden Initiativen und Ideen ausgezeichnet, denen die Jury ein ganz besonders großes Transformationspotential zutraut.

Alle Gewinner*innen finden sich hier. Informationen zum Wettbewerb und den Bewerbungsmodalitäten im kommenden Jahr gibt es ab Anfang 2023 unter www.wettbewerb-projektn.de.

" ["post_title"]=> string(44) "Traditionsstoff mit Transformationspotential" ["post_excerpt"]=> string(232) "Das Unternehmen Seegrashandel setzt darauf, dass ein vergessener Dämmstoff – und sein Beitrag zum Klimaschutz – neu entdeckt wird. Dafür wurde es in der Kategorie Zukunft im Wettbewerb „Projekt Nachhaltigkeit" ausgezeichnet." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(44) "traditionsstoff-mit-transformationspotential" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2022-11-29 10:13:43" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2022-11-29 09:13:43" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(42) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=94501" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [4]=> object(WP_Post)#16443 (24) { ["ID"]=> int(94483) ["post_author"]=> string(1) "5" ["post_date"]=> string(19) "2022-11-24 06:30:00" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2022-11-24 05:30:00" ["post_content"]=> string(10915) "

Herr Dr. Bergmann, Madaster ist seit 2020 in Deutschland aktiv. Was ist Madaster eigentlich?

Dr. Patrick Bergmann: Madaster ist ein Kunstwort aus den Worten Material und dem niederländischen Wort für Kataster, dem Grundstücksverzeichnis – denn wir sind niederländischen Ursprungs. Wir dokumentieren Bauteile und Materialien in Gebäuden, geben den Materialien sozusagen eine Identität, damit sie nach Rückbau oder Sanierung wiederverwendet, statt einfach weggeworfen werden.

Welches Potenzial steckt im Gebäudesektor, um die Klimaziele zu erreichen?

Mit einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft im Baubereich könnten bis zu 60 Prozent der CO2-Emissionen gesenkt werden. Wenn wir ein ordentliches Baudesign haben, nicht viel kleben und mischen und die Eigentümer*innen dafür sorgen, dass diese Informationen nicht in Vergessenheit geraten und so rückgebaut wird, dass es wieder eingesetzt werden kann, dann sparen wir enorme Mengen an CO2 und auch Abfall. Der Bausektor ist für 60 Prozent der Abfälle verantwortlich.

Sie haben sich zum Ziel gesetzt, Zirkularität in den Gebäudesektor zu bringen. Wie sieht das konkret aus?

Technisch ist es schon möglich, Bauteile und Materialien im Gebäudesektor wiederzuverwenden. Das Problem ist nur, dass Eigentümerinnen von Bestandsgebäuden meistens nicht wissen, was verbaut wurde, da diese Informationen mit der Zeit verloren gehen. Genau hier setzt Madaster an: Wir speichern die Infos, die in der Regel am Anfang Architektinnen haben, versehen sie mit Herstellerinformationen und laden das auf unsere Plattform hoch. Wenn das Gebäude verkauft wird, haben die neuen Eigentümerinnen Zugang zu den Daten. So sorgen wir dafür, dass auch der oder die zehnte Eigentümerin die Informationen noch hat. Mit unserer Plattform können Architekt*innen außerdem auch verschiedene Varianten planen und in der frühen Planungsphase sehen, welche Variante die Beste im Sinne von Ökologie und Kreislaufwirtschaft ist. Sie sehen, welche Masse drinsteckt, wie zirkulär das Material ist, wieviel CO2-Emissionen in dem Gebäude stecken und wieviel das Material wert ist.

Sind die Eingaben mit Mehraufwand für Bauherren und Architekten verbunden?

In den Niederlanden planen Architekt*innen digital mit Building Information Modeling (BIM). Wir haben eine Schnittstelle zu BIM, sodass wir die Informationen, was verbaut wurde, per Knopfdruck direkt aus der Software ziehen können. Es ist also kein Mehraufwand. In Deutschland ist digitales Planen und Bauen allerdings – noch – nicht so verbreitet und standardisiert.

Welchen Anreiz haben Bauherrinnen, Madaster zu nutzen?

Der wichtigste Anreiz ist die Berichterstattung für die EU-Taxonomie, die künftig noch schärfer werden wird. Mit uns können Bauherrinnen die vier Indikatoren – Materialmenge, Zirkularität, Embodied Carbon, Rohstoff-Restwert – nachweisen und für alle ihre Gebäude aggregiert einsehen. Es ist empfehlenswert, die Informationen jetzt schon sehr einfach zu sammeln, als in der Zukunft mit viel Aufwand. Außerdem kann man auf der Plattform ablesen, welchen Wert das Material, etwa Aluminium oder Stahl, aktuell an der London Metal Exchange hat. Wenn Bauteile mit einem Preis versehen sind und Eigentümer*innen also sehen, die Wände sind zum Beispiel 500.000 Euro wert, werden sie sie nicht einfach wegwerfen.

Gebäude haben ein langes Leben. Wird Madaster seine Wirkung erst in vielen Jahren entfalten?

Die Mehrzahl der Gebäude im Madaster sind derzeit Bestandsgebäude, die jetzt oder in den kommenden Jahren umgebaut, kernsaniert oder rückgebaut werden. Darüber hinaus wird in Bürogebäuden der Innenbereich alle drei Jahre ausgetauscht. Die Materialien werden dort schon viel früher frei.

Wie viele Gebäude sind im Madaster verzeichnet?

In Deutschland sind etwa 1.000 Gebäude registriert, insgesamt haben wir 4.000 in sechs Ländern. Unser Ziel ist es in den kommenden Jahren 30.000 Gebäude aufzunehmen.

Wie kam es zur Gründung?

Madaster wurde 2017 vom deutschen Architekten Thomas Rau in den Niederlanden initiiert. Als wir angefangen haben, wurden wir im Rahmen des EU-Forschungsprogramms Horizon 2020 mit etwa 2,5 Millionen Euro gefördert, um unsere Plattform aufzubauen. Thomas Rau befasste sich schon in seinem Buch „Material Matters“ mit der Frage wie wir mit Gebäuden und Materialien umgehen müssen, um unsere Erde nicht weiter auszubeuten und gleichzeitig die Klimaziele zu erreichen. Für uns ist klar, dass das nur mit einer echten Kreislaufwirtschaft funktioniert.

Madaster ist eine Stiftung. Welchen Hintergrund hat das?

Wir sind nicht profitorientiert, sondern sind in den Niederlanden als gemeinnützige Stiftung eingetragen, der auch die Plattform gehört. Die Stiftung hat sich dazu verpflichtet, auf das Ziel hinzuarbeiten, die Kreislaufwirtschaft umzusetzen. Das hat auch viel mit Datenschutz und Datensicherheit zu tun: Als Stiftung ist es nicht möglich, dass wir von einem ausländischen Unternehmen gekauft werden. Die einzige „Exit-Strategie“ die wir uns vorstellen können: die Bundesregierung übernimmt uns und wir werden eine Art vorgelagerte Behörde.

Welche Vision hat Madaster?

Wir wollen, dass die Kreislaufwirtschaft tatsächlich umgesetzt wird. Unser Ziel ist, dass jedes Gebäude in Deutschland und letztendlich in Europa im Materialkataster registriert wird. Natürlich nützt der Materialkataster Privateigentümer*innen. Aber was wir eigentlich anstreben, ist eine Karte, die Gemeinden, Kommunen und ganzen Regionen eine aggregierte Übersicht über verbautes Material gibt. So können sie besser planen, wenn es frei wird und sehen, ob die Verordnungen so gestrickt sind, dass das anfallende Material auch wieder eingesetzt werden kann.

Projekt Nachhaltigkeit zeichnet die Madaster Foundation aus

Seit fünf Jahren zeichnet Projekt Nachhaltigkeit herausragende Initiativen und Projekte des Wandels in Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Kommunen aus, die sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen. Vergeben wird der Nachhaltigkeitspreis von den vier RENN (Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien) in Kooperation mit Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) unter dem Dach des Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit.

Foto: Dr. Patrick Bergmann

Die Madaster Foundation wurde 2017 vom deutschen Architekten Thomas Rau in den Niederlanden gegründet. Es handelt sich um ein Katasterverzeichnis für Bauteile und Materialien in Gebäuden und Bauobjekten. Ziel ist es, über die Kenntnis der verbauten Materialien Aufschluss über deren Wiederverwendbarkeit und Wert zu erhalten und somit Abfallmengen und CO2-Emissionen im Bausektor deutlich zu reduzieren. Das Tool dafür ist eine Plattform, deren Entwicklung das EU-Forschungsprojekt Horizon2020 mit ca. 2,5 Millionen Euro gefördert hat. Die Plattform kann in den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Norwegen, Österreich und der Schweiz genutzt werden. Etwa 4.000 Gebäude sind derzeit registriert.

