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"Um ein neues Geschäftsmodell zu etablieren, das im Einklang mit der Natur arbeitet und wirtschaftliche Nachhaltigkeit letztlich möglich macht, brauchen wir die Unterstützung aller gesellschaftlichen Akteure."

Jochen Zeitz, kooptiertes Mitglied des Rates

Der Nachhaltige Warenkorb - Einfach besser einkaufen. Ein Ratgeber

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Haben wir überhaupt eine Wahl?

„Nachhaltig konsumieren ist heute schon möglich“, so lautet die Botschaft des Nachhaltigen Warenkorbs – trotz aller Einschränkungen. Klar ist aber auch: Wer ab sofort wirklich nachhaltig konsumieren will, muss etwas tun! Wer es ernst meint, kann für sich und die Gemeinschaft mehr bewirken, als es auf den ersten Blick scheint. Schauen wir uns an, worauf es ankommt.

Nachhaltig konsumieren wäre ziemlich einfach, wenn der Bio-Supermarkt gleich unten an der nächsten Ecke wäre, der Kindergarten zu Fuß und der Sportverein mit dem Fahrrad zu erreichen wäre, die Straßenbahn direkt vor der Haustür hielte und die Wohnung dennoch ruhig und bezahlbar wäre.

Doch eine ideale Welt bleibt vorerst ein Wunschtraum. Oft kommt etwas dazwischen, Kompromisse gehören zum Alltag. Und welche Kompromisse wir eingehen, hängt von der Lebenssituation, vom Geldbeutel und von den Angeboten ab, die es gibt oder nicht gibt. Den Kindergarten in der Nachbarschaft kann man ebenso wenig herbeizaubern wie das funktionierende Nahverkehrssystem auf dem Land. Haben wir überhaupt die Möglichkeit, nachhaltig zu konsumieren? Was sind die großen Lebensentscheidungen, die die Bedingungen eines „nachhaltigen Konsums“ beeinflussen? Wir sehen drei große Themen:

  • Wie steht es um mein Zuhause und meinen Arbeitsort?
    Wo wohne ich? Wie wohne ich? Wo arbeite ich?
  • Welches Hobby habe ich?
    Verbrauche ich dabei viel Energie und Ressourcen oder wenig?
  • Was sind meine Konsumvorlieben?
    Esse ich gern und viel Fleisch? Reise ich gern und viel in fremde Länder? Fahre ich gern und viel in schnellen Autos?

Wer seinen Konsum Schritt für Schritt auf Nachhaltigkeit umstellen will, stellt sich folgende Fragen:

  • Wo soll man anfangen? Was sind die wirklich wichtigen Dinge? Bringt es überhaupt etwas, wenn ich mein Verhalten ein bisschen verändere?
  • Kann ich es mir finanziell leisten, nachhaltig zu konsumieren? Ist nachhaltig konsumieren nicht nur etwas für Begüterte?
  • Welchen Informationen kann man trauen? Und werden nicht ständig neue Themen „entdeckt“, die manchmal nur Mode sind?

Die Antworten auf diese Fragen muss jeder für sich selbst finden. Auf den folgenden Seiten geht es um Hinweise, Orientierungshilfen und Tipps, die Ihnen helfen sollen, Ihr persönliches Konsum-Wertegerüst zu bauen.

Anregungen für den Einstieg in nachhaltigen Konsum

Den Einstieg kann jeder schaffen. Man muss nicht gleich bei den ganz großen Lebensentscheidungen beginnen. Diese Broschüre enthält Tipps, die auch kleine Schritte in die richtige Richtung anzeigen. Nicht jeder davon ist für jeden gleich wichtig. Und nicht jeder muss alles, was hier steht, sofort umsetzen.

Wichtig ist, erst einmal einen Anfangspunkt zu finden. Wo dieser Startpunkt für einen nachhaltigen Konsum liegt, wo Sie anfangen möchten, Ihre Konsumgewohnheiten zu hinterfragen und hin zu mehr Nachhaltigkeit zu verändern, das liegt bei Ihnen.

Fußabdruck und CO2-Bilanz

Am besten verschaffen Sie sich erst einmal einen Überblick, wo Sie heute stehen, wie groß Ihr ökologischer Fußabdruck und wie hoch Ihre persönliche CO2-Bilanz in den verschiedenen Lebensbereichen ist.

So lässt sich herausfinden, wo wir am besten ansetzen, unseren Konsum nachhaltiger zu gestalten. Der ökologische Fußabdruck gibt an, wie viel Fläche notwendig ist, um den eigenen Lebensstil zu ermöglichen. Im Internet gibt es diverse Seiten, auf denen Sie Ihren ökologischen Fußabdruck und Ihren CO2-Verbrauch berechnen können. Eine Sammlung aktueller Links und CO2-Rechner finden Sie unter: www.nachhaltiger-warenkorb.de

Versuchen Sie, Ihre CO2-Emissionen auf zwei Tonnen pro Jahr zu verringern. Das können Sie am leichtesten erreichen, wenn Sie unsere Tipps im Bereich Wohnen, Mobilität und Lebensmittel beherzigen.

