Direkt zum Inhalt springen

"Wir brauchen mutige politische Entscheidungen, die weniger Wachstum und mehr Nachhaltigkeit belohnen, die Gemeinwohl statt Gewinnstreben fördern."

Prof. Dr. Hubert Weiger, Mitglied des Rates

09.01.2012

Mehr News zum Thema : Fläche | Strategie | Umwelt | Biodiversität 

AUS DEM RAT FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

Flächenpolitik: Rat drängt auf Erreichung des nationalen Nachhaltigkeitsziels

In Deutschland werden weiterhin jeden Tag 87 Hektar Fläche neu für Siedlungen und Straßen bebaut, versiegelt oder anderweitig beansprucht. Das entspricht rund 124 Fußballfeldern. Zwar war der Flächenfraß zuletzt leicht rückläufig. Das Ziel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, bis zum Jahr 2020 täglich nicht mehr als 30 Hektar Fläche neu zu beanspruchen, liegt damit dennoch in weiter Ferne. Wie es erreicht werden kann und was Entsiegelung, Renaturierung und Wiedernutzung baulicher Brachflächen dazu beitragen können, berieten der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern im Dezember 2011 mit weiteren Experten in einem gemeinsamen Workshop. Mecklenburg-Vorpommern will das Flächensparen künftig stärker fördern.

Das erklärte Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz in Mecklenburg-Vorpommern, im Anschluss an den Expertenworkshop auf Gut Dalwitz. Der Sozialdemokrat will unter anderem die Innenentwicklung und die Flächenkreislaufwirtschaft stärken. Die Innenentwicklung zielt auf kompakte Siedlungen, etwa durch das Schließen von innerörtlichen Baulücken, und stoppt so die Ausbreitung von Siedlungsflächen. Die Flächenkreislaufwirtschaft setzt auf systematische Nutzung bestehender Bauten und begrenzt damit ebenfalls die Beanspruchung neuer Flächen.

Diese und etliche weitere Ideen für eine Flächendiät hatte der RNE bereits 2004 in seiner der Bundesregierung überreichten Empfehlung „Mehr Wert für die Fläche: Das ‚Ziel-30-ha‘ für die Nachhaltigkeit in Stadt und Land“ unterbreitet. Viele dieser Empfehlungen wurden inzwischen erprobt und umgesetzt. In der Flächenstatistik spiegeln sich ihre Erfolge bislang indes nicht. Das liegt daran, dass diese Statistik nicht die reale Nutzung misst, sondern Planungsgrößen. Renaturierte Industrieareale etwa werden derzeit in der Regel weiterhin als Siedlungsflächen geführt. Dennoch ist es aus Sicht des RNE sinnvoll, am Flächenindikator der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie festzuhalten. Er stelle bislang den einzig geeigneten Vergleichsmaßstab für die gesamte Bundesrepublik dar.

Die ökologischen Folgen des anhaltend hohen Flächenfraßes in Deutschland sind erheblich. Durch ihn gehen nicht nur Frei- und Lebensräume verloren, worunter unter anderem die Biodiversität leidet. Versiegelte oder verdichtete Böden können zudem Regenwasser schlechter aufnehmen. Minister Backhaus warnte, dies könne „in Zeiten zunehmender Klimaextreme zum lokalen Problem werden“. Graf von Bassewitz, Mitglied im Nachhaltigkeitsrat und Hausherr auf Gut Dalwitz, forderte, weiterhin alle Instrumente zur Senkung des Flächenverbrauchs zu nutzen. Das sei Voraussetzung für das Erreichen des von der Bundesregierung festgelegten 30-Hektar-Ziels bis 2020.

Der Nachhaltigkeitsrat wird seine Arbeiten zur Senkung des Flächenverbrauchs und den von ihm initiierten und auf Gut Dalwitz fortgeführten „Dialog Fläche“ auch in Zukunft weiterverfolgen. Laufende Modellvorhaben zur Senkung des Flächenverbrauchs, etwa zur Wirksamkeit von Handelssystemen, wird der Nachhaltigkeitsrat aufmerksam beobachten. Minister Backhaus kündigte außerdem Gespräche mit der mecklenburg-vorpommerischen Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH an, mit dem Ziel, alle noch in deren Besitz befindlichen Flächen im Land zu übernehmen. Die Landesregierung erhofft sich von der Übernahme größere Gestaltungsspielräume für ganzheitliche Lösungen zum Flächensparen.

Weiterführende Informationen

Workshop: Entsiegelung, Renaturierung und Wiedernutzung baulicher Brachflächen. Informationen des Rates für Nachhaltige Entwicklung zum Workshop am 08.12.2011 in Walkendorf (Gut Dalwitz), Mecklenburg-Vorpommern.

Flächensparen und Recycling von Brachflächen sind zwingend notwendig. Pressemitteilung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern, 08.12.2011.

Siedlungs- und Verkehrsfläche wächst täglich um 87 Hektar. Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes, 13.10.2011.

Mehr Wert für die Fläche: Das „Ziel-30-ha“ für die Nachhaltigkeit in Stadt und Land. Empfehlungen des Rates für Nachhaltige Entwicklung an die Bundesregierung, texte Nr. 11, Juli 2004. [PDF, 1,1 MB]

Erfolgsfaktoren zur Reduzierung des Flächenverbrauchs in Deutschland. Evaluation der Ratsempfehlungen „Mehr Wert für die Fläche: das Ziel 30 ha“. Studie im Auftrag des Rates für Nachhaltige Entwicklung, texte Nr. 19, Januar 2007. [PDF, 952 KB]

Nationale Nachhaltigkeitsstrategie. Informationen der Bundesregierung.

Meldungen zum Thema

Umweltschützer wollen Flächenfraß mit nachhaltiger Grundsteuer stoppen. News Nachhaltigkeit, 06.04.2011.

„Der Bund muss Vorbild beim Flächensparen werden“ – Interview mit Stephanie Bock, Planungswissenschaftlerin beim Deutschen Institut für Urbanistik. News Nachhaltigkeit, 02.03.2011.

Forscher: Bauen auf der „grünen Wiese“ lohnt nicht. News Nachhaltigkeit, 18.08.2010.

Newsletter-Abo

Interesse an unserem Newsletter? Abonnieren Sie hier die ‚News Nachhaltigkeit‘.