" ["post_title"]=> string(89) "Madaster: Ein Materialkataster als Hebel für echte Kreislaufwirtschaft im Gebäudesektor" ["post_excerpt"]=> string(378) "Ein Pass für die Fassade oder das Dachfenster? Dr. Patrick Bergmann, Geschäftsführer von Madaster Deutschland, erklärt im Interview, warum Bauteile eine Identität brauchen und wie das die Kreislaufwirtschaft im Bausektor ankurbelt. Madaster ist einer der Gewinner in der Kategorie „Zukunft – Transformation“ des diesjährigen Wettbewerbs „Projekt Nachhaltigkeit“." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(88) "madaster-ein-materialkataster-als-hebel-fuer-echte-kreislaufwirtschaft-im-gebaeudesektor" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2022-11-23 15:04:37" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2022-11-23 14:04:37" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(42) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=94483" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [5]=> object(WP_Post)#18609 (24) { ["ID"]=> int(94527) ["post_author"]=> string(1) "5" ["post_date"]=> string(19) "2022-11-22 14:08:20" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2022-11-22 13:08:20" ["post_content"]=> string(5985) "

Berlin, 22. November 2022Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) begrüßt den auf der am Sonntag zu Ende gegangenen Klimakonferenz COP27 beschlossenen Fonds für Klimaschäden in besonders betroffenen Ländern. RNE-Vorsitzender Werner Schnappauf: „Der RNE fordert schon seit langem einen Kompensationsmechanismus für klimabedingte Schäden im globalen Süden. Insofern begrüßen wir, dass das Thema erstmals im Abschlussdokument einer COP aufgegriffen wird. Der angedachte Mechanismus muss jetzt zügig konkretisiert und vor allem mit ausreichend Finanzmitteln von den Hauptemittenten-Staaten ausgestattet werden.“

Der Fonds sei ein wichtiger Schritt in Richtung Gerechtigkeit – gleichzeitig hätte aber die Reduktion der Emissionen deutlich ambitionierter ausfallen müssen, die beschlossenen Schritte zur Minderung der Emissionen reichten bei weitem nicht aus. Werner Schnappauf: „Das Bekenntnis, global aus allen fossilen Energieträgern auszusteigen, ist ebenso gescheitert wie die Forderung, den Ausbau der Erneuerbaren Energien in das Abschlussdokument aufzunehmen. Das ist unbefriedigend – und bedeutet gleichzeitig, dass wir hier in Europa das Tempo jetzt noch stärker anziehen müssen. Der Ausbau der Erneuerbaren muss schneller und massiver denn je vorangetrieben werden. Gleichzeitig müssen wir zügig eine grüne Wasserstoffwirtschaft aufbauen. Dafür müssen die EU-Länder viel stärker als bisher zusammenarbeiten. In Anlehnung an die in den 50er Jahren gegründete Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl schlagen wir eine stark intensivierte europäische Zusammenarbeit für Erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff vor. Eine solche gemeinsame Strategie wäre eine wichtige Umsetzungsinitiative im Rahmen des Green Deals der EU.“

Die Europäische Union ist nach China und den USA der drittgrößte Emittent von Treibhausgasen. Eine gemeinsame europäische Energiepolitik spielt aus Sicht des Rates eine Schlüsselrolle für Europas Weg zur Klimaneutralität bis 2050. Spätestens seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist Energie außerdem auch sicherheitspolitisch von Bedeutung. Eine gemeinsame europäische Energiestrategie könnte nicht nur die CO2-Emissionen verringern und die Preise senken, sondern auch die Versorgungssicherheit stärken. Auch dem Fachkräftemangel in einigen Ländern – darunter Deutschland – könnte man so gezielter begegnen. Ein erster Schritt hin zu einer unabhängigeren und zukunftssicheren Energieversorgung könnte ein gemeinsamer europäischer Gaseinkauf auf den internationalen Märkten sein. Dies würde kurz- und mittelfristig helfen, die Gaspreise zu senken und die Einkaufskonditionen zu verbessern. 

Perspektivisch hätte eine gemeinsame Energiestrategie aus Sicht des Rates gleich mehrere Vorteile: 

Über gemeinsame Investments können die Potenziale von besonders sonnen- und windreichen Standorten in der EU noch besser und schneller erschlossen werden, beispielsweise in Südeuropa. Hier gibt es zum Teil auch eine hohe (Jugend-)Arbeitslosigkeit und somit ein bedeutendes Fachkräftepotenzial, während anderswo in Europa Fachkräftemangel herrscht. Eine stärker gemeinsame Energiepolitik ist zudem nötig, um den Wirtschafts- und Industriestandort Deutschland und Europa zu sichern. Werner Schnappauf: „Mit klaren europäischen Rahmenbedingungen für die Versorgung mit erneuerbarem Strom und grünem Wasserstoff können wir die Abwanderung kritischer Industrien wie die Chemie- oder die Stahlindustrie verhindern. So können wir neben öffentlichen Mitteln auch mehr privates Kapital mobilisieren. Auch dem Fachkräftemangel in Ländern wie Deutschland können wir mit einer europaweiten Ausbildungs- und Umschulungsoffensive für Transformationsberufe wie Solarinstallateure oder Öko-Ingenieure begegnen.“ Eine gemeinsame Energiestrategie könnte auch die Grundlage für verstärkte industrie-politische Bemühungen sein, die für die Transformation besonders bedeutenden Schlüsseltechnologien und -branchen in Europa zu halten (wie z.B. die Windturbinenhersteller) bzw. nach Europa zurückzuholen (wie z.B. die PV-Modul-Fertigung).

Auch eine gemeinsame Herangehensweise in der EU oder sogar im Europäischen Wirtschaftsraum (mit Norwegen) bei der Erprobung von Ansätzen für die langfristig notwendigen “negativen Emissionen”, könnte helfen, bei diesem wichtigen Thema voranzukommen. So könnten beispielsweise alle EU-Länder von Erkenntnissen und Erfahrungen aus Modellprojekten zur CO2-Speicherung und -Nutzung (Carbon Capture and Storage (CCS) bzw. Carbon Capture and Utilisation (CCU)), die in einzelnen Staaten schon laufen, profitieren. 

Auch für den Import von erneuerbarem Strom und grünem Wasserstoff hätte eine gemeinsame europäische Herangehensweise bedeutende Vorteile. Wichtig ist dabei u.a. eine gemeinsame Strategie zum Transport von Erneuerbarer Energie in die EU. Der RNE sieht dabei ein besonders großes Potenzial in den südlichen und östlichen Mittelmeer-Anrainer-Staaten. Kooperationsprojekte in den dort herrschenden fragilen politischen Kontexten werden aber nur erfolgreich sein, wenn es einerseits auch positive Effekte für die Entwicklung in den Kooperationsstaaten und dabei auch für die lokale Bevölkerung gibt. Andererseits sollten Konkurrenzen zwischen den EU-Staaten vermieden und die Projekte gemeinsam politisch auf EU-Ebene begleitet werden.

" ["post_title"]=> string(102) "RNE: Mehr Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren – hin zu einer gemeinsamen europäischen Energiepolitik" ["post_excerpt"]=> string(0) "" ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(97) "rne-mehr-tempo-beim-ausbau-der-erneuerbaren-hin-zu-einer-gemeinsamen-europaeischen-energiepolitik" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2022-11-22 14:09:07" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2022-11-22 13:09:07" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(42) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=94527" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [6]=> object(WP_Post)#18610 (24) { ["ID"]=> int(94360) ["post_author"]=> string(2) "17" ["post_date"]=> string(19) "2022-10-28 08:30:18" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2022-10-28 06:30:18" ["post_content"]=> string(7910) "

Im Zuge der Ausweitung der Berichtspflicht zu Nachhaltigkeitsinformationen werden in Zukunft etwa 15.000 Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen müssen. Dies gilt für die aktuell zur Abgabe einer nichtfinanziellen Erklärung verpflichteten rund 500 vorrangig börsen­notierten Unternehmen bereits für Geschäftsjahre ab 2024. Aufgrund der gestaffelten Erst­anwendung gelten die Anforderungen für die große Anzahl aller anderen großen Kapital­gesell­schaften für Geschäftsjahre ab 2025 und für kapitalmarktorientierte KMU für Geschäftsjahre ab 2026 bzw. 2028. Dies wird sich indirekt auch auf die Berichterstattung anderer KMU aus­wirken, da deren Nachhaltigkeitsinformationen aufgrund der Einbindung in die Wert­schöp­f­ungs­ketten berichtspflichtiger Unternehmen oder für die Finanzierung erforderlich sein werden.

