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"Nachhaltigkeit und Schöpfungsverantwortung sind für mich die tragfähigsten Säulen, auf denen sich eine zukunftsnahe Gesellschaft begründen ließe."

Hubert Weinzierl, Mitglied des Rates

26.05.2010

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„Fairer Handel“ in Deutschland trotz Steigerung noch Nischenmarkt

In Deutschland kaufen immer mehr Verbraucher Schokolade, Blumen, Kaffee oder Textilien mit dem TransFair-Siegel: 267 Millionen Euro gaben sie im vergangenen Jahr für Produkte aus, die in Entwicklungsländern unter fairen Bedingungen hergestellt wurden. Dies entspricht einer Umsatzsteigerung von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch 2010 rechnet die deutsche Fairtrade-Organisation TransFair aus Köln mit weiterem Zuwachs. Vom Massenmarkt ist der faire Handel in Deutschland dennoch weit entfernt. In der Schweiz und in Großbritannien etwa ist sein Marktanteil bereits deutlich höher. Branchenvertreter und Konsumforscher halten einen Aufstieg in den deutschen Massenmarkt aber grundsätzlich für möglich.

3,30 Euro – so viel gab jeder Bundesbürger vergangenes Jahr im Durchschnitt für Konsumgüter mit dem Fairtrade-Logo aus – also für die Gewissheit, dass die Hersteller der Ware in den ärmeren Ländern gerecht entlohnt wurden und ihr Personal unter vertretbaren Gesundheitsbedingungen arbeitete. Gemessen an anderen europäischen Staaten ist das dünn: In der Schweiz etwa lag der Pro-Kopf-Konsum fairer Waren 2008 schon über 22 Euro, in Großbritannien bei mehr als 14 Euro. Diese Kluft, sagt TransFair-Pressesprecherin Maren Richter, habe viel mit der „Schnäppchenmentalität der Deutschen“ zu tun. „Die wandelt sich aber gerade“, meint Richter. Immer mehr Menschen zeigten Interesse an den Herstellungsbedingungen ihrer Einkäufe. Für weitere Umsatzsprünge sieht sie daher „noch viel Luft nach oben“.

Weiteres Absatzpotenzial sieht auch Michael Kuhndt, Leiter des UNEP/Wuppertal Institute Collaborating Centres on Sustainable Consumption and Production. Der Nachhaltigkeitsmanager berät Regierungen und Unternehmen zu ökologischen und sozialen Aspekten in Konsum und Produktion und sagt, „in 15 Jahren könnte ein Viertel der deutschen Konsumausgaben nachhaltig sein – wenn die Infrastruktur passt“. Es gäbe viele Trends, die den Weg nachhaltiger oder fairer Produkte aus der Nische stützten, die Diskussion um den Klimawandel etwa. Außerdem habe der Handel Nachhaltigkeit als Markt entdeckt. „Erste große Handelsunternehmen fragen gezielt nachhaltigere Produkte bei konventionell wirtschaftenden Lebensmittel- oder Textilherstellern nach“, so Kuhndt. Das könne den Boom weiter befeuern.

Ein Selbstläufer sei der nachhaltige Konsum aber noch nicht. Der faire Handel, so Kuhndt, stecke „noch ganz klar in der Nische“. Um ihn daraus zu führen, sollten seiner Ansicht nach die „Kriterien für Bioprodukte und fair gehandelte Waren zusammengeführt werden“. Momentan bildeten „Bio“ und „Fair“ nur Teilaspekte der Nachhaltigkeit ab, Verbraucher wollten aber „ein Gesamtpaket“. Ein weiteres Problem sei das auf nur wenige Alltagswaren beschränkte Sortiment des fairen Handels. „Fair gehandelten Senf oder Ketchup“, so der Konsumexperte, „gibt es noch nicht“. Außerdem wisse er, dass einige große Handelsunternehmen ein zu kleines Angebot an fairen Waren beklagten. Die angebotenen Mengen reichten ihnen nicht zur Deckung des Bedarfs. Nötig sind nach Ansicht von Kuhndt auch zusätzliche Anreize, um Verbraucher für den nachhaltigeren Konsum zu gewinnen. Die Bundesregierung, sagt er, „könnte überlegen, ob sie nachhaltige Produkte mit einem verminderten Mehrwertsteuersatz fördert“.

Wie nachhaltiger und fairer Konsum den Sprung aus der Nische schaffen kann, beschäftigt auch den Rat für Nachhaltige Entwicklung. Ideen dazu sind in seinem Einkaufsführer Der Nachhaltige Warenkorb. Einfach besser einkaufen zusammengestellt. Der Nachhaltigkeitsrat spricht sich darin für nachhaltig und fair hergestellte Produkte aus und unterstützt Verbraucher beim Wechsel zu einem zukunftsfähigen Konsum. Neben vielen Tipps zur nachhaltigen Produktwahl bei kleinen und großen Anschaffungen zeigt der Konsumratgeber auch, wie sich mit der nachhaltigeren Wahl Geld sparen lässt.

Weiterführende Informationen

26 Prozent Plus für Fairtrade. Pressemitteilung TransFair e.V., 28.04.2010.

Website des UNEP/Wuppertal Institute Collaborating Centres on Sustainable Consumption and Production.

Der Nachhaltige Warenkorb. Einfach besser einkaufen. Broschüre des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Aktualisierung März 2010. [PDF, 3,9 MB]

Online-Version des Nachhaltigen Warenkorbs.

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