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Checklisten für CO2-Minderung

Werden die Namenschilder recycelt, ist das Catering regional, saisonal und vegetarisch, wird dafür Mehrweggeschirr verwendet? Einige Punkte, auf die zu achten ist, fallen jedem auf Anhieb ein. Doch gibt es hilfreiche Werkzeuge, um nicht lange grübeln zu müssen, sondern die Sache systematischer anzugehen – die Checkliste green-score-card zum Beispiel, die für rund 1000 Euro genutzt werden kann. Wer sie schon am Anfang der Organisation eines Events durchgeht, erkennt schnell, wo die entscheidenden Hebel für mehr Nachhaltigkeit sind: Aufgelistet sind 13 „Handlungsfelder“ mit mehr als 200 Vorschlägen für lohnende Maßnahmen. So liest man beim Handlungsfeld Mobilität Tipps wie: einen Veranstaltungsort mit guter Anbindung an den ÖPNV auszuwählen und auf Fahrpläne des ÖPNV in der Einladung oder dem Internet hinzuweisen oder einen Shuttle-Service etwa mit Velotaxen anzubieten. Die Maßnahmen sind immer sehr konkret beschrieben. Beim Punkt „Veranstaltungstechnik“ geht es etwa um den Einsatz sparsamer LED-Technik und bei „Übernachtungen“ um eine gute Anbindung an einen Fernbahnhof. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat sich bei seiner Jahreskonferenz im Berliner Tempodrom, zu der knapp 1.400 Gäste kamen, an der Green Score Card orientiert, aber auch an einer eigenen Checkliste  sowie an einem Leitfaden des Umweltbundesamtes. Das Ergebnis ist eine detaillierte Bewertung zur Nachhaltigkeit der Veranstaltung, in diesem Fall 101 von 144 Punkten. Ein Zeichen dafür, dass auch der RNE besser werden kann.

Mobilität macht besonderes CO2-Problem

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat nach der Veranstaltung ermittelt, welcher CO2-Ausstoß für die Jahreskonferenz trotz aller Minderungsmaßnahmen noch zu verbuchen ist, und zwar über den Emissionsrechner der Münchener Firma Climate Partner. Ergebnis: 99,5 Tonnen CO2-Emissionen. Das Gros mit 77,3 Tonnen ging dabei auf Transporte von Stühlen, Utensilien, also die Mobilität für die Veranstaltung selbst zurück. Dahinter folgte der Aufwand fürs Catering. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat dafür einen Ausgleich an Climate Partner bezahlt, so dass an anderer Stelle die Menge an CO2 eingespart wird. In diesem Fall wird das Geld in das 41-Megawatt-Wasserkraftwerk im indonesischen Renun investiert, es soll klimafreundlich Strom liefern, ohne – wie so manch anderes Megaprojekt – der Natur zu schaden. Das südostasiatische Land setzt bislang vor allem auf fossile Brennstoffe. Anbieter für CO2-Kompensation gibt es verschiedene. Die Experten der Stiftung Warentest haben zum Beispiel sechs von ihnen erst vor kurzem für die Finanztest 03/2018 unter die Lupe genommen. Climate Partner war nicht dabei, da das Unternehmen sich allein nur an Unternehmen und nicht an Privatpersonen und Verbraucher und Verbraucherinnen richtet. Atmosfair, Klima-Kollekte und Primaklima schnitten in letzterem Segment am besten ab.