Das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) und der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) wollen Unternehmen in Deutschland gemeinsam bei der Umsetzung der neuen gesetzlichen Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung im Kontext der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) unterstützen. In der neu gegründeten Pilotgruppe KMU-Reporting unter Leitung von Professor Dr. Alexander Bassen, Mitglied des Rates für Nachhaltige Entwicklung und Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg, soll die Nachhaltigkeitsberichterstattung von KMU zukunftsweisend diskutiert werden. Die Pilotgruppe wird die Arbeit im November 2022 aufnehmen und sich in einem ersten Schritt mit Erfolgsfaktoren für die kommenden europäischen Berichts­anfor­de­rungen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung in KMU befassen.

Die Ergebnisse der Arbeit sollen im Anschluss mit weiteren bedeutenden Stakeholder-Insti­tutionen diskutiert werden, um ein ganzheitliches Bild verschiedener Perspektiven und Bedarfe für die Situation in Deutschland abzusichern. Ziel ist es insbesondere, Bedingungen für eine möglichst praktikable und gleichzeitig ambitionierte Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht nur im Rahmen des Standardsetzungsprozesses der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG), sondern auch für die nationale Weiterentwicklung zu definieren. Zu einem späteren Zeitpunkt werden insbesondere weitere KMU eingebunden, um die von EFRAG vorgelegten KMU-Nachhaltigkeitsstandards vor dem Hintergrund der Anwendbarkeit zu evaluieren.

Die Pilotgruppe setzt sich aus erfahrenen Vertreter*innen aus KMU und verschiedenen Stakeholdergruppen der KMU-Nachhaltigkeitsberichterstattung zusammen:

Prof. Dr. Alexander Bassen, Universität Hamburg, Mitglied des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE), Mitglied des Nominierungsausschusses des DRSC, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen sowie Mitglied der EFRAG Project Task Force EU Sustainability Reporting Standard (PTF ESRS),

Melanie Becker, Zentralverband des Deutschen Handwerks,

Carsten Beisheim, GvW Graf von Westphalen, Mitglied des DRSC Fachausschusses Nachhaltigkeitsberichterstattung,

Stephan Bongwald, Barmenia Versicherungen, Mitglied im Gremium zu Nachhaltigkeits­bericht­erstattung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft,

Marco Dörr, Stannol GmbH & Co KG,

Prof. Dr. Christian Fink, Hochschule RheinMain | Wiesbaden Business School, Mitglied des DRSC Fachausschusses Nachhaltigkeitsberichterstattung,

WP/StB Volker Hartke, Genossenschaftsverband – Verband der Regionen e.V., Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband e.V.,

Anne Joost, Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG,

Sebastian Kaden, Sächsische Aufbaubank - Förderbank -,

Noura Rhemouga, Hochwald Foods GmbH, Mitglied des DRSC Fachausschusses Nachhaltig­keitsberichterstattung sowie

Dr. Steffen Schwarz-Höfler, Continental AG.

Prof. Alexander Bassen, Vorsitzender der Pilotgruppe betont das Potential der Expertisen ihrer Mitglieder: „Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen stehen im Hinblick auf neue regulatorische Anforderungen vor Herausforderungen. Diese anschlussfähig, praktikabel und kohärent zu gestalten ist Voraussetzung für eine transparente Nachhaltigkeitsberichterstattung und eine wirkungsvolle Transformationsfinanzierung. Die Pilotgruppe KMU-Reporting bündelt dafür wichtige Perspektiven.“

Georg Lanfermann, Präsident des DRSC, kommentiert die Konstituierung und den Start der Arbeit der Pilotgruppe: „Die indirekten Wirkungen der neuen europäischen Regulierungen auf die Gruppe der kleinen und mittleren Unternehmen sind enorm. Mit der gemeinsamen Pilotgruppe KMU-Reporting wollen wir diesen Unternehmen die künftige Berichterstattung erleichtern. Standardi­sierte Mindestinformationen wären ein wichtiger Beitrag, um künftig deren Geschäfts­beziehungen im Rahmen von Wertschöpfungsketten, aber auch deren Finanzierungs­fähigkeit, abzusichern.“

RNE und DRSC haben am 8. September 2022 eine Kooperationsvereinbarung veröffentlicht, die sich unter anderem die Arbeit im Rahmen einer Pilotgruppe „KMU-Reporting“ zum Ziel gesetzt hat.

Weiterführende Informationen zu Entwicklungen der Corporate Sustainability Reporting Directive finden Sie hier.

" ["post_title"]=> string(74) "DRSC und RNE starten Pilotgruppe für KMU-Nachhaltigkeitsberichterstattung" ["post_excerpt"]=> string(330) "Auch kleine und mittelgroßen Unternehmen (KMU) werden zukünftig Nachhaltigkeitsberichte erstellen müssen. Mit einer gemeinsamen Pilotgruppe unter Leitung von Ratsmitglied Professor Alexander Bassen wollen das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) und der Nachhaltigkeitsrat (RNE) diese Unternehmen unterstützen." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(75) "drsc-und-rne-starten-pilotgruppe-fuer-kmu-nachhaltigkeits-berichterstattung" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2022-10-28 13:21:38" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2022-10-28 11:21:38" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(42) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=94360" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [7]=> object(WP_Post)#18611 (24) { ["ID"]=> int(94351) ["post_author"]=> string(2) "17" ["post_date"]=> string(19) "2022-10-27 14:38:38" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2022-10-27 12:38:38" ["post_content"]=> string(7073) "Es ist zehn Jahre her, dass der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit (DAN) ins Leben rief. Damals, 2012, brachten sie 270 Aktionen auf den Weg. Im Jubiläumsjahr 2022 ist diese Zahl auf das 15-fache gewachsen: auf 4.182, ein neuer Rekord. Betrachtet man die ganzen zehn Jahre, fanden insgesamt 17.000 Aktionen unter dem Dach der DAN statt. Das Ziel der Aktionstage: vorbildliches Engagement für Nachhaltigkeit in ganz Deutschland sichtbar machen, öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema erregen und mehr Menschen zu nachhaltigen Handeln bewegen. Zur Teilnahme aufgerufen waren und sind alle Menschen in Deutschland, aber auch Initiativen, Stiftungen, Schulen, Kindergärten, Universitäten, Kirchen, Unternehmen, soziale Einrichtungen, Umwelt- und Entwicklungsverbände, Kommunen, Stadtwerke, Behörden, Ämter und Ministerien. Dieses Jahr fanden die Aktionstage zwischen dem 20. September und dem 26. September 2022 statt, berücksichtigt wurden aber auch Aktionen im Zeitraum vom 18. September bis 8. Oktober.

„Nachhaltigkeit zum Anfassen“

Wie in jedem Jahr veranstaltete der RNE eine der DAN-Aktionen mit. Dazu funktionierten der Rat, die Donut Berlin Initiative und weitere lokale Initiativen an einem Sonntag Ende September eine Straßenecke in Berlin-Kreuzberg zu einer „Werkstatt für nachhaltiges Handeln“ um. An sieben Werkbänken, mit Hilfe von Postkarten, Puzzles, Geschenken, Spielen, Experimenten, Rätseln und einem Seedbomb-Workshop konnten Besucher*innen mehr über die Donut-Ökonomie erfahren. Die Prinzipien der Donut-Ökonomie stehen für ein ökologisch und sozial verträgliches Leben und Wirtschaften. Die Grundannahme: Ein gutes Leben für alle ist nur möglich, wenn menschliche Grundbedürfnisse erfüllt werden und zugleich planetare Grenzen nicht überschritten werden. „Veranstaltungen wie diese, ‚Nachhaltigkeit zum Anfassen‘ sozusagen, machen zum einen deutlich, wie groß nachhaltiges Engagement in Deutschland bereits ist. Zum anderen sind sie eine große Inspiration für alle, die noch aktiv werden wollen“, erklärt Lisi Maier, Mitglied im RNE, die selbst vor Ort an der Aktion teilnahm.

Ausgezeichnet: Langfristige Wirksamkeit

Seit 2012 zeichneten die DAN jedes Jahr zehn Leuchtturmprojekte aus. Zum zehnten Geburtstag wurden unter den bisherigen Preisträgern zehn Jubiläumsprojekte ausgewählt, die aus Sicht des RNE langfristig eine große Strahlkraft ausüben. „Damit zeigen wir, dass es sich bei den DAN-Aktionen im besten Fall nicht um ein einmaliges Engagement handelt, sondern um das Eingangstor hinein in ein dauerhaftes nachhaltiges Handeln“, sagt Sabrina Ronco Alarcón, wissenschaftliche Referentin beim Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und Koordinatorin der DAN und in der Leitstelle der Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN). Unter den Jubiläumsprojekten findet sich zum Beispiel der „Strom-Spar-Check“, dessen Beratung in den vergangenen zehn Jahre mehr als 350.000 Haushalten half, 500.000 Tonnen CO2 und außerdem jede Menge Geld einzusparen. Oder die mobile Saatgutbibliothek in Schleswig-Holstein: Dabei fahren sieben Fahrbüchereien mit Bohnen-, Tomaten- und Erbsensamen quer durch das Bundesland. Bei ihnen können Menschen im Frühjahr überall Saatgut ausleihen und alte, vom Aussterben bedrohte Sorten pflanzen. Aus einem kleinen Teil der Ernte gewinnen Gärtner*innen im Herbst dann neues Saatgut. Aber auch Unternehmensaktionen wie die Nachhaltigkeitstage der Piepenbrock GmbH & Co. KG finden sich unter den Jubiläumsprojekten: Das Osnabrücker Unternehmen veranstaltet inzwischen zum fünften Mal in Folge eine Nachhaltigkeitswoche. „Gerade für Unternehmen bieten die DAN oft den Einstieg in nachhaltiges Engagement, das sich dann verstetigt“, sagt Ronco Alarcón.

