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"Eine Welt im Gleichgewicht ist seit 1972 für den Club of Rome eine Notwendigkeit – für unsere Arbeit im Nachhaltigkeitsrat die Herausforderung."

Max Schön, Mitglied des Rates

24.11.2010

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Geteiltes Echo auf „Forschungsstrategie Bioökonomie“ der Bundesregierung

Das Bundeskabinett hat am 10. November die 2,4 Milliarden Euro schwere Nationale Forschungsstrategie Bioökonomie 2030 beschlossen. Mit der Forschungsstrategie soll die industrielle Produktion in Deutschland zu einer „am natürlichen Stoffkreislauf orientierten bio-basierten Wirtschaft“ umgebaut werden, die mit „Technologie und Ökologie im Einklang“ steht. Die Bundesregierung erhofft sich von dem Milliardenprogramm Beiträge zur nachhaltigeren Rohstoff- und Energieversorgung und Lösungen im Kampf gegen Hunger und Klimawandel, außerdem Impulse für Wachstum und Beschäftigung. Fördern will sie unter anderem Forschungen zu Erdöl-Alternativen, zur industriellen Nutzung von Biomasse oder Zuchtprogramme zur Anpassung von Pflanzen an den Klimawandel. Bio- und Umweltverbände kritisieren die Ausrichtung der Forschungsstrategie und deren Zustandekommen. Die Chemie- und Agrarwirtschaft dagegen lobt das neue Programm, es eröffne der Landwirtschaft völlig neue Perspektiven. Zufrieden zeigt sich auch der deutsche Bioökonomierat, der die Bundesregierung bei der Strategieentwicklung beraten hat.

Die neue Forschungsstrategie, lobt Reinhard Hüttl, Vorsitzender des Bioökonomierats und Chef des Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam, sei ein „wichtiger Meilenstein für den notwendigen Strukturwandel in der deutschen Forschungs- und Wirtschaftslandschaft“. Die Bundesregierung reagiere damit auf die wachsende globale Bedeutung biologischer Ressourcen. Zu den 17 ständigen Mitgliedern des 2009 von der Bundesregierung berufenen Bioökonomierats zählen unter anderem Wissenschaftler verschiedener Disziplinen und Vertreter von Unternehmen der Bioökonomie-Branche. Umweltverbände sind in dem Gremium nicht vertreten. Ihr erstes Gutachten mit dem Titel Innovation Bioökonomie legten die Regierungsberater Anfang September vor. Sie werben darin für eine Steigerung der Ertragsmengen von Biomasse in Deutschland und eine effizientere Nahrungsmittel- und Energieproduktion. Wissenschaft und Wirtschaft müssten dazu enger zusammenarbeiten, die Politik sie mit einer langfristigen und ergebnisorientierten Forschungsstrategie stützen.

Positiv bewertet die nun beschlossene Forschungsstrategie unter anderem die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB), eine Interessenvertretung der Biotechnologieunternehmen im Verband der Chemischen Industrie. Die Bioökonomie, so DIP-Vorsitzender Stefan Marcinowski, biete Chancen für alternative Energieträger und die Versorgung der Industrie mit biobasierten Rohstoffen und eröffne der Landwirtschaft „völlig neue Perspektiven“. Die Politik muss nach Ansicht des BASF-Vorstandsmitglieds aber noch rasch einige „Innovationshemmnisse“ beseitigen und Genehmigungsverfahren für gentechnisch veränderte Organismen und Produkte „erheblich beschleunigen“. Zustimmung bekundet auch der Deutsche Bauernverband. Es sei wichtig, so dessen Generalsekretär Helmut Born, jetzt die Menschen in Deutschland für die Bioökonomie zu begeistern und „wissenschaftsfeindliche Tendenzen in der Bevölkerung zu überwinden“. Born, der ebenso wie Marcinowski zu den ständigen Mitgliedern des Bioökonomierates zählt, versichert, dass die „Bioökonomie der Nachhaltigkeit höchste Priorität einräumt“. 

