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"Nachhaltiges Konsumverhalten wird solange Sache einer engagierten Minderheit bleiben, wie Anreize falsch gesetzt sind und Strukturen es nicht unterstützen."

Prof. Dr. Lucia A. Reisch, Mitglied des Rates

19.01.2010

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Wichtige Finanzinvestoren blenden Klimawandel aus

Die 500 größten Vermögensverwaltungsgesellschaften der Welt investieren nach Ansicht des Investor Network on Climate Risk (INCR) größtenteils noch immer zu kurzsichtig und blenden den Klimawandel bei Anlageentscheidungen weitgehend aus. Diesen Schluss zieht die US-amerikanische Allianz von 84 institutionellen Investoren und Pensionsfonds, die zusammen mehr als acht Billionen US-Dollar Vermögen verwalten, in einer Anfang Januar veröffentlichten Studie. „Die Investment-Community“, sagt INCR-Direktorin Mindy S. Lubber, „konzentriert sich immer noch auf kurzfristige Gewinne“. Chancen und Risiken, die sich aus dem Klimawandel für ihr Geschäft ergäben, ignorierten sie mehrheitlich. Eine aktuelle Umfrage unter deutschen Investment-Profis zeichnet ein etwas optimistischeres Bild.

Lubber befürchtet, dass sich die Investment-Branche mit ihrer Kurzsichtigkeit in die nächste Finanzkrise manövriert. Derzeit, sagt sie, achte lediglich jeder zweite Vermögensverwalter bei Investitionsentscheidungen auf die Risiken, die der Klimawandel für Unternehmen bedeute, in die sie investieren wollten. Dadurch, sagt Lubbers, entstünden „signifikante versteckte Risiken in den billionenschweren Portfolios, die sie managen“. Die Investment-Profis ihrerseits verweisen allerdings darauf, dass eine solche Klimabewertung von ihren Kunden, den Anlegern, gar nicht gewünscht sei. Investoren, heißt es dazu in der Studie, beurteilten die Leistung ihrer Vermögensverwalter immer noch nach kurzfristigen Kriterien, nach den Quartalsergebnissen also. 

In den 300 großen deutschen Aktiengesellschaften, die an der Deutschen Börse gelistet sind, genießen langfristige Anlagekriterien offenbar schon etwas mehr Gewicht. Einer aktuellen Umfrage der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) zufolge befassen sich bereits zwei Drittel der dort tätigen Investor-Relations-Manager mit Nachhaltigkeitsfragen, also mit Sozialstandards, dem Klimawandel oder der Güte der Unternehmensführung – sowie mit den daraus erwachsenden Folgen fürs Geschäft. „Je größer das Unternehmen“, schreibt die nahe Frankfurt am Main sitzende DVFA, „umso wahrscheinlicher ist die Beschäftigung mit diesen Themen“. Treiber hinter dieser Entwicklung seien einerseits Börsenanalysten und Anleger, die wissen wollten, wie nachhaltig ein für sie interessantes  Unternehmen wirtschaftet. Zum anderen würden die Investor-Relations-Manager selbst „von der Überzeugung geleitet“, dass Nachhaltigkeit den Unternehmenskurs positiv beeinflusst.

Optimistisch äußerte sich kürzlich auf einer Investorentagung bei den Vereinten Nationen in New York auch Kevin Parker, Chef des Vermögensmanagements der Deutschen Bank. Im Handelsblatt bezeichnete er den Klimawandel als „wahrscheinlich größten Investmenttrend aller Zeiten“.

Nachhaltigkeitsthemen, so die DVFA, hätten aus Sicht der von ihr befragten Investment-Profis einen „durchgängig hohen wirtschaftlichen Wert“. 47 von 81 Umfrageteilnehmern finden, dass Nachhaltigkeitsanalysen zu einer vollständigen Unternehmensbewertung gehören. Die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens, sagen sie, müsse vor einem Investment ebenso auf den Prüfstand wie dessen wirtschaftliche Entwicklung. Von den 24 antwortenden Investor-Relations-Managern der DAX-30-Konzerne meinen das sogar zwei Drittel. Besonderes Gewicht messen sie Fragen des Klimaschutzes und dessen Folgen auf künftige Geschäfte bei.

Der Unternehmensberater Axel Klein von der auf Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen spezialisierten Münchener Beratungsgesellschaft akzente glaubt, dass der Schlüssel für mehr Akzeptanz am Kapitalmarkt in der „wirtschaftlichen Begründung“ von Nachhaltigkeit liegt. Klein hat bei der DVFA-Erhebung mitgearbeitet und sagt, Nachhaltigkeitskriterien würden von den befragten Investor-Relations-Managern noch „häufig als ,weich’ oder ,nicht-finanziell’ bezeichnet“. Vorreiter-Investoren indes vollziehen in  ihren eigenen Reihen gerade einen Kulturwandel: CalSTRS, der 130-Milliarden-US-Dollar schwere Pensionsfond der kalifornischen Lehrer, hat angekündigt, nur noch Vermögensverwalter anzuheuern, die Klima- und Nachhaltigkeitsexpertise nachweisen können. Um gute Rendite zu erzielen, sagt CalSTRS-Vorstand Jack Ehnes, „müssen unsere Manager die richtigen Fragen stellen können“.

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