archive

object(WP_Query)#4575 (51) { ["query"]=> array(1) { ["tag"]=> string(19) "sustainable-finance" } ["query_vars"]=> array(64) { ["tag"]=> string(19) "sustainable-finance" ["error"]=> string(0) "" ["m"]=> string(0) "" ["p"]=> int(0) ["post_parent"]=> string(0) "" ["subpost"]=> string(0) "" ["subpost_id"]=> string(0) "" ["attachment"]=> string(0) "" ["attachment_id"]=> int(0) ["name"]=> string(0) "" ["static"]=> string(0) "" ["pagename"]=> string(0) "" ["page_id"]=> int(0) ["second"]=> string(0) "" ["minute"]=> string(0) "" ["hour"]=> string(0) "" ["day"]=> int(0) ["monthnum"]=> int(0) ["year"]=> int(0) ["w"]=> int(0) ["category_name"]=> string(0) "" ["cat"]=> string(0) "" ["tag_id"]=> int(135) ["author"]=> string(0) "" ["author_name"]=> string(0) "" ["feed"]=> string(0) "" ["tb"]=> string(0) "" ["paged"]=> int(0) ["meta_key"]=> string(0) "" ["meta_value"]=> string(0) "" ["preview"]=> string(0) "" ["s"]=> string(0) "" ["sentence"]=> string(0) "" ["title"]=> string(0) "" ["fields"]=> string(0) "" ["menu_order"]=> string(0) "" ["embed"]=> string(0) "" ["category__in"]=> array(0) { } ["category__not_in"]=> array(0) { } ["category__and"]=> array(0) { } ["post__in"]=> array(0) { } ["post__not_in"]=> array(0) { } ["post_name__in"]=> array(0) { } ["tag__in"]=> array(0) { } ["tag__not_in"]=> array(0) { } ["tag__and"]=> array(0) { } ["tag_slug__in"]=> array(1) { [0]=> string(19) "sustainable-finance" } ["tag_slug__and"]=> array(0) { } ["post_parent__in"]=> array(0) { } ["post_parent__not_in"]=> array(0) { } ["author__in"]=> array(0) { } ["author__not_in"]=> array(0) { } ["ignore_sticky_posts"]=> bool(false) ["suppress_filters"]=> bool(false) ["cache_results"]=> bool(false) ["update_post_term_cache"]=> bool(true) ["lazy_load_term_meta"]=> bool(true) ["update_post_meta_cache"]=> bool(true) ["post_type"]=> string(0) "" ["posts_per_page"]=> int(12) ["nopaging"]=> bool(false) ["comments_per_page"]=> string(2) "50" ["no_found_rows"]=> bool(false) ["order"]=> string(4) "DESC" } ["tax_query"]=> object(WP_Tax_Query)#12101 (6) { ["queries"]=> array(1) { [0]=> array(5) { ["taxonomy"]=> string(8) "post_tag" ["terms"]=> array(1) { [0]=> string(19) "sustainable-finance" } ["field"]=> string(4) "slug" ["operator"]=> string(2) "IN" ["include_children"]=> bool(true) } } ["relation"]=> string(3) "AND" ["table_aliases":protected]=> array(1) { [0]=> string(21) "wp_term_relationships" } ["queried_terms"]=> array(1) { ["post_tag"]=> array(2) { ["terms"]=> array(1) { [0]=> string(19) "sustainable-finance" } ["field"]=> string(4) "slug" } } ["primary_table"]=> string(8) "wp_posts" ["primary_id_column"]=> string(2) "ID" } ["meta_query"]=> object(WP_Meta_Query)#12102 (9) { ["queries"]=> array(0) { } ["relation"]=> NULL ["meta_table"]=> NULL ["meta_id_column"]=> NULL ["primary_table"]=> NULL ["primary_id_column"]=> NULL ["table_aliases":protected]=> array(0) { } ["clauses":protected]=> array(0) { } ["has_or_relation":protected]=> bool(false) } ["date_query"]=> bool(false) ["queried_object"]=> object(WP_Term)#12474 (12) { ["term_id"]=> int(135) ["name"]=> string(19) "Sustainable Finance" ["slug"]=> string(19) "sustainable-finance" ["term_group"]=> int(0) ["term_taxonomy_id"]=> int(135) ["taxonomy"]=> string(8) "post_tag" ["description"]=> string(0) "" ["parent"]=> int(0) ["count"]=> int(12) ["filter"]=> string(3) "raw" ["term_order"]=> string(1) "0" ["custom_order"]=> string(4) "9999" } ["queried_object_id"]=> int(135) ["request"]=> string(769) "SELECT SQL_CALC_FOUND_ROWS wp_posts.ID FROM wp_posts LEFT JOIN wp_term_relationships ON (wp_posts.ID = wp_term_relationships.object_id) JOIN wp_icl_translations t ON wp_posts.ID = t.element_id AND t.element_type = CONCAT('post_', wp_posts.post_type) WHERE 1=1 AND ( wp_term_relationships.term_taxonomy_id IN (135) ) AND wp_posts.post_type = 'post' AND (wp_posts.post_status = 'publish' OR wp_posts.post_status = 'acf-disabled') AND ( ( t.language_code = 'de' AND wp_posts.post_type IN ('post','page','attachment','document','event','member','projects' ) ) OR wp_posts.post_type NOT IN ('post','page','attachment','document','event','member','projects' ) ) GROUP BY wp_posts.ID ORDER BY wp_posts.menu_order, wp_posts.post_date DESC LIMIT 0, 12" ["posts"]=> &array(7) { [0]=> object(WP_Post)#12212 (24) { ["ID"]=> int(11185) ["post_author"]=> string(1) "5" ["post_date"]=> string(19) "2018-10-09 12:54:39" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2018-10-09 10:54:39" ["post_content"]=> string(10723) "Konferenzen zum Thema nachhaltige Finanzwirtschaft haben stets eines gemeinsam: Zu Beginn steht die Feststellung, dass die Branche eine Nische ist und sich weltweit nur ein winziger Bruchteil der Finanzströme an mehr als kurzfristiger Rendite orientiert. So begann auch der zweite Sustainable Finance Gipfel Deutschland in Frankfurt mit einer kritischen Analyse von Joachim Faber, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Börse. „Wir reden nach wie vor enorm viel, aber es kommt einfach wenig dabei raus. Es wird wenig wirkungsorientiert diskutiert“, sagte Faber und kritisierte sowohl die Politik als auch die eigene Branche, die sich kaum bewege. Viele Papiere zum Thema, auch aus Wirtschaftskreisen, seien als Fensterrede geplant und nicht mit wirklichen Zielen hinterlegt, wie man zu mehr Nachhaltigkeit komme. Doch allmählich scheint sich der Wind zu drehen. Zum zweiten Mal veranstaltete der von der Deutschen Börse und dem Rat für Nachhaltige Entwicklung gegründete Hub for Sustainable Finance den Sustainable Finance Gipfel Deutschland – mit doppelt so viel Teilnehmenden aus Politik, Finanzwirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft wie im vergangenen Jahr. Das große Interesse scheint einen Grund zu haben: Alexander Bassen, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung, sprach vom „Damoklesschwert der Regulierung“.