Der Südwesten engagiert sich besonders

Bei den diesjährigen DAN waren – wie jedes Jahr – die Baden-Württemberger besonders aktiv. Sie brachten 3.089 Aktionen auf den Weg, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 135, Sachsen-Anhalt mit 126 und Schleswig-Holstein mit 113 Aktionen. Der RNE wertete außerdem aus, auf welche globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, kurz SDGs) die DAN-Aktionen einzahlten. Die SDGs sind inhaltlicher Bezugspunkt der DAN. Besonders viele Aktionen – genau 1.797 Aktionen – lassen sich dem SDG 12, nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion, zuordnen. Auch für das SDG 11, nachhaltige Städte und Gemeinden, wurden mit 1.594 Initiativen viele aktiv. Gleiches galt für das SDG 13, Maßnahmen zum Klimaschutz, mit 1.484 Aktionen und das SDG 4, Hochwertige Bildung, mit 1.184 Aktionen. Inzwischen sind die Aktionstage in einen größeren Kontext eingebunden als zum Zeitpunkt ihrer Entstehung: Seit 2015 finden die Aktionstage im Rahmen der Europäischen Nachhaltigkeitswoche statt, einer von Deutschland, Frankreich und Österreich ins Leben gerufenen Initiative, an der Menschen aus ganz Europa teilnehmen können. 2020 schlossen sich die DAN darüber hinaus zum ersten Mal unter dem Titel „Gemeinsam für morgen“ mit anderen Akteur*innen im Nachhaltigkeitsbereich zusammen, die im gleichen Zeitraum nachhaltige Aktionstage durchführen – so auch wieder in diesem Jahr. In diesem Jahr kooperierten die DAN mit der Woche des bürgerschaftlichen Engagements, der Europäischen Mobilitätswoche, der Interkulturellen Woche, dem Tag der Regionen, der Fairen Woche, dem ökoRAUSCH Festival, den Religiösen Naturschutztagen und Zu gut für die Tonne!. Diese Partnerkampagne mit dem Hashtag #gemeinsamfuermorgen sammelte insgesamt über 21.000 Aktionen, fast 5.500 mehr als noch im Jahr zuvor – ein weiterer Rekord. Außerdem fanden die DAN erstmals unter dem Dach des im September an den Start gegangenen Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit statt, eines bundesweiten Plattformprojekts, das der RNE auf Initiative von Bund und Ländern aufbaut. Und nächstes Jahr geht es weiter: 2023 finden die DAN wieder vom 20. bis 26. September statt, mit einem Gesamt-Aktionszeitraum vom 18. September bis 8. Oktober." ["post_title"]=> string(46) "Zehn Jahre Deutsche Aktionstage Nachhaltigkeit" ["post_excerpt"]=> string(101) "Die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit (DAN) feiern Geburtstag – und brechen die eigenen Rekorde." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(46) "zehn-jahre-deutsche-aktionstage-nachhaltigkeit" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2022-10-27 17:20:58" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2022-10-27 15:20:58" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(42) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=94351" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [8]=> object(WP_Post)#18612 (24) { ["ID"]=> int(94152) ["post_author"]=> string(1) "5" ["post_date"]=> string(19) "2022-10-12 08:36:57" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2022-10-12 06:36:57" ["post_content"]=> string(7485) "Transformation „by design“ oder „by disaster“? Noch haben wir die Wahl, welchen Weg wir einschlagen, aber das Zeitfenster wird immer kleiner. So eindringlich mahnte die langjährige Bildung- und Forschungspolitikerin Ulla Burchardt, Mitglied des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE), ein Umdenken an, als sie mit einem Impulsvortrag das Themenforum “Innovationen für Nachhaltigkeit fördern! Sozial. Technologisch. Institutionell.” auf der RNE-Jahreskonferenz eröffnete. Ob und wie Innovation gelingt, ist entscheidend für die Nachhaltigkeitstransformation – aber auch für den Erfolg des „Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit“, der Bund-Länder-Initiative, die nur wenige Stunden zuvor auf derselben Veranstaltung offiziell an den Start gegangen war. „Wenn wir fordern, den Turbogang für Innovation und Transformation einzulegen, ist das keine moralische und keine modische Frage. Es geht darum, so zu handeln, dass wirtschaftliche und soziale Verwerfungen vermieden werden, die unausweichliche Folgen der weiteren Zerstörungen unserer natürlichen Lebensgrundlage sind“, sagte Burchardt in ihrer Einleitung, in der sie unter anderem Einblick in die jüngste Stellungnahme des RNE zum Thema Innovationspolitik gab.

Weg von der Technologiefixierung

Schon „seit einiger Zeit“ mahne der Rat, dass die Anstrengungen nicht ausreichend sind, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und multiplen Krisen zu begegnen. Die Hauptbotschaft, so Burchardt, laute deshalb: „Wir brauchen eine Neuorientierung der Innovationspolitik.“ Sie forderte ein ganzheitliches Innovationsverständnis, weg von der Technologiefixierung, die immer noch Maßstab in den federführenden Ressorts sei: „Wir brauchen Systeminnovationen und andere Praktiken im Umgang mit Ressourcen und Menschen, neue Gewohnheiten und andere Konsummuster. Soziale, kulturelle und institutionelle Innovationen müssen den gleichen Stellenwert bekommen wie die technischen.“ Wichtig dabei: Alle Akteure sollen dabei mitgenommen und beteiligt werden. Denn wenn etwas Neues komme, müsse immer auch etwas Altes verschwinden. Dabei solle aber niemand auf der Strecke bleiben. Der RNE plädiert deswegen für eine ganzheitliche und ressortübergreifende Innovationsstrategie, die beim Bundeskanzleramt aufgehängt ist und sich an den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs) orientiert. „Die Erarbeitung der Wasserstoffstrategie hat sechs Jahre gedauert. So lange haben die Ressorts die Details abgestimmt“, berichtete Burchardt. Angesichts der drängenden Zeit mache das deutlich: „Wir brauchen auch Innovationen in der Administration, nämlich eine Beschleunigung der Entscheidungen durch eine neue Kooperationskultur“, sagte sie.

Die Sache mit der Pommes-Gabel

Nora Griefahn, Vorständin und Mitgründerin der NGO Cradle to Cradle, prangerte an, dass die Akteure sich viel zu oft darauf fokussierten, „weniger schädlich“ zu werden, also zum Beispiel weniger Emissionen zu produzieren. „Solche Ziele führen uns nicht in eine innovative Zukunft“, sagte sie. „Warum fangen wir nicht an, uns andere Ziele zu setzen, uns also zu fragen, wie wir einen positiven Impact haben können?“ Gleichzeitig sei ein ganzheitliches Innovationsverständnis gefragt. Ein Beispiel: Derzeit schauten alle nur auf die Energiefrage. Die Folge: „Wir bauen Häuser mit Materialien, die nicht innovativ sind, und schaffen uns ein Riesen-Müllproblem.“ Ihr gehe es in ihrer Arbeit darum, Perspektiven aufzuzeigen, die bestenfalls skaliert werden könnten. Oft hat sie dabei mit politischen Hemmnissen zu kämpfen. Im Sommer etwa hat Cradle to Cradle im „Labor Tempelhof“ drei Konzerte der Bands Die Ärzte und Die Toten Hosen auf dem Tempelhofer Feld in Berlin mitorganisiert, mit dem Ziel, die Großveranstaltungen nicht nur klimaneutral, sondern klimapositiv zu gestalten. Nicht alles konnten sie umsetzen: Eine Pommes-Gabel aus einem biologisch abbaubaren Kunststoff zum Beispiel blieb Theorie. Wegen des Verbots für Einweg-Plastik – ob abbaubar oder nicht – fanden sich in ganz Europa keine Maschinen, auf denen die Gabel hätte hergestellt werden können. Ein weiteres Problem: „Für ein solches Projekt kriegt man nur Geld, wann man sagen kann, dass man vorher fünf Jahre Forschung dazu macht“, kritisierte die NGO-Vertreterin. So komme man aber nicht in die Umsetzung. Auch hierfür hatte sie ein weiteres Beispiel: „Das Gemeinschaftswerk wurde 2019 beschlossen, und geht jetzt drei Jahre später an den Start“, sagte sie. „Wir brauchen viel zu lang.“

