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"Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist die einzige Option für verantwortliches globales Handeln, die unsere Ökosysteme schützt und damit das Überleben künftiger Generationen sichert."

Olaf Tschimpke, stellvertretender Vorsitzender des Rates

12.08.2010

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Nachhaltigkeitsstrategie: Fortschritte bei Bildung, Stillstand bei Ressourcen

Das Statistische Bundesamt hat Ende Juli den Indikatorenbericht 2010 zur nachhaltigen Entwicklung in Deutschland vorgelegt. Die Bestandsaufnahme zeigt, inwieweit die jüngsten ökologischen, ökonomischen und sozialen Entwicklungen in der Bundesrepublik den von der Bundesregierung in der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie gesetzten Zielen entsprechen. Gegenüber dem Vorgängerbericht aus dem Jahr 2008 verzeichnet die neue Analyse einige Fortschritte in der deutschen Nachhaltigkeitspolitik: 19 der 35 untersuchten Nachhaltigkeitsindikatoren weisen demnach in die richtige Richtung. Nur in einem Fall, bei der Staatsverschuldung, gab es in Folge der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise erhebliche Rückschritte gegenüber 2008.

Ihren Nachhaltigkeitszielen näher gekommen ist die Bundesregierung dem Bericht zufolge insbesondere im Bildungswesen. Vier Indikatoren weisen hier eine Verbesserung gegenüber dem Vorgängerbericht aus dem Jahr 2008 auf. So sank der Anteil der 18- bis 24-jährigen ohne Schul- oder Berufsabschluss. Auch erreichten mehr ausländische Schulabgänger ein Abschlusszeugnis. Gleichzeitig stiegen der Anteil der 25-jährigen mit Hochschulabschluss und die Quote der Studienanfänger. 2009 lag sie mit 39,8 Prozent nur knapp unter der für 2010 angestrebten Zielmarke von 40 Prozent. Dies sei eine „besonders positive“ Entwicklung, sagte Bundesminister Ronald Pofalla, da die Statistiker 2008 noch einen gegenläufigen Trend verzeichnet hätten. Der Chef des Kanzleramts und Vorsitzende des Staatssekretärssauschusses für nachhaltige Entwicklung hatte den Indikatorenbericht im Namen der Bundesregierung entgegengenommen.

Gemessen an ihren Zielen gut aufgestellt ist die Bundesregierung laut Bericht beim weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Vorgaben für 2010 seien bereits „deutlich überschritten“ worden, heißt es in der Analyse. Auch die neu gesetzten, höheren Ziele für das Jahr 2020 könnten bei gleichbleibendem Ausbautempo erreicht werden. Auf der Habenseite verbucht das Wiesbadener Bundesamt zudem die weiter gesunkenen CO2-Emissionen. So habe die Bundesregierung ihr Minderungsziel für 2010 bereits zwei Jahre eher erreicht. Bundesumweltminister Norbert Röttgen erklärte, die erneuerbaren Energien seien dabei eine „treibende Kraft“ gewesen.

Weniger gute Trends offenbart die neue Analyse bei einer Reihe anderer ökologischer und wirtschaftsrelevanter Indikatoren. Der Stopp des Schwunds heimischer Arten bis 2015 etwa ist demnach nicht „ohne erhebliche zusätzliche Anstrengungen“ zu erreichen. Ähnlich pessimistisch beurteilen die Statistiker die bisherigen Erfolge beim Ausbau des Ökolandbaus. Dessen Anteil an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche stieg zwischen 1994 und 2008 lediglich von 1,6 Prozent auf 5,4 Prozent, während die Bundesregierung einen Anteil von 20 Prozent anstrebt. Einen Zeitpunkt für dieses Ziel hat sie nicht vorgegeben. Bei gleich bleibender Entwicklung jedoch, heißt es in dem Bericht, würden „noch viele Jahre bis zum Erreichen des Zielwerts benötigt“. Bisher sei die Umstellung lediglich „moderat“ verlaufen.

Auch der Einsatz von Rohstoffen in der Wirtschaft ist nicht so stark zurückgegangen, wie es das Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie verlangt. Der von der Bundesregierung angestrebten Verdoppelung der Rohstoffproduktivität zwischen 1994 und 2020 steht bis 2008 nur eine Steigerung von 39,6 Prozent gegenüber. Eine tiefe Kluft zwischen Ist und Soll zeigt außerdem der Indikator zum Flächenverbrauch: Der Flächenfraß sank zuletzt zwar von durchschnittlich 120 Hektar pro Tag auf 104 Hektar, ist aber noch weit entfernt von dem in der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie für 2020 festgelegten 30-Hektar-Ziel. Beide Entwicklungen, die Rohstoffproduktivität und der Flächenverbrauch, weisen den Wiesbadener Statistiker zufolge zwar in die richtige Richtung. Bei gleichbleibendem Tempo sei aber nicht zu erwarten, dass die Bundesregierung diese Nachhaltigkeitsziele rechtzeitig erreiche.

Die Indikatorenberichterstattung des Statistischen Bundesamtes

Das Statistische Bundesamt analysiert seit 2006 die Entwicklungen der 35 in der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie festgeschriebenen Nachhaltigkeitsindikatoren und berichtet darüber alle zwei Jahre. Zur schnellen Orientierung über den Status der Nachhaltigkeitsindikatoren ist ihnen im Bericht jeweils eines von vier „Wettersymbolen“ („heiter“ bis „gewittrig“) zugeordnet. Sie verdeutlichen den Status der Indikatoren in Abhängigkeit vom bisherigen Erfolg und der rechnerischen Fortschreibung dieser Entwicklung bis zum jeweiligen Zieljahr. Darüber hinaus veröffentlicht das Statistische Bundesamt parallel die Daten zum Indikatorenbericht 2010. Sie enthalten die vollständigen Zeitreihen der Indikatorenwerte und Hintergrunddaten. In den Jahren zwischen den Berichten aktualisiert das Bundesamt ausgewählte umweltökonomische Indikatoren in der Reihe Indikatoren zu Umwelt und Ökonomie.

Weiterführende Informationen

Nachhaltige Entwicklung in Deutschland. Indikatorenbericht 2010. Bericht des Statistischen Bundesamtes, Juli 2010. [PDF, 2,2 MB]

Den Indikatorenbericht können Sie ebenfalls mithilfe eines Online-Formulars kostenlos als Broschüre bestellen.

Daten zum Indikatorenbericht 2010. Informationen des Statistischen Bundesamtes, Juli 2010.

Indikatoren zu Umwelt und Ökonomie 2010. Informationen des Statistischen Bundesamtes, Juli 2010. 

Indikatorenbericht 2010 zur nachhaltigen Entwicklung. Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes, 28.07.2010.

Stand der Nachhaltigkeitsindikatoren verbessert. Pressemitteilung des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, 28.07.2010. 

Nationale Nachhaltigkeitsstrategie: Mehr erneuerbare Energien und weniger Treibhausgase – Handlungsbedarf vor allem in anderen Bereichen. Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums, 28.07.2010.

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