EU-Aktionsplan sorgt für Action

Bassen sprach vom Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums der EU-Kommission vom März 2018. Der soll dafür sorgen, dass die EU das Pariser Klimaschutzkommen und die Agenda 2030 der Vereinten Nationen umsetzt. Bereits im Mai folgte ein Maßnahmenpaket, um den Aktionsplan umzusetzen. Zwei Punkte aus den Brüsseler Entwürfen wurden auf der Tagung in Frankfurt intensiv diskutiert: Taxonomie: Der eine sieht vor, dass sich alle EU-Staaten auf eine einheitliche Definition dessen einigen, was eine im Sinne der Umwelt nachhaltige ökonomische Aktivität ist – im Fachjargon nennt sich diese Definition Taxonomie. Sie kann später als Grundlage für ein EU-weit einheitliches Label für nachhaltige Geldanlagen fungieren, möglicherweise ähnlich dem Biosiegel für Nahrungsmittel. Dieses Klassifizierungssystem soll laut des gegenwärtigen Entwurfs der Kommission für alle Finanzmarktakteure gelten, die grüne, nachhaltige, ökologische oder ähnlich bezeichnete Finanzprodukte anbieten wollen. Seit Juni arbeitet eine Expertengruppe daran. Im ersten Schritt enthält die Taxonomie nur Umweltkriterien, jedoch noch keine sozialen und Governance-Kriterien im Sinne der Nachhaltigkeit. Am 18. Oktober findet dazu eine Expertenanhörung in Brüssel statt. Ziel der Kommission ist es, eine Fragmentierung des EU-Marktes bei grünen, ökologischen oder nachhaltigen Finanzprodukten zu verhindern, erklärte Martin Koch, Policy Officer in der DG FISMA der EU-Kommission, auf der Tagung. Es brauche einen klaren Rahmen, gerade auch für grenzüberschreitende Investitionen. Die Teilnehmenden des Sustainable Finance Gipfels diskutierten die geplante Taxonomie intensiv. Kritik gab es, weil sie nur für explizit grüne Finanzprodukte gelten soll. Das heißt, wer einen Fonds, eine Versicherung oder sonst ein Finanzprodukt nicht als nachhaltig, grün, öko oder ähnlich etikettieren will, für den ändert die Klassifizierung nichts. Sie gilt auch nur für Finanzprodukte, nicht für Firmen – so könnte also ein Konzern in Kohle investieren und dennoch ein als grün gelabeltes Finanzprodukt zur Finanzierung von Windparks auf den Markt werfen. Molly Scott Cato, die für die Green Party of England and Wales im EU-Parlament sitzt, nannte die Taxonomie zwar einen Durchbruch, den es zu feiern gelte. „Es gibt aber keine schwarze Liste, was definitiv nicht grün ist. Ohne das ist die Taxonomie nicht besonders nützlich“, kritisierte sie. Koch verteidigte die Taxonomie, sie habe sechs klare ökologische Grundprinzipien. Grüne Investitionen müssen demnach mindestens einem davon nutzen, etwa dem Schutz des Klimas, und dürfen keinem der sechs schaden, etwa dem Schutz der Meere. Levin Holle, Leiter der Finanzmarktabteilung im Bundesfinanzministerium, nannte die Taxonomie “sehr wichtig“, warnte aber vor zu viel Eile: „Wenn wir die Taxonomie einmal fehljustiert haben sollten, dann laufen wir in ein großes Risiko, vieles in die falsche Richtung zu lenken“, sagte er. Offenlegungsvorschriften: Laut Holle sind für das Bundesfinanzministerium mit Hinblick auf die knappe Zeit bis zu den EU-Wahlen in sechs Monaten zwei andere Teile der EU-Reformen dringlicher, die sogenannten low-carbon benchmarks und die Offenlegungsvorschriften zu Nachhaltigkeitsaspekten. Bei Ersteren handelt es sich um EU-weit einheitliche Maßstäbe dafür, wie klimaschädlich wirtschaftliche Aktivitäten sind, in die Investoren finanzieren – damit könnten diese ihr Geld ökologischer anlegen. Dazu kommen ebenso einheitliche Maßstäbe dafür, wie man die positive Wirkung von Investitionen in Klimaschutz misst – hier spricht man von positive carbon. Die Offenlegungsvorschriften, auf Englisch disclosures, wurden kontrovers auf der Tagung diskutiert. Sie sollen im Gegensatz zur Taxonomie nicht nur für grüne Finanzprodukte, sondern für den gesamten Finanzmarkt gelten. Dazu hat die EU-Kommission im Mai einen Entwurf vorgelegt. Die Regulierung lege die Grundlage dafür, dass Aspekte der Ökologie, des Sozialen und der Governance, kurz ESG-Kriterien, im Herz des Finanzsystems verankern werden. Sie solle zudem dabei helfen, die Wirtschaft Europas grüner und widerstandsfähiger zu machen und eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren, schreibt die EU-Kommission in dem Entwurf. Geplant ist, mehrere bestehende Richtlinien und Verordnungen zu ändern. Alle Finanzmarktakteure, die Geld für ihre Kunden verwalten – vom Risikokapitalfonds bis zur Rentenversicherung – sollen künftig verpflichtet sein, ESG-Kriterien bei allen Investitionsentscheidungen mit zu bedenken. Wie sie dies tun, darüber müssen sie ihre Kunden aufklären und regelmäßig berichten. Zudem sollen sie verpflichtet werden, Kunden stets auch darüber zu beraten, wie sich Nachhaltigkeitsaspekte auf den Wert einer Investition auswirken. „Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien gehört bei der Analyse von Chancen und Risiken von Finanzunternehmungen dazu“, sagte BMF-Vertreter Holle. Dahinter steckt die mittlerweile gesicherte Erkenntnis, dass Unternehmen oder Portfolios, die auf ESG-Kriterien achten, bei gleicher Rendite weniger Risiken aufweisen. „Was ich sehr vermisse ist, dass man diese Geschäftschance innerhalb der Finanzwirtschaft stärker sieht“, sagte Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Faber. Dieser sogenannte risk adjusted return von nachhaltigen Geldanlagen ist neben Klimaschutz und Agenda 2030 der UN der zweite Grund, warum die EU-Kommission das Thema forciert: Sie glaubt, dass ein Finanzsystem, das auf ESG-Kriterien achtet, stabiler, weil risikoärmer ist. Einer der Kritikpunkte bei den Offenlegungsvorschriften war auf der Tagung, dass eine Finanzaktivität nicht automatisch dadurch nachhaltiger wird, dass sie ESG-Kriterien in ihr Risikomanagement aufnehmen muss. Auch war vielen Zuhörenden noch völlig unklar, wie die neuen Vorgaben am Ende praktisch im Alltag etwa eines Portfoliomanagers umgesetzt werden sollen.

Kompetenzen, Primat der Politik und Bildung

Die EU-Reformen waren nicht das einzige Thema des Gipfels. Zu den Kernbotschaften der Vortragenden und Diskutanten gehörten unter anderem die folgenden: Eine Dokumentation mit den Ergebnissen des Gipfels wird in den nächsten Wochen auf der Webseite des Hub for Sustainable Finance veröffentlicht. Michael Schmidt, Leiter Asset Servicing & Alternative Investments bei Deka Investment, fasste die wohl wichtigste Erkenntnis des Gipfels am Ende so zusammen: „Der Kreis ist weiter geworden. Der Stein, der durch die EU ins Wasser geworfen wurde, zieht seine Kreise. Er geht mittlerweile weit über die von Nachhaltigkeit Beseelten hinaus“, sagte er." ["post_title"]=> string(74) "Brüssel bringt bei nachhaltiger Finanzwirtschaft Schwung nach Deutschland" ["post_excerpt"]=> string(216) "Auf dem zweiten Sustainable Finance Gipfel Deutschland zeigte sich: Nachhaltige Finanzwirtschaft hat ihr Nischendasein verlassen und ist mittlerweile Thema hierzulande. Wichtigster Treiber sind Reformen auf EU-Ebene." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(74) "bruessel-bringt-bei-nachhaltiger-finanzwirtschaft-schwung-nach-deutschland" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2018-10-16 13:33:35" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2018-10-16 11:33:35" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(42) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=11185" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [1]=> object(WP_Post)#12100 (24) { ["ID"]=> int(10603) ["post_author"]=> string(1) "5" ["post_date"]=> string(19) "2018-09-06 09:34:32" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2018-09-06 07:34:32" ["post_content"]=> string(12921) "

Frage: Im vergangenen Jahr hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) zusammen mit der Deutschen Börse den Hub for Sustainable Finance ins Leben gerufen. Akteure aus den verschiedensten Handlungsfeldern und mit unterschiedlichen Interessenlagen sitzen an einem Tisch, um ein nachhaltiges Finanzsystem umzusetzen. Wie gelingt es, sich auf gemeinsame Ziele zu verständigen?

Günther Bachmann: Es gibt keine Garantie, dass so etwas klappt. Allerdings klappt es garantiert auf keinen Fall, wenn jeder weiter alleine vor sich hinarbeitet. Mit der Deutschen Börse haben wir einen ersten Versuch unternommen, ein Gespräch zur Zukunft des Finanzsektors und der Nachhaltigkeit zu führen. Wir haben mit einem Thesenpapier begonnen, mit zehn kurzen Thesen, die beide Seiten der Medaille betreffen, Politik wie Finanzwirtschaft. Auf beiden Seiten wollen wir Routinen verändern. Damit stehen wir ganz am Anfang eines Prozesses.

Herr von Flotow, was halten Sie von dem Prozess, der da angestoßen wurde?

Paschen von Flotow: Ich und viele andere sind dankbar für die Initiative des RNE, einen solchen Multi-Stakeholder-Prozess anzustoßen. Aber ich würde bezweifeln, ob es dabei, wie Sie in Ihrer Frage formuliert haben, am Ende um einen “Tisch” geht, an dem alle sitzen. Derzeit ist das ein “Hub" von einigen Akteuren des Finanzsektors und des RNE, und die Frage, welche weiteren Akteure an den Tisch gehören, ist offen: wie die Zivilgesellschaft, vertreten durch NGOs, die Realwirtschaft, Arbeitnehmer, Wissenschaften, und last but not least, Betroffene aus Schwellen- und Entwicklungsländern in den Prozess mit eingebunden werden. Für mich ist der Hub for Sustainable Finance ein wunderbarer Start, ein Anstoß, ein offener Prozess – bei dem eben noch einige Fragen offen sind. Günther Bachmann: Da haben Sie Recht, einen so großen Tisch, um alle ranzukriegen, die mitreden müssen, gibt es gar nicht. Wir haben uns lange überlegt, wie wir die Initiative nennen wollen. Der Begriff des Hubs unterstellt, dass man von außen andocken kann. Wir wollen eben gerade kein Netzwerk sein, das nur nach innen Strukturen und Strahlkraft entwickelt. Paschen von Flotow: Wenn also ein Hub bewusst kein großer Tisch für viele Stakeholder ist, dann ist es wichtig, diese Andockstellen sichtbar zu machen. Sonst läuft der Hub Gefahr, ein selbstreferentieller Kreis zu werden, der keine Außenspiegelung erfährt und deswegen vielleicht die erforderliche Dynamik vermissen lässt.

Welche Sollbruchstellen in der Kommunikation können einen solchen Prozess gefährden?

Paschen von Flotow: Ich halte es für wichtig, den Begriff des “nachhaltigen Finanzsystems” zu klären. Viele verstehen darunter, gerade nach der Finanzkrise, Stabilität und die Vermeidung von Risiken, die sich inhärent aus dem Finanzsektor ergeben. Aber bei “Sustainable Finance” geht es zum Beispiel um die Frage, wie der Kapitalmarkt die Folgen von Klimawandel und Menschenrechtsverletzungen berücksichtigt, ganz unabhängig davon, ob diese Folgen den Finanzsektor selbst destabilisieren. Die Kosten des Klimawandels sind ja aus der Perspektive des einzelnen Investors weitgehend externalisiert; die Kosten tragen die betroffenen Menschen, auch die Versicherungswirtschaft trägt ja nur einen geringen Teil dieser Kosten beziehungsweise Risiken. Die Internalisierung dieser Risiken und Kosten erfordert politische Rahmenbedingungen auf der Ebene der Realwirtschaft. Das muss man ansprechen, sonst sehe ich das Risiko, dass der Finanzsektor den Begriff so definiert, dass er ein in sich geschlossenes System bildet – und viele Diskrepanzen, die sich aus einem Außenblick ergeben, blieben außen vor.

Wie weit ist Deutschland in Sachen Nachhaltigkeit im Finanzsektor im Vergleich mit anderen europäischen Staaten?

