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„Auf allen Feldern müssen wir dazu beitragen, eine These zu widerlegen: dass es unseren Wohlstand verschlechtern wird, wenn wir nachhaltig wirtschaften. Das stimmt nicht. Wir werden ihn verbessern.” So energisch schloss Bundesfinanzminister Olaf Scholz seine mit Spannung erwartete Rede auf der 19. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE). Wenn ein wirtschaftlich erfolgreiches Hochtechnologieland wie Deutschland es schaffe, mit wenig bis gar keinen Emissionen ein wirtschaftlich erfolgreiches Hochtechnologieland zu bleiben, sei das der beste Beweis für die Möglichkeit eines nachhaltigen Wandels. In Zusammenhang mit den Herausforderungen des Klimawandels und der Energiewende arbeitete Scholz auch die Bedeutung einer nachhaltigen Finanzwirtschaft – oder Sustainable Finance – heraus, eines der Schwerpunktthemen der Konferenz.

Insofern war es nur passend, dass zum ersten Mal bei einer RNE-Jahreskonferenz ein amtierender Bundesfinanzminister sprach. Auch Scholz’ Ankündigung, dass die Bundesregierung nur zwei Tage später, am 6. Juni, einen Beirat für Sustainable Finance einsetzen würde, passte zu diesem Fokus. Bereits seit Jahren treibt der RNE – unter anderem mit dem Hub for Sustainable Finance – das Thema voran. Am 4. Juli lädt der Rat erneut zu einem Roundtable zum Thema „Kompetenzaufbau Sustainable Finance im Banking, Investment- und Versicherungsgeschäft”, eine weitere Veranstaltung am 10. September widmet sich dem Thema Digitalisierung und Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft.

Auf der Jahreskonferenz hatte Ratsvorsitzende Marlehn Thieme die Bundesregierung aufgefordert, alles zu tun, um ihre selbst gesteckten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Dies gelte selbstverständlich auch im Bereich Finanzwirtschaft, sagte sie. In seiner Rede betonte Bundesfinanzminister Scholz, dass die Industrie den Strukturwandel schaffen werde, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen würden. Schnelles und konsequentes Handeln sei daher von großer Bedeutung.

Standards und Enddaten festlegen

Scholz betonte allerdings, dass marktwirtschaftliche Instrumente allein nicht ausreichen würden: „Das halte ich für eine Illusion”, sagte der Minister und erhielt dafür Applaus vom Publikum. Man sehe das zum Beispiel an den Mitteln aus dem Klimafonds, die nur in geringem Maße abgerufen würden. Deswegen müsse die Regierung Standards, Zwischenziele und ein Enddatum festlegen, zu dem diese erreicht sein sollten: „Ohne Zielperspektive wird das nichts werden.” Ähnlich wie die Bundeskanzlerin will der Bundesfinanzminister die EU-Ratspräsidentschaft 2020 dazu nutzen, mit seinen Amtskolleginnen und -kollegen Vorhaben zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele zu besprechen und gemeinsame Maßnahmen zu verabreden.

In der Podiumsdiskussion, die an Scholz’ Rede anschloss, wies Alexander Bassen, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung, darauf hin, dass Deutschland derzeit noch weit davon entfernt sei, beim Thema Sustainable Finance eine Führungsrolle einzunehmen. „Internationale Diskussionen finden aktuell noch weitgehend ohne deutschen Beitrag statt”, sagte er. Bassen ist auch Teil des neu konstituierten Beirats für Sustainable Finance, der die Bundesregierung bei der Ausarbeitung und Umsetzung ihrer Sustainable-Finance-Strategie beraten, bestehende Expertise bündeln und den Dialog zwischen den relevanten Akteuren fördern soll. Die Entwicklung einer Sustainable-Finance-Strategie für Deutschland geht auf die Initiative des Bundesfinanz- und des Bundesumweltministeriums zurück und soll in enger Abstimmung mit dem Bundeswirtschaftsministerium erfolgen. Karsten Löffler von der Frankfurt School of Finance & Management und Geschäftsführer des Green and Sustainable Finance Clusters Germany wurde bei der ersten Sitzung zum Beiratsvorsitzenden bestimmt. Informationen zu den weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie dem Arbeitsprogramm will die Bundesregierung in Kürze veröffentlichen.