Regionale Innovations-Ökosysteme fördern

Kai Gehring, der Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung im Bundestag, erklärte, die Politik müsse im Transformationsprozess stärker Ziele vorgeben und mit Anreizen und gegebenenfalls mit Sanktionen auf deren Erreichung hinarbeiten. Eine solche politische Steuerung dürfe aber nicht „top-down“ greifen, sondern könne nur zusammen mit der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft gelingen. Es gelte, regionale Innovations-Ökosysteme zu schaffen. Die Nachhaltigkeits-Community, die Pioniere des Wandels in der Wissenschafts-Community, Fridays for Future, Scientists for Future und viele mehr könnten sich „für die gemeinschaftlichen Ziele unterhaken“. Was braucht es, damit sich die Menschen für Innovation und Transformation engagieren, fragte Moderatorin Tanja Ferkau zum Schluss auch mit Blick auf das Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit. Wichtig sei es, die positiven Beispiele – etwa ein klimaneutraler Hochschul-Campus oder ein ressourcenpositives Konzert – besser sichtbar zu machen, damit sie nachgeahmt werden können, da war sich die Runde einig. Über eine lange Zeit habe man zwar an den Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gedacht, sagte der grüne Bundestagsabgeordnete Gehring, dabei aber die Gesellschaft vernachlässigt. Aber nur wenn man die „Best Practices“ in die Breite kriege, gelinge ein Kulturwandel. Klar war auch: Die Politik muss andere Rahmenbedingungen und Raum für Experimente schaffen. Ulla Burchardt rief die Wählerinnen und Wähler auf, eine solche Veränderung stärker von der Politik einzufordern: „Das ist auch eine Frage von Angebot und Nachfrage.“
Graphic Recording von Anne Lehmann zum Themenforum „Innovationen für Nachhaltigkeit fördern! Sozial. Technologisch. Institutionell" auf der 21. Jahreskonferenz des RNE am 26. September 2022.
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Wie steht es um die globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, kurz SDGs), angesichts zahlreicher globaler Krisen, vom Krieg in der Ukraine bis zu den Auswirkungen der Klimakrise? Diese Frage diskutierte ein hochrangig besetztes Panel auf der Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE).

UN-Generalsekretär António Guterres war noch im Juli, auf dem Hochrangigen Politischen Forum zur Nachhaltigen Entwicklung (HLPF) in New York, schonungslos in seiner Analyse gewesen: Die Welt befinde sich in großer Not, ebenso schlecht stehe es um die nachhaltigen Entwicklungsziele, sagte er da. In seiner Videobotschaft ermutigte er das Publikum jedoch: „Wir können das Blatt wenden, wenn wir alle zusammenstehen, Regierungen, Zivilgesellschaft und der Privatsektor.“ Aber dazu brauche es, mehr denn je, die Unterstützung von Ländern wie Deutschland.

Heidemarie Wieczorek-Zeul: Wir müssen eine neue Blockbildung verhindern

Guterres selbst hatte bereits im vergangenen Jahr verschiedene Reformen für einen inklusiven und vernetzten Multilateralismus angestoßen, zusammengefasst in „Our Common Agenda“ – Guterres schlägt unter anderem einen UN-Zukunftsgipfel vor. Heidemarie Wieczorek-Zeul, ehemalige Bundesentwicklungsministerin und RNE-Mitglied, würdigte den Vorschlag von Guterres, einen regelmäßigen gemeinsamen Gipfel der G20 und der Staaten im Ecosoc, dem Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen, gemeinsam mit den globalen Finanzinstitutionen einzurichten. Dieser könne als eine Art globaler Nachhaltigkeitsrat fungieren, der als Kompass für die weitere Entwicklung der SDGs diene.

„Das multilaterale System ist nicht geeignet, um die kombinierten Krisen, mit denen wir konfrontiert sind, zu lösen“, sagte Wieczorek-Zeul. Den Industrieländern, insbesondere den G7-Staaten und der EU, warf sie Scheinheiligkeit vor, weil sie den Kampf gegen die Klimakrise und die Pandemie nicht ausreichend finanzierten. „Wir müssen zu unseren Verpflichtungen stehen“, so Wieczorek-Zeul. Der deutsche Finanzplan für 2023 reiche nicht aus, um die SDGs voranzubringen. Applaus erntete Wieczorek-Zeul für ihre Forderung, Demokratie, einen regelbasierten Multilateralismus und internationales Recht gegen die Verächter all dessen zu verteidigen – aber gleichzeitig alles dafür zu tun, eine neue Blockbildung in der globalen Gemeinschaft zu vermeiden. „Ich weiß, das passiert, aber wir müssen es verhindern“, sagte sie.

Ellen Johnson Sirleaf: Größer denken und mutig voranschreiten

Auch die Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson Sirleaf, bis 2018 Präsidentin Liberias, zählte in einer Videobotschaft auf, wo das multilaterale System in jüngster Vergangenheit zu wenig für die Menschen und den Planeten geleistet hat: Beim Klimaschutz, bei der globalen Gesundheitsvorsorge, der Nahrungsmittelsicherheit, beim Umgang mit Zwangsmigration und bei der Bewahrung von Menschenrechten und Demokratie.

Sirleaf ist zudem Co-Vorsitzende des High-Level Advisory Board on Effective Multilateralism, das Guterres gegründet hat, um die Ideen aus “Our Common Agenda” umzusetzen. „Seid mutig, denkt größer, wir können die Herausforderungen unserer Zeit nicht nebenbei lösen“, sagte sie. Sie rief Europa und Afrika auf, gemeinsam am transformativen Wandel zu arbeiten – und multilaterale Institutionen zu schaffen, in denen der globale Süden eine wirkliche Rolle in Entscheidungsprozessen spielen.

Svenja Schulze: Strukturelle Antworten auf aktuelle Krisen

Svenja Schulze, aktuelle deutsche Bundesentwicklungsministerin, gab vier Antworten auf die aktuellen Krisen. Erstens: Weltweit litten 828 Millionen Menschen unter Hunger – und damit deutlich mehr als noch vor der Pandemie. Deshalb habe man im Kreise der G7 zusammen mit der Weltbank die Global Alliance for Food Security ins Leben gerufen. Das Ziel sei nicht nur akute Hilfe, sondern auch strukturelle Veränderung, etwa resilientere Agrarsystem aufzubauen. Zweitens, die Auswirkungen der Pandemie seien vor allem im globalen Süden noch lange zu spüren. Deshalb arbeite man daran, dass Impfstoffe weltweit verfügbar sind und auch weltweit produziert werden. Gesundheitssysteme müssten resilienter werden.

Drittens, so Schulze, müssten Menschen weltweit Teil der Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel werden. Deutschland arbeite deshalb daran, dass die Transformation gerecht verlaufe. Viertens: Es brauche Geschlechtergerechtigkeit, um diese Ziele zu erreichen. „In den meisten Ländern der Welt haben Frauen nicht die gleichen Rechte wie Männer“, so Schulze. Die Forschung zeige aber, dass Gesellschaften, in denen Frauen gleichberechtigt sind, auch nachhaltiger sind. Deshalb fördere Deutschland eine feministische Entwicklungs- und Außenpolitik.

Jennifer Morgan: Möglichst vielfältige Partnerschaften

Die ehemalige Greenpeace-Chefin und seit März 2022 Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik im deutschen Außenministerium, Jennifer Morgan, betonte: „Wenn die SDGs nicht adressiert werden, dann kann auch die Klimakrise nicht gelöst werden.“ Grundlage dafür sei ein globales, ökologisches, soziales und marktbasiertes Wirtschaftssystem. „Deutschland hat eine große Verantwortung“, führt sie weiter aus: „Wir leben in einem disruptiven Moment.“ Bei der nächsten UN-Klimakonferenz im November in Ägypten wird Morgan als „Facilitator“ zusammen mit der chilenischen Umweltministerin die Verhandlungen um Entschädigungen für künftige Wetterkatastrophen leiten. Die Debatten um – wie Experten sagen „Loss and Damage“ – haben schon auf früheren Klimakonferenzen für große Konflikte gesorgt, weil die Industrieländer zentrale Forderungen der armen Staaten ablehnen. Seit mit Russland ein Mitglied des UN-Sicherheitsrates brutal internationales Völkerrecht bricht, wird es keinesfalls leichter. Wie die internationale Staatengemeinschaft, die bisher den Weg des Multilateralismus verfolgt hat, jetzt vorankommt: offen. Morgan zeigte sich zuversichtlich, es gebe „neue Chancen mit Verbündeten zusammenzuarbeiten“.