Paschen von Flotow: In Deutschland haben wir kaum kapitalgedeckte Pensionsfonds, Altersvorsorge läuft bei uns anders als im angelsächsischen System und in einigen weiteren Ländern. Das ist einer der wichtigsten Gründe dafür, warum die Sustainable Finance-Agenda von anderen dominiert wird: weil sie mit den großen Pensionsfonds ganz andere Player auf dem Markt haben. Betrachtet man allerdings die Realwirtschaft, dann erkennt man, dass Deutschland einen ganz erheblichen Beitrag zum Wandel und seiner Finanzierung – zum Beispiel zur Entwicklung des Marktes für erneuerbare Energien - geleistet hat. Und daran hat sich der Finanzsektor in Deutschland beteiligt. Aber einen echten Mangel sehe ich, wenn es darum geht, die früheren Phase von Innovationen zu finanzieren, etwa durch Venture Capital und Private Equity für – zum Beispiel – CleanTech. Der Fokus auf die Finanzierung von innovativen Technologien gehört meines Erachtens in die Sustainable-Finance-Agenda hinein. Günther Bachmann: Der Blick auf Start-ups und CleanTech ist mir noch zu eng. Es geht doch um den deutschen Industriestandort insgesamt. Wir haben hier Industriebereiche, die eine ganz komplexe Wertschöpfungskette haben – Wertschöpfungskette trifft es nicht, das sind ganze Wertschöpfungsuniversen. Und diese hohe Komplexität finde ich in den Ansätzen der EU nicht wieder. Was die derzeit machen, ist Klimafinanzierung und ein bisschen Recycling. Aber was wir am Industriestandort Deutschland machen, sind hochkomplexe, servicegebundene Anlagen zu nachhaltiger Produktion, die sich diesem einfachen Kettengedanken entziehen. Deshalb ist es auch eine Gestaltungsaufgabe, auf die wir hinweisen müssen, dass die deutsche Wirtschaft komplexer ist und an diesen Prozessen zur Finanzierung beteiligt werden muss. Ich sehe auch Ihren Punkt, Herr von Flotow, was CleanTech angeht – ich sage aber, die Dynamik des Green Techs kommt aus der großen Industrie. Diese Dynamik und die Nachhaltigkeit insgesamt erfordern von der Finanzindustrie ziemlich grundlegend neue Überlegungen und Lösungsansätze.

Wie könnte das konkret aussehen?

Günther Bachmann: Die Kommission ruft derzeit Experten zusammen, die die so genannte Taxonomie klären müssen, also was nachhaltiges Investment ist und was nicht. Die Kriterien, die die Kommission dabei vorgegeben hat, sind Klimaschutz, erneuerbare Energien, ein bisschen Recycling, und ansonsten die Vermeidung von Umweltverschmutzung. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Klimafinanzierungs-Agenda. Dagegen habe ich auch nichts, das ist wichtig. Aber: Wenn man sich die Textilbranche anschaut, wenn man nach Afrika schaut, oder wenn man über Plastik nachdenkt, dann sehe ich ganz viele Aufgaben, die von diesem Ansatz nicht betroffen sind. Deswegen sage ich: Da fehlt der Europäischen Union eine Klassifikation, die praktikabel und wirtschaftsnah genug ist, um die großen Transformationen dieser Welt auch wirklich in den Finanzierungsrahmen reinzubekommen. Wenn man nur Klimafinanzierung macht, macht man sich einen schmalen Fuß.

Immer wieder wird die Rolle des Verbrauchers als wichtige Einflussgröße betont, um den Markt zu verändern. Wird dessen Macht nicht überbewertet, müssen die wahren Veränderungen nicht von den institutionellen Akteuren ausgehen?

Paschen von Flotow: Der Begriff des „Verbrauchers“ ist ja ein schrecklicher Begriff. Wir benutzen ihn alle, aber er entwürdigt den, um den es geht. Es geht hier um den Bürger in seinen verschiedenen Rollen. Im Moment ist die Diskussion um Sustainable Finance eine Black Box für den Bürger, es ist ein Expertengespräch auf einer hochabstrakten Ebene. Das transparent zu machen, ist eine wichtige Aufgabe, die auf der Agenda steht. Günther Bachmann: Es stört mich, dass der Verbraucher immer entweder als Letztentscheider hochgejubelt oder als armes Häschen in die Grube versenkt wird. Ethik im Sinne von nachhaltigem Konsumieren und Produzieren ist nicht teilbar. Es gibt Fragen, die kann der Verbraucher gar nicht entscheiden, sagen wir, zur Produktion von Batteriezellen. Das muss eine Elitenentscheidung bleiben, eine politische, eine wirtschaftliche. Aber nachhaltige Geldanlage etwa gehört zu Dingen, bei denen direkt am Markt Transparenz für den Verbraucher hergestellt wird. Man muss immer genau abwägen: den Verbraucher nicht entlasten, aber ihm auch nicht zu viel zumuten.

Sehen Sie Veränderung im Verbraucherverhalten?

Günther Bachmann: Doch, es bewegt sich in den vergangenen Jahren auf Nachhaltigkeit zu. Klar, es könnte mehr sein, aber wir sehen Bewegung. Dazu gehört aber auch, dass der Staat sich seiner Aufgabe stellt: Er darf sich nicht zurückziehen und bei Verbraucherfragen nicht eingreifen. Ich bin im Gegenteil der Meinung, da muss von staatlicher Seite eingegriffen werden, da kann gestaltet werden, durch Transparenz, Offenheit und Ermutigung von anderen Verbrauchsmustern bis hin zur Sharing Economy. Aber auf politischer Seite müssen noch viele Lerneffekte erzielt werden, bis man zu einer nachhaltigen Verbraucherpolitik kommt.

Immer wieder wird gesagt, dass es auch wirtschaftlich gesehen auf lange Sicht Sinn ergibt, nachhaltig anzulegen – dass langfristigen Erfolg nur derjenige haben kann, der nachhaltig wirtschaftet. Ist diese Logik für Finanzmarktakteure überhaupt nachvollziehbar, über das Lippenbekenntnis hinaus?

Günther Bachmann: Ich werde niemanden auf der Welt mit einem reinen Profitversprechen von nachhaltiger Entwicklung überzeugen. Das ist ein normatives, ein ethisches Konzept, und wenn man damit auch Geld verdienen kann: wunderbar. Aber das darf nicht das ausschließliche oder entscheidende Kriterium sein. Unser Leitmotiv kann doch nicht sein, dass man sich ein paar Zahlen zur finanziellen Performance zurecht rechnet. Die Frage lautet vielmehr: Wie können wir diesen Planeten mit neun Milliarden Menschen lebensfähig halten? Paschen von Flotow: Sie haben am Anfang unseres Gesprächs gesagt, es gehe darum, neue Routinen zu entwickeln. Dafür braucht es Diskussionsraum und auch Investoren. Am Anfang ist so etwas immer schwierig. Aber wenn der Hub dieses Ziel im Auge behält, dann ist viel gewonnen. Es geht eben gerade nicht darum, nur einen neuen Standard zu entwickeln, der dann unverändert für die Zukunft gilt, sondern es geht darum, immer wieder Dynamik entstehen zu lassen, den Prozess am Laufen zu halten und neue Kompetenzen zu entwickeln. Wir dürfen trotz allem nicht vergessen: Der Innovationsprozess der letzten zwanzig Jahre zeigt, dass die Integration von ökologischen, ethischen und sozialen Kriterien (ESG-Kriterien) in die Investitionsentscheidungen etwas auslöst, zumindest ein Nachdenken in den Unternehmen und innerhalb des Finanzsektors. Es ist wichtig, das weiter voranzutreiben. Und dazu ist eine starke zivilgesellschaftliche Beteiligung erforderlich. Das Gespräch moderierte Carolyn Braun.   [breaking-news title=] Günther Bachmann Günther Bachmann ist Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und koordiniert dessen Arbeit. Der promovierte Landschaftsplaner hat zuvor das Fachgebiet Bodenschutz im Umweltbundesamt geleitet. Er ist Vorsitzender der Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises sowie des Next Economy Awards. Seine Honorarprofessur hat ihm die Leuphana Universität Lüneburg verliehen. In wissenschaftlichen Beiräten, Stiftungen und in internationalen Netzwerken sowie als in seiner Funktion als RNE-Generalsekretär treibt er mit Impulsen und Initiativen das Nachhaltigkeitsdenken in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft voran. Paschen von Flotow Paschen von Flotow ist Geschäftsführender Vorsitzender des Sustainable Business Institute (SBI). Er hat in Freiburg, Köln und St. Gallen Volkswirtschaftslehre und Philosophie studiert und an der Hochschule St. Gallen über Geld- und Wachstumstheorie (Georg Simmels „Philosophie des Geldes“, Suhrkamp 1995) promoviert. Seit 1987 setzt er sich für nachhaltiges Wirtschaften ein und forscht und berät dabei unter anderem zu Themen des nachhaltigen Wirtschaftens im Finanzsektor. Er hat eine Reihe von Nicht-Regierungsorganisationen im Bereich des nachhaltigen Wirtschaftens initiiert und unterstützt und ist Herausgeber der Plattform www.nachhaltiges-investment.org. Von 2015 bis 2018 war Paschen von Flotow Mitglied des Vorstands des Deutschen Netzwerks für Wirtschaftsethik (DNWE). [/breaking-news]" ["post_title"]=> string(36) "„Wir wollen Routinen verändern”" ["post_excerpt"]=> string(334) "Ist der Finanzmarkt bereit und in der Lage, auch ethische, ökologische und soziale Kriterien in seine Entscheidungsprozesse einzubeziehen? Ein Gespräch über einen nachhaltigen Wandel zwischen Paschen von Flotow, Geschäftsführender Vorsitzender des Sustainable Business Institute (SBI), und RNE-Generalsekretär Günther Bachmann." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(30) "wir-wollen-routinen-veraendern" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2018-09-11 08:53:31" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2018-09-11 06:53:31" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(42) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=10603" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [2]=> object(WP_Post)#12213 (24) { ["ID"]=> int(10477) ["post_author"]=> string(1) "5" ["post_date"]=> string(19) "2018-08-16 09:34:04" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2018-08-16 07:34:04" ["post_content"]=> string(6910) "

Frage: Frau Pätzold, Sie haben auf der Tagung zur betrieblichen Altersversorgung, die der WWF, die Verbraucherzentrale Bremen und der RNE am 29. Mai in Berlin ausgerichtet haben, einen aufschlussreichen Vortrag zur europäischen Richtlinie EbAV-II für Pensionskassen und Pensionsfonds gehalten. Ihre Analyse hat viele der Anwesenden überrascht. Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse?

Heidi Pätzold: Wir beobachten derzeit, dass die EU den Prozess für Sustainable Finance massiv vorantreibt und in diesem Zuge auch die Berücksichtigung von ESG-Kriterien in die EbAV-II-Richtlinie implementiert. Allerdings geschieht das noch sehr zurückhaltend, vor allem aber: Teilweise sind die Vorgaben widersprüchlich. So wird es zur freiwilligen Entscheidung der Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge (EbAV) erklärt, ob sie ESG-Kriterien in ihrer Anlagepolitik berücksichtigen wollen. Im Risikomanagement allerdings ist es verpflichtend, diese Faktoren einzubeziehen – einerseits. Andererseits soll es nur für jene Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge verpflichtend sein, ESG-Risiken zu beurteilen, die in ihrer Anlagepolitik Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen. Auf Vorschlag der EU-Kommission sollen nun allerdings weitere Änderungen an der Richtlinie vorgenommen werden. Diese gehen meiner Meinung nach in die richtige Richtung, ob sie aber den skizzierten Widerspruch auflösen, lässt sich momentan noch nicht abschließend beurteilen.