„Die Unternehmen hören uns zu“

Auf dem von Alexander Bassen und RNE-Generalsekretär Günther Bachmann moderierten Podium auf der Jahreskonferenz diskutierten Anja Mikus, Vorsitzende des Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, und Alexander Schindler, Vorstandsmitglied bei Union Investment, die Chancen nachhaltiger Finanzanlagen. Mikus, die für den ersten Staatsfonds verantwortlich ist, der von Anfang an Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt, wies darauf hin, dass diese die Rendite nicht schmälern, sondern steigern: „Zudem tragen sie dazu bei, Risiken und Schwankungen zu reduzieren.” Schindler betonte die Verantwortung und die Einflussmöglichkeiten der Finanzwirtschaft: „Wir gehen soweit, dass wir ein Unternehmen wie Daimler dazu bringen, seine ganze Lieferkette auf Nachhaltigkeit zu überprüfen”, sagte er. „Die Unternehmen hören uns zu.”

Video- und Audiomitschnitte der 19. RNE-Jahreskonferenz inklusive der Rede von Bundesfinanzminister Olaf Scholz und dem Panel zu Sustainable Finance finden Sie hier.

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Berlin, 07.06.2019 - Der Absender ist die Botschaft. Erstmals gehen Bund und Länder bei Nachhaltigkeitszielen gemeinsam in die Offensive. Am Abend des 6. Juni 2019 haben sich die Regierungsspitzen Deutschlands zu einer Gemeinschafts-Offensive verabredet. Das bewertet der Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Prof. Dr. Günther Bachmann, positiv: „Das sind starke Worte“. Die Töne, die Bund und Länder jetzt anschlagen, bewertet er als neu. „Ich will das nicht überbewerten, zunächst sind es natürlich nur Worte, aber hier scheint doch Grundsätzliches durch. Die föderalen Spitzen setzen sich selbst unter Druck, jetzt liefern zu müssen.“ Mehr an Ankündigung gehe nicht. Jetzt wissen alle interessierten Kreise und Bürger, dass sie auf die 'Hardware' schauen müssen.

Die Aussage, „gemeinsam kann der Wandel gelingen“, ist in Wahrheit ein MUSS. Der Klimaschutz habe vier Jahre aktive Regierungspolitik verloren, die Energiewende stecke in Details fest. Die Kreislaufwirtschaft warte viel zu lange schon auf eine politische Innovation. Die Entgiftung der Landschaft, Schranken gegen das Artensterben, eine wirksame Bodenschutzvorsorge - das alles stehe auf der Soll-Seite zu Buche. „Es ist richtig, dass sich die politischen Spitzen von Bund und Ländern mit den Nachhaltigkeitszielen und der globalen Verantwortung befassen, weil es um ein gesamtgesellschaftliches Anliegen geht“, so Bachmann.

Wichtig ist ihm, dass die föderalen Spitzen sich auf die sogenannten Prinzipien für Regierungshandeln geeinigt haben, die der Bund vorgegeben hat. Das ist neu. Diese Prinzipien (früher: Regeln für Nachhaltigkeit) seien ein wichtiges Instrument für konkretes Verwaltungshandeln. Werden sie wirklich angewandt, wäre das ein großer Schub für alle Anliegen und Ziele der Nachhaltigkeit - von der Bildungsgerechtigkeit, einem fairen Handel bis hin zur nachhaltigen Beschaffung, für die Umweltvorsorge, das Recycling und die Kreislaufwirtschaft. Die Erklärung sei ein Beispiel für gute antizyklische Politik: Während die Weltpolitik durch nationale Egoismen und Handelskriege gezeichnet ist, bekennt sich Deutschland zum Multilateralismus und zur gemeinsamen globalen Verantwortung. „Das ist ein gutes Zeichen“, so Bachmann, die Fortsetzung müsse beim VN-Gipfel im September folgen.

