09.03.2005
Nachhaltigkeitsrat und GTZ starten mit den fünf wichtigsten Schwellenländern einen Dialog über nachhaltige Entwicklung
Mit den "Big Five" an einem Tisch
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit das Projekt „BRICS+G“ gestartet, das auf mehreren Workshops Vertreter aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik zusammenführen wird. Das Projekt will mit Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika eine internationale Diskussion über Nachhaltigkeit anstoßen.
Auf dem Weltgipfel in Johannesburg im Jahr 2002 haben sich die Regierungen verpflichtet, mit der Umsetzung nationaler Nachhaltigkeitsstrategien zu beginnen. Nicht nur die Industrienationen, sondern auch Schwellen- und Entwicklungsländer haben mittlerweile entsprechende Strategien und Programme entwickelt oder sind dabei, das zu tun, um ihr wirtschaftliches Wachstum auf eine Basis zu stellen, die für Gesellschaft und Umwelt langfristig tragfähig ist. Einen organisierten Austausch von Erfahrungen über die Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien gibt es bis bislang aber nicht.
Das wollen Nachhaltigkeitsrat und die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) ändern. Mit einem neuen Projekt starten sie einen internationalen Erfahrungsaustausch über nachhaltige Entwicklung. In „BRICS+G“ sollen Entscheidungsträger aus Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika und Deutschland eingebunden werden, um den aktuellen Stand der Nachhaltigkeitspolitik in den Ländern zu vergleichen, um Bewertungen auszutauschen und Rückschlüsse für nationale Strategien zu ziehen. Im Zentrum des Dialogs stehen dabei insbesondere Fragen der Energienutzung, des Ressourcenmanagements und soziale Aspekte.
„Deutschland hat mit seiner Nachhaltigkeitsstrategie Beachtliches erreicht“, betonte Ratsvorsitzender Dr. Volker Hauff bei der Vorstellung des Projekts Anfang März in Berlin. „Global aber steht die Debatte noch ganz am Anfang.“ Außerdem, so Hauff, können auch deutsche Akteure von einem solchen Dialog lernen. „Deutschland ist auf der Suche nach einem neuen Typ von Wachstum. Einem Wachstum, das Beschäftigung schafft, das vom Ressourcenverbrauch entkoppelt ist, das der globalen Verantwortung gerecht wird und die Gesellschaft nicht teilt, sondern Zukunftschancen für alle bietet.“ Zu einer nachhaltigen Politik gehört nicht zuletzt eine regelmäßige und transparente Bilanz und Erfolgskontrolle. Daher sucht der Nachhaltigkeitsrat den „Blick von außen“ und den Dialog über die Grenzen Deutschlands hinaus.
Mit dem neuen Projekt richtet der Rat den Blick auf Brasilien, Indien, China, Russland und Südafrika. Diese Nationen haben eines gemeinsam: Sie zählen zu den Schwellenländern mit dynamischem Wirtschaftswachstum und Experten gehen davon aus, dass diese Länder auf dem Weltmarkt und in der Globalisierung schon in naher Zukunft eine bedeutende Rolle spielen werden. „Eine Studie von GoldmanSachs sagt den BRICS-Ländern voraus, dass sie in den nächsten 50 Jahren die gegenwärtigen Industrieländer wirtschaftlich überholen könnten“, betonte in Berlin GTZ-Geschäftsführer Dr. Bernd Eisenblätter.
Im Kern des Dialogprozesses stehen Workshops, die in den sechs Ländern stattfinden sollen und die die GTZ mit ihren Ländervertretungen vor Ort organisiert. Auf diesen Treffen setzen sich Experten aus Regierung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft mit der Praxis des jeweiligen nationalen Nachhaltigkeitsprozesses auseinander und stellen sich Fragen aus anderen beteiligten Ländern. Als Ergebnis sollen folgende Fragen beantwortet werden: Wo war die Nachhaltigkeitsstrategie erfolgreich und warum? Wo war die Nachhaltigkeitsstrategie nicht erfolgreich und warum? Welche Konsequenzen werden daraus gezogen?
Die Ergebnisse der Workshops werden Anfang September auf einer internationalen Konferenz im GTZ-Haus in Berlin zusammengeführt und vorgestellt. Der Nachhaltigkeitsrat will auf seinem Jahreskongress am 6. September im Rahmen des Themenschwerpunktes „Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit“ die internationale Perspektive aufgreifen.
Nachhaltigkeit bedeutet immer eine Balance widerstrebender Interessen. „Echte Partnerschaft ist Voraussetzung für den Ausgleich der Interessen, für das gemeinsame Suchen und Lernen tragfähiger Lösungen“, betonte Eisenblätter in Berlin. Im Rahmen von BRICS+G bringen alle Seiten nicht nur ihre Interessen ein, sondern auch ihr Spezialwissen und die Bereitschaft, gemeinsam getroffene Entscheidungen zu akzeptieren und mit umzusetzen – zum Nutzen nicht nur der sich noch entwickelnden Länder. Eisenblätter: „Deutschland ist hier wie die meisten anderen auch ein lernendes Land.“

