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"Nachhaltigkeit als Leitidee im Handeln braucht bessere Bildung als Basis, dazu mehr Aktionspartnerschaften und Praxisbeispiele, lokal, regional und international."

Walter Hirche, Mitglied des Rates

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3. Carl-von-Carlowitz-Vorlesung zu „Nachhaltigkeit und Politik“ am 12. Oktober 2011

Überblick

Prof. Dr. Dr. h.c. Gesine Schwan - © Foto: Hans-Christian Plambeck

3. Carl-von-Carlowitz-Vorlesung zu „Nachhaltigkeit und Politik“,
12. Oktober 2011, 19:30 Uhr

Prof. Dr. Dr. h.c. Gesine Schwan
Präsidentin der Humboldt-Viadrina School of Governance

Nachhaltigkeit und Politik: das ist der Titel der dritten Carl-von-Carlowitz Vorlesung, die die Präsidentin der Humboldt-Viadrina School of GovernanceGesine Schwan am 12. Oktober 2011 im historischen Kassensaal der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gehalten hat. In ihren Ausführungen ist die Politikwissenschaftlerin der Spur einer "zeitgemäßen Politik im Dienste der Nachhaltigkeit" nachgegangen - quer durch die politische Ideengeschichte, den Status quo unterschiedlicher Interessen und Machtpotenziale in unseren Gesellschaften analysierend, entlang aktueller Beispiele. Am Ende ihrer Auseinandersetzung mit dem Begriff Nachhaltigkeit und auch in Bezugnahme auf ihre Vorredner in der Veranstaltungsreihe, Professor Wolfgang Haber und Professor Carlo Jaeger, kommt sie zu dem Schluss, dass Politik als "antagonistische Kooperation", als Zusammenarbeit trotz gegensätzlicher Interessen wie zum Beispiel in Multi-Stakeholderdialogen, der einzige Weg für langfristig stabile, gerechte und nachhaltige Entscheidungen ist.

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Der gesamte Vortrag wird voraussichtlich im Frühjahr 2012 als Band 3 der Carl-von-Carlowitz-Reihe im oekom-Verlag erscheinen.

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Fotos: André Wagenzik, © Rat für Nachhaltige Entwicklung

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Schwan

Dritte Carl-von-Carlowitz-Vorlesung von Prof. Dr. Dr. h.c. Gesine Schwan zu „Nachhaltigkeit und Politik“

Foto: André Wagenzik, © Rat für Nachhaltige Entwicklung

Ist Nachhaltigkeit ein politischer Begriff? Ist Nachhaltigkeit ein Gemeinwohlbegriff? Nachhaltigkeit und Demokratie: Gegenseitige Bedingung oder Gegensätze? Und: war das schon immer so?

Als Hans Carl von Carlowitz 1713 eine nachhaltende Nutzung des Waldes empfahl, waren die vorausdenken Eliten, zu denen er gehörte, getrieben von einer Energiekrise, von Knappheiten und der Einsicht, dass das Geschäftsmodell der damaligen Gegenwart keine Zukunft hat. Sie haben die nachhaltige Forstnutzung politisch verordnet. Der Preis war, dass die Waldnutzung durch die einfachen Leute, zum Beispiel die Eichelmast der Schweine und Sammeln von Reisig nicht mehr zugelassen wurde. Wenn wir heute von großen Transformationen der Gesellschaft sprechen, um einer nachhaltigen Entwicklung gerecht zu werden steht außer Frage, dass dazu gehörige Steuerungsprozesse die Beteiligung des Bürgers ermöglichen müssen. Aber reichen unsere demokratischen Verfahren, um Nachhaltigkeit zu verhandeln? Ist sie das Ergebnis eines politischen Prozesses oder müssen politische Prozesse an der Nachhaltigkeit ausgerichtet werden? Kann „Politik“ überhaupt Nachhaltigkeit, und welche politischen Weichenstellungen sind hilfreich?

