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Manchmal heißt Nachhaltigkeit, einen Rasenmäher durch zwei bretonische Bergschafe zu ersetzen. So hat es der Unternehmer Theo Besgen getan, um die Wiese vor seinem Unternehmen BeoPlast kurz zu halten. Besgen war einer der Gäste auf der Jahreskonferenz des RNE, die in einem der Themenforen darüber diskutiert haben, was passiert, wenn „die Digitalisierung ganze Wertschöpfungsketten durcheinander bringt“, wie es Werner Schnappauf formuliert – und die USA aus dem Pariser Klimaschutzkommen aussteigen. Wie kann es gelingen, in diesen stürmischen Zeiten nachhaltig zu wirtschaften?

Werner Schnappauf: Die aktuellen Herausforderungen

Schnappauf wurde im November 2016 zum Mitglied des RNE berufen, ist ehemaliger bayerischer Umweltminister und heute Senior Advisor der Bank of America Merrill Lynch Deutschland. Er sieht derzeit eine „Veränderung, wie wir sie in der Dimension noch nie hatten“. „Nachhaltiges Wirtschaften vermittelt Stabilität und sichert Wettbewerbsfähigkeit“, so Schnappaufs Grundthese. Wie Innovation und Digitalisierung mit Nachhaltigkeit verbunden werden könnten, fragte er die Gäste des Forums. Hier einige Antworten, von praktisch bis theoretisch.

Theo Besgen: „Nutzt das Zeitfenster“

Der Unternehmer Theo Besgen beantwortete diese Frage kurz und knapp: Er tut es einfach. Sein Familienbetrieb im rheinländischen Langenfeld stellt Kunststoffteile für die Autoindustrie her. Das Unternehmen hat es geschafft, CO2-neutral zu produzieren, indem es mit Abwärme heizt, mit Ökostrom, Elektrogabelstapler und E-Autos arbeitet und vieles mehr.

„Klimaneutralität geht“, sagt Besgen und mahnt zugleich: „Wir sind nach wie vor allein auf weiter Flur. Es gibt kaum einen Betrieb, der CO2-neutral produziert.“ Das Unternehmen nutze schlicht vorhandene Technik und kombiniere diese konsequent. Besgens Appell: Jetzt, wo die Wirtschaft brummt, ist das Zeitfenster zum Handeln. „Es geht uns doch gerade wirtschaftlich gut in Deutschland. Jetzt haben wir die Möglichkeit, Geld in die Hand zu nehmen, um unsere Betriebe auf nachhaltige Produktion umzustellen. Wenn die Konjunktur mal absackt, liegt der Fokus schnell auf anderen Bereichen“, sagt er.

Christina Berghäuser – Der CO2-neutrale Flughafen

Die Managerin der Strategieabteilung Corporate Responsibility, Christina Berghäuser, setzt Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie des Flughafen München um. Die Geschäftsführung hat sich 2008 auf Nachhaltigkeit verpflichtet, setzt Zielvorgaben wie etwa CO2-Reduktion, mehr Frauen in Führungspositionen oder Zufriedenheit von Mitarbeitern und Fluggästen. Die Ziele sind konkret und werden gemessen, die leistungsorientierte Vergütung der Führungskräfte hängt davon ab, ob sie erreicht werden. Bis 2030 will der Flughafen komplett CO2-neutral wirtschaften. Insgesamt, so sagt es Berghäuser, gilt: Wer nachhaltigen Wandel will, der muss beharrlich sein.

Lucia Reisch: „Nicht mehr, sondern kondensierte Information“

„Die Rolle der Konsumenten ist nicht so stürmisch, eher kleinteilig und lokal, dafür aber nicht weniger transformativ“, sagt Lucia Reisch, Mitglied des RNE und Professorin für interkulturelle Konsumforschung und europäische Verbraucherpolitik an der Copenhagen Business School. Die Digitalisierung habe den Verbrauchern völlig neue Rollen ermöglicht: Die des Prosumenten, des Konsumentenbürgers, des Genossen in einer Genossenschaft oder des Eigenproduzenten.

Kunden sind heute also mehr als reine Verbraucher von Konsumgütern; sie fragen nach Effizienz und Resilienz von Produktionsprozessen, Abfall wird mehr und mehr zu einer Ressource. In diesem Sinne ist Digitalisierung für Reisch eine Chance. Sie ermöglicht es, Konsumenten besser zu informieren und zwar „zur richtigen Zeit kondensiert“ – etwa beim Einkaufen.