Daran zweifelt Steffi Ober, Referentin für Agrogentechnik und Biodiversität beim Naturschutzbund Deutschland (NABU). Lösungsansätze zur Bewältigung neuer Landnutzungskonflikte infolge eines forcierten Biomasse-Anbaus etwa tauchten in der Forschungsstrategie nicht auf, sagt sie und fordert: „Wer mehr Biomasse anbauen will, muss auch sagen, wo dann Nahrungspflanzen angebaut werden sollen“. Sie beanstandet, dass bei der Ausarbeitung der Forschungsstrategie weder Umweltexperten, noch Sozialwissenschaftler oder das Parlament gehört wurden. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, eine Interessenvertretung der deutschen Bio-Branche, kritisiert, dass die Bundesregierung mit ihrer Forschungsstrategie die Gentechnik- und Agrarindustrie bei der Produktentwicklung unterstützt. „Das sollten diese Unternehmen selber können“, meint Löwenstein. Dass der Bund gleichzeitig beabsichtige, das bislang mit 16 Millionen Euro ausgestattete Bundesprogramm Ökologischer Landbau für andere Formen der Landwirtschaft zu öffnen, kommt laut Löwenstein der „Abschaffung dieses Forschungsprogramms durch die Hintertür“ gleich und sei angesichts der Milliardenförderung für die Bioökonomie „ein Skandal“.

Zukunftsmarkt Bioökonomie

Unter Bioökonomie versteht die Bundesregierung die nachhaltige Nutzung von biologischen Ressourcen wie Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen. Die Bioökonomie gilt als weltweiter Wachstumsmarkt und beschäftigt nach Angaben des Bioökonomierats heute europaweit 22 Millionen Menschen. Laut Bundesregierung erwirtschafteten die rund 530 Unternehmen der deutschen Biotechnologie-Branche 2009 rund 2,2 Milliarden Euro. Schwerpunkte der deutschen Forschungsstrategie liegen auf der Lebensmittel- und Agrarproduktion, auf der industriellen Nutzung nachwachsender Rohstoffe und der Erforschung von Biomasse als Energieträger und industrieller Grundstoff. Nach Schätzungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) könnten bioökonomische Produktionsverfahren bis 2030 mit bis zu 2,7 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Industrieländer beitragen. Schon 2015, heißt es in einer im vergangenen Sommer veröffentlichten OECD-Studie, würde voraussichtlich die Hälfte der wichtigsten Lebens- und Futtermittel weltweit mit ihrer Hilfe entwickelt.

Weiterführende Informationen

Nationale Forschungsstrategie Bioökonomie 2030. Unser Weg zu einer bio-basierten Wirtschaft. Forschungsstrategie der Bundesregierung, November 2010. [PDF, 3,4 MB]

Bundesregierung stärkt die bio-basierte Wirtschaft. Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, 10.11.2010.

Alles Bio. Meldung der Bundesregierung, 10.11.2010.

Daten und Fakten zur Bioökonomie. Informationen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

biotechnologie.de. Informationsplattform des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

„Innovation Bioökonomie“: Bioökonomierat übergibt Gutachten an die Politik. Pressemitteilung des Bioökonomierates, 08.09.2010.

Innovation Bioökonomie. Gutachten des Bioökonomierates, September 2010. [PDF, 1,6 MB]

Bioökonomierat begrüßt „Nationale Forschungsstrategie Bioökonomie“ der Bundesregierung. Pressemitteilung des Bioökonomierates, 10.11.2010.

DBV: Wissenschaftsstandort Deutschland erhält neuen Schwerpunkt Bioökonomie. Pressemitteilung des Deutschen Bauernverbandes, 11.11.2010.

DIB hält Rohstoffwandel durch Bioökonomie für möglich. Pressemitteilung der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie, 10.11.2010.

Website des Naturschutzbunds Deutschland.

Koalition bekämpft den Öko-Landbau. Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, 11.11.2010.

The Bioeconomy to 2030: designing a policy agenda. Studie der OECD, Zusammenfassung, Juni 2009. [PDF, 2,2 MB]

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