Foto: André Wagenzik, © Rat für Nachhaltige Entwicklung

Am 12. Oktober 2011 hielt Prof. Dr. Gesine Schwan die dritte Carl-von-Carlowitz-Vorlesung im Historischen Kassensaal der KfW. Im Gepäck die politische Ideengeschichte und Demokratietheorien, im Blick die Zukunft referierte Prof. Dr. Schwan in ihrem Vortrag zu „Nachhaltigkeit und Politik“ über die Voraussetzungen für das politische Nachhaltigkeitsdenken in Demokratie.

Prof. Dr. Gesine Schwan, geboren 1943 in Berlin, ist Politikwissenschaftlerin. Sie absolvierte ein Studium der Romanistik, Geschichte, Philosophie und Politologie in Berlin und Freiburg mit Studienaufenthalten in Warschau und Krakau. Von 1977 bis 1995 war sie Professorin für Politikwissenschaft an der FU Berlin.Sie setzte sich sowohl in ihrer Promotion als auch in ihrer Habilitationsschrift mit dem Marxismus auseinander und entwickelte eine kritische Haltung zum Kommunismus. Ihre Forschung widmete sie Fragen der Politischen Philosophie, der Demokratietheorien aber auch der Politischen Psychologie und der Politischen Kultur. 1992 wurde sie zur Dekanin am Otto-Suhr Institut der FU gewählt. Von 1999 bis 2008 war Sie Präsidentin der Europa-Universität Viadrina und war 2009 Gründungsmitglied der HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance, deren Präsidentin sie seit 2010 ist.

Foto: André Wagenzik, © Rat für Nachhaltige Entwicklung

Eine Herzensangelegenheit ist Gesine Schwan die deutsch-polnische Zusammenarbeit, die sie unter anderem als Mitglied des Kuratoriums der deutsch-polnischen Wissenschaftsstiftung, deren Gründung sie maßgeblich vorangetrieben hat, unterstützt. Von 2005 bis 2009 war Gesine Schwan Koordinatorin der Bundesregierung für die grenznahe und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit mit Polen. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen darunter 2004 den Marion Dönhoff Preis für internationale Verständigung und Versöhnung und den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland sowie 2006 die Ehrendoktorwürde des Europäischen Hochschulinstituts Florenz. Öffentliche Aufmerksamkeit erlangte Gesine Schwan 2004 und 2008/2009 durch die Kandidatur für das Amt der Bundespräsidentin.

Nun schon zum dritten Mal lud der Rat für Nachhaltige Entwicklung einen herausragenden Wissenschaftler ein, um einen ausholenden Vortrag über Nachhaltigkeitsdenken in einer wissenschaftlichen Disziplin zu halten.

Der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645-1714) hat Nachhaltigkeit als Krisenbegriff in den deutschen Sprachgebrauch eingeführt als er Anfang des 18. Jahrhunderts das Wiederaufforsten gefällter Baumbestände zu einem Grundprinzip der Forstwirtschaft machte. Nach ihm ist die Vorlesungsreihe benannt, die der Rat für Nachhaltige Entwicklung einmal im Jahr veranstaltet.

Am 12. Oktober 2011 fand die dritte Carl-von-Carlowitz-Vorlesung im historischen Kassensaal der KfW in Berlin statt.

Jaeger

Zweite Carl-von-Carlowitz-Vorlesung von Prof. Carlo Jaeger zu Wirtschaft.Wissenschaft.Nachhaltigkeit

Die zweite Carl-von-Carlowitz-Vorlesung, gehalten von Prof. Dr. Carlo Jaeger beim Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE), ist am 20. Juni 2011 im oekom Verlag als Buch mit dem Titel „Wachstum – wohin? Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts“ erschienen. Jaeger, Ökonom am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), entwirft darin eine mögliche Zukunft des Wirtschaftswachstums und begründet, weshalb das ökonomische Paradigma angesichts der Herausforderung Nachhaltigkeit weiterentwickelt werden muss.

Deutschland will das Klima schützen und zugleich ohne Kernenergie leben. Dadurch, so Jaeger, werde Deutschland zum Laboratorium für „Green Growth“. Die Welt werde aufmerksam beobachten, ob weitreichender Umweltschutz mit sinkender Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichem Erfolg vereinbar ist, schreibt Jaeger. In seinem faktenreichen Essay erläutert der aus der Schweiz stammende Wissenschaftler, wie sich diese Herausforderung im globalen Rahmen meistern lässt. Dazu sei ein Schub nachhaltiger Investitionen nötig, der weltweit einen neuen Wachstumspfad eröffnet. So könne die Armut, in der heute Milliarden Menschen leben, überwunden werden.