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung berät die Bundesregierung aktuell auf Basis seiner Stellungnahme vom 4. Juni 2019. Der Rat fordert und zeigt Wege zur Problemlösung. Unter anderem regt er darin ein Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit an.

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Berlin, 04.06.2019 - Der Rat für Nachhaltige Entwicklung will zukunftsfähigere Politik. Beim Klimaschutz und der Biodiversität, aber auch in der Finanzwirtschaft, im sozialen Bereich und der Digitalisierung ruft der Nachhaltigkeitsrat mit seiner heutigen Jahreskonferenz im bcc Berlin dazu auf, sich gegen die Allmacht des Status quo zu stellen. Im Mittelpunkt steht dabei die Forderung an die Bundesregierung, alles zu tun, um die von ihr selbst gesteckten Nachhaltigkeitsziele auch tatsächlich zu erreichen.

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung legt dazu heute Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie vor. Mit insgesamt sechs konkreten und zugleich weitreichenden Empfehlungen soll die Nachhaltigkeitsstrategie verbessert werden. „Wir plädieren für eine harte Nachhaltigkeitsstrategie: Sie muss aufräumen mit den Defiziten. Sie muss Lösungen schaffen. Sie muss das Erreichen von Zielen liefern, statt die Ziele zu vertagen“, betont Ratsvorsitzende Marlehn Thieme.

Dabei wird deutlich: Nachhaltigkeit ist kein Nischenthema mehr. Das bisher Erreichte ist gut, aber viel zu wenig - gebraucht wird eine wirksamere Nachhaltigkeitspolitik als bisher. „Um die Zukunft zur Heimat zu machen, brauchen wir jetzt die Vorsorge für künftige Generationen. Dafür steht das Nachhaltigkeitsprinzip und dafür gehört es ins Grundgesetz“, fügt Marlehn Thieme mit Blick auf aktuelle Diskussionen und das kürzlich gefeierte Jubiläum des Grundgesetzes hinzu.

Die Bundesregierung hat angekündigt, die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie weiterzuentwickeln. Der Arbeitsprozess soll im Herbst 2019 starten. Hierfür hat der Rat wesentliche Eckpunkte empfohlen, denn eine Weiterentwicklung ist nötig.

Die Empfehlungen des Rates im Detail finden Sie hier, nachfolgend die sechs wesentlichen Empfehlungen:

  1. Die Gesellschaft als Akteur - Commitments aus der gesamten Gesellschaft
  2. Den europäischen und globalen Kontext hervorheben
  3. Aktionshebel Haushalte und öffentliche Investitionen nutzen
  4. Lücken in Signalbereichen schließen
  5. Interne Arbeitsprozesse zur Nachhaltigkeitsstrategie verbessern
  6. Durch die Auswahl von Indikatoren Diskurskompetenz erhöhen

In Ihrer Ansprache erklärt Ratsvorsitzende Marlehn Thieme, die Nachhaltigkeitsstrategie sei „ein ordentliches administratives Instrument, aber eben noch keine Kraft, die gesellschaftlich wahrgenommen wird.“ Der Nachhaltigkeitsrat zeige Wege auf, wie Kanzlerin Merkel die Nachhaltigkeitsstrategie zur zentralen Zukunfts-Plattform der ganzen Gesellschaft machen könne, was wiederum politischen Mut erfordere, so die Ratsvorsitzende in ihren Begrüßungsworten an die Bundeskanzlerin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigt sodann die Fortentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie von Herbst 2019 bis Ende 2020 an. Dabei geht sie auf das Einhalten der selbst gesteckten Ziele ein und kündigt eine Debatte im Klimakabinett mit der Frage einer CO2-Bepreisung im Juli sowie eine Entscheidung im September an. Umwelt- und Klimaschutz seien Themen mit hohem Stellenwert in der Bundesregierung. Bundeskanzlerin Merkel führte aus: „Der UN-Generalsekretär hat das Ziel Klimaneutralität bis 2050 ausgegeben. Wir müssen alles daran setzen, den Langfristpfad und zugleich das 2030-Ziel zu erreichen. Wir dürfen dabei das Handeln heute nicht vergessen." Frau Merkel weiter: „Wir werden Zukunft zur Heimat machen. Dafür bin ich bereit energisch zu handeln."