Gesamtumweltbelastung nach Produktgruppen

Lebensmittel
Haushaltsgeräte
Textilien
Fernsehen, Computer und Co.
 Wohnen
        Ökostrom kaufen
        In den eigenen vier Wänden
        Renovieren
        Spaß am Einrichten
 Mobilität
        Kurze Wege
        Das eigene Auto
        Reisen

Quelle: Öko-Institut e.V.

Eine weitere Möglichkeit, einen Einstieg in den nachhaltigen Konsum zu finden, ist es, besonders auf die Art und Weise zu achten, wie zum Beispiel Lebensmittel und Textilien hergestellt werden. Ob also beispielsweise Ausbeutung, Zwangsarbeit und Lohndumping auf der Tagesordnung stehen oder ob es fair zugeht. Für manche mag ein dritter Weg der beste sein: Wählen Sie einen Lebensbereich als Startpunkt aus, in dem Sie Ihre Gewohnheiten ohnehin verändern wollen.

Wasserverbrauch

Jeder Deutsche verbraucht täglich im Schnitt weniger als 130 Liter Wasser im Haushalt. Der indirekte Verbrauch liegt aber bei 4000 Litern pro Person und Tag. Mehr als die Hälfte dieser Wassermenge wurde importiert. Oft lässt ein Produkt nicht erahnen, wie viel Wasser für seine Produktion verbraucht, verdunstet oder verschmutzt wurde. So werden für die Produktion eines T-Shirts mehr als 4000 Liter Wasser benötigt. Um eine Tasse Kaffee herzustellen, werden entlang der Produktionskette 140 Liter Wasser verbraucht. Dieser verdeckte Wasserverbrauch wird als virtuelles Wasser bezeichnet. www.wwf.de

Was ist nachhaltiger Konsum?

Nachhaltig konsumieren heißt, bewusst zu konsumieren und sich die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekte des Konsums bewusst zu machen. Unter welchen Bedingungen wurden beispielsweise die Kleidung oder der neue Computer hergestellt? Sind die Arbeiter angemessen bezahlt worden? Waren sie bei der Produktion schädlichen Stoffen ausgesetzt? Und wie sieht es mit den Umweltauswirkungen der Produkte aus? Welche Produkte von welchem Unternehmen möchte ich mit meinem Einkauf nachfragen? Kaufe ich Lebensmittel im Supermarkt, im Discounter, im Bioladen oder auf dem Wochenmarkt? Werden die Menschen dort angemessen bezahlt? Wie viel Geld habe ich zur Verfügung und wofür kann ich es ausgeben?

Politischer Konsum

In Demokratie und Wirtschaft haben Sie eine Stimme. Setzen Sie sie mit Bedacht ein. Als Konsumenten haben Sie Macht, denn Unternehmen reagieren empfindlich auf Umsatzrückgänge. Nutzen Sie Ihre Möglichkeiten und wählen Sie so häufig es geht eine nachhaltige Alternative. Damit können Sie zeigen, dass es Ihnen nicht egal ist, unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen Ihre Sachen hergestellt wurden und welche Umweltauswirkungen mit der Nutzung und Entsorgung verbunden sind. Als Bürger in der Demokratie müssen wir uns auch für Gesetze, Regeln und Rahmenbedingungen einsetzen, die nachhaltigen Konsum überhaupt erst ermöglichen.

Nachhaltiger Konsum ist eine Alternative zu Konsumstilen, die keine Rücksicht auf Ressourcenverbrauch oder gesellschaftliche Auswirkungen von Produkten nehmen. Wer sich keine Fernreise leisten kann, braucht sich über Kompensation von CO2-Emissionen im Flugverkehr keine Gedanken zu machen. Deshalb haben Haushalte mit niedrigeren Einkommen oft eine gute Umweltbilanz aufgrund ihres vergleichsweise geringen Konsums. Sprechen Sie mit Ihrer Familie und mit Freunden über die Anregungen, die Sie beim Lesen dieser Broschüre erhalten haben, und über Ihre Ideen für Veränderungen. Was könnte man anders machen, was ließe sich unter keinen Umständen ändern? Oft entdeckt man erst im Gespräch neue Wege und Möglichkeiten zum Erhalt unserer Umwelt und für mehr soziale Gerechtigkeit.

