27.04.2010
Hauff: Wissenschaft muss Vorreiterin der Nachhaltigkeit werden
Die Wissenschaft hat ihre einstige Vorreiterposition auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung eingebüßt. Diese Meinung vertrat der Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Volker Hauff, Ende März in einer Festrede an der Fachhochschule Eberswalde. Anlass war deren Umbenennung in Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. „Die Wissenschaft“, sagte der ehemalige Bundesminister für Forschung und Technologie, sei „heute nicht mehr der Treiber“ der Nachhaltigkeit. Sie habe aber „die besten Chancen“, diese Position erneut zu erringen. Nach Hauffs Ansicht ist die Wissenschaft dazu geradezu prädestiniert.
„Nachhaltigkeit hat sehr viel mit Wissenschaft zu tun“, sagte Hauff, denn eine wesentliche Funktion der Wissenschaft sei das „Erkennen von Konsequenzen“. Dies werde angesichts nicht-nachhaltiger Entwicklung zu „einer Kategorie von Verantwortung“. Nachhaltigkeit, forderte der Ratsvorsitzende, müsse deshalb „in der Wissenschaft selbst zur Orientierung“ werden. Gelingen kann das seiner Ansicht nach über eine Doppelstrategie, die das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung fester in Forschung und Lehre, aber auch im Betrieb der Hochschulen verankert.
Eine zukunftsgerichtete Wissenschaft erfordert Hauff zufolge einerseits Lehrpläne, die sich an den Erfordernissen der nachhaltigen Entwicklung ausrichten und fächerübergreifende Forschung und Lehre möglich machen. Zum anderen, so Hauff, müssten die Hochschulen selbst nachhaltiger werden wollen: in den Laboren und Seminaren etwa, ebenso beim Management der eigenen Immobilien oder des Fuhrparks. An beidem erweise sich, wie ernst eine Hochschule das Leitbild der Nachhaltigkeit nehme. Ganz ähnlich hatten sich Anfang des Jahres die Deutsche UNESCO-Kommission und die Hochschulrektorenkonferenz in einer gemeinsamen Erklärung geäußert.
Die Umbenennung der Fachhochschule Eberswalde in Hochschule für nachhaltige Entwicklung würdigte Hauff als mutigen Schritt. „Gegenüber den Studierenden ist das ein hohes Leistungsversprechen“, so der Ratsvorsitzende. Wer sich dem Begriff der Nachhaltigkeit in seiner eigentlichen Bedeutung nähere, werde feststellen, dass er „kein Wohlfühlwort oder Weichspüler“ sei, so Hauff. Nachhaltigkeit sei vielmehr seit seiner ersten Nennung vor rund 300 Jahren ein „Krisenbegriff“, der Wissen und Handeln reflektiere und zugleich für „Dynamik und Zukunft“ stehe. Gerade für die Wissenschaft, so der Mitautor des sogenannten Brundtland-Reports, eigne sich das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung daher hervorragend zur Orientierung.
Weiterführende Informationen
Nachhaltigkeit: Die Karriere eines Begriffes. Festrede von Dr. Volker Hauff, Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung, anlässlich der Umbenennung der FH Eberswalde in Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, 26.03.2010.
Die Fachhochschule Eberswalde heißt ab 26. März 2010 Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH). Pressemitteilung der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, 26.03.2010.
Hochschulen für nachhaltige Entwicklung. Gemeinsame Erklärung der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) und der Hochschulrektorenkonferenz, Entschließung des DUK-Vorstands vom 22. 01.2010.
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