Inzwischen liegt ein erster Referentenentwurf des Finanzministeriums vor, der die EbAV II-Richtlinie in deutsches Recht umsetzt. Was haben die Unternehmen dadurch konkret zu erwarten?

Das Bundesfinanzministerium setzt die Vorgaben der EbAV II-Richtlinie 1:1 um. Das bedeutet, Unternehmen, die bisher keine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt haben, werden auch künftig nicht verpflichtet, ESG-Faktoren bei den Anlageentscheidungen zu berücksichtigen. Ebenso wenig werden solche nicht-nachhaltigkeitsorientierten Unternehmen die Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel, der Ressourcennutzung oder soziale Risiken zu beurteilen haben, genauso wenig wie das Risiko von “stranded assets”– also von Anlagewerten, die aufgrund von geänderten Regulierungen unerwartet an Wert verlieren können. Denken Sie beispielsweise an ein Kohlekraftwerk, das aufgrund höherer Energie- und Emissionseffizienzkriterien nicht mehr betrieben werden darf. Auf der anderen Seite werden Unternehmen, die Nachhaltigkeitsaspekte im Rahmen ihrer Anlagepolitik und Anlageentscheidungen bereits beachten, dazu verpflichtet, die Risiken, die sich unter anderem aus dem Klimawandel ergeben, zu beurteilen. Diese Zweiteilung ist nicht nachvollziehbar, wenn man auf eine nachhaltige Finanzwirtschaft abzielen will.

Das klingt für den juristischen Laien so, als ob die Hürde, die betrieblichen Pensionsrücklagen nach nachhaltigen Kriterien anzulegen, dadurch höher gelegt wird?

Da nur für nachhaltig orientierte Pensionskassen und Pensionsfonds zusätzliche Vorgaben gemacht werden, treffen auch nur diese die höheren Anforderungen. Ich gehe aber davon aus, dass diese Institute zum Beispiel Klimarisiken ohnehin schon berücksichtigen. Es wäre allerdings nicht nur für diese Einrichtungen, sondern für alle Pensionskassen beziehungsweise Pensionsfonds angezeigt, etwa das Wertminderungsrisiko durch “stranded assets” im Rahmen des Risikomanagements zu beurteilen.

Nun sind in diesem Frühsommer weitere Gesetzesinitiativen zum Thema Sustainable Finance gestartet worden, die auch auf die betriebliche Altersversorgung Auswirkungen haben können: Die EU-Kommission hat im März ihren nachhaltigen Aktionsplan und, darauf beruhend, im Mai die ersten Gesetzgebungsvorschläge zur Sustainable Finance auf den Weg gebracht, und das EU-Parlament hat direkt im Anschluss mit breiter Zustimmung eine Resolution verabschiedet, die in eine ähnliche Richtung, sogar eher noch weiter, geht. Stimmt der Eindruck, dass diese beiden Initiativen einen anderen Ansatz verfolgen als die EbAV-II-Richtlinie?

Der Ansatz hin zu nachhaltig orientierter Finanzwirtschaft und dazu, finanzielle Klimarisiken zu vermindern und CO2-intensive Investitionen zu verringern, ist in allen EU-Initiativen erkennbar. Die bisherigen und aktuellen Gesetzesinitiativen der EU-Kommission und des EU-Parlaments zeigen die Entwicklung von einem zunächst vorsichtigen Ansatz, der sich immer mehr auf konkrete Umsetzungspläne fokussiert. Ich sehe dies als Teil eines Prozesses, der gerade massiv Fahrt aufnimmt, um Nachhaltigkeit im Finanzwesen zu verankern.

Auch aufgrund der Erfahrung mit der Entstehungsgeschichte der EbAV-II-Richtlinie: Inwieweit ist es sinnvoll, von den Inhalten der aktuell vorliegenden Vorschläge und Pläne auf deren tatsächliche Umsetzung zu schließen? Von welchem Zeithorizont kann man da ausgehen?

Die aktuellen Vorschläge der EU-Gremien sind Vorlagen, die nun in die Diskussion auf politischer und gesellschaftlicher Ebene gehen. Dabei werden nicht nur Entscheidungsträger auf EU-Ebene, sondern auch die von den Gesetzen betroffenen Institutionen einbezogen. Die Erfahrung zeigt, dass im Laufe dieses Prozesses noch verschiedene Änderungen der ambitionierten Vorschläge zu erwarten sind. Der Gesetzgebungsprozess zur EbAV II-Richtlinie hat mehrere Jahre gedauert, und der ursprüngliche Wortlaut der Richtlinie wurde immer wieder verändert und angepasst.

Geht man zu weit, wenn man vor diesem Hintergrund von einer rechtlichen Unsicherheit spricht, in der sich Einrichtungen bewegen, die sich für eine nachhaltige Ausrichtung ihrer betrieblichen Altersversorgung interessieren? Welche Folgen wird das voraussichtlich für die Entwicklung der bAV haben? Wie sollten die Institutionen mit der Situation umgehen?

Die Pensionskassen werden zunächst die Umsetzung der EbaV II-Richtlinie in deutsches Recht zum 13.01.2019 abwarten müssen. Ob kurzfristig weitergehende Regelungen greifen werden, lässt sich im Moment schwer vorhersagen. Ganz unabhängig davon tun aber alle Pensionskassen aus meiner Sicht gut daran, ihre Anlagepolitik nachhaltig auszurichten und die klimarelevanten Risiken ihrer Vermögenswerte zu beurteilen. Ich gehe nicht davon aus, dass die geplanten neuen Regelungen eine Ausrichtung auf Nachhaltigkeit blockieren werden. Im Gegenteil werden sie eher die Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge, die sich mit dem Thema bisher nicht beschäftigt haben, vor neue Anforderungen stellen. Das Interview führte Carolyn Braun. [links] [link to="https://www.nachhaltigkeitsrat.de/aktuelles/betriebsrenten-und-nachhaltigkeit-kein-nischenthema/"] Zur Meldung „Betriebsrenten und Nachhaltigkeit: Kein Nischenthema" [/link] [/links]" ["post_title"]=> string(78) "„Pensionskassen tun gut daran, ihre Anlagepolitik nachhaltig auszurichten”" ["post_excerpt"]=> string(335) "Heidi Pätzold ist Rechtsanwältin in der Hamburger Kanzlei r.hs mit Schwerpunkt Bank- und Versicherungsrecht. Die promovierte Juristin unterstützt die Verbraucherzentralen Hamburg und Bremen im Bereich Finanzdienstleistungen und Nachhaltigkeit und hat die EbAV II-Richtlinie analysiert. Im Interview erläutert sie ihre Erkenntnisse." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(71) "pensionskassen-tun-gut-daran-ihre-anlagepolitik-nachhaltig-auszurichten" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2018-09-06 09:36:55" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2018-09-06 07:36:55" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(42) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=10477" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [3]=> object(WP_Post)#12211 (24) { ["ID"]=> int(10461) ["post_author"]=> string(1) "5" ["post_date"]=> string(19) "2018-08-16 09:33:23" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2018-08-16 07:33:23" ["post_content"]=> string(6584) "„Die betriebliche Altersversorgung kann einen wesentlichen Impuls zur Transformation des Kapitalmarktes leisten”, sagt Alexander Bassen, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Kapitalmärkte und Unternehmensführung und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE). „Durch ihre langfristige, an den Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausgerichtete Zielsetzung drängt es sich förmlich auf, Nachhaltigkeitskriterien bei der Anlageentscheidung konsequent zu berücksichtigen”, so Bassens Analyse. Klimaschutz und Nachhaltigkeit stärker in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) zu verankern: Das hatte die Tagung zum Ziel, zu der der RNE zusammen mit der Verbraucherzentrale Bremen und dem WWF am 29. Mai nach Berlin eingeladen hatte. Bei der bAV handelt es sich keineswegs um eine Nische an den Kapitalmärkten, das machte Heribert Karch, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba) und Metallrente-Geschäftsführer, in seiner Keynote klar: Immerhin 575 Milliarden Euro verwalteten die Anbieter im Jahr 2015 in Deutschland. Und so hatten sich rund 60 Interessierte trotz sommerlicher Hitze in der Berliner Stadtmission zusammengefunden, um den Keynotes, Vorträgen und Panel-Diskussionen von Interessenvertretern aus Politik, von Verbänden und NGOs zuzuhören. Die leitende Frage: Wie könnte ein Umdenken bei der bAV dazu beitragen, dass die Kapitalmärkte künftig stärker auch die so genannten ESG-Kriterien in ihre Entscheidungen einbeziehen – also ökologische und soziale Aspekte sowie die Art der Unternehmensführung („Environment Social Governance“).

Betriebliche Altersversorgung: Hoher Aufklärungsbedarf

Auf die Begrüßung durch Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, folgte aba-Vorstandvorsitzender Heribert Karch, der zu dem Schluss kam: „Die bAV kann kein Trendsetter sein, aber sie kann Trends aufnehmen.” RNE-Mitglied Alexander Bassen verwies in seiner Einführung auf das Potenzial des Hub for Sustainable Finance, die Initiative des RNE und der Deutschen Börse AG, die seit Sommer 2017 gemeinsam daran arbeiten, ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten im Finanzsektor zu koordinieren und weiter voranzutreiben: „Der Hub bietet eine Plattform für weitere Akteure und Initiativen, die zu einem nachhaltigen Finanzsystem in Deutschland beitragen wollen”, erläuterte er. Für Mitorganisatorin Ulrike Brendel, Leiterin des Projekts „Gut fürs Geld, gut fürs Klima" bei der Verbraucherzentrale Bremen, besteht bei dem Thema weiterhin erheblicher Aufklärungsbedarf. Viele Menschen hätten zwar schon einmal von einem ethisch-ökologischen Investmentfonds oder einer Nachhaltigkeitsbank gehört. Weniger bekannt hingegen sei, dass „auch bei der Anlage der bAV-Beiträge ethische, soziale oder ökologische Kriterien eine Rolle spielen können”. Positiv bewertet sie, dass die Anbieter schon seit über 15 Jahren dazu verpflichtet seien, im Rahmen des Versicherungsaufsichtsgesetzes Angaben darüber zu machen, ob und wie sie ethische, soziale und ökologische Belange berücksichtigen. Auf der bAV-Tagung hatten eine Reihe von Praxisbeispielen den aktuellen Stand dieser Berichtspflicht und deren Beitrag zu mehr Transparenz illustriert.