Frau Thieme freut sich besonders darüber, dass die Bundeskanzlerin der Idee näher tritt, Nachhaltigkeit Verfassungsrang zu geben.

Mit Spannung werden auch die Rede des Bundesfinanzministers Olaf Scholz zu Sustainable Finance ab 13:00 Uhr sowie die Diskussion um den kommenden Nachhaltigkeitsgipfel der Vereinten Nationen mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze sowie Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller ab 17:30 Uhr erwartet. Verfolgen Sie den Plenarteil im Livestream und die Konferenz auf Twitter unter #RNE19.

Hintergrundinformationen:

Anfragen zu Ablauf und Organisation der 19. Jahreskonferenz:

Silke Eckert / Birthe Bruhns
MediaCompany – Agentur für Kommunikation GmbH
i. A. des Rates für Nachhaltige Entwicklung
Tel.: +49 (0)30 / 2888 453-26 / -17
Fax: +49 (0)30 / 2888 453-10
E-Mail: presse-rne2019@mediacompany.com

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Ein starker Einstieg in Nachhaltigkeitsziele

„Die Kohlekommission hat einen starken Einstieg vereinbart“, sagt Günther Bachmann. Deshalb tragen auch BUND, Greenpeace und der Deutsche Naturschutzring den Beschluss mit – er leite den überfälligen Ausstieg aus der Kohle ein, reiche aber nicht für den Klimaschutz, schrieben sie in einer gemeinsamen Mitteilung. Bereits bis zum Jahr 2022 sollen Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 12,5 Gigawatt vom Netz. „Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie kennt bei keinem ihrer Ziele solche starken Einstiege – dort gibt es nur Ziele irgendwann in der Zukunft“, sagt Bachmann. Beispielsweise soll laut der 2016 überarbeiteten DNS die Lebensmittelverschwendung bis zum Jahr 2030 halbiert werden. „Die ersten Jahre, nachdem die Bundesregierung das Ziel ausgegeben hat, wird wahrscheinlich nichts Effektives passieren, um es zu erreichen“, sagt Bachmann.

Mehr demokratische Experimente wagen

Als große Stärke der Kohlekommission beschreibt Hubert Weiger vor allem, dass Akteure mit oft konträren Positionen – etwa Umweltverbände und Energiewirtschaft – zusammenkommen. So habe man in geschlossenen Räumen Zeit, durch Vorträge, Diskussion und Erfahrungen Vertrauen aufzubauen. „Es geht am Ende nicht darum, einander zu überstimmen, sondern auf einer von allen akzeptierten Faktenbasis einen Konsens zu finden“, sagt Weiger. Bachmann nennt das ein „demokratisches Experiment“. Der RNE-Generalsekretär plädiert dafür, die Kohlekommission als Vorbild zu nehmen und überall dort ähnliche Formate auszuprobieren, wo Deutschland in Sachen Nachhaltigkeit nicht vom Fleck kommt. „In diesen Bereichen müssten sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und Lösungen erarbeiten. Umsetzen müsste das dann die Politik“, sagt Bachmann. Die konkreten Themen sind große Baustellen: Die Belastung der Fließgewässer mit Phosphor und des Grundwassers mit Nitrat wird immer größer, was nur durch ein Umsteuern in der Landwirtschaft zu lösen ist. Beim Güter- und Personenverkehr steigt der Energieverbrauch, statt zu sinken, was eine umfassende Verkehrswende nötig macht. Im Gesundheitsbereich steigt die Fettleibigkeit von Erwachsenen, statt zu sinken – hier ginge es um größere Reformen im Lebensmittelbereich. Huber Weiger führt noch den Flächenverbrauch an – Deutschland betoniert zu viel Natur zu.

