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"A balanced world has been a must for the Club of Rome since 1972– the challenge for our work at the German Council for Sustainable Development."

Max Schön, Member of the Council

10.12.2009

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Intelligente Stromnetze: USA preschen mit Forschungsförderung vor

Stromnetze sollen „klüger“ werden, um Stromverbrauch und -Erzeugung besser aufeinander abzustimmen, Energie so effizienter zu nutzen und einzusparen. In Deutschland wollen das Regierung und Opposition gleichermaßen. Auch, weil die sogenannten Smart Grids als Voraussetzung für den Ausbau erneuerbarer Energien gelten, deren schwankende Stromerträge sie ausgleichen können. Die amerikanische Regierung will ebenfalls smartere Netze und hat dafür jetzt ein milliardenschweres Forschungs- und Entwicklungsprogramm auf den Weg gebracht. Die Investitionen der Bundesregierung fallen dagegen eher bescheiden aus.

Bundesumwelt- und Bundeswirtschaftsministerium fördern Forschung an den Netzen der Zukunft nach eigenen Angaben 2008 und 2009 mit rund 60 Millionen Euro. Damit werden in sechs Modellregionen unter anderem die flexible Steuerung des Energieverbrauchs und bessere Stromflüsse in den Netzen erprobt. Weitere 80 Millionen Euro steuert die Wirtschaft bei. In den USA summieren sich die jüngsten Forschungsinvestitionen in die Smart Grids auf mehr als 1,6 Milliarden US-Dollar – das amerikanische Stromnetz gilt unter Experten allerdings auch als technisch hinfälliger und damit modiernisierungsbedürftiger als das deutsche Netz. 620 Millionen US-Dollar stellte das amerikanische Energieministerium Ende November für die Forschung bereit, eine Milliarde US-Dollar stammen aus der Privatwirtschaft. Mehr als Demonstrationsprojekte werden damit aber auch in den USA nicht finanziert. 

Beiderseits des Atlantiks stecken Forschung und Entwicklung klügerer Stromnetze noch in den Kinderschuhen. Die Erwartungen an die Technik sind dennoch immens: Das US-Energieministerium rechnet damit, dass der steigende Stromverbrauch des Landes mit klugen Netzen bis 2030 um vier Prozent oder 20 Milliarden US-Dollar sinken könnte. Nachhaltigkeitsexperten gelten Investitionen in Smart Grids daher als schlaue Zukunftsinvestitionen. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat sich mehrmals für ihre Förderung ausgesprochen. Die „Anpassung der Netze zum Energie-Transport“ sei nötig, um etwa die „Windenergie an den Küsten bundesweit verfügbar“ zu machen, schreiben die Berater der Bundesregierung in ihrem vergangenes Jahr vorgelegten Positionspapier zu Fragen der Energie- und Klimapolitik. Dafür seien „große Investitionen in den Netzausbau erforderlich“, so der Rat.

Wie hoch die Investitionen für den Aus- und Umbau der Netze sein müssten, hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace International jetzt berechnen lassen. Europaweit liegt der Bedarf demnach bei 209 Milliarden Euro bis zum Jahr 2050. „Der deutsche Beitrag liegt bei etwa einer Milliarde Euro im Jahr“, sagt Greenpeace-Energiefachmann Sven Teske. Das sei überschaubar, so der Diplom-Ingenieur, zumal auch das deutsche Stromnetz veraltet sei und die Energiekonzerne wüssten, dass große Investitionen anstünden. Greenpeace will die Investitionen für den Netzausbau auf Verbraucher und Energieversorger umlegen. „Strom würde dann um 0,15 Cent pro Kilowattstunde teurer“, so Teske. Das sei weniger als ein Prozent. Forschungs- und Entwicklungsausgaben berücksichtigt die Studie nicht. Sie schlüsselt lediglich die Kosten für den Neubau oder die Sanierung von Stromleitungen und Speicherkapazitäten auf.

Diesen Kosten stehen große wirtschaftliche Chancen gegenüber. Allein der Münchener  Mischkonzern Siemens will in den kommenden fünf Jahren mit intelligenten Stromnetzen über sechs Milliarden Euro verdienen. Um den weltweit wachsenden Energiebedarf „umweltschonend und zuverlässig“ zu decken, so Siemens-Energievorstand Wolfgang Dehen, brauche „die Welt intelligente Stromnetze“. Bis 2020 könnten sie laut Siemens mehr als eine Milliarde Tonnen CO2 vermeiden. Dehen lobt das Konjunkturprogramm der US-Regierung, mit denen die Entwicklung kluger Netze massiv gefördert wird. „Ein neues Stromzeitalter mit Smart Grids steht bevor“, meint der Siemens-Vorstand.

Fraglich ist, ob Deutschland dafür gerüstet ist. Sieben international anerkannte Klima-, Wirtschafts- und Nachhaltigkeitsexperten haben daran Zweifel. Sie stellten jüngst im Auftrag der Bundesregierung die deutsche Nachhaltigkeitspolitik auf den Prüfstand und haben in ihrem Gutachten  – neben einigen Stärken – einen Mangel an langfristigen Visionen ausgemacht. Deutschland bleibe dadurch hinter seinen Möglichkeiten zurück, so die Gutachter. Sie empfehlen der Bundesregierung, intelligente Energienetze „besser in den nationalen Forschungsprioritäten zu berücksichtigen“. Deutschland stehe in der Pflicht, eine Führungsrolle beim Übergang zur nachhaltigen Wirtschaft einzunehmen, sagt Björn Stigson, Vorsitzender der Gutachter und Präsident des World Business Council for Sustainable Development. Davon profitiere auch die deutsche Wirtschaft.

Weiterführende Informationen

Staatssekretär Jürgen Becker: Intelligente Netze entscheidend für weiteren Ausbau erneuerbarer Energie. Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums, 27.11.2009.

Parlamentarischer Staatssekretär Otto eröffnet ersten E-Energy Jahreskongress. Pressemitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums, 26.11.2009.

Secretary Chu Announces $620 Million for Smart Grid Demonstration and Energy Storage Projects. Pressemitteilung des US-Energieministeriums, 24.11.2009.

Position des Nachhaltigkeitsrates zu aktuellen Fragen der Klima- und Energiepolitik, 27.10.2008. [PDF, 68 KB]

Gutachten: Deutschland muss Chance Nachhaltigkeit ergreifen. Pressemitteilung des Rates für Nachhaltige Entwicklung, 23.11.2009.

Sustainability Made in Germany – We Know You Can Do It. Peer Review der deutschen Nachhaltigkeitspolitik, 23.11.2009. [PDF, 4 MB]

Greenpeace-Konzept: Das Stromnetz des 21. Jahrhunderts. Pressemitteilung Greenpeace, 20.11.2009.

„24/7“: Das Stromnetz des 21. Jahrhunderts. Deutsche Zusammenfassung der Greenpeace-Studie, November 2009. [PDF, 775 KB]

[r]enewables 24/7: Infrastructure needed to save the Climate. Greenpeace-Studie, November 2009. [PDF, 4,2 MB]

Siemens will bis 2014 Aufträge für intelligente Stromnetze im Wert von über 6 Mrd. EUR. Pressemitteilung Siemens, 04.09.2009.

Meldungen zum Thema

Kommunen investieren in „intelligente Stromnetze“
News Nachhaltigkeit, 27.07.2010

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