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"Die Ausgewogenheit von Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung kann nur in Zusammenarbeit zwischen Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und jedem Einzelnen gelingen."

Vera Gäde-Butzlaff, Mitglied des Rates

06.04.2011

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Vorstoß für Transparenz: Puma kalkuliert Umweltkosten in Gewinn- und Verlustrechnung

Der Sportartikelkonzern Puma will für das Geschäftsjahr 2010 eine Umwelt-Gewinn- und Verlustrechnung vorlegen. Entsprechende Pläne gab der französische Puma-Eigentümer PPR am 21. März bekannt. Von der um „grüne“ Aspekte erweiterten Ertragsrechnung, die Puma im zweiten Quartal veröffentlichen will, erwartet das Unternehmen aus dem fränkischen Herzogenaurach mehr Klarheit über die negativen Umweltfolgen seines Geschäfts. Nach eigenen Angaben bilanziert Puma Umweltkosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette – beispielsweise die Kosten der CO2-Emissionen beim Warentransport aus asiatischen Ländern. „Es sollen die Effekte visualisiert werden, die wir bislang als Geschenk betrachten“, zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Vorstellungen des scheidenden Puma-Chefs Jochen Zeitz. Der Umweltgedanke solle künftig „in vollem Umfang“ Berücksichtigung finden, erklärt das Unternehmen. Aus den neuen Daten wolle es, wo nötig, Konsequenzen ziehen.

Puma teilte auf Anfrage mit, dies könne bedeuten, Lieferanten zu wechseln, die in sehr trockenen Landstrichen ohne ausreichend Wasser produzieren oder mit Zulieferern zusammenzuarbeiten, die technologisch so aufgestellt sind, dass sie die Umwelt mit ihrer Produktion möglichst nicht belasten. Zeitz sagte der Financial Timers Deutschland (FTD), die Ergebnisse der Umweltrechnung könnten auch dazu führen, „in dem einen oder anderen Fall wieder lokaler zu produzieren“. Er räumte ein, dass in die Bilanz zunächst nur einige Schlüsselkriterien eingerechnet würden und die erste Aufstellung „sicher viel Kritik hervorrufen wird“. Der Puma-Vorstandsvorsitzende sprach sich gegenüber dem Blatt für gesetzliche Vorgaben zur Umwelt-Gewinn- und Verlustrechnung aus. Nötig seien „branchenübergreifende Lösungen“ mit weltweiter Gültigkeit. In einem Interview mit der Zeitung Der Tagesspiegel, sprach sich Zeitz für einen Nachhaltigkeitskodex für die Wirtschaft aus. Er beteiligte sich außerdem mit einer Stellungnahme am „Dialog Deutscher Nachhaltigkeitskodex“ des Rates für Nachhaltige Entwicklung.

Für seine Zukunftsstrategie wurde Puma im November 2010 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Puma kompensiert seit dem vergangenen Jahr seine CO2-Emissionen und hält seine größten Zulieferer zur Erstellung eigener Nachhaltigkeitsberichte an. Den neuen Vorstoß zur Berechnung der Öko-Kosten begründet das Unternehmen mit dem „dringenden Wunsch“, seine Einwirkung auf gefährdete Ökosysteme „so umfassend und genau wie möglich zu ermitteln“. Bei der Kalkulation hat Puma mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers und dem auf die Berechnung von Umweltkosten spezialisierten Beratungsunternehmen TruCost zusammengearbeitet.

Nach Einschätzung eines Sprechers des Bundesverbands der Deutschen Sportartikel-Industrie steht Puma mit seinem Nachhaltigkeitsengagement „bei Weitem nicht allein“. Das Bewusstsein der Branche für die Nachhaltigkeit sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Ausdruck findet das dem Sprecher zufolge beispielsweise in der zunehmenden Nachhaltigkeitsberichterstattung deutscher Sportartikelhersteller oder in Initiativen wie der Pumas oder der adidas-Gruppe. Der Puma-Wettbewerber adidas hatte sich im März verpflichtet, Umweltfolgen der konventionellen Baumwollproduktion für seine Ware zu verringern. Ab 2018 will das Unternehmen nur noch Baumwolle der „Better Cotton Initiative“ nutzen und so den Wasser- und Pestizideinsatz im Baumwollanbau senken. 

Über einen nachhaltigkeitsorientierten Umbau von Untenehmen wird Zeitz auch auf der 11. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung sprechen. Auf einem der Meinungsplätze der Konferenz stellt er sich gemeinsam mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen Fragen aus dem Publikum. Die Jahreskonferenz des Rates findet am 20. Juni in der Berliner Veranstaltungshalle Tempodrom statt und steht unter dem Motto „…und was bedeutet Nachhaltigkeit? Der Meinungsplatz“.

Weiterführende Informationen

PPR Group’s Sustainability Initiative PPR HOME to Set New Standard in Luxury, Sport & Lifestyle and Retail Sectors. Pressemitteilung des französischen Puma-Eigners PPR, 21.03.2011.

Pumas grüner Weg. Die Öko-Rechnung. Meldung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 26.03.2011.

Grüne Gewinn- und Verlustrechnung. Puma legt Umwelt-Kosten offen. Meldung der Financial Times Deutschland, 24.03.2011.

Puma-Chef Zeitz: „Wir müssen unser Wirtschaftsmodell ändern“. Interview mit Jochen Zeitz in der Tageszeitung „Der Tagesspiegel“, 05.04.2011.

Dialog „Deutscher Nachhaltigkeitskodex“. Projektwebsite des Rates für Nachhaltige Entwicklung.

Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2010 für Deutsche See, PUMA, LichtBlick und REWE. Pressemitteilung des Büros des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, 26.11.2010. [PDF, 44 KB]

Website des Bundesverbands der Deutschen Sportartikel-Industrie.

adidas Gruppe stellt Umweltstrategie vor und kündigt 100% Better Cotton Einsatz bis 2018 an. Pressemitteilung der adidas-Gruppe, 22.03.2011.

„…und was bedeutet Nachhaltigkeit? Der Meinungsplatz“. 11. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung am 20.06.2011, Berlin. Informationen und Anmeldung.

Meldungen zum Thema

Sportartikel-Hersteller verlangen Nachhaltigkeitsberichte von Lieferanten. News Nachhaltigkeit, 09.06.2010

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