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"Nachhaltig denken heißt in Generationen denken, nicht nur zum eigenen Nutzen, sondern zum Nutzen des Fortbestandes unserer Erde, mit neuen Ideen und Zielen für die Zukunft."

Dr. Heinrich Graf von Bassewitz, Mitglied des Rates

08.07.2010

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Aus dem Rat für Nachhaltige Entwicklung

Wohlstandsmessung: RNE-Experten schlagen Reform vor

Wohlstand ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Euro und Cent. Wissenschaftler suchen daher seit Jahren nach Instrumenten, die gesellschaftlichen Wohlstand genauer messen und abbilden können. Weltweite Beachtung zogen die im vergangenen September veröffentlichten Vorschläge der sogenannten Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission auf sich, einer vom französischen Staatspräsident Sarkozy eingesetzten Expertenkommission unter Vorsitz des  US-amerikanischen Wirtschafts-Nobelpreisträgers Joseph Stiglitz. Mit einer Auswertung dieser Vorschläge hat die Bundesregierung nun den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung beauftragt. Zur Unterstützung liegen jetzt auch Vorschläge zu einer nachhaltigkeitsorientierten Wohlstandsmessung vor.

„Die Berichterstattung zur volkswirtschaftlichen Lage“, heißt es in einem Gutachten aus der Geschäftsstelle des Rates für Nachhaltige Entwicklung, „sollte zur Berichterstattung zur nachhaltigen Wirtschaft fortentwickelt werden“. Als ersten Schritt in diese Richtung schlagen die Autoren die Aufnahme von sieben Schlüsselindikatoren vor, die dem BIP zur Seite gestellt werden sollen. Dazu zählen Messgrößen zu Klimaschutz, Ressourcenschonung und Biodiversität, die zum Teil bereits im Rahmen der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie erhoben werden. Markiert werden sollen zudem Gefahrenschwellen, bei deren Überschreitung massive Umweltschäden zu befürchten sind. Darüber hinaus empfiehlt das Gutachten die Aufnahme neuer sozial-ökonomischer Messgrößen, namentlich zum nachhaltigen Wirtschaften, zur Verteilungsgerechtigkeit, zum Ausmaß bürgerschaftlichen Engagements und zu Nachhaltigkeitsinnovationen.

Als Indikator für die „Innovationsfähigkeit zur Nachhaltigkeit“ in Deutschland bietet sich nach Ansicht der Autoren die Entwicklung der Patentanmeldungen aus Deutschland in ausgewiesenen Nachhaltigkeitsfeldern wie Solarthermie und Photovoltaik an. Als Schlüsselindikator eigne sich auch der Schuldenstand öffentlicher Haushalte, der Lasten und Chancen kommender Generationen durch eine Pro-Kopf-Darstellung genau abbilden könne. Dadurch, heißt es in dem Gutachten, werde „die Dimension der zu vererbenden Schuldenlast aussagekräftiger als die bloße Darstellung der Schuldenlast in Milliarden Euro“. Entwicklungen in der Finanzwirtschaft könnte der Anteil nachhaltiger Finanzanlagen am Kapitalmarkt abbilden. Gemessen würde der Anteil nachhaltiger Investmentsfonds am Gesamtanlagevolumen von Investmentsfonds am Kapitalmarkt.

Mit dem Gutachten weisen die RNE-Experten auf ihrer Ansicht nach wesentliche Lücken in der Erfassung und Messung von Wohlstand hin. Sie empfehlen, die vorgeschlagenen Schlüsselindikatoren zur Nachhaltigkeit in die Berichte des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und in die Jahreswirtschaftsberichte aufzunehmen. Gleichzeitig warnen sie davor, die Etablierung einer umfassenden Wohlstandsmessung zum „datentechnischen oder allein administrativen Vorgang“ zu verkürzen. Vielmehr verlange die Ergänzung der Messgröße BIP einen politischen Rahmen und den Dialog breiter Gesellschaftsteile. Die Autoren sprechen sich dafür aus, die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie und ihre anstehende Fortschreibung noch stärker als bisher zum Ankerpunkt dieses Dialogs zu machen.

Ihr Gutachten hat die Geschäftsstelle des Nachhaltigkeitsrates dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bereits Ende Mai vorgelegt. Eine vorherige Rückkopplung mit dem Anfang Juni von Bundeskanzlerin Merkel neu berufenen RNE-Mitgliedern war aufgrund von Terminvorgaben nicht möglich. Das Gutachten stellt keine Vorgabe für die weitere Beschäftigung des Nachhaltigkeitsrates mit dem Thema dar.