Dax-30-Unternehmen werden klimaneutral

Stefanie Böther ist beim Umweltbundesamt Expertin für freiwillige CO2-Kompensation. Sie beobachtet mit ihren Kollegen und Kolleginnen den Markt in Deutschland schon lange und sagt: „Derzeit kompensieren vor allem deutsche Firmen ihre CO2-Emissionen, dazu gehören Dax-30-Unternehmen, aber auch die kleineren und mittleren Unternehmen, die KMU.“ Die Deutsche Post bietet mit GoGreen zum Beispiel einen klimaneutralen Versand. Der Münchener Versicherungskonzern Allianz bemüht sich, insgesamt seinen CO2-Fußabdruck zu verringern. Aber auch in der öffentlichen Verwaltung von Bund und Ländern spiele diese eine „immer stärkere“ Rolle, so Böther. Das Umweltbundesamt berechnet und organisiert bereits seit einigen Jahren die Kompensation für Dienstreisen von Mitarbeitenden der Bundesregierung und der Bundesverwaltung. Dazu hat sich die Bundesregierung mit dem Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit (Punkt 8 c) verpflichtet. Allein im Jahr 2016 ging es um eine Treibhausgasmenge entsprechend 235.240 Tonnen CO2.  Böther und ihre Kollegen listen auch Anbieter für die Klimakompensation auf. Die Expertin rät bei der Auswahl auf die „Qualität des Klimaschutzprojektes“ zu achten: „Es sollte nicht nur CO2 einsparen, sondern auch zur nachhaltigen Entwicklung vor Ort beitragen.“ Böther entwickelt derzeit auch einen Ratgeber des Umweltbundesamtes, der noch vor Herbst erscheinen soll. Vor allem betont sie aber einen Grundsatz: „CO2 zu sparen ist immer besser als es zu kompensieren.“" ["post_title"]=> string(44) "Auf dem Weg zur klimaneutralen Veranstaltung" ["post_excerpt"]=> string(329) "Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat die bei seiner Jahreskonferenz Anfang Juni entstandenen CO2-Emissionen mit einer Spende an ein Klimaschutzprojekt kompensiert. Ein Zwischenschritt. Sein Ziel ist, Kompensationen auf mittlere Sicht überflüssig zu machen – indem man eine Veranstaltung von Beginn an klimaschonend plant." 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Fernsehköchin Sarah Wiener, die selbst einen Bio-Bauernhof in Brandenburg betreibt, und ihr Team kochen für die gut 1.400 Gäste der 18. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung, RNE. Ist das die Zukunft des Essens, ein Vorbild für alle, die bei der Organisation ihrer Konferenzen, Diskussionsrunden und Aktionen Nachhaltigkeit berücksichtigen wollen? Darüber sprach der RNE-Generalsekretär Günther Bachmann mit Sarah Wiener auf der Bühne der Konferenz. Bisher ist es nicht üblich, die Gäste mit diesem Angebot zu verköstigen. In der nördlichen Hemisphäre löse die Vorstellung, Insekten zu essen, bei vielen Menschen „Ekel“ aus. „Millionen Menschen essen das aber“, meint Wiener, „einfach weil es ihnen gut schmeckt“ – und nicht in erster Linie deshalb, weil für den Verzehr des Krabbeltiers auch aus ökologischer Sicht viel spreche. Insekten sind bei der Verwertung von Futter effizienter als Schweine oder Rinder: „Während Rinder rund acht Kilogramm benötigen, um ein Kilogramm Fleisch aufzubauen, Schweine etwa fünf, reichen den Insekten dafür durchschnittlich zwei Kilogramm“, heißt es im „Fleischatlas 2018“, den die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung herausgibt. Auch werde für ihre Zucht weniger Wasser und weniger Platz als beim Vieh benötigt. Doch Wiener selbst hat Vorbehalte. Noch sei wenig über hygienische Gefährdungen bekannt. Verbraucherschützer empfehlen, nur Insekten zu essen, die auch für den menschlichen Verzehr gezüchtet wurden. Insekten wachsen zudem am besten bei 20 bis 25 Grad Celsius. Wiener: „Womöglich bekommen wir irgendwann ein Energieproblem oder eine Debatte über Massentierhaltung von Insekten.“ Allein Insekten-Krokant zu servieren wäre sowieso zu mager, denn beim nachhaltigen Catering geht es um mehr. Es geht um die Anlieferung, die Energie für den Transport, um die Verpackungen oder um das, was übrig bleibt. Auf der Jahrestagung konnten die Gäste am Ende „Beste-Reste-Boxen“ mit nach Hause nehmen. Die Zutaten für Schnittchen, Mittagessen, Kaffee und Kuchen, Abendsnack – es gab nicht nur Insektenknabbereien – waren möglichst saisonal und regional und natürlich auch Bio. Das hat aber alles seinen Preis. „Wie hält man sich am Markt?“, fragt Bachmann. Auch ein Caterer muss rechnen, die Konkurrenz ist groß. „Einige Kollegen haben mich schon gebeten, nicht Leitungswasser zu propagieren“, erzählt Wiener. Denn mit Getränken lasse sich am meisten verdienen. Sie sagt trotzdem: „Leitungswasser erfrischt, muss nicht angeliefert werden und ist unschlagbar günstig.“ Am Ende müsse der Kunde eben schlicht bereit sein, für ein nachhaltiges Catering einen etwas höheren Preis zu zahlen. Derzeit macht sie aber noch eine „Diskrepanz“ aus: „Selbst geht man in den Bioladen, aber wenn man Gäste einlädt, dann kann man auch mal in den Discounter.“ Sie setzt nun auf positive Beispiele – und meint: „Nachhaltiges Catering auf Großveranstaltungen ist ganz klar möglich.“ Der Rat für Nachhaltige Entwicklung bewirtet seine Gäste immer nachhaltig und hat „Faustregeln“ formuliert. Eine Regel lautet: „Beauftragung regionaler, nachhaltiger Caterer“. Verlangt werden vegetarische Speisen, die aus der Region kommen, die in der Saison wachsen, die zertifiziert (Naturland, Demeter oder ähnliches) sind. Und wenn es ausnahmsweise Fleisch geben soll, dann aus artgerechter Haltung und biozertifiziert. Kaffee und Tee kommen aus fairem Handel und sind ebenso biozertifiziert. Angeboten werden sollte Leitungswasser in Karaffen statt Mineralwasser in Flaschen. Darüber hinaus sollten wassersparende Küchengeräte und biologisch abbaubare Reinigungsmittel verwendet, Lebensmittelabfälle vermieden und Essensreste am Ende zum Mitnehmen angeboten werden. Auch überflüssige oder Einweg-Verpackungen sowie kleine Flascheneinheiten sind tabu. Kein Einsatz von Einweg-Geschirr, falls erforderlich, dann biologisch abbaubar, etwa aus Maisstärke. Dem Mehrweggeschirr ist aber immer der Vorzug zu geben. Das gesalzene Walnusskrokant mit Mehlwurm und die Parmesanchips mit Buffalowurm waren auf der RNE-Jahreskonferenz 2018 schnell aufgegessen." ["post_title"]=> string(28) "Müssen es Mehlwürmer sein?" ["post_excerpt"]=> string(180) "Der Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung spricht mit der Fernsehköchin Sarah Wiener darüber, wie nachhaltiges Catering funktioniert – und wo es Grenzen gibt." 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Dax-30-Unternehmen werden klimaneutral

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