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"Die Städte werden in Zukunft noch stärker Zentren technologischer und gesellschaftlicher Innovationen sein. Umso wichtiger sind die Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung unserer Städte."

Dr. Wolfgang Schuster, Mitglied des Rates

13.09.2010

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Nachhaltigkeitsstrategie und Arbeitspolitik: Stiftung fordert Neuausrichtung

Erfolge und Misserfolge in der Arbeitspolitik misst die nationale Nachhaltigkeitsstrategie Deutschlands mit einem Indikator: der Erwerbstätigenquote, also dem Anteil der Menschen mit Jobs. Nach Auffassung der Berliner Denkfabrik „stiftung neue verantwortung“ (snv) wird dies den Anforderungen an die Nachhaltigkeitsstrategie  jedoch nicht gerecht. Eine Vorgabe für moderne Arbeitspolitik müsse sich an der „Vision einer nachhaltigen Gesellschaft ausrichten“, kritisieren Cordula Drautz und Tobias Leipprand, Fellows der Stiftung. Der bisher verwendet Indikator reiche zur Messung nicht aus. Wie Arbeitspolitik und Nachhaltigkeit ihrer Ansicht nach in Einklang gebracht werden könnten, erläutern die beiden Politikwissenschaftler anlässlich des am 27. September beginnenden Bürgerdialogs der Bundesregierung über die Fortschreibung der Nachhaltigkeitsstrategie in einem Essay für das Wirtschaftsmagazin „enorm“. Bislang, so ihre Analyse, halte die Strategie in Sachen Arbeitspolitik noch an „überalterten Welt- und Rollenbildern“ fest. 

„Die nationale Nachhaltigkeitsstrategie hat den seit Jahrzehnten voranschreitenden Wandel in Arbeitswelt und Gesellschaft bis jetzt nicht nachvollzogen“, sagt der ehemalige McKinsey-Berater Leipprand. Beschäftige schauen seiner Beobachtung nach heute nicht mehr nur aufs Gehalt, sondern suchen im Job Sinn, Anerkennung und Freiräume. Arbeitgeber müssten sich darauf im schärfer werdenden Kampf um die besten Köpfe einstellen, hätten in den vergangenen Jahren jedoch in erster Linie mit flexibilisierten Arbeitsverhältnissen auf den steigenden Wettbewerbsdruck reagiert. „Das hat Jobs geschaffen“, sagt Leipprand, „aber zum Preis größerer Lohnungleichheit und eines zunehmenden Qualifikationsgefälles“. Die hinter diesen Entwicklungen stehenden, teils gegensätzlichen Ansprüche von Arbeitnehmern und Arbeitgebern greife die Strategie aber bis heute nicht auf. „Sie verspielt die Chance, sie ins Gleichgewicht zu bringen.“

Eine nachhaltige Arbeitspolitik für das 21. Jahrhundert muss Cordula Drautz zufolge drei Hürden überwinden: „Zunächst muss sie die wachsende Lohnungleichheit stoppen“, sagt Drautz. Sonst ließen sich weder der gesellschaftliche Zusammenhalt noch die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands garantieren. Zweitens müsse eine moderne Arbeitspolitik dem absehbaren Fachkräftemangel begegnen. Politik und Unternehmen stimmen laut Drautz „zwar gerne ins Mantra des ‚Lebenslangen Lernens’ ein“, hätten aber keine Strategien zur Weiterbildung Geringqualifizierter oder für eine einheitliche Weiterbildungslandschaft. Schließen könnte diese Kluft zwischen Anspruch und Realität nach ihrer Ansicht ein umlagefinanzierter Weiterbildungsfonds.

Die Wissenschaftler der Berliner Stiftung, zu deren Kuratoren Michael Vassiliadis, Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung zählt, werben außerdem für eine grundsätzliche Neubewertung von Arbeit und ihrer monetären Würdigung. Nicht jeder verdiente Euro habe den gleichen Mehrwert für die Gesellschaft, sagt Drautz. Kindergärtnerinnen oder Arbeiter in der Recyclingbranche etwa erwirtschafteten durch ihre Tätigkeit erhebliche Mehrwerte für die Gesellschaft, kämen aber nur auf Bruchteile des Einkommens eines Investmentbankers, dessen Arbeit wenig gemeinnützige Wirkung habe. „Die in Gehältern ausgedrückte Wertigkeit von Arbeit“, heißt es in dem Essay dazu, „entspricht selten dem Anspruch auf Nachhaltigkeit.“

Eine Chance, diese drei Hürden zu überwinden, sehen Drautz und Leipprand im Modell des „persönlichen Entwicklungskontos“. Arbeitnehmer könnten darauf Zeit-Guthaben ansparen und es später für Weiterbildungen oder Existenzgründungen, Familienzeiten oder ehrenamtliches Engagement abheben. „Die klassische Sozialversicherung würde so um eine persönliche Perspektive erweitert“, sagt Leipprand. Entwicklungskonten ermöglichten zeitweise Mehr- oder Minderarbeit, schafften so Freiräume für Arbeitnehmer und Arbeitgeber und entschärften aus unsicheren Einkommen oder befristeten Arbeitsverträgen resultierende Risiken.

Die Fortschreibung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie

Die Bundesregierung will ihre nationale Nachhaltigkeitsstrategie weiterentwickeln. Den Startschuss für die von der Bundesregierung angestrebte öffentliche Debatte um die Fortschreibung der Strategie wird Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung am 27. September in Berlin geben. Die Bundesregierung bietet unter anderem einen „Bürgerdialog“ im Internet an: Unter www.dialog-nachhaltigkeit.de können Bürgerinnen und Bürger vom 27. September bis zum 14. November ihre Ideen, Forderungen und Standpunkte in die Vorarbeiten für einen Fortschrittsbericht zur Nachhaltigkeitsstrategie einfließen lassen. Ein Entwurf soll im kommenden Sommer fertig sein und seinerseits zur öffentlichen Diskussion gestellt werden. Auch Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialverbände oder wissenschaftliche Institutionen sind aufgerufen, ihre Expertise in die Fortschreibung einzubringen. 

Weiterführende Informationen

Arbeit Autonomie, Anerkennung. Beitrag der stiftung neue verantwortung zur Diskussion um die Weiterentwicklung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie im Wirtschaftsmagazin „enorm", September 2010.

Website der stiftung neue verantwortung.

Nationale Nachhaltigkeitsstrategie. Informationen der Bundesregierung.

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