Die Carlowitz-Vorlesung „Wirtschaft. Wissenschaft. Nachhaltigkeit“, auf der das Buch beruht, hat Jaeger im Rahmen der 10. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung am 27. September 2010 in Berlin gehalten. Das Audio- und Videoangebot des Nachhaltigkeitsrates enthält einen Mitschnitt des Vortrages. Die erste Carl-von-Carlowitz-Vorlesung hielt im Jahre 2009 Prof. Wolfgang Haber, der als Doyen der wissenschaftlichen Ökologie in Deutschland gilt. Sie erschien unter dem Titel „Die unbequemen Wahrheiten der Ökologie“ im oekom Verlag.

„Wachstum – wohin?“ ist der zweite Band in der Carl-von-Carlowitz-Reihe des Nachhaltigkeitsrates. Herausragende Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verschiedener Fachrichtungen tragen in dieser Reihe ihre Gedanken und Konzepte zur nachhaltigen Entwicklung vor. Der Namensgeber der Reihe, der aus einer Försterfamilie stammende Oberberghauptmann Carl von Carlowitz, lebte von 1645 bis 1714 in Sachsen – in einer Region, der damals drastischer Raubbau an Wäldern wütete. Carlowitz forderte ein „nachhaltende Nutzung“ der wertvollen Holzbestände mit dem Ziel, der Ressourcenzerstörung Einhalt zu gebieten. Carlowitz gilt als Vater des deutschen Begriffs „Nachhaltigkeit“.

Haber

Der Doyen der wissenschaftlichen Ökologie, Prof. Wolfgang Haber, hält die erste Carl-von-Carlowitz-Vorlesung

Prof. Wolfgang Haber auf der 9. Jahreskonferenz des Rates - Foto: Rainer Lutter, Andrea Linß-Stelte, LIBOMEDIA, © Rat für Nachhaltige Entwicklung

„Nachhaltige Entwicklung kann nur gelingen, wenn wir die Ökologie nicht verklären“ – diese Ansicht vertrat Prof. Wolfgang Haber in der ersten Carl-von-Carlowitz-Vorlesung. Mit seinem Beitrag zu Ökologie und Nachhaltigkeit eröffnete Prof. Haber auf der 9. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung die neue wissenschaftliche Vortragsreihe des Rates. Unter dem Titel „Die unbequemen Wahrheiten der Ökologie“ wird die Vorlesung nun vom Nachhaltigkeitsrat als Buch herausgegeben und ist im Herbst 2010 im Handel erschienen. Die englische Übersetzung (PDF, 2681 KB) können Sie kostenlos herunterladen.

Publikationen

Der zweite Band der Carl-von-Carlowitz-Reihe ist im Sommer 2011 beim oekom Verlag erschienen und kann über den Buchhandel bezogen werden.

Carlo Jaeger
Wachstum – wohin?
Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts

Carl-von-Carlowitz-Reihe Band 2,
oekom verlag, München, 2011,
ISBN-13: 978-3-86581-277-3, Preis: 12.95 EUR

Die Vorlesung von Prof. Haber ist als erster Band der Carl-von-Carlowitz-Reihe im Herbst 2010 im oekom Verlag erschienen:

Wolfgang Haber
Die unbequemen Wahrheiten der Ökologie
Eine Nachhaltigkeitsperspektive für das 21. Jahrhundert

Carl-von-Carlowitz-Reihe Band 1,
oekom verlag, München, 2010,
ISBN-13: 978-3-86581-217-9, Preis: 12.90 EUR

Die englische Übersetzung können Sie kostenlos herunterladen:

Wolfgang Haber
Inconvenient ecological truths
A perspective on sustainability in the 21st Century
(PDF, 2681 KB)
Carl-von-Carlowitz-Series vol. 1,
oekom verlag, Munich, 2010
[englisch, nur Download]

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