Nachhaltigkeit als Gemeinschaftsaufgabe definieren

Die Beispiele zeigen: Es geht hier um ein großes Umdenken bei Mobilität, Landwirtschaft, Gesundheit und Raumplanung. Hubert Weiger leitet daraus die Idee ab, nachhaltige Entwicklung als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern zu definieren. Solche Gemeinschaftsaufgaben sind in Artikel 91 des Grundgesetzes definiert und beschränken sich derzeit auf die Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur sowie die Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes. Dort könnte auch das Thema Nachhaltigkeit verankert werden. Dann könnte es auch endlich bei der Landwirtschaft Bewegung geben. „Die industrielle Landwirtschaft hat keine gesellschaftliche Akzeptanz mehr, die Wissenschaft für ein Umsteuern ist da“, sagt Weiger. Einzig, es fehle ein politischer Prozess, um den Wandel einzuleiten.

Die DNS braucht Finanzierung und Öffentlichkeit

Bei zwei weiteren Punkten kann die DNS laut Bachmann aus der Debatte um die Kohlekommission lernen: Das erste ist die öffentliche Aufmerksamkeit, die bei der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie minimal ist. Hier sind die Medien gefordert, ihrem Informationsauftrag nachzukommen, glaubt Bachmann. „Im Januar gab es im Bundestag eine öffentliche Debatte über die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie mit einer scharfen Attacke der AfD. Berichtet hat darüber kaum jemand“, sagt Bachmann. Der zweite Punkt ist das Thema Finanzierung: Bis zu 40 Milliarden Euro an Strukturhilfen sollen die vom Kohleausstieg betroffenen Regionen erhalten. Die DNS hat kein Budget. „Die Nachhaltigkeitsstrategie braucht ein Kapitel Finanzierung. Wir müssen uns die öffentlichen Haushalte anschauen und ermitteln, welche Bereiche der Nachhaltigkeit dienen und welche nicht“, sagt Bachmann.