Auswirkungen der EbAV-II unklar

Intensiv diskutierten die Teilnehmenden auch über eine europäische Richtlinie zu den Tätigkeiten und der Beaufsichtigung von Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung, die EbAV II, die bis zum Januar 2019 in deutsches Recht gegossen werden muss. Mittlerweile liegt der Referentenentwurf für die nationale Umsetzung der Richtlinie vor. Im Rahmen eines öffentlichen Konsultationsprozesses wurde er den Verbänden und weiteren Stakeholdern mit der Aufforderung zur Kommentierung zugeschickt. Der RNE bittet in seiner Stellungnahme in dem Gesetzentwurf unter anderem vorzusehen, dass Versicherungsunternehmen über ein Nachhaltigkeitsmanagement im Sinne des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) sowie insbesondere ein wirksames internes Kontrollsystem verfügen müssen. Außerdem weist er darauf hin, dass sich neue Risiken, etwa im Kontext des Klimawandels, vor allem aus nicht nachhaltiger Entwicklung von Naturgütern, Sachwerten und Sozialkapital ergeben. Einblicke in die Logik der Richtlinie bot der Vortrag der Hamburger Rechtsanwältin Heidi Pätzold von der Hamburger Kanzlei r.hs, in dem sie auf eine Reihe von Fallstricken in der europäischen Richtlinie hinwies. Trotz aller Widersprüche kommt jedoch auch Pätzold zu dem Schluss, dass der Prozess, Nachhaltigkeit im Finanzwesen zu verankern, gerade massiv Fahrt aufnehme. [links] [link to="https://www.nachhaltigkeitsrat.de/aktuelles/pensionskassen-tun-gut-daran-ihre-anlagepolitik-nachhaltig-auszurichten/"]„Pensionskassen tun gut daran, ihre Anlagepolitik nachhaltig auszurichten” - Interview mit Rechtsanwältin Heidi Pätzold von der Hamburger Kanzlei r.hs [/link] [/links] „Die Veranstaltung hat gezeigt, dass einige Anbieter beim Thema nachhaltige Kapitalanlagen sehr engagiert sind und entsprechende Anlagekriterien berücksichtigen”, sagt Verbraucherschützerin Brendel. Sie seien Best Practice-Beispiele, die zeigten, was möglich, aber weiterhin die Ausnahme sei. Zwar setze sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass ESG-Faktoren bei der Risikoanalyse berücksichtigt werden müssten – allerdings noch nicht flächendeckend: „Umso gespannter schauen alle Akteure auf die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen zur Sustainable Finance.” Brendel zielt damit auf die ersten Gesetzgebungsvorschläge zum Thema ab, die im Mai auf den Weg gebracht wurden, beruhend auf dem nachhaltigen Aktionsplan der EU-Kommission aus dem März dieses Jahres." ["post_title"]=> string(52) "Betriebsrenten und Nachhaltigkeit: Kein Nischenthema" ["post_excerpt"]=> string(248) "Kann ein Umdenken bei der betrieblichen Altersvorsorge dazu beitragen, ESG-Kriterien an den Kapitalmärkten zu verankern? Und wie wahrscheinlich ist ein solches Umdenken? Eine Tagung von WWF, Verbraucherzentrale Bremen und RNE fand erste Antworten." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(51) "betriebsrenten-und-nachhaltigkeit-kein-nischenthema" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2018-08-16 09:33:23" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2018-08-16 07:33:23" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(42) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=10461" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [4]=> object(WP_Post)#10190 (24) { ["ID"]=> int(9825) ["post_author"]=> string(1) "5" ["post_date"]=> string(19) "2018-06-22 15:32:09" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2018-06-22 13:32:09" ["post_content"]=> string(6325) "Es sind gute Neuigkeit, die Sabine Pex auf die Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung mitbrachte: Pex ist Senior Manager Public Affairs bei ISS-oekom, eine Agentur, die Ratings dazu erstellt, wie Unternehmen und Staaten in Sachen Nachhaltigkeit abschneiden. Außerdem ist sie Vorstand des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG). In beiden Bereichen, Finanzmärkte und Unternehmen, gibt es positive Entwicklungen in Sachen Nachhaltigkeit. Im jüngsten Marktbericht 2018 des FNG etwa stellten die Analysten fest, dass sich das Volumen verantwortlich investierten Geldes in Deutschland, Österreich und der Schweiz von 2014 bis 2017 verdreifacht hat, auf nunmehr 2,7 Billionen Euro. Explizit nicht enthalten sind dabei Anlagen, die schlicht kontroverse Geschäftsfelder wie etwa Rüstung, Kinderarbeit, Pornografie oder Atomkraft ausschließen und dann behaupten, sie seien nachhaltig. Damit wäre dann etwa ein Portfolio aus Automobilkonzernen, Herstellern genmanipulierten Saatgutes, Ölfirmen und Chemiekonzernen nachhaltig – vielen Anlegerinnen und Anlegern ist das viel zu lax. „Wir sehen eine qualitative Verbesserung beim Verhalten der verantwortlich Investierenden. Da wird mittlerweile ein Mix aus verschiedenen Anlagestrategien angelegt“, sagt Pex. Dennoch, ergänzt sie, gehe der Wandel zu langsam. „Mir fehlt im Moment der politische Wille. Wir haben von Frankreich, was das Thema Sustainable Finance angeht, eine ausgestreckte Hand. Die sollten wir ergreifen“, sagt sie.

ISS-oekom gibt Unternehmen bessere Noten

ISS-oekom wiederum stellt fest, dass Unternehmen in Industrieländern im fünften Jahr in Folge nachhaltiger wirtschaften. Sie schneiden immer besser ab, betrachtet man ihre Leistungen im Umweltbereich, bei Sozialstandards und in der verantwortungsvollen Unternehmensführung, kurz CSR vom englischen Corporate Social Responsibility. Von 3.800 von ISS-oekom untersuchten Unternehmen erzielen 43,6 Prozent moderate CSR-Ratings, das sind erstmals mehr als die Unternehmen, die schlecht abschneiden. Alles erfreulich, aber auch hier sei der Wandel zu langsam: „Wenn es in dem Tempo weitergeht, dann sind wir in 100 Jahren durch“, sagt Pex. Hinzu kommt eine dritte positive Entwicklung: Mittlerweile veröffentlichen deutschlandweit 360 Unternehmen Berichte nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex, rund ein Drittel kam erst seit Anfang des Jahres hinzu. Das Wachstum hängt mit politischer Regulierung zusammen: Seit dem Geschäftsjahr 2017 gibt es eine EU-weite CSR-Berichtspflicht für Unternehmen ab einer bestimmten Größe. Trotz allem scheint eine Grundsatzfrage noch lange nicht beantwortet, die Alexander Bassen stellte, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung: „Wie gestalte ich einen Kapitalmarkt, der nachhaltig ist? Geht das überhaupt?“, fragt er. Das Thema Sustainable Finance habe sich vor allem auf europäischer Ebene dynamisch entwickelt. Erst im März hat die EU-Kommission ihren Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen vorgelegt und am 24. Mai erste Schritte zur Umsetzung präsentiert – etwa einen Vorschlag, wie künftig der CO2-Fußabdruck von Unternehmen einheitlich gemessen werden kann. In Deutschland versucht der im vergangenen Jahr von der Deutschen Börse und dem Rat für Nachhaltige Entwicklung gegründete Hub for Sustainable Finance (H4SF), die verschiedenen Initiativen und Akteure zu vernetzen.

