Direkt zum Inhalt springen

"Nachhaltigkeit verpflichtet zu Vernunft und Verantwortung unseres Handelns im sozialen, ökologischen und ökonomischen Bereich."

Michael Vassiliadis, Mitglied des Rates

10.01.2012

Mehr News zum Thema : Energie | Kommunen | Klima | Forschung | Wirtschaft 

Experten: Keine Energiewende ohne energetische Gebäudesanierung

In den kommenden acht Jahren müssen nach Einschätzung der staatlichen KfW-Bankengruppe mindestens 75 Milliarden Euro allein in die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude investiert werden. Diese Summe sei nötig, um Schulen, Sporthallen oder Pflegeeinrichtungen bis zum Jahr 2020 auf das energiespartechnische Niveau eines Neubaus nach der Energieeinsparverordnung 2009 zu bringen, teilte die KfW Anfang Januar mit. Sie beruft sich auf die Ergebnisse einer Studie, die das Bremer Energieinstitut in ihrem Auftrag erstellt hat. „Damit die Energiewende gelingen kann, muss endlich energetisch saniert werden“, erklärte KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch. Kommunal- und Klimaexperten kritisieren das derzeitige staatliche Fördervolumen als viel zu niedrig.

„Nur wenn die Bundesregierung den Energiehunger von Gebäuden eindämmt, kann sie ihre Klimaschutzziele erreichen“, sagt Ulf Sieberg, Energieeffizienzexperte beim Naturschutzbund NABU. In Deutschland verbrauchten Gebäude 40 Prozent der Energie und verursachten rund ein Drittel der CO2-Emissionen. Um sie zu senken, müsse die Politik mehr und ehrgeizigere Sanierungen anreizen. Den in der KfW-Studie angesetzten Investitionsbedarf hält der NABU-Experte jedoch für „deutlich zu hoch“. Die Autoren hätten die durch Sanierungen sinkenden Energiekosten nicht aufgerechnet. „Auch volkswirtschaftliche Effekte durch Arbeit und Beschäftigung für Industrie und Handwerk und die dadurch steigenden Steuereinnahmen bleiben unberücksichtigt.“

Nach Einschätzung Siebergs ist die energetische Sanierung kommunaler und privater Gebäude zwar nicht zum Nulltarif zu haben. „Die Investitionen kommen aber durch Energieeinsparungen zum Großteil wieder rein und dienen dem Klima“. Deswegen sei es wichtig, Privatleute ebenso wie Kommunen bei der Finanzierung energetischer Sanierungen zu unterstützen. Die KfW bietet ihnen dazu verbilligte Darlehen an. Für die Jahre 2012 bis 2014 stehen jährlich 1,5 Milliarden Euro bereit. Zu wenig, findet nicht nur der NABU, sondern ebenso der Deutsche Städtetag, der fordert, die Förderung „bundesweit auf mindestens fünf Milliarden Euro zu erhöhen“. Diese Summe nennt auch die Deutsche Energie-Agentur. Andernfalls sei die von der Bundesregierung angestrebte und nötige Verdoppelung der Sanierungsrate auf zwei Prozent nicht zu bewerkstelligen.

„Die Mehrzahl der deutschen Kommunen ist zwingend auf Fördermittel angewiesen, um Klimaschutzprojekte umzusetzen“, bestätigt Cornelia Rösler, Leiterin des Bereichs Umwelt beim Deutschen Institut für Urbanistik. Vielen Stadtoberen sei der Klimaschutz ein Anliegen. Doch oft fehlten ihnen die Mittel dazu. Finanzierungsprobleme hätten vor allem Nothaushalts- und Haushaltssicherungskommunen. Bei ihnen stehe die Annahme von Krediten – auch wenn diese zinsreduziert sind – unter dem Vorbehalt der Aufsichtsbehörden. „Diesen Kommunen könnten revolvierende Fonds helfen“, sagt Rösler. Die durch die damit finanzierten Sanierungen eingesparten Energiekosten flössen solange in den Fonds zurück, bis die Investitionen abbezahlt sind. Allerdings brauche dieser Fonds zunächst ein entsprechendes Startkapital.

Staatliches Geld allein, sagt NABU-Experte Sieberg, reiche nicht aus, um die Sanierungsquote zu steigern und die nötige Sanierungsqualität zu erreichen. „Wir brauchen eine Strategie des Förderns und Forderns.“ Wenn die Bundesregierung es ernst meine, müsse sie einerseits ausreichende, haushaltsunabhängige Fördermittel bereitstellen. Die entstehenden Kosten dürften jedoch nicht allein auf den Steuerzahler abgewälzt werden. „Wo notwendige Investitionen in den Klimaschutz ausbleiben, brauchen wir ein klügeres, sozial ausgeglichenes Ordnungsrecht, das private Investoren ins Boot holt.“ Gegen beides sperre sich die Bundesregierung aber noch – womit sie ihre Vorbildfunktion verletze. Das schade nicht nur dem Klima. „Die Chance, technischen Fortschritt durch Einsatz innovativer Produkte zu beschleunigen, wird ebenfalls vertan.“

Meldungen zum Thema

Nachhaltigkeit: Kommunale Spitzenpolitiker fordern Unterstützung vom Bund. News Nachhaltigkeit, 15.12.2011.

„Deutschland fehlt eine Energieeffizienzpolitik“ – Interview mit dem Berliner Energieexperten Hans-Joachim Ziesing. News Nachhaltigkeit, 21.09.2011.

Newsletter-Abo

Interesse an unserem Newsletter? Abonnieren Sie hier die ‚News Nachhaltigkeit‘.