17.05.2011
Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen soll Klima schonen
Der Deutsche Fußball Bund (DFB) stärkt sein Nachhaltigkeitsengagement und will in den kommenden zweieinhalb Jahren zwei Millionen Euro für sozial-ökologische Projekte ausgeben. Das teilte der DFB Ende April mit. Das Klima und die Umwelt möglichst wenig belasten soll besonders die diesjährige Frauenfußball-Weltmeisterschaft. Sie wird ab dem 26. Juni in Deutschland ausgetragen. Der DFB und das FIFA-WM-Organisationskomitee haben dazu das Nachhaltigkeitskonzept Green Goal 2011 entwickelt. In dessen Rahmen wird in den neun deutschen WM-Arenen unter anderem ein Umweltmanagementsystem eingeführt. Bei anderen Großveranstaltungen verringerten solche Umweltmanagementsysteme den Energieverbrauch bereits erheblich.
Mit „Green Goal 2011“ knüpft der DFB an das Umweltprogramm der Männer-Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an, die ebenfalls in Deutschland stattfand. Verbandsangaben zufolge wurden damals 100.000 Tonnen CO2 durch Investitionen in Klimaschutzprojekte kompensiert. Berücksichtigt wurden allerdings nur die Emissionen, die durch Reisen der WM-Gäste innerhalb Deutschlands entstanden. „Dieses Jahr werden auch Emissionen kompensiert, die durch An- und Abreise internationaler Gäste entstehen“, sagt Daniel Bleher vom Öko-Institut. Das Öko-Institut berät den DFB zu Umweltthemen und hat das Konzept für „Green Goal 2011“ mitentwickelt. Bleher geht davon aus, dass durch An- und Abreisen während der Frauen-WM insgesamt 40.000 Tonnen CO2 anfallen. Deren Auswirkungen sollen durch Klimaschutzprojekte in Afrika gemildert werden, die den hohen Qualitätsanforderungen des sogenannten Gold Standards genügen.
Als wichtigste Weiterentwicklung des Umweltkonzepts gegenüber 2006 nennt Bleher die Einführung des Umweltmanagementsystems „Ökoprofit“ in den neun WM-Stadien. Vorgesehen ist unter anderem, die Mitarbeiter in den Stadien für Mülltrennung und für das Stromsparen zu gewinnen. Außerdem wird die Gebäudetechnik in den WM-Arenen auf den neuesten Stand gebracht. „Dadurch können die Stadien künftig effizienter geheizt und beleuchtet werden“, so Bleher.
Bei anderen Großveranstaltungen wie den Evangelischen Kirchentagen gelang es mithilfe von Umweltmanagementsystemen, den Energieverbrauch drastisch zu drosseln. Die Evangelischen Kirchentage werden seit 2007 nach dem von der Europäischen Union entwickelten Umweltmanagementsystem EMAS zertifiziert, das strengere Anforderungen als Ökoprofit stellt. Oliver Foltin von der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg, die den Kirchentag bei der EMAS-Validierung berät, sagt, der evangelischen Kirche als Veranstalter seien dadurch „Riesenvorteile entstanden“. Demnach verbrauchte der Kirchentag 2005 in Hannover noch 1.198 Megawattstunden Strom, der Kirchentag in Bremen vier Jahre später dagegen 45 Pozent weniger – „bei konstanter Teilnehmerzahl“, so Foltin.
Der Volkswirt findet viel Lob für das Green Goal-Konzept 2011. Mit der Einführung von Ökoprofit seien auch nach der WM „kontinuierliche Umweltverbesserungen“ in den Stadien gewährleistet, wenn das System ernsthaft weiterverfolgt wird. „Sehr begrüßenswert“ sei auch die Zertifizierung der CO2-Kompensationsprojekte nach dem Gold Standard und dass der DFB sich mit dem Öko-Institut „einen kompetenten Partner“ an Bord geholt habe. Für die Ernsthaftigkeit des DFB-Nachhaltigkeitsengagements sprechen Foltin zufolge auch die Einrichtung der Nachhaltigkeitskommission und der Wille, Geld für die Nachhaltigkeit in die Hand zu nehmen.
Der DFB will mit den zwei Millionen Euro für die Förderung der Nachhaltigkeit unter anderem Kampagnen und Projekte zum Umweltschutz, zur Bildung und zur Integration anstoßen oder fortführen. 2013 will er außerdem seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht vorlegen. Alexandra Hildebrandt, die in der DFB-Nachhaltigkeitskommission mitarbeitet, sagt ihr Verband wolle nun auch Sponsoren stärker in sein Nachhaltigkeitsengagement einbinden, etwa über gemeinsame Projekte zur gesunden Ernährung. „Geld gegen Logo“, zitiert Hildebrand den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, „reicht heute nicht mehr“.
Weiterführende Informationen
Zwei Millionen Euro für die Nachhaltigkeit im Fußball. Pressemitteilung des DFB, 27.04.2011.
DFB-Nachhaltigkeitskommission nimmt Arbeit auf. Pressemitteilung DFB, 14.01.2011.
Mitglieder der Kommission Nachhaltigkeit beim DFB.
Green Goal 2011: Frauen-WM für Umweltschutz. Pressemitteilung DFB, 02.02.2011.
Green Goal 2011. Informationen des Weltfußballverbands FIFA.
Green Goal 2011: effektives Umweltmanagement in allen WM-Stadien. Pressemitteilung des Öko-Instituts, 03.11.2010.
Arbeitsschwerpunkte und Publikationen von Oliver Foltin. Informationen auf der Website der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft, Heidelberg.
Leitfaden – Einführung eines Energie- und Umweltmanagementsystems bei nationalen und internationalen Großveranstaltungen. Broschüre des Bundesumweltministeriums, April 2009. [PDF, 6,1 MB]
Leitfaden für die nachhaltige Organisation von Veranstaltungen. Broschüre des Bundesumweltministeriums, November 2010. [PDF, 350 KB]
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