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"Neue Technologien sind wichtig für eine nachhaltige Entwicklung. Andere Lebensstile auch."

Prof. Dr. Angelika Zahrnt, Mitglied des Rates

06.04.2011

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Deutsche Unternehmen Nachzügler bei Nachhaltigkeit?

Deutsche Firmen tauchen in zwei bekannten internationalen Rankings zu unternehmerischer Verantwortung nur am Rande auf: Die im März von der US-amerikanischen Denkfabrik Ethisphere Institute publizierte Liste der 110 World’s Most Ethical Companies führt mit dem Sportartikelhersteller Adidas und dem Mischkonzern Henkel lediglich zwei deutsche Unternehmen auf. Schon in den Vorjahren waren deutsche Firmen in dieser Liste kaum vertreten. US-amerikanische Konzerne dominierten. Ein schlechtes Licht fällt auf die deutsche Wirtschaft auch in der Ende Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellten Rangliste der  100 nachhaltigsten Unternehmen der Welt. Mit Adidas, Henkel und der Softwareschmiede SAP fanden nur drei Konzerne Eingang in die vom kanadischen Medienunternehmen Corporate Knights erstellte Liste. Im ersten Ranking 2005 waren noch neun deutsche Konzerne vertreten. Lässt die Nachhaltigkeitsleistung deutscher Unternehmen nach? Experten beurteilen das unterschiedlich. Ein Grund für das schlechte Abschneiden deutscher Firmen sei die Machart der Rankings.

Der Ökonom Rolf Häßler, bei der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Rating-Agentur oekom research AG aus München für die Produktentwicklung zuständig, sieht „klare kulturelle Unterschiede“ zwischen nordamerikanischen und deutschen Rankings. In Nordamerika werde unter guter Unternehmensführung etwas anderes verstanden als in Deutschland. Das spiegele sich in den Rankingergebnissen. oekom research analysiert die Nachhaltigkeitsleistung deutscher  Unternehmen aus verschiedenen Börsenindizes mithilfe branchenspezifischer Bewertungskriterien. Legt man diese Kriterien an den Euro Stoxx50 an, einen Börsenindex, der 50 Aktiengesellschaften der Eurozone versammelt, stammen laut Häßler vier der fünf nachhaltigsten Unternehmen aus Deutschland.

Im angelsächsischen Raum führen viele Unternehmen in ihren Nachhaltigkeitsberichten Sozial- und Umweltleistungen auf, die in Deutschland gesetzlich ohnehin gefordert sind und in Nachhaltigkeitsberichten nicht zur Sprache kommen. Dadurch sind Nachhaltigkeitsqualitäten deutscher Unternehmen im internationalen Vergleich oft weniger sichtbar, was das Abschneiden in internationalen Rankings beeinträchtigt.  Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat auf diesen Umstand  2006 in einer Empfehlung hingewiesen und seine Befürchtung geäußert, dass deutschen Unternehmen durch die unterschiedlichen Auffassungen von CSR im globalen Kontext Wettbewerbsnachteile entstehen könnten. Die hohe Glaubwürdigkeit und gute Ausgangsposition vieler deutscher Unternehmen im  Wettbewerb um Nachhaltigkeitslösungen spiegelten sich im internationalen Diskurs bisher nicht wider, so der Rat.

Nach Ansicht von Klaus Gabriel vom Corporate Responsibility Interface Centers (CRIC) in Frankfurt am Main hängen Qualität und Aussagekraft von Nachhaltigkeitsrankings maßgeblich von sauberen Recherchen und dem zugrundeliegenden Nachhaltigkeitsverständnis ab. Da gebe es „große Unterschiede“, so Gabriel. Unterschiede sieht der Vorsitzende der nach eigenen Angaben größten Investorengemeinschaft zur Förderung ethischer Kapitalanlagen im deutschsprachigen Raum allerdings auch im Verhältnis zwischen Unternehmen und ihren Investoren. Vor allem US-amerikanische Unternehmen seien „sehr um die Gunst ethisch und nachhaltig orientierter Investoren bemüht“ – mehr als deutsche und europäische Wettbewerber. Da aber in Deutschland vor allem institutionelle Investoren zunehmend Wert auf die unternehmerische Nachhaltigkeitsleistung legten, könne sich das bald ändern, so Gabriel.

Henry Schäfer, Lehrstuhlinhaber für Betriebs- und Finanzwirtschaft an der Universität Stuttgart, beschäftigt sich seit 15 Jahren mit internationalen Nachhaltigkeitsrankings und den Rating-Agenturen, die sie erstellen. Das schlechte Abschneiden deutscher Unternehmen hat ihm zufolge mehrere Gründe. Einer sei der in Deutschland relativ kleine Anteil börsennotierter Unternehmen. Da Corporate Knights und Ethisphere nur Aktiengesellschaften untersuchen, „fallen schon viele deutsche Unternehmen mit guter Nachhaltigkeitsleistung durch deren Rost“, weil sie nicht börsennotiert seien. Der Ökonom registriert bei deutschen Unternehmen aber auch mangelndes Nachhaltigkeitsengagement. Viele Chefs, so Schäfer, täten nicht mehr als die deutschen Umwelt- und Sozialgesetze verlangten. Seiner Beobachtung nach ist der Druck auf Unternehmen, „Nachhaltigkeit zum Bestandteil der DNA zu machen“, im angelsächsischen Raum größer. Private Investoren, sagt der Finanzwissenschaftler, spielten dort eine viel größere Rolle bei der Unternehmensfinanzierung. Und die forderten von Unternehmen deutlich mehr Nachhaltigkeitsengagement als Banker auf dem deutschen Kapitalmarkt.

Deutsche Unternehmen, sagt Schäfer, müssten ehrgeiziger werden, um den „exponentiellen Gefahren mangelnder Nachhaltigkeit“ zu begegnen – und um mit ihren internationalen Wettbewerbern mitzuhalten. Denn das „Green Race“ um Anteile auf den „grünen“ Zukunftsmärkten habe längst begonnen. 

Weiterführende Informationen

2011 World's Most Ethical Companies. Rangliste des Ethisphere Institute, 2011.

2011 Global 100 Most Sustainable Corporations in the World. Rangliste 2011 von Corporate Knights.

Corporate Knights Global 100 Most Sustainable Corporations Announced in Davos. Pressemitteilung Corporate Knights 29.01.2011. [PDF, 106 KB]

Unternehmerische Verantwortung in einer globalisierten Welt – Ein deutsches Profil der Corporate Social Responsibility. Empfehlung des Rates für Nachhaltige Entwicklung, texte Nr. 17, September 2006 [PDF, 655 KB]

Forschungsschwerpunkte und Veröffentlichungen von Prof. Dr. Henry Schäfer. Informationen der Universität Stuttgart. 

Kurzlebenslauf von Dr. Klaus Gabriel. Informationen auf der Website des Corporate Responsibility Interface Center (CRIC).

Website der Münchener Rating-Agentur oekom research AG.

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