05.07.2010
Neuer Öko-Kodex soll Einzelhändler nachhaltiger machen
Ökologische Nachhaltigkeit soll bei C&A, Rewe, Metro, Kaufland und 13 weiteren großen europäischen Einzelhändlern in Zukunft eine prominentere Rolle spielen. Dazu haben sich die Konzernvorstände und neun europäische Einzelhandelsverbände Ende Juni in einem gemeinsamen Verhaltenskodex verpflichtet. In dem Papier versprechen sie mehr Nachhaltigkeit beim Ressourceneinsatz, beim Transport ihrer Waren und deren Entsorgung. Auch wollen sie Nachhaltigkeitsbewusstsein unter ihren Kunden fördern, etwa durch Werbung für umweltfreundlichere Produkte. Kritische Umwelt- und Sozialexperten sehen in dem Kodex keinen großen Wurf. EU-Umweltkommissar Janez Potočnik spricht dagegen von einem „Meilenstein“.
„Mit dem Verhaltenskodex“, so Potočnik, zeigten die Einzelhändler, „dass sie sich der Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf die Umwelt bewusst sind“ und bereit seien, diese einzudämmen. Das sei eine „gute Nachricht für Verbraucher“, so der ehemalige Europaminister Sloweniens. Entwickelt wurde der Kodex im sogenannten Endkundenforum, einer vergangenes Jahr von der EU auf den Weg gebrachten Allianz europäischer Einzelhändler und ihrer Dachverbände zur Förderung der Nachhaltigkeit im Handel. Die Mitgliedschaft in dem Forum ist freiwillig.
Terry Leahy, Vorstandschef der britischen Einzelhandelskette Tesco und Unterzeichner des Kodexes, sagte: „Wir wissen, dass es noch mehr zu tun gibt, und ich bin zuversichtlich, dass die Einführung des Verhaltenskodex uns dabei helfen wird.“ Rainhardt von Leoprechting, Bereichsleiter Corporate Relations der Metro AG und Präsident des europäischen Handelsverbands EuroCommerce, verwies bei der Vorstellung des Kodexes auf die Mittlerfunktion des Handels zwischen Industrie und Verbrauchern. Dank dieser Position könne man „mit allen Beteiligten der Absatzkette neue nachhaltige Lösungen entwickeln“.
Auf Kritik stieß der neue Handelskodex bei der Nichtregierungsorganisation Oxfam und dem an der Universität Oldenburg lehrenden Wirtschaftswissenschaftler Reinhard Pfriem. Pfriem erkennt zwar die Absicht der Branche an, sich auf europäischer Ebene für mehr Nachhaltigkeit zu engagieren. „State-of-the-art“, so Pfriem, sei der Kodex aber nicht. Er habe nur „unverbindliche Absichtserklärungen“ in dem Papier gefunden, aber keine konkreten Ziele. Franziska Humbert, Expertin für Arbeitsrechte bei der Berliner Hilfsorganisation Oxfam, moniert das ebenfalls: „Unsere Erfahrungen mit freiwilligen Verhaltenkodizes im sozialen Bereich zeigen, dass viele Handelsunternehmen nicht halten, was sie versprechen.“
Weiterführende Informationen
Retail Environmental Sustainability Code. Nachhaltigkeits-Kodex des europäischen Einzelhandels. [PDF, 170 KB]
Umwelt – Nachhaltigkeit in Produktion und Verbrauch: Europäische Einzelhändler erarbeiten grünen Verhaltenskodex. Pressemitteilung der Europäischen Kommission, 24.06.2010.
Retailers of all sizes contribute to a Sustainable Europe 2020. Pressemitteilung Eurocommerce, 24.06.2010.
Website des Endkundenforums.
Informationen zu Prof. Dr. Reinhard Pfriem auf den Webseiten des Instituts für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspädagogik an der Universität Oldenburg.
Dicker Gewinn auf Kosten der Arbeiter/innen. Metro verletzt massiv Arbeitsrechte in Indien. Pressmitteilung Oxfam Deutschland, 04.05.2010.
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