Kora Kristof – „Chancen der Digitalisierung ergreifen“

Noch sei Digitalisierung relativ blind gegenüber Umwelt und Ressourcenschutz, sagt Kora Kristof, Leiterin der Grundsatzabteilung des Umweltbundesamtes. „Die Digitalisierung könnte in diesem Sinne gut sein, aber man weiß es noch nicht so genau“, sagt sie. Daraus ergibt sich für Kristof, dass es mehr Analyse braucht, wie Nachhaltigkeit von der Digitalisierung profitieren kann. Zudem brauche es mehr politische Steuerung.

„Wir sehen ja, dass Umweltpolitik viel erreicht hat.“ Digitalisierung biete einmalige Chancen, Dinge zu verändern, weil sie etablierte Branchen neu aufmische. „Wir haben die Chance, neben der Umweltpolitik auch andere Politikbereiche wie Gesundheitspolitik, Sozialpolitik oder Verteilungspolitik ganz eng einzubinden“, sagt sie. „Das ist die große Chance, unsere Wirtschaftsweise, unsere Produktion, die Infrastruktur und unsere Konsummuster nachhaltig zu gestalten.“

Axel Seidel: „Sozialer Burnout muss nicht sein“

Digitalisierung habe immer Licht und Schatten, sagt Axel Seidel, Chief Operating Officer bei der Prognos AG. Durch Sharingplattformen und neue Marktplätze im Netz ließen sich Produkte zwar länger nutzen, digitale Technologien ermöglichen zudem die Dematerialisierung vieler Produkte. Das führe auch zu einem höheren Stromverbrauch, der durch die Nutzung erneuerbarer Energien ressourcenschonender werden könne. „Wir können durch Digitalisierung unser Kernziel der Nachhaltigkeit, Ressourcen besser zu nutzen, voranbringen, aber das funktioniert nur, wenn Produktgestaltung, Marketing und Konsumentenverhalten die Nachhaltigkeit mit in den Blick nehmen“, sagt Seidel.

Auch auf die sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit hat die Digitalisierung Auswirkungen. Sie bringe ständige Erreichbarkeit mit sich. Dadurch entstehe enormer Druck, immer bei allem dabei sein zu müssen. „Das kann den sozialen Burnout bringen“, warnt Seidel. Aufgewogen würde das durch die höhere Flexibilität, höhere Markttransparenz, mündigere Bürger und kleine Player, die in neue Märkte eindringen und tradierte Strukturen aufbrechen können. Bei der Digitalisierung gebe es nicht nur schwarz oder weiß. „Digitalisierung und Nachhaltigkeit müssen zusammen gedacht werden“, sagt Seidel.

Holger Lösch – SDGs als Chance für die Industrie

Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, ist „gnadenlos fortschrittsgläubig“, wie er selbst sagt. Er sei fest davon überzeugt, dass es möglich sei, die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zu erreichen. Allerdings sei das kein Selbstläufer. Sie seien eine große Chance für die deutsche und internationale Industrie, auch in den Schwellenländern. Hierzulande seien 90 Prozent der Mittelständler Familienunternehmen. „Es gibt viele gute Beispiele, wie Unternehmen nachhaltig agieren, ohne es so zu nennen“, sagt Lösch.

Cornelia Heydenreich stellt Menschenrechtsfragen an die deutsche Industrie

Cornelia Heydenreich, Teamleiterin Unternehmensverantwortung bei der Umweltschutzorganisation Germanwatch, sieht eindeutigen Verbesserungsbedarf bei der Frage von Menschenrechten. Sie verweist darauf, dass Frankreich ein Gesetz zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht von Unternehmen erlassen habe, während es in Deutschland nur einen freiwilligen Aktionsplan gebe. Die Bundesregierung denke zwar über gesetzliche Maßnahmen nach, sollten die Unternehmen ihrer Verantwortung nicht nachkommen. „Wir haben uns da aber mehr gewünscht“, sagt Heydenreich.