Emmanuel Ametepey: Afrika ist voller Innovationen

Welches Potential in Partnerschaften steckt, zeigte Emmanuel Ametepey, Direktor des African Youth SDGs Summit – ein 2017 gegründetes Forum, das mittlerweile mehr als 100.000 junge Menschen in Afrika erreicht. „Afrika ist der Kontinent der Jugend, ein Kontinent voller brillanter Ideen, mit viel Kreativität und Innovation. Die Frage ist: Wie können wir das unterstützen?“, fragt er. Im Juni 2023 findet der fünfte African Youth SDGs Summit in der sambischen Hauptstadt Lusaka statt. „Ich würde gerne eine Einladung an die jungen Menschen in Europa aussprechen: Kommt zu uns. Lasst uns gemeinsam Ideen und Lösungen entwickeln, wie wir die SDGs umsetzen können“, sagte Ametepey. Im vergangenen Jahr hat Guterres als Teil der Common Agenda das UN Youth Office gegründet. Ametepey sieht darin eine große Möglichkeit, weltweit das Engagement der Jugend zu koordinieren, zu finanzieren und zu stärken. Er regte zudem an, junge Menschen noch viel stärker in nationale und internationale SDG-Politikprozesse einzubeziehen.

Den Abschluss machte Imme Scholz, stellvertretende Vorsitzende des RNE und gab Einblicke in den nächsten globalen Nachhaltigkeitsbericht 2023, für den sie eine der Co-Herausgeberinnen ist: “Uns ist wichtig, dass besser verstanden wird, was mit Transformation gemeint ist. Wenn etwas Neues entstehen soll, beispielsweise ein erneuerbares Energiesystem, dann wird nicht nur das neue System aufsteigen, sondern es muss auch was anderes verschwinden. Das ist ein schmerzhafter Prozess, der mit viel Widerstand einhergeht – damit müssen wir aktiv arbeiten. Zudem haben wir keine Gleichzeitigkeit in der Wende, deshalb ist es nun umso wichtiger, dass sich mit der neuen Nachhaltigkeitsstrategie und in der Bundesregierung ein Regierungshandeln über Politikfelder hinweg und innerhalb der sechs großen Transformationsbereiche organisiert.”

Download

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Videomitschnitt des Panels

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„Wer hat gute Ideen und Lösungen und was können alle anderen davon lernen und mitnehmen?” Diese Frage stellte Sarah Ryglewski bei der 21. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und brachte damit die Motivation hinter dem Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit auf den Punkt. Die Staatsministerin für die Bund-Länder-Koordination war kurzfristig für den an Covid erkrankten Bundeskanzler Olaf Scholz eingesprungen, um den Startschuss für diese neue Bund-Länder-Initiative zu geben. Das neue Plattformprojekt wird vom RNE aufgebaut und soll „bundesweit alle Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit bündeln, von den lokalen Nachhaltigkeitsinitiativen über die Wirtschaft und die Wissenschaft bis hin zu den Kommunen“, so Ryglewski.

Gemeinsam mit Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, derzeit Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, schaltete Ryglewski in einem symbolischen Akt die Webplattform frei, die die Basis für das Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit bildet. Die Plattform soll bereits existierende Nachhaltigkeitsaktivitäten sichtbar machen, Organisationen miteinander vernetzen, neue Aktivitäten anstoßen und so dazu beitragen, dass die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele erreicht werden. Bei der Mobilisierung sollen Aktionswochen, Gemeinschaftsziel-Kampagnen, Auszeichnungen, Innovationswettbewerbe und Netzwerktreffen helfen. Hendrik Wüst bot an, 2023 ein Netzwerktreffen des Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit in seinem Bundesland auszurichten.

Zentrale Rolle der Kommunen

Nachhaltigkeit sei das geeignete Leitbild, um uns in eine gute Zukunft zu führen, sagte Werner Schnappauf, Vorsitzender des RNE, auf der Jahreskonferenz. Es gebe derzeit ein Momentum wie nie zuvor, in der Gesellschaft, aber auch in der Wirtschaft. Die Politik stelle die Weichen und öffne die Türen für eine nachhaltige Entwicklung: „Aber durch diese Türen durchgehen müssen wir alle selbst: Bürgerinnen und Bürger, Kommunen, Unternehmen.“ Denn der Erfolg der Transformation entscheide sich in den Kommunen vor Ort, wo die Bürgerinnen und Bürger leben: Genau hier setze das Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit an.

Auch Sarah Ryglewski hob die Bedeutung der Kommunen für die nachhaltige Transformation hervor. Sie seien „Nachhaltigkeitsexperten in der Fläche“. Markus Lewe, Oberbürgermeister von Münster und Präsident des Deutschen Städtetags, hatte kurz zuvor auf derselben Bühne gesagt: „Die Stadt der Zukunft wird eine nachhaltige sein – oder sie wird nicht mehr sein.“ So sei es gut und richtig, so Ryglewski, dass ein erster Schwerpunkt des Gemeinschaftswerks in dem für Kommunen so wichtigen Bereich 'Bauen und Wohnen' liegen werde: „Hier wird in vielen Kommunen schon weit gedacht, und wir müssen sicherstellen, dass diese Ideen Einfluss in die Gesetzgebung finden“, sagte Ryglewski. Deshalb ist für kommendes Jahr ein offener Innovationsprozess („Open Social Innovation“) zum Transformationsbereich nachhaltiges Bauen und Wohnen gemeinsam mit dem Bundesbauministerium unter dem Dach des Gemeinschaftswerks in Planung. Die Idee: ein 48-Stunden-Hackathon, bei dem neue Ideen entwickelt und ausgewählte Projekte im Anschluss umgesetzt werden.

Eine lernende Plattform

„Diese Plattform wird nicht so bleiben, wie sie jetzt ist“, prognostizierte Lisi Maier, Direktorin der Bundesstiftung Gleichstellung und RNE-Mitglied. Es handele sich vielmehr um eine lernende Plattform, die auf die Beteiligung aller angewiesen ist. In der anschließenden Podiumsdiskussion teilten Vertreterinnen und Vertreter großer Verbände und Stiftungen mit, welchen Beitrag diese zum Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit leisten können und müssen.

Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sieht beispielsweise eine große Chance darin, den 9.000 Sportvereinen mit 25 Millionen Mitgliedern unter dem Verbandsdach, möglichst konkrete Vorschläge zu machen. Zum Beispiel das Flutlicht zu reduzieren und Trainingszeiten anzupassen, um Energie einzusparen. Dann werde das auch umgesetzt. Oft fehle einfach nur der Anstoß. Die Bereitschaft sei da.

Die Vorständin der Stiftung KlimaWirtschaft Sabine Nallinger betonte, dass nicht mehr viel Zeit für die nachhaltige Transformation bleibe: „Wir müssen jetzt ganz viel Tempo in gesellschaftspolitische Prozesse, aber auch in die Wirtschaft bringen.“ Die Wirtschaft stehe vor einer Revolution. Um 80 Prozent der Emissionen bis 2030 zu reduzieren, brauche es neue Prozesse und neue Kooperationen: „Und weil wir so groß denken müssen, brauchen wir eben Netzwerke.“

Für die Handwerksbetriebe sprach Constantin Terton, Abteilungsleiter Wirtschaft, Energie und Umwelt im Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Diese seien momentan an einer Stelle, wo man aufpassen müsse, dass sie durch die Krisen nicht nachhaltig Schaden nehmen würden. Es gehe darum, gerade die Kleinbetriebe zu stabilisieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass sie als Umsetzer von Nachhaltigkeit und Energiewende agieren könnten. Terton formulierte als eine große Hoffnung in die gemeinsame Webplattform, dass sie junge Menschen, aber auch Quereinsteiger für das Handwerk begeistert. „Am Ende geht es darum, mit den Händen etwas zu schaffen“, sagte der ZDH-Vertreter. „Wie schaffen wir es, die Photovoltaikanlage zusammenzubauen, die Wärmepumpe zu installieren, Kraft-Wärme-Kopplung umzusetzen? Das geht nur mit Menschen.“

Der Rat der Evangelischen Kirche Deutschland hat eine Klimaschutzrichtlinie beschlossen: „Wir wollen bis 2035 zu 90 Prozent und bis 2045 klimaneutral werden“, sagte Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland Kristina Kühnbaum-Schmidt. „Wir haben in der Regel gar kein so großes Erkenntnisproblem, was wir tun könnten und tun müssten“, so fasste es Kühnbaum-Schmidt zusammen. „Sondern wir haben ein Umsetzungsproblem.“ Am Nachmittag in den Themenforen der Jahreskonferenz ging es dann auch ganz konkret darum, wie das Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit in die Umsetzung gebracht werden kann.

