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"Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist die einzige Option für verantwortliches globales Handeln, die unsere Ökosysteme schützt und damit das Überleben künftiger Generationen sichert."

Olaf Tschimpke, Mitglied des Rates

05.01.2010

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Nachhaltigkeit in Hamburg: Zukunftsrat sieht „wenig Licht, viel Schatten“

Die Regierung des Stadtstaats Hamburg tut nach Ansicht lokaler Wirtschafts- und Umweltfachleute zu wenig für die nachhaltige Entwicklung der Hansestadt. Das geht aus einer Analyse des Zukunftsrats Hamburg hervor, eines lokalen Nachhaltigkeits-Netzwerks von mehr als hundert Vereinen, Initiativen, Kammern, Instituten und Unternehmen. An einigen Stellen konnte das Netzwerk 2009 zwar Fortschritte gegenüber den Vorjahren verzeichnen, etwa die zunehmende Bereitschaft der Hamburgerinnen und Hamburger, fair gehandelte Waren einzukaufen. Eine wirklich nachhaltige Entwicklung in der Hansestadt sehen die Nachhaltigkeitsexperten aber nicht. „An vielen Stellen fehlt immer noch der politische Wille für mehr Nachhaltigkeit“, sagt Zukunftsrats-Sprecherin Delia Schindler.

Schindler bezeichnet den Ausbau erneuerbarer Energien in Hamburg als „dümpelnd“. Deren Anteil an der Energieversorgung der Hansestadt liegt bei rund vier Prozent. Bundesweit ist der Schnitt mit 8,7 Prozent mehr als doppelt so hoch. Im Vergleich der Bundesländer belegt Hamburg damit den viertletzten Platz. „Erneuerbare Energien“, erklärt Schindler das schlechte Abschneiden, „werden in Hamburg kaum gefördert“. Der Senat bevorzuge Investitionen in klimaschädliche fossile Energieträger. Sorgen bereiten dem Zukunftsrat zudem die hohe Schulabbrecherquote in Hamburg und die Kluft zwischen reichen und armen Stadtteilen. In ärmeren Vierteln, heißt es in dem Bericht, sei die Arbeitslosigkeit bis zu 17-mal höher als in den wohlhabenderen Quartieren. „Da schlummern riesige soziale Konflikte“, meint Schindler.

Für seine Ende 2009 veröffentlichte Analyse hat der Zukunftsrat Hamburg insgesamt 26 Nachhaltigkeitsindikatoren untersucht. Sie dokumentieren Erfolge und Misserfolge der Stadt auf dem Weg zu Zukunftsfähigkeit und Generationengerechtigkeit. Der Bericht erscheint jährlich. In der jüngsten Ausgabe weisen jedoch lediglich vier der 26 analysierten Kennzahlen in die richtige Richtung. Fortschritte zeichnen sich bei der steigenden Nachfrage fair gehandelter Lebensmittel und beim Wasserverbrauch ab. Als Lichtblicke nennt der Indikatorenbericht außerdem die abnehmende Kriminalität und das gestiegene Gesundheitsniveau der Hamburgerinnen und Hamburger.

Ein verschwommenes Bild zeichnet sich dagegen beim Klimaschutz ab. Zwar sanken die CO2-Emissionen der Hansestadt zuletzt, seit 2003 sogar „beeindruckend“. Laut Schindler ist das zu großen Teilen dem produzierenden Gewerbe geschuldet. „Gerade kleine und mittlere Unternehmen setzen mittlerweile stärker auf Energieeffizienz“, sagt Schindler. Sie wüssten, dass sich das rechnet. Doch es sei fraglich, ob die Entwicklung der letzten Jahre ausreiche, um die Klimaschutzziele Hamburgs zu erreichen. Ähnlich ist das Bild beim Flächenfraß. Nach einem drastischen Anstieg zu Beginn des Jahrhunderts wurde in den Jahren 2007 und 2008 zwar deutlich weniger Land neu erschlossen. Doch das reiche nicht: Schindler zufolge kommt es jetzt darauf an, auch den großen Bedarf an günstigem Wohnraum durch Bebauung brachliegender innerstädtischer Flächen zu decken.

„Wenig Licht, viel Schatten“, fasst der 1996 gegründete Zukunftsrat seine Analyse zusammen. Das Netzwerk erneuert deshalb seine Forderung nach einer Nachhaltigkeitsstrategie für Hamburg. Deren Ausarbeitung hat die Stadtregierung aus CDU und Bündnis 90/Die Grünen in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben. „Bislang haben wir die Nachhaltigkeitsstrategie aber noch nicht gesichtet“, sagt Schindler. Einzig die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt arbeite an ersten Konzepten. „Nachhaltigkeit“, meint Schindler, „funktioniert aber nur ressortübergreifend und mit Beteiligung der Bürger.“ In der Hamburger Politik sei das Ressortdenken jedoch stark ausgeprägt, und eine Tradition zur Bürgerbeteiligung fehle. „Wir sehen nicht, dass die Stadt ein Interesse daran hat, beides zu ändern“, so die Netzwerk-Sprecherin.

Die Hamburger Regierung, der Senat der Hansestadt, hat die Analyse des Zukunftsrats noch nicht kommentiert.

Weiterführende Informationen

Hamburg braucht neue Impulse für eine nachhaltige Entwicklung. Pressemitteilung Zukunftsrat Hamburg, 07.12.2009. [PDF, 37 KB]

Hamburger Entwicklungs-Indikatoren Zukunftsfähigkeit. Indikatorenbericht des Zukunftrats Hamburg Dezember 2009. [PDF, 6,4 MB] Bezug der 70-seitigen Broschüre auch über Zukunftsrat Hamburg, Mittelweg 11-12, 20148 Hamburg sowie zukunftsrat-hamburg@t-online.de

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