Fazit – Schicksal in die Hand nehmen

Insgesamt überwiegt bei den Experten die Einschätzung, dass eine nachhaltige Gesellschaft machbar ist – auch wenn der Weg noch weit ist. Werner Schnappauf zitiert dazu Kanzlerin Angela Merkel, die im Hinblick auf die neue Lage in der Weltpolitik sagte: „Wir müssen unser Schicksal in die eigenen Hände nehmen.“ Derzeit, so formuliert es Schnappauf, gebe es eine starke Dynamik in Sachen Nachhaltigkeit. „Wir haben jetzt größere Chancen, die Ziele zu erreichen, als je zuvor.“

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Werner Schnappauf: Die aktuellen Herausforderungen

Schnappauf wurde im November 2016 zum Mitglied des RNE berufen, ist ehemaliger bayerischer Umweltminister und heute Senior Advisor der Bank of America Merrill Lynch Deutschland. Er sieht derzeit eine „Veränderung, wie wir sie in der Dimension noch nie hatten“. „Nachhaltiges Wirtschaften vermittelt Stabilität und sichert Wettbewerbsfähigkeit“, so Schnappaufs Grundthese. Wie Innovation und Digitalisierung mit Nachhaltigkeit verbunden werden könnten, fragte er die Gäste des Forums. Hier einige Antworten, von praktisch bis theoretisch.

Theo Besgen: „Nutzt das Zeitfenster“

Der Unternehmer Theo Besgen beantwortete diese Frage kurz und knapp: Er tut es einfach. Sein Familienbetrieb im rheinländischen Langenfeld stellt Kunststoffteile für die Autoindustrie her. Das Unternehmen hat es geschafft, CO2-neutral zu produzieren, indem es mit Abwärme heizt, mit Ökostrom, Elektrogabelstapler und E-Autos arbeitet und vieles mehr.

„Klimaneutralität geht“, sagt Besgen und mahnt zugleich: „Wir sind nach wie vor allein auf weiter Flur. Es gibt kaum einen Betrieb, der CO2-neutral produziert.“ Das Unternehmen nutze schlicht vorhandene Technik und kombiniere diese konsequent. Besgens Appell: Jetzt, wo die Wirtschaft brummt, ist das Zeitfenster zum Handeln. „Es geht uns doch gerade wirtschaftlich gut in Deutschland. Jetzt haben wir die Möglichkeit, Geld in die Hand zu nehmen, um unsere Betriebe auf nachhaltige Produktion umzustellen. Wenn die Konjunktur mal absackt, liegt der Fokus schnell auf anderen Bereichen“, sagt er.

Christina Berghäuser – Der CO2-neutrale Flughafen

Die Managerin der Strategieabteilung Corporate Responsibility, Christina Berghäuser, setzt Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie des Flughafen München um. Die Geschäftsführung hat sich 2008 auf Nachhaltigkeit verpflichtet, setzt Zielvorgaben wie etwa CO2-Reduktion, mehr Frauen in Führungspositionen oder Zufriedenheit von Mitarbeitern und Fluggästen. Die Ziele sind konkret und werden gemessen, die leistungsorientierte Vergütung der Führungskräfte hängt davon ab, ob sie erreicht werden. Bis 2030 will der Flughafen komplett CO2-neutral wirtschaften. Insgesamt, so sagt es Berghäuser, gilt: Wer nachhaltigen Wandel will, der muss beharrlich sein.

Lucia Reisch: „Nicht mehr, sondern kondensierte Information“

„Die Rolle der Konsumenten ist nicht so stürmisch, eher kleinteilig und lokal, dafür aber nicht weniger transformativ“, sagt Lucia Reisch, Mitglied des RNE und Professorin für interkulturelle Konsumforschung und europäische Verbraucherpolitik an der Copenhagen Business School. Die Digitalisierung habe den Verbrauchern völlig neue Rollen ermöglicht: Die des Prosumenten, des Konsumentenbürgers, des Genossen in einer Genossenschaft oder des Eigenproduzenten.

Kunden sind heute also mehr als reine Verbraucher von Konsumgütern; sie fragen nach Effizienz und Resilienz von Produktionsprozessen, Abfall wird mehr und mehr zu einer Ressource. In diesem Sinne ist Digitalisierung für Reisch eine Chance. Sie ermöglicht es, Konsumenten besser zu informieren und zwar „zur richtigen Zeit kondensiert“ – etwa beim Einkaufen.

