01.03.2010
Studie: Nachhaltige Kapitalanlagen langfristig sicherer und rentabler
Pensionsfonds oder andere Großanleger können mit nachhaltigen Kapitalanlagen ihr Wertpapierdepot langfristig besser aufstellen. Zu diesem Ergebnis kommt das auf Investment- und Risikostrategien spezialisierte Unternehmen risklab aus München, eine Tochter des Vermögensverwalters Allianz Global Investors. In einer neuen Studie kommen die Experten zu dem Schluss, dass sich die Verlustrisiken eines konventionellen Portfolios durch Beimischung von Aktien oder Fonds, die ökologische und soziale Gesichtspunkte sowie Aspekte der guten Unternehmensführung in besonderem Maße berücksichtigen, senken lassen – bei gleicher Renditeerwartung. Umgekehrt können Anteile an Unternehmen, die diese Aspekte, gemessen am CO2-Ausstoß, dem Krankheitsstand der Belegschaft und guten Ratings im Bereich Corporate Governance, besonders berücksichtigen, den Ertrag eines Portfolios steigern – bei gleichem Risiko. Nachhaltigkeit gewinnt nach Ansicht der risklab-Experten also, egal ob ein Investor sein Risiko senken oder seinen Ertrag steigern will. Gerade für langfristig investierende Pensionsfonds könne sich eine solche Anlagestrategie auszahlen.
„Bei nachhaltigen Kapitalanlagen stehen für Großanleger heute oftmals qualitative Motive im Vordergrund“, sagt risklab-Direktor Steffen Hörter. Das liege auch daran, dass sie oft nicht einschätzen könnten, ob sich an Nachhaltigkeitskriterien orientierte Investments rechnen. „Ein Nachweis positiver Effekte auf Risiko oder Rendite hat bislang gefehlt“, so Hörter. Kapitalgeber ständen dem möglichen Nutzen nachhaltiger Investments daher skeptisch gegenüber. Wie sich größere Anteile nachhaltiger Aktien oder Fonds über einen Zeitraum von zwanzig Jahren auf konventionelle Wertpapierdepots auswirken können, hat risklab jetzt simuliert.
Hörter sagt, dass ein Portfoliomanager profitieren kann, wenn er dem von ihm verwalteten Depot nachhaltige Kapitalanlagen beimischt. „In unseren Beispielrechnungen zeigt sich, dass sich bei gleichbleibendem Risiko die jährliche Renditeerwartung im Portfolio um etwa 0,3 Prozentpunkte erhöhen lässt.“ Das erscheine auf den ersten Blick nicht viel, so der Betriebswirt, es sei für langfristig anlegende Großinvestoren wie Pensionsfonds aber durchaus attraktiv.
Über die positiven Auswirkungen nachhaltiger Werte auf den Ertrag und das Risiko eines Portfolios seien sich viele institutionelle Investoren noch „nicht vollständig im Klaren“, meint Brigitte Miksa, Leiterin International Pensions bei Allianz Global Investors. Das untermauert eine aktuelle Umfrage des Vermögensverwalters unter 216 Rentenexperten aus sechs europäischen Ländern. 60 Prozent der befragten Experten aus Wissenschaft, Finanzinstituten und Pensionsfonds glauben demzufolge zwar, dass „grüne“ Fonds und Aktien von nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen in der auf langfristigen Erfolg angewiesenen betrieblichen Altersvorsorge wichtiger werden. Treiber dieser Entwicklung ist ihrer Ansicht nach aber nicht die höhere Renditeerwartung nachhaltiger Kapitalanlagen, sondern der steigende Druck der Öffentlichkeit in Richtung „grünere“ Investments.
Dass der Druck steigt, glaubt auch Stefan Maiss, Geschäftsführer des auf nachhaltige Finanzdienstleistungen spezialisierten Vermögensverwalters ProVita, Stuttgart. „Aber Investoren bemerken positive Auswirkungen nachhaltiger Kapitalanlagen erst dann, wenn man sie drauf stößt.“ Das passiere zurzeit aber kaum. Die meisten Investmentberater, so Maiss, wüssten mit dem Thema Nachhaltigkeit nicht viel anzufangen. Grundverkehrt sei das, da seiner Ansicht nach künftig nirgendwo sonst höhere Renditen erzielt werden könnten. „Die möglichen Wachstumsraten von erneuerbaren Energien liegen weit über dem, was die Automobilindustrie sich je zu erträumen wagte“, sagt der Betriebswirt.
risklab-Direktor Hörter rät Investoren, sich stärker mit den möglichen Folgen nicht-nachhaltiger Kapitalanlagen im Rahmen ihrer Kapitalanlagestrategie und Risikosteuerung zu befassen. Langfristig könnten sich die mit nicht-nachhaltigen Aktien und Fonds einhergehenden Risiken als „substanzielles Problem für die Rendite eines Portfolios erweisen“. Das, sagt Hörter, würden Investoren „heute möglicherweise noch unterschätzen“ – obwohl gerade bei Aktienanlagen der Ruf nach Offenlegung zentraler Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsrisiken lauter werde. Er verweist auf die amerikanische Börsenaufsicht SEC, die öffentlich handelbare Aktiengesellschaften erst Ende Januar daran erinnert hat, dass sie schon gewissen Klima-Informationspflichten unterliegen.
Weiterführende Informationen
Nachhaltige Kapitalanlagen bei betrieblicher Altersvorsorge auf dem Vormarsch. Pressemitteilung Allianz Global Investors, 09.02.2010.
Doing Good by Investing Well? Pension Funds and Socially Responsible Investment: Results of an Expert Survey. Expertenbefragung der Allianz Global Investors, 2010. [PDF, 777 KB]
E.S.G. Risk Factors in a Portfolio Context Integrated Modeling of Environmental, Social and Governance Risk Factors. An Innovative Study for Institutional Investors. Untersuchung risklab, Februar 2010. [PDF, 952 KB]
Study finds ESG delivers financial Benefit. Artikel zu den Ergebnissen der risklab-Studie im Magazin der Allianz Global Investors, 3/2009. [PDF, 117 KB]
Website der ProVita GmbH.
SEC Issues Interpretive Guidance on Disclosure Related to Business or Legal Developments Regarding Climate Change. Pressemitteilung der US-Börsenaufsicht SEC, 27.01.2010.
Meldungen zum Thema
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