Grünes im Immobiliensektor

Wie wichtig solche politischen Vorgaben wie die der EU sind, zeigt Thies Grothe, der als Abteilungsleiter Grundsatzfragen der Immobilienpolitik beim ZIA, dem Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, auch für Nachhaltigkeit zuständig ist. Beim ZIA schaue man genau auf die Reformen aus Brüssel. Die hätten massiven Einfluss auf die Bewertung und Finanzkraft von Immobilien. Noch allerdings gebe es beim Verband keine Zahlen, wie die Mitglieder mit Nachhaltigkeit umgehen. „Aber wir hören immer häufiger, dass Investoren nach grünen Bausteinen im Rahmen eines Investments nachfragen – und etwa wissen wollen, welche Rohstoffe in einer Immobilie verbaut werden.“ Woran es insgesamt fehlt, um die Wirtschaft und Finanzmärkte schnell genug auf einen nachhaltigen Pfad zu bringen, dazu gab es verschiedene Ansichten. Neben der immer wieder geäußerten Kritik, in Deutschland nehme die Politik das Thema Sustainable Finance nicht wichtig genug, gab es aus dem Publikum auch neue Ideen. So regte eine Zuschauerin an, die Akteure im H4SF sollten sich mit Graswurzelbewegungen wie Fossil Free und anderen Kampagnen vernetzen, die Druck machen, dass öffentliche Gelder nicht mehr in fossile Energien investiert werden. Ein anderer zeigte sich überrascht, dass der Fokus der Arbeit immer noch auf der traditionellen Finanzwirtschaft liege. „Wer weiß, ob die Deutsche Bank in fünf Jahren noch existiert“, so das Statement. Er verwies auf Alternativen wie Crowdfunding, das Revival der Genossenschaften und Startups im Finanzsektor, die mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz die Branche umkrempeln könnten. Eine andere Zuhörerin verwies auf die über 1.000 Bürgerenergiegenossenschaften in Deutschland und die globale Gemeinwohlökonomie als potentielle Verbündete. Ein anderer Zuhörer monierte, das Thema Sustainable Finance würde in der Zivilgesellschaft auf fast kein Interesse stoßen – was auch fehlenden politischen Reformwillen in Deutschland mit erkläre. Pex hatte dazu auch Zahlen: 91 Prozent des Volumens nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland sind öffentliche Gelder, nur neun Prozent privat. „Nachhaltiges Investieren ist weiterhin kaum im Privatgeschäft angekommen – leider“, sagte Pex. Das Thema Sustinable Finance geht also alle an, nicht nur Wirtschaft und Politik." ["post_title"]=> string(58) "Was der nachhaltigen Finanzwirtschaft in Deutschland fehlt" ["post_excerpt"]=> string(330) "Die Nachhaltige Finanzwirtschaft in Deutschland wächst immer schneller und dennoch zu langsam, berichteten Expertinnen und Experten auf der Jahreskonferenz des RNE. Schneller könnte es gehen, wenn nicht nur Politik und Wirtschaft aktiver werden – sondern die vielen Akteure aus der Zivilgesellschaft besser eingebunden werden." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(58) "was-der-nachhaltigen-finanzwirtschaft-in-deutschland-fehlt" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2018-06-22 16:13:53" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2018-06-22 14:13:53" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(41) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=9825" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [5]=> object(WP_Post)#12095 (24) { ["ID"]=> int(8881) ["post_author"]=> string(1) "5" ["post_date"]=> string(19) "2018-05-07 14:10:13" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2018-05-07 12:10:13" ["post_content"]=> string(9429) "Deutschland muss in Sachen nachhaltige Finanzwirtschaft mehr tun und sichtbarer werden, so das Fazit vieler Rednerinnen und Redner während eines parlamentarischen Abends in Berlin. Organisiert vom Hub for Sustainable Finance (H4SF), initiiert von der Deutschen Börse und dem Rat für Nachhaltige Entwicklung trafen Finanzexperten, NGOs und Politiker zusammen, um das Thema auf der Agenda im politischen Berlin zu platzieren. Hintergrund ist, dass die EU-Kommission im März eine Strategie für ein nachhaltiges Finanzsystem in Europa vorgelegt hat. „Das derzeitige Investitionsniveau reicht nicht aus, um ein ökologisch und sozial nachhaltiges Wirtschaftssystem zu unterstützen“, schreibt die Kommission darin. Jährlich fehlten 180 bis 270 Milliarden Euro an Investitionen. Dem Aktionsplan vorangegangen war ein Bericht einer hochrangigen Expertengruppe für ein nachhaltiges Finanzsystem. Die Initiative fußt auf dem Weltklimavertrag von Paris, der in Artikel 2 unter anderem vorsieht, dass „die Finanzmittelflüsse in Einklang gebracht werden mit einem Weg hin zu einer hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarmen und gegenüber Klimaänderungen widerstandsfähigen Entwicklung“. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) begrüßt in einer Stellungnahme die Initiative. „Die EU-Kommission skizziert in ihrem Aktionsplan einen Weg in den Kern des Kapitalmarktes, in den Kern unternehmerischer Prozesse und der Geschäftspraxis von Finanzmarktakteuren“, schreibt der RNE, vermisst aber gleichzeitig wichtige Elemente. Unter anderem müssten die Instrumente so gestaltet werden, dass sie auch für kleine und mittlere Unternehmen anwendbar seien. Das Politikfeld Sustainable Finance sollte darüber hinaus auch mit der neuen Berichtspflicht betrachtet werden, die seit Anfang des Jahres zu deutlich mehr Berichterstattung hinsichtlich der Integration von Nachhaltigkeit bei Finanzmarktakteuren beiträgt. Wie steht Deutschland in Sachen Sustainable Finance da? Karsten Löffler vom Sustainable Finance Cluster Frankfurt drückte es in Berlin so aus: „Wir sind nicht diejenigen, die ganz vorn sind. Wir sehen, was an den Finanzplätzen London und Paris passiert und müssen aufpassen, dass wir mit dem Finanzplatz Frankfurt bei dem wichtigen Thema Sustainable Finance nicht abgehängt werden.“ Löffler ist außerdem Co-Head der Frankfurt School - UNEP Collaborating Centre for Climate & Sustainable Energy Finance. Zum Sustainable Finance Cluster Frankfurt haben sich jüngst die Accelerating Sustainable Finance Initiative der Gruppe Deutsche Börse und das Green Finance Cluster Frankfurt des Hessischen Wirtschaftsministeriums im April zusammengeschlossen. Dustin Neuneyer, Head of Continental Europe von PRI Principles for Responsible Investment, ging auf das Thema treuhänderische Verpflichtung ein – darunter verstehen sich die Pflichten von institutionellen Investoren und Vermögensverwaltern, mit dem ihnen anvertrauten Kapital sorgsam umzugehen. Neuneyer ist Mitautor einer Roadmap für Deutschland von PRI, die Vorschläge macht, wie in der gesamten Investitionskette – von der Investitionsanalyse bis zum Unternehmen, in das investiert wird – langfristige Werttreiber wie Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environmental, Social und Governance Aspekte, ESG) einfließen können. Laut Neuneyer ist es nach geltendem Recht nicht nur möglich, sondern sogar geboten, ESG-Kriterien zu berücksichtigen. „Dennoch stehen wir vor dem Problem, dass ESG-Kriterien nicht systematisch berücksichtigt werden, sondern geradezu systematisch nicht berücksichtigt werden“, kritisiert er. Er schlägt vor, dass deshalb das Versicherungsaufsichtsgesetz und das Kapitalanlagegesetzbuch im Hinblick auf eine systematische Prüfung von Nachhaltigkeitsaspekten konkretisiert werden müssten. Michael Schmidt hat als Mitglied der Geschäftsführung Deka Investment in der EU-Expertengruppe für nachhaltige Finanzwirtschaft mitgearbeitet. Für ihn kommt der Finanzindustrie eine Schlüsselrolle hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu, doch das allein reiche nicht: Ein koordinierter Politikansatz sei nötig, damit konsistente Anreiz- und Preissignale an alle Wirtschaftsakteure gesendet werden. Denn: Realwirtschaft, Politik und Finanzsektor müssten bei der Transformation ineinandergreifen. „Nachhaltigkeit und nachhaltige Finanzwirtschaft sind dabei ein Standortfaktor und ein Wettbewerbsfaktor, nicht nur für den Finanzplatz Deutschland, sondern für den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland“, sagte er. Sabine Pex, Vorstand des Forums für Nachhaltige Geldanlagen (FNG), sieht bei nachhaltigen Geldanlagen derzeit echte Fortschritte. „Lange Zeit war das Thema eine Nische“, sagte sie. Es habe eine begrenzte Anzahl an Produkten und Investoren gegeben, kaum Standardisierung und Akteure, die aus einer Werteorientierung heraus gehandelt haben. „Das ändert sich gerade. Das Thema ist in einer ganz anderen Größenordnung angekommen“, sagte sie. Mittlerweile gehe es nicht nur um Werte, sondern, seit dem Klimaabkommen von Paris, um handfeste Risiken für Investoren, wenn sie ESG-Kriterien missachteten. 2017 hat das FNG die Bundesregierung und die Bundesbank in einem offenen Brief aufgefordert: „Finanzwirtschaft für die Sustainable Development Goals fit machen“. Im April 2018 forderte das FNG in einem weiteren Brief an das Finanz- und Umweltministerium eine proaktive, ressortübergreifende Positionierung der Bundesregierung zum EU-Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzsystem – orientiert am Risikomanagement-Ansatz. Matthias Kopp, Leiter des Bereichs Nachhaltige Finanzsysteme beim WWF, mahnt zu Eile und Gestaltungswillen. „Wir haben eine riesige Chance, weil aus Europa Impulse kommen. Die darf man aber nicht nur hinnehmen, man muss sie gestalten. Da gilt es sehr, sehr viel mehr Impulse aus Deutschland einzubringen“, sagte er. Die neue Bundesregierung habe jetzt ein Zeitfenster, in dem es zu handeln gelte. Als Beispiel nannte er das geplante EU-weite Klassifikationssystem zur Definition nachhaltiger Geldanlagen. „Das ist sehr technisch, aber wenn es keinen klaren Rahmencharakter bekommt, sondern einfache Positivliste wird, wird man nicht glücklich werden“, sagte er. Ralf Frank, Geschäftsführer und Generalsekretär des Berufsverbandes der Investment Professionals in Deutschland, ging auf die Rolle der Digitalisierung ein und darauf, dass Nachhaltigkeit auch eine Frage der Motivation der Anlagemanager sei. „Eine Zinkmine in Afrika gibt einen Green Bond aus, um Umweltschäden zu beheben: Ist das Nachhaltigkeit oder nicht? Ich würde sagen, das liegt in der Motivation des Anlegers“, sagte er. Frank glaubt, dass es bereits heute genug Daten gibt, damit Anlagemanager entscheiden können, was eine nachhaltige Anlage ist. Die Daten müssten nur ausgewertet werden. „Wir sind überzeugt: Die Zukunft des nachhaltigen Investierens muss quantitativer und damit digitaler ablaufen“, sagte er. Der Berufsverband hat mit dem DVFA Kodex für Nachhaltigkeit die Relevanz des Themas im Anlageprozess des Mainstream-Kapitalmarktes beschrieben. Marlehn Thieme schließlich, Vorsitzende des RNE, richtete sich in einem Appell direkt an die auf dem parlamentarischen Abend anwesenden Bundestagsabgeordneten: „Wir alle wissen, dass das Thema Sustainable Finance nicht ohne Ihren Willen und ohne Ihre Abstimmung entwickelt werden kann. Ich erwarte, dass Sie hierzu initiativ werden, ehe sich der Finanzplatz Deutschland den Bedingungen anderer in dieser Sache nur noch anschließen kann“, sagte sie. Gastgeberin Kristina Jeromin, Head of Group Sustainability bei der Deutschen Börse, drückte es so aus: „Den Dialog zu Sustainable Finance zwischen Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, der Zivilgesellschaft und der Finanzindustrie zielführend voranzutreiben, ist eine der Prioritäten des Hub for Sustainable Finance.