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"Nachhaltigkeit verpflichtet zu Vernunft und Verantwortung unseres Handelns im sozialen, ökologischen und ökonomischen Bereich."

Michael Vassiliadis, Mitglied des Rates

26.01.2010

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Nachhaltigkeitsranking: Berlin führt bei Gebäude-Energieeffizienz

Die deutsche Hauptstadt Berlin schneidet in einem Nachhaltigkeitsranking des britischen Forschungsinstituts Economist Intelligence Unit im Auftrag des Siemens-Konzerns unter 30 europäischen Metropolen und Hauptstädten am besten beim Klimaschutz im Gebäudebereich ab. Lediglich die schwedische Hauptstadt Stockholm kann sich hier mit ebenso viel Erfolgen brüsten – verfügt aber auch über eine fast doppelt so hohe Wirtschaftskraft wie das notorisch klamme Berlin. Der deutsche Regierungssitz sei ein „Paradebeispiel dafür, dass auch nicht ganz so reiche Städte mit geringen Ausgaben viel beim Klimaschutz erreichen können“, sagt Siemens-Sprecher Norbert Aschenbrenner. Gerade in den Gebäuden der öffentlichen Hand habe sich viel getan. Das Gesamtbild offenbart aber auch weiterhin klaffende Klimaschutz- und Nachhaltigkeitslücken in der Hauptstadt.

In der Gesamtwertung, die auch andere Nachhaltigkeitsleistungen etwa bei der Energieversorgung, beim Wassermanagement und im Verkehr berücksichtigt, belegt Berlin nur Platz acht. Spitzenreiter ist Kopenhagen, gefolgt von Stockholm und Oslo. Relativ gut schneidet Berlin außer bei den Gebäuden beim Wassermanagement (Platz drei) und beim Umgang mit Land und Abfall (Platz vier) ab.

Lob erntet die deutsche Hauptstadt in dem im Dezember vorgestellten Green City Index für ihre schon 1996 etablierten Energiesparpartnerschaften zwischen Stadt und Wirtschaft. Private Unternehmen übernehmen dabei die Energieversorgung eines öffentlichen Gebäudes, trimmen es auf Effizienz und teilen sich die so eingesparten Energiekosten mit dem Land. „Wir haben inzwischen 25 solcher Partnerschaften geschlossen“, sagt Udo Schlopsnies von der Berliner Energieagentur, „das Programm fasst 1.300 öffentliche Gebäude“, darunter die Deutsche Oper und die Technische Universität. Nach Angaben der Energieagentur, die zu gleichen Teilen vom Land Berlin, der KfW-Bankengruppe und den Energieversorgern Vattenfall und GASAG getragen wird, spart der Berliner Senat so 2,7 Millionen Euro Energiekosten im Jahr. Gleichzeitig werde die Atmosphäre jährlich um fast 68.000 Tonnen CO2 entlastet.

Siemens-Sprecher Aschenbrenner hebt hervor, die Stadtregierung habe auf „kostengünstig umzusetzende Klimaschutz-Ideen gesetzt“. In der Gesamtwertung sackt Berlin wegen seiner nicht-nachhaltigen Energieversorgung ab. „Die basiert in Berlin immer noch zu 58 Prozent auf dem Energieträger Kohle“, sagt Aschenbrenner. Klimafreundlichere erneuerbare Energien trügen dagegen erst mit 1,8 Prozent zur Versorgung bei. Das ist deutlich weniger als der Durchschnitt der 30 untersuchten Städte, den der „Green City Index“ auf rund sieben Prozent veranschlagt. Weitere deutsche Städte wurden für den Index nicht berücksichtigt.

Bei der Berliner Senatsverwaltung weiß man um diese Klimaschutzlücken und ist um Besserung bemüht. Dr. Marie-Luise Dittmar, Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, räumt ein, dass die Umstellung der Energieversorgung auf Wind- oder Sonnenkraft in Berlin wie in vielen Städten „an natürliche Grenzen“ stoße. Der Raum der Stadt sei limitiert, so Dittmar, man könne „keine Windräder auf dem Alexanderplatz aufstellen“ oder Flächen für den Rapsanbau ausweisen. Grenzen, sagt sie, setze auch der hohe Anteil an Altbausubstanz in der Hauptstadt. Viele Berliner Dächer könnten Solaranlagen schlicht nicht tragen.

„Wir wollen uns daher mehr um eine effiziente Energieversorgung kümmern“, so Dittmar. Das sei ein Anliegen des vom Senat angekündigten Klimaschutzgesetzes, das noch dieses Jahr verabschiedet werden solle. „Ein Schwerpunkt wird die Steigerung der Energieeffizienz von Bestandsgebäuden sein“, sagt Dittmar. Dort lägen die größten Potenziale für mehr Klimaschutz. Auf diese weist auch der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) seit Langem hin, unter anderem in seinem im Oktober 2008 veröffentlichten Positionspapier zur Klima- und Energiepolitik. Laut Analyse des Beratungsgremiums der Bundesregierung macht das Heizen von Räumen heute 40 Prozent des gesamten deutschen Energieverbrauchs aus. „Einfache und bewährte Methoden und Technologien“ könnten das ändern, schreibt der RNE, und gleichzeitig Arbeitsplätze schaffen.

Weiterführende Informationen

European Green City Index. Assessing the environmental impact of Europe’s major cities. Siemens Nachhaltigkeitsranking, Dezember 2009. [PDF, 12,5 MB]

Kopenhagen ist die grünste Metropole Europas. Pressemitteilung der Siemens AG, 08.12.2009. [PDF, 146 KB]

European Green City Index. Website zum Siemens-Ranking.

Contracting garantiert Einsparung. Informationen der Berliner Energieagentur.

Klimaschutz. Themenseite auf der Website der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz.

Klimaschutz in Berlin. Broschüre der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, Juli 2008. [PDF, 3,7 MB]

Referentenentwurf für ein Klimaschutzgesetz des Landes Berlin, Stand: 06.07.2009.

Zu aktuellen Fragen der Klima- und Energiepolitik. Positionspapier des Rates für Nachhaltige Entwicklung, 27.10.2008. [PDF, 68 KB]

Meldungen zum Thema

Bürgermeister planen nachhaltige Metropolen, 28.05.2009.

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