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"Unsere Gesellschaft muss viel stärker über die Wertorientierung unserer Lebensstile und über den Wert öffentlicher Dinge reden."

Dr. Hans Geisler, Mitglied des Rates

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Biosprit ist Schulbeispiel für nachhaltige Fehlentwicklung

„Schutz der Biodiversität heißt aktuell: Biomasseproduktion nachhaltig machen“ - Handlungsempfehlungen des Rates für Nachhaltige Entwicklung vorgelegt

Berlin, 06.03.2008 - Der Rat für Nachhaltige Entwicklung fordert die Bundesregierung im Vorfeld der kommenden Internationalen Biodiversitätskonferenz auf, schädlichen Auswirkungen der Bionergie-Produktion entgegenzuwirken. „Die überzogene Produktion von Biosprit ist das Schulbeispiel für eine nachhaltige Fehlentwicklung“, sagt Hubert Weinzierl, Präsident des Deutschen Naturschutzringes und im Nachhaltigkeitsrat für die Erarbeitung der Stellungnahme zuständig.

„Sozial, ökologisch und ökonomisch: In allen drei Dimensionen sehen wir Fehlentwicklungen“, so Weinzierl und betont, dass die Welt sozial aus den Fugen gerät, wenn unsere globalen Beziehungen durch das Interesse an Autokraftstoffen dominiert würden. Zudem rechne sich die Biosprit-Produktion ökonomisch nicht, denn der Bedarf würde jedes natürliche Anbaupotenzial weit übersteigen. Daher, so Weinzierl, hält der Rat für Nachhaltige Entwicklung die kritischen Stimmen aus der Wissenschaft für gerechtfertigt, mit denen vor negativen Folgen eines übersteigerten Ausbaus der Biomasse-Wirtschaft für den weltweiten Artenschutz, Klima und Umwelt und die soziale Situation der Landbevölkerung in den Entwicklungsländern gewarnt wird.

Mit Blick auf die global intensivierte Biomassewirtschaft empfiehlt der Rat der Bundesregierung als Gastgeber der 9. Vertragsstaatenkonferenz zur Biodiversität, eine großangelegte Initiative zu einem internationalen Protokoll über Bioenergien nach dem Vorbild des Biosafety-Protocols zu starten. Letztlich muss der Weg hin zu einer nachhaltigen Bioenergie-Produktion auf globaler Ebene gefunden werden, betont Weinzierl. Das heiße aber auch, dass auch national gehandelt werden muss.

Der Nachhaltigkeitsrat fordert, von der nationalen Politik eine deutliche Senkung der gesetzlich vorgeschriebenen Quote für die Beimischung von Bioenergien zu KFZ-Treibstoffen sowie strenge Maßstäbe für die Überprüfung der Nachhaltigkeit beim Anbau und der Verarbeitung von Biomasse-Produkten. „Die Biomasseproduktion soll nicht einseitig zugunsten der Agrotreibstoffe ausgebaut werden“, betont Hubert Weinzierl weiter. Seiner Ansicht nach sollte der Versorgung mit Nahrungsmitteln Vorrang eingeräumt werden. Der Anbau von Biomasse dürfe nicht zu einer Konkurrenzsituation zwischen „Tank“ und „Teller“ führen. Gleichwohl ist die sinnvolle Gewinnung und Nutzung von Biomasse nötig und bedarf eines international vergleichbaren Vorgehens, weil, so Weinzierl, das Verbrennen der letzten fossilen Brennstoffe fahrlässig und ethisch unverantwortlich sei. „Wir brauchen eine grundsätzliche Energiewende in der Mobilität. Biokraftstoffe sind nur ein kleiner Teil der Lösung. Verbrauchssenkungen, andere Arten von Mobilität und völlig neue Technologien sind nötig.“

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung setzt sich für eine verstärkte Erforschung von neuen Wegen zum Anbau und zur Nutzung von Bioenergien ein. Er spricht sich für eine umfassende Prüfung aller Energieträger anhand von Nachhaltigkeitskriterien aus.

Diese Empfehlungen des Rates können Sie ebenfalls mithilfe eines Online-Formulars kostenlos als Broschüre bestellen.

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