“ Diesen Dialog auf einer Plattform sichtbar zu machen, dazu laden RNE und Deutsche Börse auf der neuen Projektwebsite ein. Dort können interessierte Akteure aus dem Finanzmarkt, Wissenschaft und Zivilgesellschaft ihre Beiträge zu den zehn Thesen für eine nachhaltige Finanzwirtschaft einreichen. Die Website soll durch die Beiträge der Akteure zur zentralen Seite für Sustainable Finance in Deutschland werden, die Diskussion und das Wissen über unterschiedliche Ansätze und Herangehensweisen im Themenfeld fördert und verbreitet." ["post_title"]=> string(100) "Berliner Appelle: Deutschland darf in Sachen nachhaltige Finanzmärkte nicht den Anschluss verpassen" ["post_excerpt"]=> string(211) "Auf einem parlamentarischen Abend in Berlin kommen Politik, Finanzexperten und NGOs zusammen. Sie appellieren an Bundesregierung und Parlamentarier, das Thema Sustainable Finance in Deutschland voran zu bringen." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(99) "berliner-appelle-deutschland-darf-in-sachen-nachhaltige-finanzmaerkte-nicht-den-anschluss-verpassen" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2018-05-07 16:02:24" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2018-05-07 14:02:24" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(41) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=8881" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [6]=> object(WP_Post)#12497 (24) { ["ID"]=> int(6006) ["post_author"]=> string(1) "9" ["post_date"]=> string(19) "2018-02-16 16:28:49" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2018-02-16 15:28:49" ["post_content"]=> string(8394) "Die EU wird die Klimaziele von Paris nicht erreichen, geht es so weiter wie bisher. 180 Milliarden Euro müssen pro Jahr zusätzlich in Gebäude, Verkehr, erneuerbare Energien, Energieeffizienz und vieles mehr fließen, schätzt die EU-Kommission. Um das Loch zu stopfen, braucht es dringend mehr privates Kapital, schreibt jetzt eine 20-köpfige Expertengruppe – und gibt auf 100 Seiten Empfehlungen, welche Regeln dazu geändert werden müssen. Nicht nur für die Paris-Ziele, sondern auch zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. „Der Bericht ist das umfassendste Werk, das je zum Thema nachhaltige Finanzwirtschaft verfasst wurde“, sagt Michael Schmidt, Mitglied der Geschäftsführung Deka Investment und einer der Experten der sogenannten hochrangigen Expertengruppe für nachhaltige Finanzwirtschaft („High Level Expert Group on Sustainable Finance“, kurz HLEG). Die setzt sich aus Vertreterinnen Vertretern von Banken, Universitäten, Versicherern, Fonds und Börsen, sowie von NGOs wie dem WWF, Thinktanks wie die 2° Investing Initiative, der Climate Bonds Initiative (CBI) oder Third Generation Environmentalism (E3G) zusammen. „Europa hat jetzt die einmalige Gelegenheit, das weltweit nachhaltigste Finanzsystem aufzubauen“, heißt es in dem Bericht, der gleich zu Beginn klar macht: Es gibt nicht einen einzelnen Hebel, mit dem man das Finanzsystem umschalten kann. „Wir haben ein Gesamtkonzept erarbeitet. Die einzelnen Empfehlungen sind vielfach untereinander verbunden. Das sollte man bei der Umsetzung unbedingt berücksichtigen“, sagt Schmidt. Zudem brauche es eine Synchronisation mit der Realwirtschaft und vor allem mit der Politik. „Wir brauchen auch endlich einen sinnvollen CO2-Preis“, sagt Schmidt. Klassifikation, was nachhaltige Geldanlagen überhaupt sind Konkret schlägt der Bericht 24 Maßnahmen vor: Acht Kernempfehlungen, acht sektorübergreifende und acht konkrete Maßnahmen etwa für Pensionsfonds oder Banken. Zu den Kernempfehlungen gehört unter anderem, endlich eine klare, europaweite Definition zu finden, welche Geldanlagen sich überhaupt „nachhaltig“ nennen dürfen. Eine solche Klassifikation muss für alle Arten von Kapitalanlagen gelten – von der Projektfinanzierung über Bonds bis hin zu Eigenkapital. Sie muss dynamisch sein, sich fortlaufend wissenschaftlichen Erkenntnissen anpassen und könnte auf bereits bestehenden Standards aufbauen. Eine Matrix haben die Experten bereits erarbeitet: Sie kombiniert verschiedene Sektoren wie Energie, Verkehr, Waldwirtschaft oder Gesundheit mit den globalen Nachhaltigkeitszielen– etwa Zugang zu sauberem Wasser oder Reduzierung von Müll. Eine weitere Kernforderung betrifft die Verpflichtung der Investoren, offenzulegen, wie sie Nachhaltigkeit in ihren Investitionsentscheidungen berücksichtigen. Pensionsfonds müssen in der EU bereits darüber berichten, ob sie ökologische und soziale Aspekte in ihrem Risikomanagement beachten. Sie sind aber nicht verpflichtet, aufzuzeigen, wie sie diese ESG-Kriterien (ESG steht für environment, social und governance) konkret in ihren Investitionsentscheidungen anwenden. Darüber hinaus werden EU-Labels für Grüne Investmentfonds und Green Bonds gefordert. Mit letzteren könnten ökologisch orientierte Unternehmen leichter Geld bei Anlegern einsammeln. Die Experten sehen auch bei den Behörden, die in der EU mit der Aufsicht der Finanzmärkte betraut sind, eine deutlich aktivere Rolle. Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde oder die Europäische Bankenaufsichtsbehörde etwa sollen die langfristigen Risiken stärker überwachen, die der Klimawandel für das Finanzsystem mit sich bringt. Die "Tragödie des falschen Zeithorizontes“ Ein zentraler Gedanke der sektorübergreifenden Maßnahmen ist die „Tragödie des falschen Zeithorizontes“ des Finanzsektors: Investitionen in Nachhaltigkeit – Bildung, Infrastruktur, Energie – zahlen sich erst nach Jahren oder Jahrzehnten aus und passen nicht zu vielen schnellen und spekulativen Akteuren der Finanzwirtschaft. „Short-termism“, so der englische Begriff, sei ein klares Hindernis für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft. Eine schnelle Lösung sehen die Experten nicht. Sie schlagen vor, zunächst zu evaluieren, welche Regularien das Geschäft mit dem schnellen Profit begünstigen. An anderer Stelle werden die Experten dafür wesentlich konkreter – etwa bei den Maßnahmen für Ratingagenturen: Diese sollten schlicht ESG-Kriterien in ihre Ratings einbauen die Methoden dazu öffentlich zugänglich machen. Dazu gehöre auch, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Sachen Nachhaltigkeit fortzubilden. Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung, nennt den Bericht der HLEG ambitioniert. „Er ist sehr gut, weil er deutliche Orientierung für die Zukunft der Finanzmärkte aufzeigt. Und er zeigt praxisorientiert, dass nachhaltige Finanzmärkte möglich sind“, so Thieme. „Aber es fehlt eine Zusammenschau verschiedener Politikfelder. Wir brauchen im Hinblick auf die europäische Haushalts-, Steuer- und Wirtschaftspolitik einen stimmigen Ordnungsrahmen, der marktwirtschaftliche Instrumente ermöglicht.“ Die RNE-Vorsitzende weist außerdem auf die Bedeutung der Unternehmen hin. „Für eine nachhaltige Finanzwirtschaft braucht man beide, die Banken und Versicherungen und auch die Unternehmen.“ Insgesamt hat der Bericht nur empfehlenden Charakter. Am 20. Februar beschäftigen sich die EU-Finanzminister damit, im März wird die EU-Kommission ihren „Aktionsplan für eine nachhaltige Finanzwirtschaft“ vorlegen; darin sollen die Empfehlungen der Experten einfließen. Am 22. März ist in Brüssel dann eine große Expertenkonferenz zu dem Thema geplant. Die hochrangige Expertengruppe empfiehlt, noch in diesem Jahr auf EU-Ebene eine Arbeitsgruppe einzurichten, die dann bis 2020 ein Klassifikationssystem für nachhaltige Geldanlagen in der EU erarbeitet. „Unseren Bericht umzusetzen ist jetzt Aufgabe der EU und der Akteure auf den Finanzmärkten“, sagt Schmidt. Wie es jetzt weitergeht RNE-Vorsitzende Marlehn Thieme: „Im Koalitionsvertrag steht nichts von nachhaltiger Finanzwirtschaft. Doch der HLEG-Bericht braucht, da nur Empfehlung, politische Unterstützung. Die neue Bundesregierung muss sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass smarte C02-Regulierungsprozesse für eine nachhaltige Finanz- und Realwirtschaft stattfinden“. In Deutschland setzt der Hub for Sustainable Finance mit seinen zehn Thesen an einigen Empfehlungen des Abschlussberichts an. Dieses offene Netzwerk von Finanzmarktakteuren und weiteren Stakeholdern wurde im Sommer 2017 vom Rat für Nachhaltige Entwicklung und der Deutschen Börse initiiert. Nach einem ersten Gipfel im Oktober 2017 in Frankfurt werden die Akteure nun aufgefordert, Beiträge zu leisten, die zu einem nachhaltigen Finanzsystem in Deutschland beitragen und das Thema im Mainstream des Kapitalmarkes etablieren. Eine eigenständige Projektwebsite ist momentan im Aufbau, bis dahin sind aktuelle Informationen auf www.h4sf.de zu lesen. Am 22. Februar findet in Berlin eine Tagung zur nachhaltigen Finanzwirtschaft statt, die der Hub mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung organisiert. Schwerpunktthema wird der Bericht der HLEG sein. Die Tagung ist allerdings schon ausgebucht." ["post_title"]=> string(60) "EU-Expertengruppe zeigt Wege zu einer neuen Finanzwirtschaft" ["post_excerpt"]=> string(290) "Über ein Jahr hat eine Expertengruppe im Auftrag der EU-Kommission an Empfehlungen gearbeitet, wie die Regeln für die Finanzmärkte geändert werden müssen – auf dass sie sicherer werden und nachhaltige Entwicklung nicht torpedieren, sondern ihr dienlich sind. Das sind die Ergebnisse." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(60) "eu-expertengruppe-zeigt-wege-zu-einer-neuen-finanzwirtschaft" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2018-02-19 09:35:28" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2018-02-19 08:35:28" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(41) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=6006" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } } ["post_count"]=> int(7) ["current_post"]=> int(-1) ["in_the_loop"]=> bool(false) ["post"]=> object(WP_Post)#12212 (24) { ["ID"]=> int(11185) ["post_author"]=> string(1) "5" ["post_date"]=> string(19) "2018-10-09 12:54:39" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2018-10-09 10:54:39" ["post_content"]=> string(10723) "Konferenzen zum Thema nachhaltige Finanzwirtschaft haben stets eines gemeinsam: Zu Beginn steht die Feststellung, dass die Branche eine Nische ist und sich weltweit nur ein winziger Bruchteil der Finanzströme an mehr als kurzfristiger Rendite orientiert. So begann auch der zweite Sustainable Finance Gipfel Deutschland in Frankfurt mit einer kritischen Analyse von Joachim Faber, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Börse. „Wir reden nach wie vor enorm viel, aber es kommt einfach wenig dabei raus. Es wird wenig wirkungsorientiert diskutiert“, sagte Faber und kritisierte sowohl die Politik als auch die eigene Branche, die sich kaum bewege. Viele Papiere zum Thema, auch aus Wirtschaftskreisen, seien als Fensterrede geplant und nicht mit wirklichen Zielen hinterlegt, wie man zu mehr Nachhaltigkeit komme. Doch allmählich scheint sich der Wind zu drehen. Zum zweiten Mal veranstaltete der von der Deutschen Börse und dem Rat für Nachhaltige Entwicklung gegründete Hub for Sustainable Finance den Sustainable Finance Gipfel Deutschland – mit doppelt so viel Teilnehmenden aus Politik, Finanzwirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft wie im vergangenen Jahr. Das große Interesse scheint einen Grund zu haben: Alexander Bassen, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung, sprach vom „Damoklesschwert der Regulierung“.