Junge Perspektive und Expertise

Eines der Foren gestalteten die Vertreterinnen und Vertreter der im Vorfeld abgehaltenen Jugendkonferenz zur Nachhaltigkeitspolitik entlang der Themen klima- und umweltfreundliche Strukturen schaffen, Mobilität und Begegnung sichern, Nachhaltigkeit gerecht gestalten und Bildung für nachhaltige Entwicklung. „Junge Menschen sind die Generation, die wie keine zuvor von der Klimakrise betroffen ist“, erklärte der Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings Wendelin Haag. Darüber hinaus würde bislang unterschätzt, wie viel Wissen junge Menschen mitbringen, meinte Gülistan Bayan vom Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland (BDAJ). Laut Fabian Abel vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend sei Nachhaltigkeit durch alle Jugendverbände hindurch ein großes Thema. Doch beim „wie“ unterscheiden sich die Ansichten. Junge Menschen seien weitaus vielfältiger als sie medial dargestellt werden; das hatte sich auf der Jugendkonferenz zur Nachhaltigkeitspolitik gezeigt. Was sie eint, ist die gemeinsame Forderung an die Politik, die nachhaltige Transformation schneller voranzutreiben. In diesem Sinne nutzten die Vertreterinnen und Vertreter des Bundesjugendrings die Gelegenheit und übergaben die Ergebnisse der Jugendkonferenz an die Staatsministerin.

Staatsministerin Sarah Ryglewski hatte in ihrer Rede an eine Aussage der Brundtland-Kommission erinnert, die den Nachhaltigkeitsbegriff bis heute prägt: „Die Menschheit ist einer nachhaltigen Entwicklung fähig – sie kann gewährleisten, dass die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt werden, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse zu beeinträchtigen.“ Dafür wäre keine Zeit mehr zu verlieren, warnte sie: „Der beste Zeitpunkt, ein Problem anzupacken, war ja bekanntlich gestern.“ Das gute sei allerdings: „Der zweitbeste ist heute, der ist jetzt.“

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Jetzt erst recht

Aber geht nicht erst einmal anderes vor? Die Klimakrise ist nicht die einzige Krise. 2019 brach das Corona-Virus aus, am 24. Februar dieses Jahres kam der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine dazu. Menschen sorgen sich um eine warme Wohnung, einen vollen Kühlschrank, wie sie zur Arbeit kommen. Deutschland steckt in existenziellen Problemen, die ganze Welt tut es. Ein Grund den sozial-ökologischen Umbau aufzuschieben, sei das aber nicht. Ganz im Gegenteil. Da sind sich die Teilnehmenden einig, darunter viele Regierungsmitglieder. Die Debatte lohnt sich nachzuvollziehen. Sie sagt viel darüber aus, wie wichtig Nachhaltigkeit in der Krise genommen und mit wem auch weltweit vorangebracht werden soll. „Jetzt erst recht“, erklärte Sarah Ryglewski, die als Staatsministerin im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen und die Nachhaltigkeitspolitik zuständig ist. Sie vertrat kurzfristig Bundeskanzler Olaf Scholz, der eigentlich als Hauptredner zur Konferenz kommen wollte, doch dann an Corona erkrankte. „Wir merken doch alle, wie abhängig wir sind von fossiler Energie“, sagte Ryglewski. Zugleich eskalierten die ökologischen Krisen. Da ist die Flutkatastrophe in Pakistan, die Dürre am Horn von Afrika, auch gibt es die vielen Waldbrände in Europa. Deutschland wolle, so Ryglewski, als erstes großes Industrieland bis 2045 klimaneutral werden. Bis 2030 solle der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch auf mindestens 80 Prozent steigen. Darum würden nun auch Planung und Genehmigungen für die Infrastruktur beschleunigt. Und die Bundesverwaltung solle bis 2030 klimaneutral gemacht werden. Die Transformation zur Nachhaltigkeit sei kein Hindernis, sondern eine wirtschaftliche Chance. „Wenn wir die verpassen, werden wir abgehängt“, so die Staatsministerin. Auch von seinen internationalen Verpflichtungen werde Deutschland nicht abweichen.

Ein Feuer der Begeisterung für Nachhaltigkeit

Deutschland und die Welt nachhaltig umbauen – das wollen viele. Natürlich gibt es auch Stimmen, die sagen „Krisenmanagement zuerst – Transformation, Wandel, Klimaneutralität später“. Denen müsse „kraftvoll entgegengetreten“ werden, so der RNE-Vorsitzende Werner Schnappauf. Stattdessen brauche es „ein Feuer der Begeisterung im ganzen Land“. Schnappauf rief dazu auf „überall Projekte zur Nachhaltigkeit“ zu starten: „Wir brauchen jetzt die Innovationskraft der Unternehmen und ein neues Miteinander von Gesellschaft, Politik, Wirtschaft.“ Dazu sei jede und jeder gefragt. Aus diesem Grund haben Staatsministerin Sarah Ryglewski und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, derzeit Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, auf der Jahreskonferenz das „Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit“ gestartet. Es ist eine Initiative von Bund und Ländern, die Koordination liegt beim RNE. Das Motto lautet: „Und jetzt alle“. Auf einer Webplattform können sich Organisationen mit ihren Nachhaltigkeitsaktivitäten und Ansprechpersonen eintragen. So sollten, erklärte Lisi Maier, RNE-Mitglied und Direktorin der Bundesstiftung Gleichstellung, Akteure zusammengebracht werden, die bisher nicht zusammengearbeitet haben, und Ideen zusammengetragen werden.

Holz statt Beton

An dieser Stelle kommt zum Beispiel die Idee des Klimaforschers Schellnhuber wieder ins Spiel, die uns in unsicheren Zeiten eine Perspektive bietet. Er will analog der Bauhaus-Bewegung des 20. Jahrhunderts die bebaute Umwelt nachhaltig transformieren. Bisher sei diese „dysfunktional hässlich“, sagt er: „Wir bauen auf die falsche Weise, dass sich die menschliche Seele nicht wohlfühlen kann“. Sein Gegenmodell: „Reforest the planet, retimber the city.“ Wälder werden weltweit klimagerecht aufgeforstet, zugleich die Architektur umgestellt – von Stahlbeton und Ziegeln hin zu organischen Materialien. Von einer „Wald-Bau-Pumpe“, spricht Schellnhuber, mit der sich der CO2-Gehalt der Atmosphäre sogar senken lasse. Denn: Bäume nehmen große Mengen CO2 auf, wenn sie wachsen. Die Politik beginnt, sich damit auseinanderzusetzen. Ursula von der Leyen, Präsidentin der europäischen Kommission, hat 2020 die Initiative Neues Europäisches Bauhaus ins Leben gerufen. Ruth Reichstein bringt die Idee in der kommissionsinternen Denkfabrik I.D.E.A. voran. Viele riefen nach „Technologieneutralität, alles gleichwertig zu behandeln“, das sei bei Holz und Lehm aber lange nicht gemacht worden, betonte sie bei der Jahreskonferenz. Beton wird bisher bevorzugt. Laut Cansel Kiziltepe, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, erarbeitet ihr Ressort derzeit eine Holzbaustrategie gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium. Ein Selbstläufer ist die Bauwende nicht. Es gebe einen „riesigen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum“, sagte Martin Horn, Oberbürgermeister der Stadt Freiburg im Breisgau. Da brauche es auch Geld von Bund und Land, um Kommunen zu unterstützen, die ambitioniert bei einer ökologisch-sozialen Bauweise vorangehen wollten. Theresa Keilhacker, Präsidentin der Architektenkammer Berlin sieht große Potenziale in der Instandhaltung bestehender Gebäude. Die sei „in den letzten Jahren hinten runtergefallen“. Erst vor kurzem hat der Bundesverband Deutscher Architektinnen und Architekten dazu an Bundesbauministerin Klara Geywitz einen offenen Brief geschrieben und ein Abriss-Moratorium gefordert. Im globalen Norden solle die ökologische Sanierung von Altbauten im Vordergrund stehen und die Aufstockung von Gebäuden, forderte auch Schellnhuber. Im globalen Süden mit einer stark wachsenden Bevölkerung müsse allerdings neuer Wohnraum gebaut werden. Wie sich nachhaltiger bauen lässt – die Frage soll auch mit dem Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit in den kommenden Monaten in den Vordergrund gerückt werden. Schellnhuber versprach: „Wir stehen an der Schwelle einer neuen Architekturepoche, wo wir nachhaltig bauen werden, für alle – und wir werden das in Schönheit tun.“  " ["post_title"]=> string(55) "Ein nachhaltiges Deutschland bauen – jetzt erst recht" ["post_excerpt"]=> string(274) "Für rund 40 Prozent der global ausgestoßenen Treibhausgase sind das Bauen und Betreiben von Gebäuden und Infrastrukturen verantwortlich. Ein thematischer Schwerpunkt der 21. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung lag auf dem nachhaltigen Bauen und Wohnen." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(51) "ein-nachhaltiges-deutschland-bauen-jetzt-erst-recht" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2022-11-03 17:50:47" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2022-11-03 16:50:47" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(42) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=93995" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } } ["post_count"]=> int(12) ["current_post"]=> int(-1) ["in_the_loop"]=> bool(false) ["post"]=> object(WP_Post)#18058 (24) { ["ID"]=> int(94624) ["post_author"]=> string(1) "5" ["post_date"]=> string(19) "2022-11-24 06:45:48" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2022-11-24 05:45:48" ["post_content"]=> string(10132) "

