Direkt zum Inhalt springen

"Die Städte werden in Zukunft noch stärker die Zentren der technologischen und gesellschaftlichen Innovationen sein. Dies zeigt der starke Trend zurück in die Stadt. Umso wichtiger sind die Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung unserer Städte."

Dr. Wolfgang Schuster, Member of the Council

04.02.2010

More News regarding Topic : Climate | Energy | Economy  | Environment | Strategy 

Erste Konzerne erheben CO2-Ausstoß zum K.o.-Kriterium für Lieferanten

Einige internationale Konzerne denken darüber nach, künftig Lieferanten auch danach zu beurteilen, ob sie sich stark genug um ihre eigenen CO2-Emissionen kümmern. Das geht aus einer Anfang Februar vorgestellten Erhebung der internationalen Investorenallianz Carbon Disclosure Project (CDP) hervor, durchgeführt von der Unternehmensberatung A.T. Kearney. An der Befragung beteiligten sich 44 Konzerne, darunter Schwergewichte wie Google, L’Oréal und Vodafone. Laut CDP überlegen 24 der befragten Unternehmen, künftig keine Aufträge mehr an Firmen zu vergeben, die ihre CO2-Emissionen nicht messen, da ihnen dadurch die Voraussetzungen für ein internes Klima-Management und bessere Klimabilanzen fehlen. Für drei namentlich nicht genannte Konzerne ist das nach Angaben der Non-Profit-Organisation schon ein K.o.-Kriterium – mit Einschränkungen.

„Noch hat keines dieser drei Unternehmen die Zusammenarbeit mit einem Lieferanten beendet, weil der nicht die in seinem Betrieb anfallenden Emissionen misst und die Ergebnisse offenlegt“, sagt Caspar von Blomberg, Geschäftsführer der deutschen CDP-Dependance. Das CO2-Management der Zulieferer sei bei den drei Vorreiter-Unternehmen aber aufgewertet worden. Es sei zu einem Kriterium aufgestiegen, das nun neben Preis und Qualität bei der Auswahl der Zulieferer zum Einsatz käme. Das sei gut für den Klimaschutz, sagt Blomberg. Zumal mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen sich vorstellen könnte, diese Aufwertung nachzuvollziehen.

Blomberg rechnet damit, dass das Folgen haben wird: Stände ein Einkäufer einer der Vorreiter-Konzerne künftig vor zwei gleichwertigen Produkten, käme das zusätzliche Klimakriterium ins Spiel. Der schlechter abschneidende Zulieferer müsste dann offenlegen, warum er seinem Wettbewerber hinterherhinkt. Dadurch steige der Druck auf die Nachzügler, ihre Emissionen zu analysieren und in den Griff zu kriegen. „Auf die Lieferanten kommt Riesenarbeit zu“, sagt Blomberg. Davon seien auch deutsche Firmen betroffen. Hiesige Unternehmen haben an der Erhebung zwar nicht teilgenommen. Die 44 befragten Konzerne greifen aber auf die Dienste von 50 deutschen Unternehmen zurück – darunter fast die Hälfte der im Deutschen Aktenindex DAX notierten Gesellschaften.

Matthias Kopp von der Umweltstiftung WWF, einer CDP-Partnerorganisation, hat beobachtet, dass in einigen deutschen Chefbüros die Aufmerksamkeit für die Nachhaltigkeit der Lieferkette zuletzt gewachsen ist. Der Fachmann für Klima und Finanzen verweist auf das vom WWF, Wissenschaftsinstituten und Unternehmen getragene Pilotprojekt Product Carbon Footprint. Der Mischkonzern Henkel, die Deutsche Telekom und weitere deutsche Unternehmen haben darin CO2-Bilanzen für einige Produkte ermittelt, für Waschpulver etwa oder für DSL-Router. Da die CO2-Fußabdrücke dieser Produkte über den Lebenszyklus berechnet wurden, wissen die Unternehmen jetzt, wo bei deren Herstellung und Verbrauch wie viel Kohlendioxid anfällt. Das gilt als Grundlage eines unternehmensinternen CO2-Managements. „Diese Konzerne haben verstanden, dass sie auf den Klimawandel reagieren müssen“, lobt Kopp. 

Klimabewusste Unternehmen, sagt Blomberg, wüssten auch, dass „geringere Emissionen geringere Kosten bedeuten“. Schon heute unterliegen beispielsweise viele Unternehmen dem Emissionshandel, in der jede eingesparte Tonne CO2 bares Geld wert ist. Zudem drängen immer mehr kapitalstarke Investoren auf transparente unternehmerische Klimadaten, damit sie die Klimarisiken der Betriebe besser einschätzen können, in denen sie Geld anlegen möchten. Der deutsche CDP-Chef sieht darin einen der wichtigsten Treiber für mehr Nachhaltigkeit in der Lieferkette. WWF-Experte Kopp glaubt, dass auch die Politik künftig mehr Transparenz verlangen wird. In den USA hat die staatliche Börsenaufsicht SEC öffentlich handelbare Aktiengesellschaften erst Ende Januar daran erinnert, dass sie schon gewissen Klima-Informationspflichten unterliegen. Die Behörde hat einen „Interpretations-Leitfaden“ erarbeitet, der den Unternehmen bei der „konsistenten Anwendung dieser Regeln“ helfen soll.

Weiterführende Informationen

Carbon Disclosure Project Supply Chain Report 2010. CDP-Erhebung, Februar 2010. [PDF, 2 MB]

Carbon management becomes key part of corporate supply chain strategy for major global companies. Gemeinsame Pressemitteilung CDP und A.T.Kearney, 01.02.2010.

Unternehmen wählen Zulieferer zunehmend aufgrund der CO2-Emissionen aus. Informationen der Umweltstiftung WWF, 01.02.2010.

Product Carbon Footprint. Website zum Pilotprojekt.

SEC Issues Interpretive Guidance on Disclosure Related to Business or Legal Developments Regarding Climate Change. Pressemitteilung der US-Börsenaufsicht SEC, 27.01.2010.

CDP comments on the latest SEC ruling. Kommentar des CDP zur SEC-Bekanntmachung, 01.02.2010.

Newsletter-Abo

Interesse an unserem Newsletter? Abonnieren Sie hier die ‚News Nachhaltigkeit‘.