EU-Aktionsplan sorgt für Action

Bassen sprach vom Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums der EU-Kommission vom März 2018. Der soll dafür sorgen, dass die EU das Pariser Klimaschutzkommen und die Agenda 2030 der Vereinten Nationen umsetzt. Bereits im Mai folgte ein Maßnahmenpaket, um den Aktionsplan umzusetzen. Zwei Punkte aus den Brüsseler Entwürfen wurden auf der Tagung in Frankfurt intensiv diskutiert: Taxonomie: Der eine sieht vor, dass sich alle EU-Staaten auf eine einheitliche Definition dessen einigen, was eine im Sinne der Umwelt nachhaltige ökonomische Aktivität ist – im Fachjargon nennt sich diese Definition Taxonomie. Sie kann später als Grundlage für ein EU-weit einheitliches Label für nachhaltige Geldanlagen fungieren, möglicherweise ähnlich dem Biosiegel für Nahrungsmittel. Dieses Klassifizierungssystem soll laut des gegenwärtigen Entwurfs der Kommission für alle Finanzmarktakteure gelten, die grüne, nachhaltige, ökologische oder ähnlich bezeichnete Finanzprodukte anbieten wollen. Seit Juni arbeitet eine Expertengruppe daran. Im ersten Schritt enthält die Taxonomie nur Umweltkriterien, jedoch noch keine sozialen und Governance-Kriterien im Sinne der Nachhaltigkeit. Am 18. Oktober findet dazu eine Expertenanhörung in Brüssel statt. Ziel der Kommission ist es, eine Fragmentierung des EU-Marktes bei grünen, ökologischen oder nachhaltigen Finanzprodukten zu verhindern, erklärte Martin Koch, Policy Officer in der DG FISMA der EU-Kommission, auf der Tagung. Es brauche einen klaren Rahmen, gerade auch für grenzüberschreitende Investitionen. Die Teilnehmenden des Sustainable Finance Gipfels diskutierten die geplante Taxonomie intensiv. Kritik gab es, weil sie nur für explizit grüne Finanzprodukte gelten soll. Das heißt, wer einen Fonds, eine Versicherung oder sonst ein Finanzprodukt nicht als nachhaltig, grün, öko oder ähnlich etikettieren will, für den ändert die Klassifizierung nichts. Sie gilt auch nur für Finanzprodukte, nicht für Firmen – so könnte also ein Konzern in Kohle investieren und dennoch ein als grün gelabeltes Finanzprodukt zur Finanzierung von Windparks auf den Markt werfen. Molly Scott Cato, die für die Green Party of England and Wales im EU-Parlament sitzt, nannte die Taxonomie zwar einen Durchbruch, den es zu feiern gelte. „Es gibt aber keine schwarze Liste, was definitiv nicht grün ist. Ohne das ist die Taxonomie nicht besonders nützlich“, kritisierte sie. Koch verteidigte die Taxonomie, sie habe sechs klare ökologische Grundprinzipien. Grüne Investitionen müssen demnach mindestens einem davon nutzen, etwa dem Schutz des Klimas, und dürfen keinem der sechs schaden, etwa dem Schutz der Meere. Levin Holle, Leiter der Finanzmarktabteilung im Bundesfinanzministerium, nannte die Taxonomie “sehr wichtig“, warnte aber vor zu viel Eile: „Wenn wir die Taxonomie einmal fehljustiert haben sollten, dann laufen wir in ein großes Risiko, vieles in die falsche Richtung zu lenken“, sagte er. Offenlegungsvorschriften: Laut Holle sind für das Bundesfinanzministerium mit Hinblick auf die knappe Zeit bis zu den EU-Wahlen in sechs Monaten zwei andere Teile der EU-Reformen dringlicher, die sogenannten low-carbon benchmarks und die Offenlegungsvorschriften zu Nachhaltigkeitsaspekten. Bei Ersteren handelt es sich um EU-weit einheitliche Maßstäbe dafür, wie klimaschädlich wirtschaftliche Aktivitäten sind, in die Investoren finanzieren – damit könnten diese ihr Geld ökologischer anlegen. Dazu kommen ebenso einheitliche Maßstäbe dafür, wie man die positive Wirkung von Investitionen in Klimaschutz misst – hier spricht man von positive carbon. Die Offenlegungsvorschriften, auf Englisch disclosures, wurden kontrovers auf der Tagung diskutiert. Sie sollen im Gegensatz zur Taxonomie nicht nur für grüne Finanzprodukte, sondern für den gesamten Finanzmarkt gelten. Dazu hat die EU-Kommission im Mai einen Entwurf vorgelegt. Die Regulierung lege die Grundlage dafür, dass Aspekte der Ökologie, des Sozialen und der Governance, kurz ESG-Kriterien, im Herz des Finanzsystems verankern werden. Sie solle zudem dabei helfen, die Wirtschaft Europas grüner und widerstandsfähiger zu machen und eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren, schreibt die EU-Kommission in dem Entwurf. Geplant ist, mehrere bestehende Richtlinien und Verordnungen zu ändern. Alle Finanzmarktakteure, die Geld für ihre Kunden verwalten – vom Risikokapitalfonds bis zur Rentenversicherung – sollen künftig verpflichtet sein, ESG-Kriterien bei allen Investitionsentscheidungen mit zu bedenken. Wie sie dies tun, darüber müssen sie ihre Kunden aufklären und regelmäßig berichten. Zudem sollen sie verpflichtet werden, Kunden stets auch darüber zu beraten, wie sich Nachhaltigkeitsaspekte auf den Wert einer Investition auswirken. „Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien gehört bei der Analyse von Chancen und Risiken von Finanzunternehmungen dazu“, sagte BMF-Vertreter Holle. Dahinter steckt die mittlerweile gesicherte Erkenntnis, dass Unternehmen oder Portfolios, die auf ESG-Kriterien achten, bei gleicher Rendite weniger Risiken aufweisen. „Was ich sehr vermisse ist, dass man diese Geschäftschance innerhalb der Finanzwirtschaft stärker sieht“, sagte Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Faber. Dieser sogenannte risk adjusted return von nachhaltigen Geldanlagen ist neben Klimaschutz und Agenda 2030 der UN der zweite Grund, warum die EU-Kommission das Thema forciert: Sie glaubt, dass ein Finanzsystem, das auf ESG-Kriterien achtet, stabiler, weil risikoärmer ist. Einer der Kritikpunkte bei den Offenlegungsvorschriften war auf der Tagung, dass eine Finanzaktivität nicht automatisch dadurch nachhaltiger wird, dass sie ESG-Kriterien in ihr Risikomanagement aufnehmen muss. Auch war vielen Zuhörenden noch völlig unklar, wie die neuen Vorgaben am Ende praktisch im Alltag etwa eines Portfoliomanagers umgesetzt werden sollen.

Kompetenzen, Primat der Politik und Bildung

Die EU-Reformen waren nicht das einzige Thema des Gipfels. Zu den Kernbotschaften der Vortragenden und Diskutanten gehörten unter anderem die folgenden: Eine Dokumentation mit den Ergebnissen des Gipfels wird in den nächsten Wochen auf der Webseite des Hub for Sustainable Finance veröffentlicht. Michael Schmidt, Leiter Asset Servicing & Alternative Investments bei Deka Investment, fasste die wohl wichtigste Erkenntnis des Gipfels am Ende so zusammen: „Der Kreis ist weiter geworden. Der Stein, der durch die EU ins Wasser geworfen wurde, zieht seine Kreise. Er geht mittlerweile weit über die von Nachhaltigkeit Beseelten hinaus“, sagte er." ["post_title"]=> string(74) "Brüssel bringt bei nachhaltiger Finanzwirtschaft Schwung nach Deutschland" ["post_excerpt"]=> string(216) "Auf dem zweiten Sustainable Finance Gipfel Deutschland zeigte sich: Nachhaltige Finanzwirtschaft hat ihr Nischendasein verlassen und ist mittlerweile Thema hierzulande. Wichtigster Treiber sind Reformen auf EU-Ebene." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(74) "bruessel-bringt-bei-nachhaltiger-finanzwirtschaft-schwung-nach-deutschland" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2018-10-16 13:33:35" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2018-10-16 11:33:35" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(42) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=11185" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } ["comment_count"]=> int(0) ["current_comment"]=> int(-1) ["found_posts"]=> string(1) "7" ["max_num_pages"]=> float(1) ["max_num_comment_pages"]=> int(0) ["is_single"]=> bool(false) ["is_preview"]=> bool(false) ["is_page"]=> bool(false) ["is_archive"]=> bool(true) ["is_date"]=> bool(false) ["is_year"]=> bool(false) ["is_month"]=> bool(false) ["is_day"]=> bool(false) ["is_time"]=> bool(false) ["is_author"]=> bool(false) ["is_category"]=> bool(false) ["is_tag"]=> bool(true) ["is_tax"]=> bool(false) ["is_search"]=> bool(false) ["is_feed"]=> bool(false) ["is_comment_feed"]=> bool(false) ["is_trackback"]=> bool(false) ["is_home"]=> bool(false) ["is_404"]=> bool(false) ["is_embed"]=> bool(false) ["is_paged"]=> bool(false) ["is_admin"]=> bool(false) ["is_attachment"]=> bool(false) ["is_singular"]=> bool(false) ["is_robots"]=> bool(false) ["is_posts_page"]=> bool(false) ["is_post_type_archive"]=> bool(false) ["query_vars_hash":"WP_Query":private]=> string(32) "6c54f52629c557e2241fbc66f56c7578" ["query_vars_changed":"WP_Query":private]=> bool(false) ["thumbnails_cached"]=> bool(false) ["stopwords":"WP_Query":private]=> NULL ["compat_fields":"WP_Query":private]=> array(2) { [0]=> string(15) "query_vars_hash" [1]=> string(18) "query_vars_changed" } ["compat_methods":"WP_Query":private]=> array(2) { [0]=> string(16) "init_query_flags" [1]=> string(15) "parse_tax_query" } }