Berlin, 24. November 2022 – Seegras als umweltfreundlicher Dämmstoff, eine Software zur Optimierung des Stromverbrauchs, ein Online-Kataster für Baumaterialien sowie faire Schokoladenherstellung genau dort, wo der Kakao wächst – das sind die Gewinner*innen in der Kategorie „Zukunft – Transformation" des diesjährigen Wettbewerbs "Projekt Nachhaltigkeit". Auf den "RENN.tagen Berlin 2022" werden die Auszeichnungen am heutigen Donnerstag durch Werner Schnappauf, Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE), übergeben. Der mit jeweils 10.000 Euro dotierte Preis geht an Projekte, die die Transformation auf herausragende Weise vorantreiben. In den beiden weiteren Kategorien des Projekts Nachhaltigkeit, "N – Jetzt und vor Ort" und "Foto – Zukunft im Bild", wurden die 21 Preisträger*innen bereits im Vorfeld auf regionalen Veranstaltungen ausgezeichnet. Insgesamt haben 331 Initiativen und Projekte an dem Wettbewerb teilgenommen, davon 151 in der Kategorie "Zukunft – Transformation".

Werner Schnappauf: "Klimawandel, Artensterben, Krieg, Energiekrise – angesichts multipler globaler Krisen müssen wir alle endlich ins Handeln kommen, auf politischer Ebene genauso wie vor Ort. Mit dem Wettbewerb 'Projekt Nachhaltigkeit' zeigen wir, wie die Transformation bereits erfolgreich umgesetzt wird, in der Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und in den Kommunen – und, dass wir alle etwas tun können. Den Preisträger*innen in der Kategorie "Zukunft – Transformation" kommt hier besondere Bedeutung zu. Die Kategorie ist gleichzeitig eine Art Ideenwettbewerb, denn es wird nicht nur bestehendes Engagement ausgezeichnet. Die Projekte müssen auch zeigen, wie der Preis sie bei zukünftigem Engagement unterstützen kann. Ihnen kommt hier eine Vorbildrolle für den gesellschaftlichen Wandel zu, die wir unterstützen und fördern wollen."

Der Wettbewerb "Projekt Nachhaltigkeit" zeichnet jedes Jahr Initiativen und Projekte aus, die sich für eine nachhaltige Entwicklung im Sinne der Agenda 2030 und der globalen Nachhaltigkeitsziele einsetzen. Der seit fünf Jahren etablierte Nachhaltigkeitspreis wird von den vier Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) in Kooperation mit dem RNE unter dem Dach der neuen Vernetzungsplattform Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit verliehen.

Preisträger*innen der "Kategorie Zukunft - Transformation" 2022

Energy Demand Management Software (Endeema), Frankfurt am Main

"Wenn die Zulieferer sparen, kann die Ersparnis auch bei Konzernen ankommen"
Endeema ist eine B2B-Software, die die günstigere Versorgung mit erneuerbaren Energien im Strommix des Stromnetzes vorhersagt und Empfehlungen und Automatisierung bereitstellt, um den Produktions- und Lastplan von Unternehmen zu ändern. Dies führt zur Senkung von Stromkosten und Treibhausgasemissionen und unterstützt die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

Interview mit Joel Christoph, Mitgründer und Geschäftsführer von Endeema
www.endeema.com

fairafric, München

"Wir möchten den Menschen vermitteln, dass ihr Geldbeutel ein Wahlschein ist und sie mit ihrer Kaufentscheidung Wandel mitbeeinflussen können"
Warum nicht da Schokolade herstellen, wo der Kakao wächst? fairafric produziert in einer solarbetriebenen Fabrik, direkt neben den Kakaoplantagen, faire Bio-Schokolade in Ghana. Mit der Produktion vor Ort fördert fairafric den Aufbau lokaler wirtschaftlicher Strukturen und schafft Jobs in der Weiterverarbeitung und Zulieferindustrie.

Interview mit Miranda Brehm, PR-Managerin von fairafric
www.fairafric.com

Madaster, Berlin

"Mit einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft im Baubereich könnten bis zu 60 Prozent der CO2-Emissionen gesenkt werden"
Die Online-Plattform Madaster erleichtert den zirkulären Einsatz von Produkten und Materialien in der Bauwirtschaft. Durch die Registrierung und Archivierung von Materialien in Gebäuden wird die Wiederverwendung von Materialien leichter, intelligentes Design wird gefördert, Abfälle vermieden.

Interview mit Dr. Patrick Bergmann, Geschäftsführer von Madaster Deutschland
www.madaster.de

Seegrashandel, Westerau

"Seegras hat gute Dämm- und Schallschutzwerte, verrottet nicht, ist schimmel- sowie ungezieferresistent, und es brennt nicht"
Seegras ist kein Müll, sondern ein wertvoller Rohstoff. Der „Seegrashandel“ begreift dieses Material als Ressource und nutzt es nicht nur für die Dämmung von Häusern, sondern auch als Füllmaterial für Matratzen oder Kissen.

Interview mit den Unternehmer*innen Swantje Streich und Jörn Hartje
www.seegrashandel.de

Die RENN.tage Berlin 2022

Die RENN.tage sind das wichtigste jährliche Treffen des RENN-Netzwerks. Sie finden in diesem Jahr am 24. und 25. November im Tagungswerk Berlin statt. Auf dem Treffen geht es um die Umsetzung der Transformationsbereiche der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie auf unterschiedlichen Ebenen sowie um erreichte und anstehende Meilensteine des RENN-Netzwerks. Wie stärken wir den sozialen Zusammenhalt und fördern die Lust auf Demokratie? Wie kann konstruktiv mit Interessensunterschieden umgegangen werden? Wie überdenken wir weltweit vorherrschende Systeme und überwinden diese, beispielsweise lineare Wirtschaftskonzepte? Und insbesondere: Wie erreichen wir gemeinsam die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030? Diese und weitere Fragen werden auf dem Podium und in Themenforen diskutiert, die Ergebnisse werden im Nachgang auf https://www.renn-netzwerk.de dokumentiert.

Das RENN-Netzwerk

Die Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) sind ein Netzwerk des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und unterstützen Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Kommunen, Wirtschaft, Politik und Verwaltung, die zu einer nachhaltigen Entwicklung in Deutschland beitragen wollen. Dafür stärken und vernetzen sie deren Initiativen und Kompetenzen lokal, in den Ländern und in der jeweiligen RENN-Region. Das Netzwerk deckt durch die vier regionalen Netzstellen, RENN.nord, RENN.mitte, RENN.süd und RENN.west, das gesamte Bundesgebiet ab. Weitere Informationen unter: www.renn-netzwerk.de.

Das Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit

Das Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit ist eine offene Plattform zur Förderung von Nachhaltigkeitsengagement in Deutschland. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) baut es auf Initiative von Bund und Ländern auf. Die Webplattform soll Organisationen und ihren Aktivitäten Sichtbarkeit und einen Ort zum Vernetzen bieten. Perspektivisch wird es weitere Möglichkeiten zum Mitmachen geben. Weitere Informationen unter: https://gemeinschaftswerk-nachhaltigkeit.de/

Medienkontakt:

Laura Schoen
Medienreferentin
Rat für Nachhaltige Entwicklung
Geschäftsstelle c/o GIZ GmbH
Potsdamer Platz 10
D-10785 Berlin
Telefon: +49 (0)30 / 338424-529
E-Mail: laura.schoen@nachhaltigkeitsrat.de    

 

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Unser Newsletter informiert Sie zu Themen und Projekten des Rates und zur Nachhaltigkeitspolitik.

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) berät die Bundesregierung zur Nachhaltigkeitspolitik. Er ist in seiner Tätigkeit unabhängig und wird seit 2001 alle drei Jahre von der Bundesregierung berufen. Ihm gehören 15 Personen des öffentlichen Lebens aus der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Politik an. Den Vorsitz führt seit 2020 Dr. Werner Schnappauf, stellvertretende Vorsitzende ist Prof. Dr. Imme Scholz. Der Rat führt auch eigene Projekte durch, mit denen die Nachhaltigkeit praktisch vorangebracht wird. Zudem setzt er Impulse für den politischen und gesellschaftlichen Dialog. Der Rat wird von einer Geschäftsstelle mit Sitz in Berlin unterstützt.

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