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"Die Wirtschaft muss beim Thema Nachhaltigkeit vorangehen – technische Innovationen und gesellschaftliche Verantwortung sind gleichberechtigte Schlüssel für unternehmerischen Erfolg."

Dr. Eric Schweitzer, Mitglied des Rates

09.06.2010

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Sportartikel-Hersteller verlangen Nachhaltigkeitsberichte von Lieferanten

Der deutsche Sportartikelhersteller Puma hat sich mit 20 seiner größten internationalen Zulieferer auf die Erstellung eigener Nachhaltigkeitsberichte ab 2011 verständigt. Nach Unternehmensangaben stellen diese Lieferanten mehr als zwei Drittel der Puma-Produkte her, größtenteils in südostasiatischen Ländern. Die Herzogenauracher erhoffen sich davon mehr Nachhaltigkeit in ihrer internationalen Lieferkette und kooperieren dafür mit der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und der Global Reporting Initiative (GRI), die Standards für Nachhaltigkeitsberichte entwickelt. Ähnliche Initiativen verfolgen auch die Puma-Konkurrenten adidas und Nike. Nichtregierungsorganisationen sehen in der Berichtspflicht noch keinen konkreten Nachhaltigkeits-Mehrwert. 

„Ohne nachhaltige Lieferanten können wir keine nachhaltigen Produkte anbieten“, begründet Puma-Manager Stefan Seidel die Initiative seines Arbeitgebers. Seidel ist bei Puma verantwortlich für Umwelt und Soziales in Europa, dem Nahen Osten und Afrika und sagt, Puma wolle seinen Lieferanten mit dem Projekt Gelegenheit geben, eigene Nachhaltigkeitsziele zu formulieren. „Wir ermutigen unsere Lieferanten damit, ihr eigenes Nachhaltigkeitspotenzial zu entdecken“, sagt Seidel.

Seinen Angaben zufolge hat Puma mit diesem Vorgehen gute Erfahrungen gemacht. In dem GTZ/GRI-Projekt, das seit 2006 läuft und jetzt ausgeweitet wurde, seien bereits 13 Lieferanten für die Nachhaltigkeitsberichterstattung ausgebildet worden, unter anderem in Südafrika, China und Pakistan. „Sie können Nachhaltigkeit aus ihrer Perspektive darstellen“,  sagt Seidel. Puma profitiere davon, da in diesen Ländern oft andere Themen auf der Nachhaltigkeitsagenda stünden als in Europa. Einer der südafrikanischen Lieferanten habe in seinem Bericht etwa das Thema HIV aufgegriffen. „Das hatten wir bis dato nicht auf unserer Agenda“, so Seidel. Die Basis für Verbesserungen hätte damit gefehlt.

Puma reagiert mit dem Projekt auch auf Kritik von Menschenrechtsorganisationen an den Arbeitsbedingungen in der internationalen Sportartikelindustrie. adidas und Nike begegnen diesen Vorwürfen ebenfalls mit eigenen Nachhaltigkeitsinitiativen. adidas plant unter anderem, bis 2015 die zehn führenden börsennotierten Lieferanten zur Nachhaltigkeitsberichtserstattung zu verpflichten. Der US-amerikanische Produzent Nike erwartet von seinen Zulieferern nach eigenen Angaben „konsistente Nachhaltigkeitsberichte“. Alle drei Hersteller überprüfen die Einhaltung grundlegender Arbeits- und Umweltstandards vor Ort zudem durch sogenannte Audits.

Menschenrechtsorganisationen sehen die nun hinzukommende Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Zulieferer durchaus kritisch. Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero  aus Münster befürchtet, dass Puma, adidas und Nike so ihre Verantwortung auf die Lieferanten abschieben. „Nicht die Zulieferer, die Auftraggeber sind für mehr Nachhaltigkeit verantwortlich“, meint er. Berndt Hinzmann, Sprecher des ökumenischen Netzwerks Inkota aus Berlin, sagt, mehr Nachhaltigkeit in der Lieferkette hänge in erster Linie von der Beschaffungspraxis der Auftraggeber ab. „Sie müssen existenzsichernde Löhne zahlen“, so Hinzmann. Das sei aber entgegen allen Beteuerungen der Branche immer noch nicht der Fall. Sowohl die Christliche Initiative Romero als auch das Inkota-Netzwerk engagieren sich in der Kampagne für Saubere Kleidung, einer internationalen Initiative für faire Arbeitsbedingungen in der globalen Textilindustrie.

Puma-Manager Seidel räumt ein, dass die gesetzlichen Mindestlöhne in manchen Herstellerländern im Vergleich zu Industrienationen relativ niedrig sind. Ausgehandelt würden sie aber von den dortigen Tarifparteien. Er glaubt, dass Nachhaltigkeitsberichte in den Produzentenländern eine Diskussion über gerechte Bezahlung anstoßen können. „Wir trauen unseren Lieferanten zu, dass sie in ihren Berichten derartige brisante Themen aufgreifen“, so Seidel. Außerdem könnten sie so Nachhaltigkeitsprobleme und bereits erzielte Fortschritte  offenlegen, die in Audits nicht auffielen.

Dass Nachhaltigkeitsberichte Audit-Lücken teilweise schließen können, hält auch Inkota-Sprecher Hintzmann für möglich. Die entscheidende Frage sei aber, wie die Auftraggeber mit Missständen umgingen. „Audits decken immer wieder Mängel auf, die dann aber häufig nicht beseitigt werden“, sagt der Theologe. Wenn ein Nachhaltigkeitsbericht einen Nachhaltigkeits-Mehrwert bringen solle, müsse sich diese Praxis ändern. Voraussetzung dafür sind seiner Ansicht nach fairere Löhne und Liefervorgaben.