12.09.2012
Greenpeace-Studie: Versteckte Umlage für konventionelle Energieträger höher als EEG-Umlage
Was Privatleute derzeit an Aufpreis für erneuerbare Energien zahlen, können sie exakt auf ihrer Stromrechnung ablesen. Dagegen ist ihr Zusatzbeitrag für Atomenergie, Stein- und Braunkohle nicht im Strompreis enthalten, sondern wird weitgehend über den Staatshaushalt aufgebracht oder muss von zukünftigen Generationen beglichen werden. In der Studie „Was Strom wirklich kostet“ (August 2012) addierte das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft für jeden Energieträger sowohl staatliche Alimentierungen wie Steuervergünstigungen und Finanzhilfen als auch externe Kosten wie die gesellschaftlichen Folgekosten des Klimawandels. Fazit der Studie: „Die Zusatzkosten der konventionellen Energieträger sind mit 40 Mrd. in 2012 sogar deutlich teurer als die Förderung der erneuerbaren Energien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).“
Mit dem EEG erhalten Erzeuger von ökologischem Strom eine garantierte Einspeisevergütung, die über dem Marktpreis liegt. Netzbetreiber werden zur vorrangigen Abnahme von Ökostrom verpflichtet. Da der Anteil des Ökostroms als Folge des EEG steigt, erhöht sich allerdings auch die von den Endverbrauchern zu tragende EEG-Umlage. Bei den erneuerbaren Energien erwarten die Autoren der Studie für 2012 rund 13 Mrd. Euro Förderkosten, die auf die Verbraucher umgelegt würden. In der von Greenpeace Energy und dem Bundesverband WindEnergie finanzierten Untersuchung wird nun erstmals – parallel zur Erneuerbare-Energien-Umlage von derzeit 3,592 Cent pro Kilowattstunde – auch eine „Konventionelle-Energien-Umlage“ berechnet. Co-Autorin Swantje Küchler zu dieser Kalkulation: „Würde man die von konventionellen Energieträgern verursachten Kosten nach EEG-Methode auf die Verbraucher umlegen, läge diese Konventionelle-Energien-Umlage im Jahr 2012 bei umgerechnet 10,2 Cent pro Kilowattstunde.“
Die aktuelle Studie „Was Strom wirklich kostet“ (2012) hat die Kritik des Deutschen Atomforums auf sich gezogen. Greenpeace habe „die bekannten methodischen Fehler benutzt, um die Kosten der Kernenergie hochzurechnen“. Falsch sei es auch, der Kernenergie die Kosten der Sanierung der Wismut AG oder die Stilllegung der DDR-Kernkraftwerke zuzurechnen.
Auch die Vorgängerstudie stand in der Kritik. Im April 2011 hatte Greenpeace Energy eine erste Studie unter dem gleichen Titel „Was Strom wirklich kostet“ veröffentlicht. „Greenpeace rechnet falsch“ wurde der Studie damals im Handelsblatt vorgeworfen. Hubertus Bardt, Energieexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln schrieb in einem Gastkommentar, die Greenpeace-Kalkulation strotze geradezu vor „methodischen Unzulänglichkeiten“. Greenpeace-Energy stellte damals ein zweiseitiges Papier mit Gegenargumenten ins Netz.
Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Nachhaltigkeitsrates, kommentiert die gegenwärtige Diskussion um die Energiewende mit den Worten, „es ist ärgerlich, dass von allen Seiten mit der Preiskeule auf die Energiewende eingeschlagen wird – während aber keinerlei Einigkeit darüber erzielt wird, welche Kosten eigentlich wie zuzurechnen und zu bewerten sind. Das führt zum großen Verwirrspiel. Wir brauchen eindeutige Transparenz und nicht mehrdeutige Zahlenspiele zu den anfallenden Kosten. Die Energiewende ist ein gesellschaftliches und wirtschaftliches Großvorhaben, das einen fairen Faktencheck der Kosten braucht – allerdings auch der Chancen, Investitionen, Arbeitsplätze und Klimaeffekte. Er ist dringend nötig. Bei Konzepten zur nachhaltigen Entwicklung, egal ob es sich um Bäume, Geld oder Energie handelt, muss erst richtig gezählt werden, um dann richtig und zukunftsgerecht zu verteilen.“
Weiterführende Informationen
"Was Strom wirklich kostet" (2012)
Kurzfassung der Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), erstellt im Auftrag der Energiegenossenschaft Greenpeace Energy und des Bundesverbands WindEnergie (BWE). 27.08.2012 [PDF, 531 KB]
"Verbraucher zahlen versteckte Konventionelle-Energien-Umlage für Kohle- und Atomstrom"
Gemeinsame Pressemitteilung: Greenpeace Energy und Bundesverband WindEnergie. 27.08.2012
"Greenpeace führt Kosten-Debatte mit methodischen Fehlern und polemischen Argumenten"
Pressemitteilung des Deutschen Atomforums e.V. 27.08.2012
"Was Strom wirklich kostet" (2011)
Kurzfassung der Vorgänger-Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag der Energiegenossenschaft Greenpeace Energy. 17.04.2011 [PDF, 240 KB]
"Greenpeace Energy rechnet richtig"
Stellungnahme von Greenpeace Energy zum Gastkommentar von Dr. Hubertus Bardt (Institut der deutschen Wirtschaft, Köln) am 21.04.2011 im Handelsblatt ("Greenpeace rechnet falsch"). 21.04.2011 [47 KB]
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