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"Nachhaltiges Konsumverhalten wird solange Sache einer engagierten Minderheit bleiben, wie Anreize falsch gesetzt sind und Strukturen es nicht unterstützen."

Prof. Dr. Lucia A. Reisch, Mitglied des Rates

06.01.2010

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Großbritannien: Experten loben Nachhaltigkeitsmanagement der Regierung

Britische Ministerien und Ämter sind auf gutem Wege, die meisten der von der Regierung vorgegebenen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Das geht aus neuen Regierungsdaten hervor. Von dem britischen Nachhaltigkeitsrat, der jährlich prüft, ob die Regierungsstellen ihren Zielen näher gekommen sind, gibt es für diese Fortschritte viel Lob. Der britische Nachhaltigkeitsrat berät seit Jahren die britische Regierung und erhielt 2005 die zusätzliche Aufgabe, als „Watchdog“ die britische Verwaltung unter die Lupe zu nehmen und ihr zu helfen, Nachhaltigkeitswissen und -managementkapazitäten aufzubauen.

In Deutschland stehen vergleichbar verbindliche Ziele und Aktionspläne für Bundesministerien dagegen noch aus, ebenso Prüfungen der Nachhaltigkeitsleistungen von Ämtern, Ministerien oder Behörden. In ihrem im Herbst 2008 veröffentlichten Fortschrittsbericht zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie hat die Bundesregierung die Veröffentlichung so genannter Ressortberichte angeregt, in denen die Bundesministerien ihre Nachhaltigkeitsleistung in ihren Zuständigkeitsbereiche abbilden sollen. Acht der 16 Bundesministerien haben sie inzwischen vorgelegt.

International anerkannte Wirtschafts-, Umwelt- und Klimaexperten aus sieben Ländern, die jüngst die deutsche Nachhaltigkeitspolitik unter die Lupe genommen haben, sehen dennoch einen gravierenden Mangel: Die deutschen Bundesministerien, so die Kritik der ausländischen Gutachter, stimmten sich in Sachen Nachhaltigkeit kaum miteinander ab. Das führe zu unbefriedigenden „Insellösungen“. Auch deswegen bleibe die deutsche Nachhaltigkeitspolitik hinter ihren Möglichkeiten zurück, heißt es in dem Ende November auf der Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung vorgestellten Gutachten Sustainability made in Germany – We know you can do it.

Die Nachhaltigkeitsexperten regen darin als Ergänzung zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie einen „Aktionsplan Nachhaltigkeit“ an. Jedes Bundesministerium bekäme damit Verantwortung für die Umsetzung spezifischer Nachhaltigkeitsziele innerhalb seiner Zuständigkeit. Über Fortschritte müssten die Ministerien regelmäßig berichten. Die Gutachter unter Vorsitz des Präsidenten des World Business Council for Sustainable Development, Björn Stigson, erhoffen sich davon eine festere Verankerung der Nachhaltigkeitsstrategie in der deutschen Politik.

In Großbritannien unterliegen Regierungsstellen und Ministerien bereits seit vier Jahren solchen Aktionsplänen mit teils ehrgeizigen Nachhaltigkeitszielen. Sie sind unter anderem dazu verpflichtet, die CO2-Emissionen der von ihnen genutzten Gebäude zu senken, Wasser und Energie zu sparen und ihre Einkaufspolitik an Nachhaltigkeitskriterien auszurichten. Staatssekretäre müssen die Verantwortung für die Nachhaltigkeitsleistung ihres Hauses übernehmen. Anreize und klare Zielvorgaben binden auch die mittlere Führungsebene in die Umsetzung ein.

Dieses Vorgehen trägt Früchte: Nach der jüngsten Analyse des britischen Nachhaltigkeitsrates legten die Behörden im vergangenen Jahr bei fast allen Zielen zu. Im Schnitt erfüllten die 22 untersuchten Ämter und Ministerien die Nachhaltigkeitsanforderungen zu 81 Prozent. Rebecca Willis, stellvertretende Vorsitzende des britischen Nachhaltigkeitsrates, sagt, in den  vergangenen zwölf Monaten seien große Fortschritte erreicht worden. Die Regierung habe „stattliche Anstrengungen“ für mehr Nachhaltigkeit in ihren eigenen Reihen unternommen.

Weiterführende Informationen

Sustainable Operations on the Government Estate (SOGE) Assessment 2009. Bewertung der Fortschritte beim Nachhaltigkeitsmanegment britischer Regierungsstellen durch die britischen Nachhaltigkeitskommission.

Sustainable Operations on the Government Estate (SOGE) Assessment 2009. Informationen der britischen Nachhaltigkeitskommission.

Government in a strong position to meet its carbon dioxide targets. Pressemitteilung der britischen Regierung, 18.12.2009.

Sustainability Made in Germany – We Know You Can Do It. Peer Review der deutschen Nachhaltigkeitspolitik, 23.11.2009. [PDF, 4 MB]

Gutachten: Deutschland muss Chance Nachhaltigkeit ergreifen. Pressemitteilung des Rates für Nachhaltige Entwicklung, 23.11.2009.

Fortschrittsbericht 2008 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie: Für ein nachhaltiges Deutschland. [PDF, 3,0 MB]

Ressortberichte deutscher Bundesministerien zur nachhaltigen Entwicklung.

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