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"Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist die einzige Option für verantwortliches globales Handeln, die unsere Ökosysteme schützt und damit das Überleben künftiger Generationen sichert."

Olaf Tschimpke, stellvertretender Vorsitzender des Rates

22.12.2010

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Bekanntheitsgrad des Leitbildes Nachhaltigkeit hat sich verdreifacht

Immer mehr Deutsche können mit dem Begriff „Nachhaltige Entwicklung“ etwas anfangen: Von rund 2.000 in einer repräsentativen Umfrage angesprochenen Personen gaben 43 Prozent an, von nachhaltiger Entwicklung schon gehört zu haben, und zwar als einem „Leitbild für den Umweltschutz“. Vor wenigen Jahren lag dieser Wert noch bei 13 Prozent. Der Bekanntheitsgrad des Begriffs hat sich binnen zehn Jahren mehr als verdreifacht.  Zu diesem Ergebnis kommt die Studie  Umweltbewusstsein in Deutschland 2010, die das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesumweltministerium (BMU) Mitte Dezember veröffentlicht haben. Den Anstieg führen die Autorinnen Silke Borgstedt und Tamina Christ vom Heidelberger Sinus-Institut sowie Fritz Reusswig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung auf mehrere Faktoren zurück: die zunehmende Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen, die nationale Nachhaltigkeitsstrategie und die Einrichtung des Rates für Nachhaltige Entwicklung. Die Studie zeigt auch, dass die Bundesbürger in Sachen Umweltschutz hohe Erwartungen vor allem an Wirtschaft und Staat richten, weniger aber an sich selbst.

62 Prozent der Befragten vertreten die Ansicht, beim Umwelt- und Klimaschutz müsse sich die Bundesregierung mehr anstrengen. Schärfere Gesetze wünschen sich rund drei Viertel. 89 Prozent halten das Klimaschutzengagement der Industrie für unzureichend. Ebenso viele fordern, Industrie und Energieversorger müssten klimafreundlicher produzieren. Weniger Möglichkeiten, etwas für den Umweltschutz zu tun, sehen die meisten Befragten dagegen bei sich selbst: So antworten zwar 84 Prozent, die Autoindustrie könne mit sparsameren Autos Umwelt und Klima schützen. Dass sie auch selbst durch selteneres oder langsameres Autofahrten zum Umweltschutz beitragen können, glauben laut Umfrage dagegen nur 58 Prozent. Auch sind bisher nur acht Prozent von konventionellen Stromversorgern zu Ökostrom-Anbietern gewechselt – obwohl 85 Prozent sich für einen konsequenten Umstieg auf erneuerbare Energien aussprechen.

Insgesamt messen die Befragten dem Umweltschutz einen hohen politischen Stellenwert zu. Für sie ist es das drittwichtigste Thema, nach der Arbeitsmarkt- und der Wirtschaftspolitik. Das „bekundete Umweltbewusstsein“, so das UBA, schlage sich aber „noch nicht durchgängig in entsprechendem Umweltverhalten nieder“. Auch gebe es „erhebliche milieuspezifische Unterschiede“. Sozial benachteiligte, gelegentlich auch eher konservativ eingestellte Menschen sehen demnach zwar recht deutlich die Notwendigkeit und die Chancen des Umwelt- und Klimaschutzes. Sie handelten aber seltener umweltfreundlich und stellten weniger umweltpolitische Forderungen. Auch liege der Bekanntheitsgrad des Leitbilds der nachhaltigen Entwicklung in einigen Milieus deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 43 Prozent: Von den eher traditionell eingestellten Menschen kannten laut UBA 34 Prozent den Begriff. Bei als sozial schwach einzustufenden Menschen lag dieser Wert bei lediglich 23 Prozent.

Auf eine hohe Zustimmung zu Werten der Nachhaltigkeit, aber ebenso tiefe milieuspezifische Unterschiede, weist auch eine Ende Oktober vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) vorgestellte Studie hin, deren Autoren das Naturbewusstsein von rund 2.000 Deutschen ergründet haben. 89 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen demnach im Naturschutz eine wichtige politische Aufgabe. Auch befürworten sie mehrheitlich die nachhaltige Nutzung der Natur und ihren Erhalt für nachfolgende Generationen. Die Zustimmung fiel dabei desto höher aus, je gebildeter und älter die Befragten waren. Sozial benachteiligte Gruppen vertreten dagegen häufiger die Ansicht, für den Naturschutz würde in Deutschland schon genug getan. Sie weisen auch eine größere persönliche Distanz zur Natur auf. Das BfN wirbt daher für „gezielte Angebote zur Naturerfahrung für sozial benachteiligte Familien“, um ihren Kindern mehr Nähe zur Natur zu vermitteln.

Weiterführende Informationen

Umweltbewusstsein in Deutschland 2010. Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage. Im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes erstellte Studie, Dezember 2010. [PDF, 3,9 MB]

Trotz Finanzkrise: Menschen in Deutschland fordern mehr Umweltschutz. Pressemitteilung des Umweltbundesamtes, 16.12.2010.

Was bedeutet Nachhaltigkeit? Meldung des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, 16.12.2010.

Erste Naturbewusstseinsstudie für Deutschland vorgestellt. Pressemitteilung des Bundesamtes für Naturschutz, 28.10.2010.

Naturbewusstsein 2009 – Bevölkerungsumfrage zu Natur und biologischer Vielfalt. Erhebung des Bundesamtes für Naturschutz, Oktober 2010. [PDF, 2 MB]

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