Was die Kohlekommission von der DNS lernen kann

Noch steht nicht final fest, wann Deutschland aus der Kohle aussteigt. Möglich wäre das Jahr 2035, dazu ist eine „Öffnungsklausel“ im Papier der Kommission enthalten. Ob die „energiewirtschaftlichen, beschäftigungspolitischen und die betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen vorliegen“ soll im Jahr 2032 überprüft werden. Allerdings ist auch ein späterer Ausstieg denkbar, da 2026 und 2029 das Ausstiegsdatum nochmals von einer Expertengruppe geprüft werden soll. Klimaschutzziele, Strompreis, Versorgungssicherheit, Beschäftigung, die strukturpolitischen Maßnahmen in den Kohleregionen und die dortige Wertschöpfung sollen dann erneut bewertet werden. Die Kriterien bei dieser Überprüfung sind völlig offen. „Bei der Nachhaltigkeitsstrategie setzten wir ein ethisches, normatives Ziel und erarbeiten dann, wie man durch Indikatoren prüfen kann, ob die Ziele erreicht werden“, sagt Bachmann. Eine solche Prüfung anhand von konkreten Indikatoren kennt der Kohleausstieg nicht – in einigen Jahren könnte so die Debatte darum, ob der Kohleausstieg später oder früher kommen soll, erneut aufflammen." ["post_title"]=> string(71) "Was die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie vom Kohleausstieg lernen kann" ["post_excerpt"]=> string(266) "Aus den Ergebnissen der Kohlekommission lässt sich für die Transformationen anderer Sektoren wie Landwirtschaft oder Mobilität viel ableiten. Aber auch der Kohlekompromiss könnte sich in einigen Bereichen die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie zum Vorbild nehmen." ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(71) "was-die-deutsche-nachhaltigkeitsstrategie-vom-kohleausstieg-lernen-kann" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2019-02-13 16:18:23" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2019-02-13 15:18:23" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(42) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=12758" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [4]=> object(WP_Post)#6875 (24) { ["ID"]=> int(10672) ["post_author"]=> string(1) "5" ["post_date"]=> string(19) "2018-09-12 12:12:19" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2018-09-12 10:12:19" ["post_content"]=> string(4335) "Berlin, 12.09.2018 – Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) empfiehlt der Bundesregierung eine aktivere Rolle bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Neben der nationalen Umsetzung und bilateralen Zusammenarbeit ist aus Sicht des Rates die Zusammenarbeit mit und in Gremien der Vereinten Nationen zu verbessern. Erstmals seit Verabschiedung der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele 2015 kommen die Staats- und Regierungschefs im September 2019 wieder zu einem Nachhaltigkeitsgipfel der Vereinten Nationen zusammen an. Dabei geht es um Weichenstellungen zur weiteren Umsetzung der Agenda 2030. „Wir erreichen die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele nicht durch Abwarten. Deutschland muss mehr multilaterale Verantwortung übernehmen und wir schlagen dafür eine deutsche Initiative für ein Nachhaltigkeitspanel vor, das neue multilaterale Wege beschreitet“, so Heidemarie Wiezcorek-Zeul, Bundesministerin a.D. und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung. Die Bundesregierung müsse hier vorausdenken; nur mit einer solchen Initiative werde der für 2019 vorgesehene VN-Nachhaltigkeitsgipfel die nötige politische Durchschlagskraft entwickeln. Der Rat hebt in seiner Stellungnahme die Bedeutung des High Level Political Forum der VN (HLPF) als institutionelle Heimat der globalen Nachhaltigkeitsziele (kurz: SDGs) und als multilaterales Austauschforum zu den jeweiligen nationalen Erfahrungen hervor. Allerdings ist der Rat der Meinung, das HLPF müsse noch viel stärker zum Treiber und zum multilateralen Schwungrad der Umsetzung der Agenda 2030 gemacht werden. Der Rat empfiehlt auch eine stärkere Verflechtung von nationaler und globaler Verantwortung und die gegenseitige, ergebnisorientierte Hilfe durch Peer Reviews mit sowohl staatlichen als auch nicht-staatlichen Akteuren nach der Vorgehensweise des deutschen Peer Review. Darüber hinaus empfiehlt der Rat der Bundesregierung, die Lösung von Zielkonflikten zwischen den einzelnen SDGs und ihren Unterzielen in den Mittelpunkt des bei den Vereinten Nationen laufenden Monitorings zu stellen. „Die bisherige Praxis vernachlässigt die Wechselwirkungen zwischen Zielen und damit die Notwendigkeit und Wirksamkeit von Zusammenarbeit“, bekräftigt Heidemarie Wiezcorek-Zeul. Zur Stellungnahme auf Deutsch und Englisch: [document id="10669"] [document id="10670"]

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Newsletter des RNE Twitter RNE Der Rat für Nachhaltige Entwicklung wurde erstmals im April 2001 von der Bundesregierung berufen. Dem Rat gehören 15 Personen des öffentlichen Lebens an. Die Aufgaben des Rates sind die Entwicklung von Beiträgen für die Umsetzung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, die Benennung von konkreten Handlungsfeldern und Projekten sowie Nachhaltigkeit zu einem wichtigen öffentlichen Anliegen zu machen. In der Wahl seiner Themen und Aktionsformen ist der Rat unabhängig. Ergebnisse aus der laufenden Arbeit sind zum Beispiel der Deutsche Nachhaltigkeitskodex, Stellungnahmen zur Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, zu den Globalen Nachhaltigkeitszielen, zur Klimapolitik, zur Rohstoffpolitik und zur fiskalischen Nachhaltigkeit, zum Ökolandbau, die Gründung des Hub for Sustainable Finance, die zivilgesellschaftlichen Initiativen von Projekt Nachhaltigkeit, der Strategiedialog zur nachhaltigen Stadtentwicklung mit Oberbürgermeistern, die Impulse Jugendlicher und junger Erwachsener zur kommunalen Nachhaltigkeit und zur deutschen Nachhaltigkeitspolitik sowie Beiträge zum nachhaltigen Wirtschaften. Mehr unter www.nachhaltigkeitsrat.de

