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"Die Wirtschaft muss beim Thema Nachhaltigkeit vorangehen – technische Innovationen und gesellschaftliche Verantwortung sind gleichberechtigte Schlüssel für unternehmerischen Erfolg."

Dr. Eric Schweitzer, Mitglied des Rates

16.02.2010

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Kommunen: Artenschutz macht Städte attraktiver

Deutsche Städte und Gemeinden wünschen sich mehr Unterstützung beim lokalen Artenschutz. Das wurde am 04. Februar des Internationalen Jahres der Biodiversität auf dem Dialogforum Biologische Vielfalt in Kommunen deutlich, zu dem die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) eingeladen hatten. Kommunale Umwelt- und Naturschutzexperten warben in Bonn für mehr finanzielle Hilfen und für eine festere kommunale Verankerung der Ende 2007 vom Bundeskabinett verabschiedeten Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt. Kommunen begreifen Artenschutz zunehmend als sogenannten weichen Standortfaktor.

In der Strategie der Bundesregierung, so Robert Spreter, DUH-Abteilungsleiter für kommunalen Umweltschutz, gebe es viele sinnvolle Ansatzpunkte für den Artenschutz vor Ort. Allerdings bleibe sie bislang zu oft vage und verliere sich in der „Aufzählung vieler guter Wünsche“. Die Nationale Biodiversitätsstrategie umfasst 330 Ziele und 430 Maßnahmen zum Natur- und Artenschutz. Sie soll unter anderem sicherstellen, dass Biotope und Wälder in Deutschland sich natürlich entwickeln können. Spreter sagt, dass die Strategie zwar Fachleuten in kommunalen Umweltämtern ein Begriff sei, dass die Öffentlichkeit bis heute jedoch kaum Kenntnis von ihr nehme. Die vielen guten Beispiele für den Schutz der biologischen Vielfalt in Städten und Gemeinden wären unabhängig von der bundesweiten Strategie entstanden.

Die Städte und Gemeinden, die sich aktiv um den Schutz der Biodiversität bemühen, machen damit gute Erfahrungen. Die Stadtoberen Heidelbergs etwa haben vor zehn Jahren einen Artenschutzplan verabschiedet, darin Schutzgebiete definiert und so gefährdete Arten wie die Uferschwalbe vor dem Aussterben bewahrt. „Vom Schutz dieser Rote-Listen-Arten profitieren auch andere Tiere“, sagt Rüdiger Becker vom Umweltamt der Stadt. Ulrich Eichler, Umweltbeauftragter der thüringischen Stadt Wernigerode, beobachtet diesen Effekt ebenfalls. In der Harzstadt wurden zwei Flüsse aufwändig renaturiert. Die Forelle, das Wappentier der Stadt, sei dadurch zurückgekehrt. „Die Nahrungskette ist wieder intakt“, sagt Eichler. Das und die bessere Wasserqualität hätten Arten wie Eisvogel und Reiher angelockt.

Eichler und Becker nennen den kommunalen Schutz der biologischen Vielfalt einen wichtigen „weichen Standortfaktor“. Die Stadt Werningerode wirbt laut Eichler bewusst mit ihrer „ökologischen Vorreiterstellung“ um Touristen. Er wisse, dass solche Qualitäten  auch für Unternehmen und ihre Mitarbeiter attraktiv sei. Sein Kollege aus Heidelberg unterstreicht den „höheren Freizeitwert für Besucher und Einwohner“. Weil die Stadt beim Artenschutz eng mit Naturschutzverbänden und Privatleuten zusammenarbeite, spare sie bei der Pflege von Biotopen Geld. „Wir können unsere Leistungen dadurch zu einem Bruchteil der üblichen Kosten anbieten“, sagt Becker. Das sei wichtig, da die im Landschaftspflegeprogramm des Landes bereitgestellten Mittel „manchmal knapp bemessen“ seien.

DUH-Artenschutzexperte Spreter kritisiert, dass heute „nur einzelne Länder die Kommunen finanziell bei der Umsetzung von Artenschutzprojekten unterstützen“. Die Deutsche Umwelthilfe würde mehr finanzielles Engagement der Bundesregierung „sehr begrüßen“, so Spreter. „Wenn der Bund den Artenschutz als wichtige Aufgabe definiert, sollte er auch mehr Geld bereitstellen“, sagt Ulrich Eichler, der Umweltbeauftragte Werningerodes. Die Deutsche Umwelthilfe wirbt außerdem für einen Biodiversitäts-Check im Gesetzgebungsprozess des Bundes. Führe die Bundesregierung den ein, könne sie die Folgen neuer Gesetze für die Artenvielfalt vorab prüfen und so deren Verträglichkeit mit den Zielen der Nationalen Biodiversitätsstrategie garantieren. Damit würde auch deutlich, „dass die Strategie für biologische Vielfalt eine Aufgabe aller Ressorts der Bundesregierung ist“, so Spreter.

Weiterführende Informationen

Dialogforum zur biologischen Vielfalt in Kommunen. Gemeinsame Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und des Bundesamte für Naturschutz (BfN), 04.02.2010.

Wernigerodes Erfahrungen in Sachen Umweltschutz sind bundesweit beispielgebend. Pressemitteilung der Stadt Wernigerode, 04.02.2010.

Heidelberg: konsequent im Umwelt- und Naturschutz. Informationen der Stadt Heidelberg.

Biodiversitäts-Check für alle Gesetze. Artikel im Magazin der Deutschen Umwelthilfe „DUHwelt“, 4/2009, Seite 14 ff. [PDF, 5 MB]

Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt. Informationen der Bundesregierung.

Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt. Stand: Oktober 2008. [PDF, 4,8 MB]

Meldungen zum Thema

Hauff fordert wirkungsvollen Artenschutz, 20.01.2010.

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