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"Die Weltgemeinschaft ist seit 1992 der nachhaltigen Entwicklung verpflichtet – jedes einzelne Land für sich, aber auch gemeinsam, müssen wir dieses Versprechen umsetzen."

Dr. Ursula Eid, Mitglied des Rates

03.02.2010

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„Grüne“ Geldanlagen: Finanzexperten sehen Riesendefizite bei Kundenberatung

Wer sein Geld in Umwelt- oder Nachhaltigkeitsfonds anlegt, kann tonnenweise CO2 vermeiden helfen. Das lässt sich der vom Bundesumweltministerium beauftragten Studie Klimaeffekte von Kapitalanlagen entnehmen, deren erste Ergebnisse Ende Januar vorgestellt wurden. Darin heißt es, dass ein Sparer, der 10.000 Euro in nachhaltige Finanzprodukte anlegt, im Schnitt 1,8 Tonnen weniger CO2-Emissionen mitverantwortet als bei einem Investment in eine konventionelle Anlage – bei vergleichbarer Rendite. Dahinter steht die Überlegung, dass jeder Investor mit seiner Einlage nachhaltigere oder weniger nachhaltigere Unternehmen mitfinanziert und damit höhere oder niedrigere Emissionen. Trotz Klimavorteilen und vergleichbarer Rendite stecken nachhaltige Finanzprodukte aber noch in der Nische. Eine Umfrage der deutschen Finanzwirtschaft offenbart, dass das auch an der Beratung zu nachhaltigen Anlagemöglichkeiten liegt. 

In der ebenfalls im Januar vorgestellten Erhebung konnten sich rund 1.000 Privat- und 500 Geschäftskunden zu ihren Erwartungen an die Klimakompetenz ihrer Kreditinstitute äußern. 80 Prozent der befragten Anleger meinen, dass nachhaltige Finanzprodukte im Kampf gegen die Erderwärmung helfen könnten. Fast zwei Drittel haben auch schon von diesen Investment-Möglichkeiten gehört. Allerdings finden nur schlappe 14 Prozent, dass ihre Kreditinstitute sie über diese Produkte gut informieren. Die Erhebung wurde mit Beteiligung der Forschungs- und Dialogplattform Finanz-Forum: Klimawandel durchgeführt, zu deren Mitgliedern die Sparkassengruppe, die Postbank und weitere große Finanzdienstleister zählen.

Robert Haßler, Vorstand der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Rating-Agentur oekom research AG, München, sieht in dem offensichtlich gewordenen Beratungsdefizit ein „Riesenhemmnis für die Weiterentwicklung nachhaltiger Geldanlagen“. Bankkunden, die ihr Geld klima- und umweltfreundlich anlegen wollten, bestätigt Haßler, hätten derzeit „kaum Chancen auf eine fundierte Beratung“. Die Kreditinstitute schulten ihre Kundenberater aus Scheu vor dem Aufwand nicht zu Klima- oder Nachhaltigkeitsfragen, sagt der Betriebswirt. Volker Weber, Vorstand des Berliner Forums Nachhaltige Geldanlagen, sieht das genauso: Informationen zu nachhaltigen Investmentmöglichkeiten hätten „Bankberater aufgrund fehlender Schulungen nicht parat“. In Kundengesprächen spielten sie dadurch ebenfalls keine Rolle.

Derzeit ist der Umfang nachhaltiger Investments im deutschsprachigen Raum vergleichsweise klein. Nach Recherchen des Sustainable Business Institute, das die Marktentwicklung seit Jahren beobachtet und auch an der aktuellen Umfrage unter deutschen Anlegern beteiligt war, hatten Sparer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Ende des Jahres 2009 insgesamt 30 Milliarden Euro in öffentlich handelbaren Nachhaltigkeitsfonds angelegt. Zum Vergleich: Das Volumen aller Publikumsfonds lag zum Stichtag 30.11.2009 bei fast 640 Milliarden Euro – alleine in Deutschland.

oekom-Vorstand Haßler ist überzeugt, dass sich die Banken durch die Vernachlässigung nachhaltiger Geldanlagen selbst um gute Geschäfte bringen. „Für viele Anleger ist es durchaus attraktiv, ihr Geld bei gleichen Renditeerwartungen nachhaltig anzulegen“, sagt er. Da gäbe es „Riesenpotenzial“. Er empfiehlt den Finanzinstituten, Marketing und Vertrieb entsprechender Produkte zu professionalisieren. Volker Weber vom Forum Nachhaltige Geldanlagen sieht auch die Politik in der Pflicht. Seiner Ansicht nach sollte Bundesverbraucherschutzministerin Aigner die Banker verpflichten, die Einstellungen ihrer Kunden zu Nachhaltigkeit in den Beratungsgesprächen abzufragen und das in dem bereits verpflichtenden Beratungsprotokoll festzuhalten. „Werden Nachhaltigkeitsaspekte in diese Protokolle aufgenommen“, sagt Weber, „müssen sich die Banker mit Nachhaltigkeit befassen“. Das sei der „einfachste Weg“, mehr Wissen über „grüne“ Geldanlagen in der Branche zu etablieren.

Weiterführende Informationen

Klimafreundlich investieren. Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums,  25.01.2010.

Klimaeffekte von Kapitalanlagen: Eine Analyse der direkten und indirekten Wirkungen von Anlageprodukten. Vom Bundesumweltministerium beauftragte Studie, Zwischenbericht, Januar 2010. [4,3 MB]

Klimakompetenz des Finanzsektors ist gefragt. Pressemitteilung Finanz-Forum: Klimawandel, 19.01.2010. [PDF, 36 KB]

Herausforderung Klimakompetenz: Kundenerwartungen an Finanzdienstleister. Ergebnisse einer Befragung von Privat- und Geschäftskunden. Finanz Forum: Klimawandel u.a., Januar 2010. [1,1 MB]

Website der Rating-Agentur oekom research AG.

Website des Forums Nachhaltige Geldanlagen e.V.

Marktentwicklung: Nachhaltige Publikumsfonds. Informationen des Sustainable Business Institute.

Überblick Fondsvermögen, Anzahl und Mittelaufkommen der Publikumsfonds und Spezialfonds zum Stichtag 30.11.2009. Erhebung des Bundesverbands Investment und Asset Management e.V. [PDF, 54 KB]

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