Medienkontakt:

Katja Tamchina Medienreferentin Rat für Nachhaltige Entwicklung Geschäftsstelle c/o GIZ GmbH Potsdamer Platz 10 D-10785 Berlin Telefon: 030/338424-233 E-Mail: katja.tamchina@nachhaltigkeitsrat.de" ["post_title"]=> string(138) "„Wir erreichen die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele nicht durch Abwarten“ – Reformvorschläge für den UN-Nachhaltigkeitsgipfel 2019" ["post_excerpt"]=> string(0) "" ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(128) "wir-erreichen-die-17-globalen-nachhaltigkeitsziele-nicht-durch-abwarten-reformvorschlaege-fuer-den-un-nachhaltigkeitsgipfel-2019" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2018-10-15 16:05:47" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2018-10-15 14:05:47" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(42) "https://www.nachhaltigkeitsrat.de/?p=10672" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" } [5]=> object(WP_Post)#6876 (24) { ["ID"]=> int(10269) ["post_author"]=> string(1) "8" ["post_date"]=> string(19) "2018-07-27 12:26:20" ["post_date_gmt"]=> string(19) "2018-07-27 10:26:20" ["post_content"]=> string(374) "An der Veranstaltung nahmen mehr als 100 Vertreterinnen und Vertreter internationaler Regierungsdelegationen und gesellschaftlicher Akteure teil. 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Aber niemand sprach an, was alle umtreiben musste, während sich die Regierungskoalition fast nebenan über die Asylpolitik zerstritt: Dass sich unsere Gesellschaft zunehmend spaltet und unversöhnliche Parolen die Runde machen, die mit Nachhaltigkeit so gar nichts zu tun haben, das war der Elefant im Raum. Das Forum Nachhaltigkeit fand im Rahmen des öffentlichen Konsultationsprozesses statt, den die Bundesregierung Anfang Juni begonnen hatte. Dessen Ziele: die Nachhaltigkeitspolitik dieser Legislaturperiode starten, den Impuls des Peer Review verarbeiten und die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie in einigen Indikatoren zu verbessern, die man 2017 nicht mehr geschafft hatte. 2020 steht dann eine grundlegende Überarbeitung an. Auch der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat eine Stellungnahme zum Konsultationspapier der Bundesregierung abgegeben. Es überraschte nicht, dass man sich weitgehend darüber einig war, dass in der Nachhaltigkeitspolitik das „Soll“ deutlich größer ist als das „Ist“. 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„Auf allen Feldern müssen wir dazu beitragen, eine These zu widerlegen: dass es unseren Wohlstand verschlechtern wird, wenn wir nachhaltig wirtschaften. Das stimmt nicht. Wir werden ihn verbessern.” So energisch schloss Bundesfinanzminister Olaf Scholz seine mit Spannung erwartete Rede auf der 19. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE). Wenn ein wirtschaftlich erfolgreiches Hochtechnologieland wie Deutschland es schaffe, mit wenig bis gar keinen Emissionen ein wirtschaftlich erfolgreiches Hochtechnologieland zu bleiben, sei das der beste Beweis für die Möglichkeit eines nachhaltigen Wandels. In Zusammenhang mit den Herausforderungen des Klimawandels und der Energiewende arbeitete Scholz auch die Bedeutung einer nachhaltigen Finanzwirtschaft – oder Sustainable Finance – heraus, eines der Schwerpunktthemen der Konferenz.

Insofern war es nur passend, dass zum ersten Mal bei einer RNE-Jahreskonferenz ein amtierender Bundesfinanzminister sprach. Auch Scholz’ Ankündigung, dass die Bundesregierung nur zwei Tage später, am 6. Juni, einen Beirat für Sustainable Finance einsetzen würde, passte zu diesem Fokus. Bereits seit Jahren treibt der RNE – unter anderem mit dem Hub for Sustainable Finance – das Thema voran. Am 4. Juli lädt der Rat erneut zu einem Roundtable zum Thema „Kompetenzaufbau Sustainable Finance im Banking, Investment- und Versicherungsgeschäft”, eine weitere Veranstaltung am 10. September widmet sich dem Thema Digitalisierung und Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft.

