06.10.2011
Europäische Nachhaltigkeitsräte betonen großen Nutzen „grüner“ Wirtschaft
Die kommenden Sommer im brasilianischen Rio de Janeiro angesetzte Weltkonferenz über nachhaltige Entwicklung bietet nach Einschätzung des European Environment and Sustainable Development Advisory Councils EEAC eine „einmalige Gelegenheit“, die nachhaltige Entwicklung weltweit voranzutreiben. Das lässt sich einer Erklärung des EEAC entnehmen, die Mitte September auf dessen Jahrestagung im polnischen Wrocław vorgestellt wurde. Das EEAC verbindet 26 Nachhaltigkeits- und Umwelträte aus 16 europäischen Ländern, unter ihnen den Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) der Bundesregierung. In ihrer gemeinsamen Erklärung machen sich die Räte für die „Green Economy“ stark, den Wandel zu einer an den Grundsätzen nachhaltiger Entwicklung orientierten Wirtschaft, einem der Leitthemen der Weltnachhaltigkeitskonferenz 2012. Die „Green Economy“, heißt es in dem Papier, könne viele Probleme nicht-nachhaltiger Entwicklungen lindern. Von Wirtschaft und Politik fordern die Räte mehr Unterstützung.
Nach Einschätzung der europäischen Umwelt- und Nachhaltigkeitsräte muss das Konzept der „Green Economy“ mehr als der schlichten Ersetzung eines Wirtschaftsmodells durch ein anderes sein. Sie müsse vielmehr auf den Prinzipien nachhaltiger Entwicklung gründen und wirtschaftlichen Erfolg mit sozialem und ökologischem Ausgleich verbinden. „Nachhaltigkeit sollte zum zentralen Organisationsprinzip von Regierungen werden“, fordert der EEAC. Nationale Steuerpolitik sollten an Nachhaltigkeitserfordernissen ausgerichtet werden und langfristige Politikstrategien, insbesondere die Nachhaltigkeitsstrategie der Europäischen Kommission, dem Leitbild klarer Rechnung tragen. „Lebensfähig, greifbar und glaubwürdig“ könne die Idee einer „grünen“ Wirtschaft nur sein, wenn sie den gesellschaftlichen Nutzen des Wandels an erste Stelle stelle.
Einen unmittelbaren Nutzen dieser Transformation zu nachhaltigeren Wirtschaftsweisen sieht der EEAC in der Bewältigung drängender globaler Probleme wie dem Klimawandel. Das Konzept bürge ebenso für die Schaffung „neuer und anständiger Jobs im großen Maße“, etwa durch den Ausbau erneuerbarer Energien oder die Entwicklung von Nachhaltigkeitstechnologien. Beispiele aus Europa belegten das. In Deutschland arbeiteten 2010 367.000 Menschen in der Erneuerbaren-Energien-Branche; Tendenz weiter steigend. Wirtschaftswachstum und Umweltschutz gegeneinander auszuspielen, heißt es in der EEAC-Erklärung, sei „nicht mehr zeitgemäß“. Durch mehr internationalen Austausch guter Praxisbeispiele könnten Entwicklungs- und Schwellenländern ebenfalls von der notwendigen Transformation profitieren.
Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, sagt, für den Wandel zur „Green Economy“ sei mehr Engagement der Wirtschaft und ein tatkräftigerer Staat nötig. Der RNE hat die EEAC-Jahreskonferenz mitorganisiert. Laut Bachmann geht es beim Wandel zur „Green Economy“ vorrangig nicht um staatliche Regulierungen und Vorgaben. Es müssen Interessenkonflikte benannt und geklärt werden. Einige Entwicklungs- und Schwellenländer haben wiederholt Bedenken am Konzept einer „grünen“ Wirtschaft geäußert. Sie befürchten, dass die reicheren Länder ihre Märkte durch höhere Umweltstandards abschotten und dies mit Nachhaltigkeitszielen begründen. „Diese Ängste müssen wir ernst nehmen“, sagt Bachmann. Die armen Länder bräuchten Unterstützung beim Wandel. Gleichzeitig müsse die Weltgemeinschaft kommendes Jahr in Rio klar machen, dass die „Green Economy“ keinen weiteren Aufschub erduldet: „Weitere Verzögerungen bezahlen wir mit höheren Risiken.“
Weiterführende Informationen
UNCSD Rio20plus: The „Green Economy” Agenda in the context of SD – Institutional Framework for SD at national level. EEAC-Statement and Backgroundpapers with national and regional good practice examples on a green(er) economy. EEAC-Erklärung, September 2012. [PDF, 1 MB]
EEAC-Tagung, 15. bis 16. September, Wrocław. Programm und Präsentationen.
Meldungen zum Thema
UN: Ärmste Länder besser aufgestellt für „grüne“ Wirtschaft als Industriestaaten. News Nachhaltigkeit, 17.05.2011.
UN-Berichte vor Rio-Gipfel 2012: Staaten uneins über Green Economy. News Nachhaltigkeit, 25.01.2011.
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