„Die Konsumenten sind heute viel schlauer, als die meisten denken. Ein wachsender Teil erkennt die Signalwirkung und die ‚Macht‘, die er mit seinem persönlichen Konsum gegenüber Industrie und Politik ausübt. Diese Konsumenten machen Märkte und sind durch das Web 2.0 schnell zu organisieren. Stakeholder-Dialog im Netz ist eine Kommunikationsdisziplin, die Unternehmen darum dringend beherrschen sollten.“

Claudia Langer, www.utopia.de

Nachhaltiger Konsum muss nicht teuer sein

„Nachhaltige Produkte sind teurer als andere.“ Oder: „Nachhaltig zu konsumieren können sich nur ‚Begüterte‘ leisten.“ Trifft das wirklich zu? Nicht immer. Nachhaltige Produkte sind häufig teurer als ihre weniger nachhaltigen Wettbewerber am Markt. Trotzdem kann man mit nachhaltigem Konsum unterm Strich Geld sparen. Ein Widerspruch?

Durchschnittliche monatliche Ausgaben deutscher Haushalte im Jahr 2008

Lebensmittel                  321 EUR

Energie                            140 EUR

   Ökostrom kaufen
   In den eigenen vier Wänden

Auto                                  272 EUR

Personenbeförderung   35 EUR

Quelle: Statistisches Jahrbuch 2010

Die Ausgaben im Blick

Um einen Überblick über die Kosten eines nachhaltigen Konsumstils zu gewinnen, kann es hilfreich sein, sich erst einmal ganz grundsätzlich damit auseinanderzusetzen, was wir für die einzelnen Produktgruppen, die in dieser Broschüre angesprochen werden, ausgeben. Einen ersten Eindruck können durchschnittliche Zahlen liefern. Eine persönliche Bilanz können Sie ziehen, wenn Sie Ihre Ausgaben über einen gewissen Zeitraum aufschreiben. Anregungen für Ihre persönliche Inventur bekommen Sie in den Druck- und Download-Versionen der Broschüre auf S. 71.

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Download der Broschüre (PDF, 3,3 MB)

Mehrwert nachhaltiger Produkte

Bei Lebensmitteln und bei Textilien trifft es zu, dass die nachhaltigen Produkte zum Teil sogar deutlich teurer sind. Ein Produkt, das ökologisch verträglicher und unter fairen Bedingungen hergestellt wurde, kostet mehr als ein Produkt, das möglichst billig hergestellt wurde. Dagegen hat das faire Produkt einen „Mehrwert“ für alle. Wer sich mit Produkten und Mitarbeitern mehr Mühe gibt, muss dafür einen angemessenen Preis erwarten können. Sonst kommt die nachhaltige Wirtschaft nicht in Gang.

Dass Verbraucher bereit sind, für „Bio“ oder für „Nachhaltigkeit“ mehr Geld auszugeben, spricht sich auch in der Wirtschaft herum. So kann nicht ausgeschlossen werden, dass mit dem guten Argument „Nachhaltigkeit“ gelegentlich unangemessene Preise verlangt werden. Genau hinsehen lohnt immer. Ob der Mehrpreis gerechtfertigt ist, zeigen glaubwürdige Siegel.

Mit nachhaltigem Konsum Geld sparen

Auch wenn einzelne nachhaltige Produkte teurer sein können, lässt sich mit nachhaltigem Konsum insgesamt Geld sparen, zum Beispiel

  • beim Kauf von Lebensmitteln, wenn Sie kleinere Portionen kaufen und dadurch weniger wegwerfen müssen,
  • beim Kleidungskauf, indem Sie auf Langlebigkeit und Qualität statt auf Masse setzen,
  • bei der Anschaffung elektronischer Geräte, wenn Sie auf den Stromverbrauch und auf Reparaturfähigkeit achten,
  • durch Maßnahmen, die zur Senkung Ihrer Heizkosten beitragen,
  • indem Sie weniger weit reisen und auf ein kleineres Auto oder auf andere Verkehrsmittel umsteigen,
  • wenn Sie Überflüssiges einfach im Regal stehen lassen,
  • wenn Sie der Nutzung eines Produktes Vorrang vor dem Besitz einräumen und
  • indem Sie mehr Zeit für gemeinsame Unternehmungen mit Freunden verwenden, die einen hohen Wert haben, ohne viel zu kosten.

Die Kosten, die während des Gebrauchs von Produkten, z.B. Waschmaschinen, entstehen, haben wir oft gar nicht im Blick. Dabei machen sich die höheren Anschaffungskosten beim Kauf eines sparsamen Gerätes schon nach einiger Zeit bezahlt.

Nachhaltig konsumieren bedeutet manchmal, bewusster und weniger zu kaufen – und dabei Geld zu sparen. Es geht z.B. darum, auch gemeinsame Nutzung in Erwägung zu ziehen. Und wenn die Nutzungszeit eines Produktes schließlich zu Ende geht, darüber nachzudenken, ob vielleicht jemand anders noch Interesse daran haben könnte. Das stärkt letztlich auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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Rapucation - "Guten Appetit" (3:55)

 

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Text: Robin Haefs, Musik: Vincent Stein, www.rapucation.de
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