28.09.2012
Carbon-Disclosure-Project-Report 2012: Klimaziele der Unternehmen reichen nicht
In einem weltweiten Ranking zur transparenten Berichterstattung über CO2-Emissionen sind mit Allianz, BASF, Bayer und BMW erneut vier deutsche Großunternehmen unter den zehn Bestplatzierten in der Gesamtwertung. Zu diesem Ergebnis kommt der „Global 500 Report 2012“, den das gemeinnützige „Carbon Disclosure Project“ (CDP) Mitte September in London veröffentlicht hat. Die größten börsennotierten Unternehmen waren aufgefordert, für diese Analyse ihre Klimadaten zur Verfügung zu stellen. Von 500 angefragten Konzernen beteiligten sich 405, dies entspricht einer neuen Bestmarke von 81 Prozent. Vier von fünf berichterstattenden Unternehmen setzten sich, wie schon in den Vorjahren, eigene, meist kurzfristige Klimaschutzziele. 20 Prozent dieser Unternehmen dachten dagegen längerfristiger und planten die Minderung von CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 oder darüber hinaus ein. Dabei beabsichtigten diese Unternehmen, ihren CO2-Ausstoß durchschnittlich um rund ein Prozent pro Jahr zu senken.
Dennoch bewerten die Autoren der Studie diese Ergebnisse als nicht zufriedenstellend. Beim letzten UN-Klimagipfel in Durban hätten alle Länder darin übereingestimmt, durch verstärkte Anstrengungen die globale Erwärmung auf 2 Grad Celsius zu begrenzen. Um dieses Ziel noch zu erreichen, müssten die CO2-Emissionen in den Jahren 2020 bis 2050 nach Berechnung der Unternehmensberatung PwC um 4 Prozent pro Jahr sinken. Fazit des CDP-Reports 2012: Die Ziele der Unternehmen genügten nicht annähernd, um die ambitionierten globalen Klimaziele zu erreichen.
Dass zumindest die Sensibilität für Klima-Folgen in vielen Vorstandsetagen gestiegen ist, führt das CDP auf den Einfluss extremer Wetterereignisse zurück. Der Rekord-Sommer in den USA, Flächenbrände in Russland, Überflutungen in Japan, Thailand und in Großbritannien hätten immer mehr Unternehmensführungen bewusst gemacht, wie verwundbar die Unternehmen und ihre weltweiten Zulieferer durch den Klimawandel seien. 78 Prozent der berichtenden Großunternehmen hätten mittlerweile den Klimawandel in die erweiterte Business-Strategie integriert, im Jahr 2011 seien dies erst 68% gewesen. Auch habe sich in den letzten beiden Jahren der Prozentsatz derjenigen Unternehmen vervierfacht, die Klimarisiken als aktuell vorhandene Gefahren einstuften (Anstieg von 10 % in 2010 auf 37 % in 2012).
Das relativ gute Abschneiden deutscher Unternehmen kommentierte Susan Dreyer, Leiterin des deutschen CDP-Büros in Berlin: „Der DAX ist damit deutlich stärker vertreten als es seinem Anteil an den ‚Global 500’ entspricht. Dies spiegelt die relative Stärke einiger großer deutscher Unternehmen in der Klimaberichterstattung wider.“ Susan Dreyer will neue Prioritäten setzen: „Das CDP hat sich in den Anfangsjahren stark um die Vollständigkeit der Unternehmensdaten bemüht. Mittlerweile legen wir den Schwerpunkt vor allem auf die Vergleichbarkeit der berichteten Informationen. Daher dient unsere Datenbank inzwischen zahlreichen Investoren als Entscheidungsgrundlage. Außerdem legen wir den berichtenden Unternehmen nahe, sich ehrgeizigere Klimaschutzziele zu setzen.“
Das CDP ist eine Initiative von mittlerweile 655 institutionellen Anlegern, zu denen Branchenschwergewichte wie die Investmentbank Goldman Sachs und der weltgrößte Rückversicherer Munich Re gehören. Im zehnten Jahr ihres Bestehens stellt die Initiative Vermögenswerte von 78 Billionen US Dollar dar. Das CDP veröffentlicht auch die Namen von Global Playern, die die Anfrage nach Klimadaten ignoriert haben. Zu diesen Säumigen gehören unter anderem Amazon, Apple und die Bank of China.
Das CDP-Büro Deutschland präsentiert seinen CDP DACH Report 2012 zum Klimaengagement der 350 größten deutschen, österreichischen und schweizerischen Unternehmen am 15. Oktober 2012 in Frankfurt am Main - auf dem ganztägigen Kongress "Business Case Klimaschutz - ein Mythos?"
Weiterführende Informationen
Carbon Disclosure Project (CDP)
CDP Global 500 Climate Change Report 2012 (englisch)
Die 500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen wurden um Daten angefragt. [PDF, 2,6 MB]
CDP S&P 500 Climate Change Report 2012 (englisch)
Die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen wurden um Daten angefragt. [PDF, 1,1 MB]
CDP Germany Austria Switzerland 350 Report 2012 (deutsch)
Download ab 15.10.2012 möglich
CDP Germany Austria 250 Report 2011 (deutsch)
Die 250 größten deutschen und österreichischen Unternehmen wurden um Daten angefragt. Analyse: Mitarbeiter der WestLB. [PDF, 1,79 MB]
The Global 500 CDLI 2012 (Carbon Disclosure Leadership Index)
51 Vorreiter-Unternehmen mit der weltweit transparentesten Klimaberichterstattung (davon 7 aus Deutschland).
The Global 500 CPLI 2012 (Carbon Performance Leadership Index)
51 Vorreiter-Unternehmen mit den weltweit tragfähigsten Klimaschutzstrategien (davon 5 aus Deutschland).
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