Kora Kristof – „Chancen der Digitalisierung ergreifen“

Noch sei Digitalisierung relativ blind gegenüber Umwelt und Ressourcenschutz, sagt Kora Kristof, Leiterin der Grundsatzabteilung des Umweltbundesamtes. „Die Digitalisierung könnte in diesem Sinne gut sein, aber man weiß es noch nicht so genau“, sagt sie. Daraus ergibt sich für Kristof, dass es mehr Analyse braucht, wie Nachhaltigkeit von der Digitalisierung profitieren kann. Zudem brauche es mehr politische Steuerung.

„Wir sehen ja, dass Umweltpolitik viel erreicht hat.“ Digitalisierung biete einmalige Chancen, Dinge zu verändern, weil sie etablierte Branchen neu aufmische. „Wir haben die Chance, neben der Umweltpolitik auch andere Politikbereiche wie Gesundheitspolitik, Sozialpolitik oder Verteilungspolitik ganz eng einzubinden“, sagt sie. „Das ist die große Chance, unsere Wirtschaftsweise, unsere Produktion, die Infrastruktur und unsere Konsummuster nachhaltig zu gestalten.“

Axel Seidel: „Sozialer Burnout muss nicht sein“

Digitalisierung habe immer Licht und Schatten, sagt Axel Seidel, Chief Operating Officer bei der Prognos AG. Durch Sharingplattformen und neue Marktplätze im Netz ließen sich Produkte zwar länger nutzen, digitale Technologien ermöglichen zudem die Dematerialisierung vieler Produkte. Das führe auch zu einem höheren Stromverbrauch, der durch die Nutzung erneuerbarer Energien ressourcenschonender werden könne. „Wir können durch Digitalisierung unser Kernziel der Nachhaltigkeit, Ressourcen besser zu nutzen, voranbringen, aber das funktioniert nur, wenn Produktgestaltung, Marketing und Konsumentenverhalten die Nachhaltigkeit mit in den Blick nehmen“, sagt Seidel.

Auch auf die sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit hat die Digitalisierung Auswirkungen. Sie bringe ständige Erreichbarkeit mit sich. Dadurch entstehe enormer Druck, immer bei allem dabei sein zu müssen. „Das kann den sozialen Burnout bringen“, warnt Seidel. Aufgewogen würde das durch die höhere Flexibilität, höhere Markttransparenz, mündigere Bürger und kleine Player, die in neue Märkte eindringen und tradierte Strukturen aufbrechen können. Bei der Digitalisierung gebe es nicht nur schwarz oder weiß. „Digitalisierung und Nachhaltigkeit müssen zusammen gedacht werden“, sagt Seidel.

Holger Lösch – SDGs als Chance für die Industrie

Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, ist „gnadenlos fortschrittsgläubig“, wie er selbst sagt. Er sei fest davon überzeugt, dass es möglich sei, die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zu erreichen. Allerdings sei das kein Selbstläufer. Sie seien eine große Chance für die deutsche und internationale Industrie, auch in den Schwellenländern. Hierzulande seien 90 Prozent der Mittelständler Familienunternehmen. „Es gibt viele gute Beispiele, wie Unternehmen nachhaltig agieren, ohne es so zu nennen“, sagt Lösch.

Cornelia Heydenreich stellt Menschenrechtsfragen an die deutsche Industrie

Cornelia Heydenreich, Teamleiterin Unternehmensverantwortung bei der Umweltschutzorganisation Germanwatch, sieht eindeutigen Verbesserungsbedarf bei der Frage von Menschenrechten. Sie verweist darauf, dass Frankreich ein Gesetz zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht von Unternehmen erlassen habe, während es in Deutschland nur einen freiwilligen Aktionsplan gebe. Die Bundesregierung denke zwar über gesetzliche Maßnahmen nach, sollten die Unternehmen ihrer Verantwortung nicht nachkommen. „Wir haben uns da aber mehr gewünscht“, sagt Heydenreich.

Fazit – Schicksal in die Hand nehmen

Insgesamt überwiegt bei den Experten die Einschätzung, dass eine nachhaltige Gesellschaft machbar ist – auch wenn der Weg noch weit ist. Werner Schnappauf zitiert dazu Kanzlerin Angela Merkel, die im Hinblick auf die neue Lage in der Weltpolitik sagte: „Wir müssen unser Schicksal in die eigenen Hände nehmen.“ Derzeit, so formuliert es Schnappauf, gebe es eine starke Dynamik in Sachen Nachhaltigkeit. „Wir haben jetzt größere Chancen, die Ziele zu erreichen, als je zuvor.“

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