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"Die Wirtschaft muss beim Thema Nachhaltigkeit vorangehen – technische Innovationen und gesellschaftliche Verantwortung sind gleichberechtigte Schlüssel für unternehmerischen Erfolg."

Dr. Eric Schweitzer, Mitglied des Rates

25.01.2011

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Forscher: städtische Infrastrukturen bald zu groß und zu zentral

Sind die kommunalen Infrastrukturen in Deutschland zukunftsfähig? Lassen sich  die bestehenden Systeme zur Wasserversorgung und -entsorgung oder die Strom- und Wärmenetze nachhaltiger machen? Sind vorhandene Versorgungsstandards noch zeitgemäß? Forscher des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) haben sich im Auftrag der Wüstenrot Stiftung mit diesen Fragen beschäftigt und kommen in einer im Dezember 2010 veröffentlichten Studie zu einem ernüchternden Ergebnis: Die Infrastruktur sei zwar für derzeitige kommunale Bedürfnisse gut gerüstet – doch ob und wie sie mittel- und langfristig weiter entwickelt werden können, sei unklar und finde in der politischen Diskussion um Stadtentwicklung noch zu wenig Beachtung.

„Es wird immer deutlicher, dass die städtischen Infrastrukturen in Deutschland überdimensioniert sind“, sagt Jens Libbe, Hauptautor der Difu-Studie „Infrastruktur und Stadtentwicklung“. Sie seien Produkt des jahrzehntelangen Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums in der Bundesrepublik, ständen heute aber „völlig neuen Rahmenbedingungen“ gegenüber, die ihr Funktionieren gefährdeten. Der Sozialökonom und Volkswirt verweist unter anderem auf den demografischen Wandel und die Folgen einer zahlenmäßig schrumpfenden Bevölkerung für die Wasser- und Abwassernetze. „Diese Netze sind schon heute in vielen Städten nicht mehr ausgelastet“, sagt er. Die Bevölkerung merke das an unangenehmen Gerüchen aus der Kanalisation, die Netzbetreiber an höheren Instandhaltungskosten. „Wenn wir Versorgungssicherheit zu bezahlbaren Preisen wollen, müssen diese Überkapazitäten vielerorts abgebaut werden“, so Libbe.

Handlungsbedarf sieht der Wissenschaftler auch bei der Energieversorgung. Durch Klimawandel und zunehmende Wärmedämmung von Wohnungen werde der Heizbedarf deutlich abnehmen. Gleichzeitig steige der Versorgungsanteil erneuerbarer Energien. „Dadurch werden dezentrale Energieinfrastrukturen wichtiger“, sagt Libbe. Gefragt seien nicht mehr allein große Kraftwerke, sondern mehr kleinere Einheiten vor Ort, die vor allem erneuerbare Energieträger nutzen. Insbesondere den kommunalen Stadtwerken traut Libbe zu, gemeinsam mit den Stadtplanern zentrale und dezentrale Infrastrukturen in Einklang zu bringen. Dazu allerdings sei auch energiepolitische Planungssicherheit nötig. Die kürzlich beschlossene Laufzeitverlängerung für Atommeiler betrachtet Libbe in diesem Zusammenhang als kontraproduktiv. Lücken zwischen dem derzeitigen Infrastrukturangebot und einem künftig geringeren Bedarf sehen die Difu-Forscher auch beim öffentlichen Personennahverkehr, im Gesundheits- und im Bildungssystem.

Um sie zu schließen, muss nach Einschätzung Libbes die „Logik der Stadtplanung umgekehrt werden“. Stadtplaner, Infrastrukturbetreiber, Wohnungswirtschaft und Bevölkerung müssten anfangen, gemeinsame Visionen dafür zu entwickeln, wie eine Stadt in vierzig oder fünfzig Jahren aussehen soll und die Infrastrukturplanung an dieser Vision ausrichten. Im Moment passiere das nur in einigen Pilotprojekten. Potenziale erneuerbarer Energien in den Städten würden noch „zu wenig genutzt“, sagt Libbe. Das gelte auch für die Wärme von Abwässern, die sich für zur Wärmeversorgung von Häusern nutzen ließe. „CO2-freie Städte brauchen mehr als Patchwork-Lösungen“, sagt der Forscher. Nötig seien von großen Teilen der Gesellschaft mitentwickelte und getragene Visionen für kommunale Infrastrukturpläne mit dem Zeithorizont 2050 oder darüber hinaus.

Dass die Menschen in Deutschland sich durchaus nachhaltigere Städte wünschen, zeigt eine Mitte Januar veröffentlichte Repräsentativumfrage des Marktforschungsinstitut Forsa für die Unternehmensberatung Accenture. Vier von fünf Befragten befürworten demnach den raschen Stadtaus- und -umbau hin zu mehr erneuerbaren Energien, zu mehr Energieeffizienz und zu weniger CO2-Emissionen.

Weiterführende Informationen

Städtische Infrastruktur zukunftsgerichtet planen. Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Urbanistik, 16.12.2010.

Deutsches Institut für Urbanistik, Wüstenrot Stiftung (Hrsg.): Infrastruktur und Stadtentwicklung. Technische und soziale Infrastrukturen – Herausforderungen und Handlungsoptionen für Infrastruktur- und Stadtplanung. Edition Difu, Band 10, 2010, 26,00 Euro, ISBN  978-3-88118-483-0.  Bestellung über http://www.difu.de/publikationen

Studie: Deutsche wünschen sich intelligentere Städte. Pressemitteilung Accenture, 18.01.2011.

Meldungen zum Thema

Oberbürgermeister legen Eckpunkte für nachhaltige Kommunalpolitik vor. News Nachhaltigkeit, 13.10.2010.

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