Auf der Jahreskonferenz hatte Ratsvorsitzende Marlehn Thieme die Bundesregierung aufgefordert, alles zu tun, um ihre selbst gesteckten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Dies gelte selbstverständlich auch im Bereich Finanzwirtschaft, sagte sie. In seiner Rede betonte Bundesfinanzminister Scholz, dass die Industrie den Strukturwandel schaffen werde, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen würden. Schnelles und konsequentes Handeln sei daher von großer Bedeutung.

Standards und Enddaten festlegen

Scholz betonte allerdings, dass marktwirtschaftliche Instrumente allein nicht ausreichen würden: „Das halte ich für eine Illusion”, sagte der Minister und erhielt dafür Applaus vom Publikum. Man sehe das zum Beispiel an den Mitteln aus dem Klimafonds, die nur in geringem Maße abgerufen würden. Deswegen müsse die Regierung Standards, Zwischenziele und ein Enddatum festlegen, zu dem diese erreicht sein sollten: „Ohne Zielperspektive wird das nichts werden.” Ähnlich wie die Bundeskanzlerin will der Bundesfinanzminister die EU-Ratspräsidentschaft 2020 dazu nutzen, mit seinen Amtskolleginnen und -kollegen Vorhaben zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele zu besprechen und gemeinsame Maßnahmen zu verabreden.

In der Podiumsdiskussion, die an Scholz’ Rede anschloss, wies Alexander Bassen, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung, darauf hin, dass Deutschland derzeit noch weit davon entfernt sei, beim Thema Sustainable Finance eine Führungsrolle einzunehmen. „Internationale Diskussionen finden aktuell noch weitgehend ohne deutschen Beitrag statt”, sagte er. Bassen ist auch Teil des neu konstituierten Beirats für Sustainable Finance, der die Bundesregierung bei der Ausarbeitung und Umsetzung ihrer Sustainable-Finance-Strategie beraten, bestehende Expertise bündeln und den Dialog zwischen den relevanten Akteuren fördern soll. Die Entwicklung einer Sustainable-Finance-Strategie für Deutschland geht auf die Initiative des Bundesfinanz- und des Bundesumweltministeriums zurück und soll in enger Abstimmung mit dem Bundeswirtschaftsministerium erfolgen. Karsten Löffler von der Frankfurt School of Finance & Management und Geschäftsführer des Green and Sustainable Finance Clusters Germany wurde bei der ersten Sitzung zum Beiratsvorsitzenden bestimmt. Informationen zu den weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie dem Arbeitsprogramm will die Bundesregierung in Kürze veröffentlichen.

„Die Unternehmen hören uns zu“

Auf dem von Alexander Bassen und RNE-Generalsekretär Günther Bachmann moderierten Podium auf der Jahreskonferenz diskutierten Anja Mikus, Vorsitzende des Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, und Alexander Schindler, Vorstandsmitglied bei Union Investment, die Chancen nachhaltiger Finanzanlagen. Mikus, die für den ersten Staatsfonds verantwortlich ist, der von Anfang an Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt, wies darauf hin, dass diese die Rendite nicht schmälern, sondern steigern: „Zudem tragen sie dazu bei, Risiken und Schwankungen zu reduzieren.” Schindler betonte die Verantwortung und die Einflussmöglichkeiten der Finanzwirtschaft: „Wir gehen soweit, dass wir ein Unternehmen wie Daimler dazu bringen, seine ganze Lieferkette auf Nachhaltigkeit zu überprüfen”, sagte er. „Die Unternehmen hören uns zu.”

Video- und Audiomitschnitte der 19. RNE-Jahreskonferenz inklusive der Rede von Bundesfinanzminister Olaf Scholz und dem Panel zu Sustainable Finance finden Sie hier.

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